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-   -   Was kann man essen? (http://www.sagen.at/forum/showthread.php?t=1018)

D.F. 28.02.2007 15:33

Was kann man essen?
 
Das Thema "Blut in Schokolade" treibt mich doch zur Frage: Was ißt man heutzutage überhaupt noch?

Gewisse Dinge, die in andere Kulturkreisen gerne gegessen werden, waren in Europa in historischer Zeit nie regulärer Teil des Speisezettels (z. B. Hunde).

Andere sind aus vernünftigen Gründen verschwunden, z. B. Biber und Fischotter in der Fastenzeit.

Bei noch anderen scheiden sich die Geister, z. B. beim Blut: Wenn ich es recht sehe, läuft beim Gedanken an eine gute Blutwurst manchen das Wasser im Munde zusammen, während andere selbst dann, wenn sie nur hören, daß Blut in einer Speise sein könnte, eine Gänsehaut bekommen...

Nun verstehe ich natürlich, daß ein/e Vegetarier/-in oder Veganer/-in an Blunzen nicht wirklich interessiert ist, aber warum graust es die/den Schweins-Schnitzel/Braten/Haxen-Esser/-in (leicht hat man's nicht mit der Correctness) z. B. vor dem Schweineblut?

Wäre es nicht sogar moralisch höherwertig, wenn man von dem nun schon einmal getöteten Tier alle Teile verwertet? Sorgt der/die/das, welche/r/s nur Filet ißt, nicht für zusätzliches Tierleid?

Neugierig auf alle Stellungnahmen
D.F.

dolasilla 28.02.2007 16:08

AW: Was kann man essen?
 
Zitat:

Zitat von D.F.
Nun verstehe ich natürlich, daß ein/e Vegetarier/-in oder Veganer/-in an Blunzen nicht wirklich interessiert ist, aber warum graust es die/den Schweins-Schnitzel/Braten/Haxen-Esser/-in (leicht hat man's nicht mit der Correctness) z. B. vor dem Schweineblut?
D.F.

Ja, das frag ich mich auch...
Ich liebe und sammle und finde auch immer wieder Hörndln & Knochen von Tieren (hab z.b. einen Knochen von einem Hirsch, weiters einen Rinderkopf und diverse Hörndln in meinem Garten) - allen graust es davor.

OK, ist halt so.

Was mich halt dann wundert, dass denselbigen Menschen, denen vor meinen Tierknochen graust, es aber überhaupt nicht vor den Spareribs oder den Hendlknochen oder anderen Überresten von den Tieren, die sie grad genüsslich verspeist haben, auf ihrem Teller ekelt.

Komisch, oder?

SAGEN.at 28.02.2007 16:14

AW: Was kann man essen?
 
Zitat:

Wäre es nicht sogar moralisch höherwertig, wenn man von dem nun schon einmal getöteten Tier alle Teile verwertet?
Entsorgen nicht die Esser von Leberkäse (D: Fleischkäse) und Extrawurst jene übrig gebliebenen Teile vom Tier, die man sonst nicht verkaufen könnte?

Wolfgang (SAGEN.at)

erzähler 28.02.2007 17:36

AW: Was kann man essen?
 
Also so ein bisserl möchte ich da auch schüren:

Die meisten Konsumenten wissen ja nicht einmal, was sie essen. Ich stelle immer wieder fest, dass viele nicht einmal den Unterschied zwischen Kalb- oder Rindfleisch kennen. Sie (fr)essen einfach das, was sie bekommen oder auf der Speisekarte steht. Das ist auch beim Schweinefleisch so!

Dabei isst aber jeder auch das Blut mit, sonst würde ja das Fleisch überhaupt nicht mehr schmecken.

Vegetarier, ja mit denen habe ich nichts, die essen ja nur den Vögeln das Futter weg, soll strafbar gemacht werden!

erzähler

D.F. 28.02.2007 18:37

AW: Was kann man essen?
 
Zitat:

Entsorgen nicht die Esser von Leberkäse (D: Fleischkäse) und Extrawurst jene übrig gebliebenen Teile vom Tier, die man sonst nicht verkaufen könnte?
Natürlich gibt es auch die, die recycltes Motoröl u. dgl. biologisch entsorgen, aber interessanter ist schon: Was wird bewußt gegessen?

Zwei Beispiele:

- Weil meine aus Frankreich importierten Vorräte aufgefressen waren, habe ich vor einigen Jahren die angeblich mit Spezialitäten reich ausgestattete Firma "Meinl am Graben" mit dem Wunsch nach "gesiers" aufgeschreckt. Dieser Wunsch hat zuerst einen Regaleinräumer mobilisiert, nach einiger Zeit hat sich der Abteilungsleiter meiner angenommen, schließlich jemand in dunkelblauem, goldbeknopften Zweireiher, der in der Firmenhierarchie wohl ziemlich weit oben gewohnt hat - aber bekommen habe ich nichts. Nur Ausreden und zum Schluß so unter der Hand den Hinweis, daß das Zeug bei uns ins Hundefutter wandere.
Es sind übrigens Geflügelmägen, meines Erachtens am besten in Fett oder Aspik eingelegt und dann nicht zu kalt auf Salat.

- Einmal jährlich bringe ich zu unserem Mittagstisch einen Zampone mit, den gefüllten Schweinsfuß - und jedesmals gibt es eine Trennung, im Vergleich zu welcher der Eiserne Vorhang ein durchlässig Ding war: Hier die, die sich jedesmal darauf freuen, und dort jene, die am liebsten eine Fernreise antreten möchten...

Jetzt höre ich auf, sonst bekomme ich Hunger
D.F.

harry 01.03.2007 01:00

AW: Was kann man essen?
 
Zitat:

Zitat von erzähler
Vegetarier, ja mit denen habe ich nichts, die essen ja nur den Vögeln das Futter weg, soll strafbar gemacht werden!erzähler

Meine Meinung dazu: Wenn der Liebe Gott gewollt hätte, dass die Menschen Vegetarier sind, dann hätte er uns auch einen Labmagen gegeben :D

Malaak 01.03.2007 18:03

AW: Was kann man essen?
 
Da ich dieses Forum schon länger lese habe ich mir des öfteren schon eine Registrierung überlegt...
Aber bei diesem Thema konnte ich nicht mehr anders!

Ich bin erklärter Tierliebhaber!
Von allen Tieren.
Hasen, Pferde, Hunde, Katzen, Schweine - alles!

Egal ob gekocht oder gebraten :-D

Ich persönlich würde recht gerne einmal Hund oder Katze kosten - was bei uns ja meines wissens verboten ist.
Diese Einstellung hat mir auch schon den Unmut einiger Freunde eingebracht ;-)

Die echten Tierfreunde mögen mir verzeihen, aber ich sehe keinen Unterschied zwischen Kuh/Schwein und Hund/Katze.
Alle können "Süß" aussehen, und alle kann man auch als Haustiere halten.

Ich finde dass Vegetarismus etwas unnatürliches ist.
Das soll jetzt natütrlich niemanden beleidigen, ich meine das im wahrsten Sinne des Wortes!

Wie Harry geschrieben hat:
Zitat:

Wenn der Liebe Gott gewollt hätte, dass die Menschen Vegetarier sind, dann hätte er uns auch einen Labmagen gegeben
Biologisch gesehen ist der Mensch ein Allesfresser - man muss sich nur das Gebiss oder den Magen/Darm Trakt anschauen.
Auch gibt es Studien die belegen dass der Mensch sein Gehirn nur soweit entwickeln konnte weil er angefangen hat gegartes Fleisch zu essen, da der erhöhte Energiebedarf mit rein pflanzlicher Nahrung nicht mehr abzudecken war.

Ein befreundeter Arzt (auch ein Vegetarier - und trotzdem ein Freund ;-) ) meinte dass es zumindest für Frauen auf lange Sicht nicht möglich ist sich gesund rein Vegetarisch zu ernähren.

Ich will damit allerdings selbstverständlich keinem seine Essgewohnheiten ausreden oder vermiesen!

Malaak

SAGEN.at 01.03.2007 18:15

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Malaak,

ich werde mal schauen, ob ich in historischen Kochbüchern Rezepte für Hund und Katze finde?

Eine - meiner Meinung nach, äußerst köstliche Anleitung - gibt Prof. Alfons Quellacasa, ich zitiere hier aus dem "GULLIBUCH":
"Es gibt manche Leuten und oft nicht wenige, die das Katzenfleisch essen und die sogar behaupten, es sei besser als Hasenbraten. Meinetwegen, ich habe nichts dagegen, aber wenn man schon die Katzen tötet, dann soll man sie frisch ordentlich töten, sonst ist es eine Tierquälerei. Am besten ist, man nimmt die Katze mit der linken Hand bei den Vorderfüßen, mit der rechten bei den Hinterfüaßen, ein Riss, zugleich einen Dreher nach rechts, ein wildes Knacken erfolgt und die Katze ist fertig. Dann lege man sie in ein rinnendes oder fließendes Wasser, zwei Tage und Nächte lang, damit der süße Geschmack herausgezogen wird, und dann erst in die Beize. Mit den Zuataten der Köchin in der Pfanne gibt es dann einen sehr schmackhaften Braten."
Franz Junger, Das Gullibuch, neu hg. W. Morscher, 2006, S. 16


Guten Appetit!

Wolfgang (SAGEN.at)

D.F. 01.03.2007 20:08

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Wolfgang,

darf ich fragen, auf welche Erfahrungen Du Deine Meinung "äußerst köstlich" stützt?

;) D.F.

Ulrike Berkenhoff 01.03.2007 20:30

AW: Was kann man essen?
 
Ich glaube wenn Menschen Hunger haben essen die meisten fast alles
(Überlebenswille). Ohne richtig Hunger zu haben wird heuer ja dem "Zeittrend"
gefolgt, manches ist "in", anderes ist "out". Den logischen Sinn findet man nicht - die einzelnen Kulturkreise sehen dies auch verschieden. In Kriegszeiten
aßen die Menschen "Dachhasen" (Katzen), viel Pferdefleisch u.a. Ich weiß
dies nur aus Erzählungen von älteren Menschen. Die Ernährung sollte
"ausgewogen" sein. Heute stand in der Tageszeitung über Prinz Charles : er
möchte bestimmte Burger verbieten weil er sich über die Jugend und deren
Ernährung Sorgen macht. Verbote (z.B. Rauchen!) ändern nichts,
Aufklärung ist angebracht und die Einsicht muß folgen. Letzlich ist jeder
Erwachsene für sich verantwortlich, leider zahlt auch der Vernünftige
für Folgeschäden z.B. Krankenkassenbeiträge. Kinder sind den Eltern
"ausgeliefert", manche verbieten Süßigkeiten, andere essen nur vegetarisch,
wieder andere sitzen jeden Tag in der" Frittenbude". In Kindergärten und
Schulen (warum gibt es nicht wieder überall "Kochunterricht"?) sucht man
teilweise aufzuklären und gesundes Essen anzubieten. In vielen Familien
soll es keine warme gemeinsame Mahlzeit geben und wird kaum noch "frisch"
gekocht. Allerdings darf nicht vergessen werden: Alles ist auch eine Frage
des Geldbeutels. Dieses Thema könnte auch endlos werden ... Ulrike

D.F. 01.03.2007 22:13

AW: Was kann man essen?
 
Es wäre doch fürs Forum nichts besser als ein endloses (und heftig diskutierbares) Thema!

Dafür werfe ich eine Frage in den Raum: Warum gibt es (ausgesprochen wie z. B. in der Bibel) und unausgesprochen (wie z. B. in der heutigen Standardküche) so viele Speise-Gebote und -Verbote für Tierisches und fast nichts für Pflanzliches?

Fröhliches Nachdenken bei gutem Appetit wünscht
D.F.

SAGEN.at 01.03.2007 22:14

AW: Was kann man essen?
 
Zitat:

darf ich fragen, auf welche Erfahrungen Du Deine Meinung "äußerst köstlich" stützt?
diese Antwort lasse ich offen... :verdaecht

Ich kann aber eine andere Antwort geben:

Mein Urgroßvater führte früher nebenberuflich Transporte zwischen der Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg durch.

Nach einem besonders schwierigen Transport gönnte er sich ausnahmsweise eine Rast in einem Schweizer Gasthaus an der Strecke, an dem er oft vorbeigekommen war und auf dessen Speise er sich lange gefreut hatte.

Also bestellte er ohne viel in der Speisekarte nachzulesen einen teuren Braten und lies es sich gutgehen.

Der Braten war groß und so wollte er auch seinem Hund, der unter dem Gasthaustisch saß, die Knochen geben. Der Hund allerdings knurrte nur sehr laut.

Der Kellner rief im Vorbeigehen: "Sinesglicha frisst ar nit!" (D: "Seinesgleichen frisst er nicht!")

Wolfgang (SAGEN.at)

Ulrike Berkenhoff 02.03.2007 11:14

AW: Was kann man essen?
 
Ein Sprichwort (westfälisch platt): Wat de Buer nicht kennt friät er nicht
(Was dem Bauer unbekannt ist ißt er nicht)! Auf den Wochenmärkten gibt
es übrigens wieder vermehrt Andrang bei den Roßbratwürsten, nicht zu
verwechseln mit der Rostbratwurst. Viele schwören auf Sauerbraten vom
Pferd( ich möchte es nicht probieren). - Ein heißes Thema war ja auch immer
das Einfangen von Singvögeln (in Netzen) im Süden! Schlimm finde ich
auch das Gänsestopfen, bei uns (glaube ich) inzwischen verboten.
Es kommen viele Gedanken, z.B. Quäle nie ein Tier zum Scherz - denn es
hat wie du ein Herz (Massentierhaltung!). Qualität hat natürlich einen Preis-
der Verbraucher kauft "billig" (oft gezwungenermaßen). Ein großes Umdenken
wäre erforderlich! Ulrike

D.F. 02.03.2007 15:46

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Ulrike,

etwas möchte ich nicht gerne unwidersprochen stehenlassen:
Zitat:

Qualität hat natürlich einen Preis - der Verbraucher kauft "billig" (oft gezwungenermaßen).
1. Natürlich hat Qualität einen Preis, aber er muß keineswegs höher sein als der für Abfall...
2. Gerade Dinge, die "man" nicht ißt, weil sie "pfui" sind, sind häufig genug schmackhaft und günstig - wenn man sie bekommt.

Freundliche Grüße
D.F.

PS: Was spricht eigentlich gegen Pferdefleisch???

Ulrike Berkenhoff 03.03.2007 13:55

AW: Was kann man essen?
 
Zu der Frage: Eigentlich nichts! (Gefühlsbedingt und sicherlich unlogisch)
Viele Grüße von Ulrike!

donpulpi 03.03.2007 18:40

AW: Was kann man essen?
 
also ich hab mal in wien, auf nem markt mir einen pferdeleberkäs gegönnt. ich muss sagen es schmeckte mir nicht. wenn schon leberkäse..dann den schweinischen.. mir schmeckt auch komischerweise kein wildbraten.

ich denke, das wir heute essen, ist auch viel in unserer kulötur ,die die wir heute pflegen, verabnkert.
früher wurde aus nem schwein eben alles verwendet..auch vom rind,kalb etc.
oder isst heute wer noch kutteln (pansen)..das gehirn..oder die nieren eines schlachttieres?
ich meine, gänsestopfleber würd ich nie essen. erstens hab ich mir sagen lassen, das die leber eben durch die art, wie die tiere gefüttert wurden, krankhaft ist(die ist fast 3 mal so gross als normal, und FETT), und zweitens mag ich ehrlich auch kaum innerein.

pflanzen..naja ich denke man hat noch nie von brokkoliwahnsinn gelesen, oder gibts ne erbsengrippe? (so wie die vogelgrippe)
ein guter freund von mir ist bauer, die bauen hier in wien erdäpfel an..alles bio.. und ich muss sagen. der ab hof verkauf läuft echt glänzend..was man so hört

D.F. 03.03.2007 20:43

AW: Was kann man essen?
 
@donpulpi:
Zitat:

pflanzen..naja ich denke man hat noch nie von brokkoliwahnsinn gelesen, oder gibts ne erbsengrippe? (so wie die vogelgrippe)
Da empfehle ich aber doch z. B. das "Antoniusfeuer", erzeugt durch Getreide, das von Mutterkorn verseucht ist - historisch gesehen hat das viel mehr Opfer auf dem Gewissen als Vogelgrippe und Rinderwahnsinn zusammen.
Das Krankheitsbild ist nicht wirklich lustig - und von der Gänseleber kriegt man das nicht! :)

Trotzdem guten Appetit
D.F.

PS: "oder isst heute wer noch kutteln (pansen)..das gehirn..oder die nieren eines schlachttieres?" - Ich denke, sehr viel mehr Leute, als Du denkst... Und kulinarisch nicht die Dümmsten!

werschL7 04.03.2007 10:12

AW: Was kann man essen?
 
Ich hab von bekannten gehört, das z.B. Krähen/Raben in schlechten Zeiten sehr beliebt waren. Zum Fleischkonsum kann ich aus meiner beruflichen Erfahrung sagen, das Menschen aus aus unteren sozialen Randschichten bevorzugt Fleisch essen, weil "man halt nur wirklich gegessen hat, wenn Fleisch am Teller war"
Offensichtlich ist was schwer leistbar ist noch erstrebenswerter/begehrter.
Warmes Essen ist nach Aussagen von Ernährungswissenschaftlern nicht unbedingt notwendig, man kann sich gut ohne ernähren. Wichtig erscheint mir das gemeinsame Essen (in Familien) und da haperts mittlerweile gewaltig.
Übrigens hab ich schon einmal Katze gegessen, bin da vor Jahren zu einer dubiosen, schon eher verschwörerischen Gemeinschaft gekommen, die das des öfteren aßen. Mich hat es viel Überwindung gekostet, geschmeckt hat es wie Hase (das Fleisch war rötlich - wie gesurtes Fleisch) dazu hat es Semmelknödel gegeben wie gesagt, einmal hat gereicht!
lg Werner

donpulpi 04.03.2007 16:20

AW: Was kann man essen?
 
hm, was das antoniusfeuer angeht, gut ich bin kein biologe...:-) (bin fliesenleger,hafner)..aber ich habe mich schlau gemacht. was ich so las, hats im 15. und 17 jhdt. die letzten ausbrüche gegeben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Antoniusfeuer

was daran stimmt weiss ich nicht. wie gesagt, bin kein biologe.

auf das essen von innerein und so..also ich kann darüber sprechen, was die leute in meinem lebenskreis so essen.. und die essen das eher selten, bis gar net..
da ich sowieso mit einem magengeschwür zu kämpfen habe, kann ich sowieso nix essen, was stark säurebildend ist.
ich habe die erfahrung gemacht, das eben innerein zu den lebensmitteln zählen, die ich nicht konsumieren kann, ohne schmerzen zu bekommen.

katze,,hatte ich sicher noch nie am teller..*gg*..
da ich auch fürn tierschutz unterwegs bin, kommt mir sowas auch sicher niemals am tisch.
ich fands als kind auch immer gaaaanz fürchterlich, wenn meine oma da in der steiermark dabei war, wie ein hendl geschlachtet wurde.. maah so mit 4,5,6 jahren war das ganz arg für mich.
ich weiss noch, ich bin dann am nachmittag in ein maisfeld gelaufen und hab mich da bis am abend versteckt..:-)

naja.. heute..wenn ich sehe, das ein hund der von nem auto angefahren wurde, oder ne katze die halb verbrannt da liegt.. heute kann ich das sehen.. aber als kind is das schlimm.

heutezutage zählt zu meinen leibspeisen.. geröstete knödl mit grünem salat.
oder reisauflauf..hmm..so mit schneeschaum obenm drauf..überbacken.. :-)

D.F. 04.03.2007 23:38

AW: Was kann man essen?
 
Ein kleines Zwischenresümee:

1. Vor der Mensch verhungert, ißt er fast alles. Das ist nicht so verwunderlich...

2. Was einem nicht bekommt, ißt man nicht so gern. Auch nicht verwunderlich...

3. Was einem nicht schmeckt, ißt man auch nicht so gerne. Verwunderlich? (Ich mag z. B. sehr gerne Gurken und Zucchini, aber keine Auberginen - nicht aus "moralischen" oder "kulturellen" Gründen, denn wo sollte da der Unterschied zu Gurken und Zucchini sein, sondern weil mir der Geschmack unangenehm ist.)

4. Aber was ist mit dem Rest:
- Warum graust es Leute vor dem Blut, das in ebendem Muskelfleisch zirkuliert ist (zirkuliert hat???), das sie sehr gerne essen?
- Warum sagen Leute "Pfui" zu den Nieren, während sie den Nierenbraten ohne Nieren sehr wohl zu genießen wissen?
- Warum findet es ein großer Teil der mitteleuropäischen Menschheit durchaus sinnvoll, Garnelen zu verzehren, während wahrscheinlich die Anregung, Engerlinge oder Larven von anderen großen Käfern zu essen, auf heftigen Widerstand stoßen dürfte...
- Warum würde man wahrscheinlich notgeschlachtet, wenn man anregen möchte, der zunehmenden Amsel-Überpopulation dadurch gegenzusteuern, daß man einige alte Rezepte wiederbelebt?

Da würden mich Antworten schon noch sehr interessieren!

In diesem Sinne: Guten Appetit!

D.F.

PS zu zwei Details:
- Die Mutterkorn-Vergiftungen ("Antoniusfeuer") sind nur deswegen extrem selten geworden, weil seit langem sehr rigoros kontrolliert wird. Erreger und Endprodukt gibt es aber immer noch.
- Krähen und Raben waren nicht nur in Notzeiten beliebt. Brillat-Savarin und andere Autoren des 19. Jh., die sonst über trüffelgefüllte Truthähne a. ä. schwärmen, also nicht gerade am Hungertuch geknuspert haben dürften, empfehlen sehr, jeder Art von Brühe eine alte(!) Krähe bzw. einen alten Raben beizugeben: das hebe den Geschmack ganz ungemein... Aber auch diese Empfehlung kochkundiger Leute dürfte kaum noch Gegenliebe finden!

Ulrike Berkenhoff 05.03.2007 01:02

AW: Was kann man essen?
 
Möchte hier noch einen Buchtipp geben, wahrscheinlich gibt es dieses Werk
für mittelalterliche Tafelfreuden aber nur noch im Antiquariat (habe es zur
Hochzeit geschenkt bekommen!): Wie man eyn teutsches Mannsbild bey
Kräfften hält, Die Küchengeheimnisse des Mittelalters von Hans.J.Fahrenkamp
wiederentdeckt. Kochbuchverlag Heimeran. Kurze Beschreibung:
Daz buch sagt von guter spise, von der Eehrlichen zimlichen unt erlaupten
Wolust des leibs, von suben gut, von fisch und Fastenspis, von wildpret,
von wilt und zahm Vögel, von gesoten unnd gepraten Fleysch, von salsen,
von künstlich ayrspis, von mancherley Gemüß (Mangold!), von brodt, nudl unnd
knödl, von gebachenes, von allerley specerey (Marzipan!), von trincken (Met!),
von Tisch und Zucht. Gar herrlich anzuschauen und zu lesen! Viele Grüße von
Ulrike

cerambyx 05.03.2007 13:42

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Leute!
Mir knurrt der Magen!
Was ich so weiß über Essen kurz in Telegrammstil:
Krähen und Elstern sind stark ungezieferbehaftet, daher "unappetitlich" - aber durchaus schmackhaft - ebenso wie Amseln oder Tauben; vor alten Exemplaren warne ich jedoch wegen der möglichen Zähigkeit!
Bisamratte, Katze, Hund oder Schlangen werden wohl ausschließlich wegen ihrer - noch dazu komplett unterschiedlichen - "Sympathiewerte" abgelehnt - aber alles ist schmackhaft (mein Vater aß in der Steiermark noch Hund und Katze ...)
Insekten, Engerlinge usw. sind unattraktiv, aber sehr nahrhaft - Naturvölker wissen das und schätzen die Proteine!

Fazit: Praktisch alles in vorigen Diskussionen angeführte Tierische ist eßbar, wenn man nur seine anerzogenen Gefühle in den Griff bekommen kann! Den Tierschutz oder die Tierliebe ins Feld zu führen geht nur solange, als man die Wahl hat etwas eßbares zu verweigern ... !!!

Zu einem Bisam oder Raben "Pfui" zu sagen, aber die allerdings fast keimfreien Tötungsstraßen von Hühnerfabriken gedanklich auszuklammern paßt für mich nicht zusammen!

Gruß aus dem Steyrtal
Norbert

D.F. 07.03.2007 14:52

AW: Was kann man essen?
 
@cerambyx:

J. H. Fabre, Ein Blick ins Käferleben (1910) 27ff.:

"Wie uns Plinius (XVII 220) berichtet, verfielen die... Römer seinerzeit darauf... sehr große, in den Eichenbäumen vorkommende Würmer, cossus genannt, zu verspeisen.
Was mögen das für Würmer gewesen sein? ...
So begab ich mich... in den Wald und fing an, in ein paar Stümpfe einzudringen. In den zunderartigen Schichten des Holzes wimmelt es von feisten Larven in der Dicke eines Daumens. sie sind von hübscher Elfenbeinfarbe und haben eine seidenweiche Haut, so daß sie, wenn das Vorurteil nicht wäre, sogar appetitanregend wirken könnten. denn jede dieser Larven sieht aus wie ein von frischer Butter strotzender, durchsichtiger Darm. Bei diesem Anblick kommt mir der Gedanke: das ist der cossus. Warum soll ich nicht das vielgerühmte Mahl versuchen?...
Da uns über die Art, wie die cossi zur Zeit der Caesaren zubereitet wurden, nichts überliefert ist, so wähle ich ein möglichst einfaches Verfahren. Auf kleine Spießchen gereiht, werden sie auf dem Rost einer heftigen Kohlenglut ausgesetzt. Eine Messerspitze Salz ist die einzige Zugabe. Der Braten bräunt sich, schrumpft ein wenig zusammen, und das Mahl ist fertig... Nach einstimmigem Gutachten ist der Braten saftig, weich und würzig...
Zu dem wenigen, was uns Plinius vom cossus erzählt, fügt er noch hinzu: 'Sie werden auch mit Mehl gemästet, um sie schmackhafter zu machen!' Dieses Rezept wollte mir gar nicht einleuchten... Doch zur sicheren Entscheidung machte ich die Probe und setzte ein paar Larven in ein Mehlgefäß. Plinius hatte recht. Die cossi gediehen in dem Mehl und ließen es sich schmecken... Ich erkannte nun in dem ausgekrochenen Käfer den Mulmbock, Ergates faber L."

Wahrscheinlich sind wir uns einig darüber, daß der Verzehr großer Bockkäfer nicht sinnvoll ist... :)

Schönen Nachmittag
D.F.

cerambyx 09.03.2007 17:29

AW: Was kann man essen?
 
Hallo @D.F.!

Wenn statt Verzehr von Bockkäfern (Cerambycidae) VERNASCHEN gemeint wäre - warum nicht !?!?!?!

Euer CERAMBYX ;-)

D.F. 11.03.2007 18:57

AW: Was kann man essen?
 
Ich glaube, da suche ich lieber ein Rezept für süße Bienen... ;)

Freundlichst grüßend
D.F.

SAGEN.at 11.03.2007 19:35

AW: Was kann man essen?
 
Hier zum Vergleich die Rechnung für ein Gastmahl in der Gemeinde Axams, Tirol, datiert vom 23.,24., und 25. Juni 1780.
Es handelt sich um die Auslagen anläßlich der Kirchenweihe und der Firmung in Axams zur Verpflegung Sr. Hochfürstlichen Gnaden, 2 Capläne, H. E. Ceremon. 4 Bedienter und angekommener Gäste durch 3 Tage.

fl. kr.
Beim Stadtfischer bezahlt 8.37
Beim Stadtkoch 12.-
Den Sellrainer Fischern bezahlt 6.-
Stockfisch 1.10
Butter 10 Pfund à 13 kr. 2.10
Schmalz 9 Pfund à 15 kr. 2.15
Rahm und Milch (die Maaß=2 kr.) -.46
Zucker 3.-
Kaffee 2.20
Limoni und Pomeranzen 1.45
Eier 1.20
Frösche -.40
Grüne Erbsen -.30
Spargel 1.00
Öl (0.34) -.48
"Meel" -.46
Gewürze -.46
"Brod" 1.52
Federwild 2.24
Gemse 1.30
Kitz 1.24
10 Hühner 5.30
3 Hennen -.36
2 Enten -.44
Tauben -.48
Zungen -.24
Würsteln -.12
Rindfleisch das Pfund 6 kr. 1.14
Kalbfleisch 1.12
Kischen und andere Früchte 1.06
Wein 103 "Maaß" 13.30
Essig 6 Maaß 1.-
Bier 1.25
Kerzen von Wachs 1.12
detto v. Inslet 0.12
Holz 0.40
Träger und Botenlohn 1.18
Diverses -.30

Quelle: Egon Tschernikl, Ein Gastmahl in der alten Zeit, In: Tiroler Heimatblätter, 9. Jahrgang, Heft 10, Oktober 1931, S. 352 - 353.

Wolfgang (SAGEN.at)

donpulpi 25.03.2007 09:14

AW: Was kann man essen?
 
ist erstaunlich.. die preise.. man hat zwar keinen vergleich, weil man ja nicht weiss was wer verdiente damals.. aber ich denke das es horrende preise gewesen sein werden.

und: der kaffee ist so ziemlich das teuerste damals gewesen. gut war sicher nicht so verbreitet wie heute.
aber von der menge her,sicher das teuerste

Pomeranze 11.04.2007 22:55

AW: Was kann man essen?
 
Was kann man essen? Wahrscheinlich wirklich die unglaublichsten Dinge... Interessant finde ich dabei immer wieder, wie unterschiedlich verschiedene Kulturen und Zeiten mit bestimmten Nahrungsmitteln umgehen. BLUT- als Lebensmittel ist in Vorpommern (Nordosten von Deutschland) immer noch untergründig vorhanden, auch wenn kaum noch ein junger Mensch darüber nachdenkt. Es gibt beim Fleischer noch heute sogenannte TOLLATSCHE, das sind kleine runde "Kuchen" aus Mehl, Zucker, Rosinen und Blut. Auch wenn es unglaublich klingt, sie schmecken nicht schlecht. Außerdem gehörte noch vor wenigen Jahren eine Blutsuppe zum traditionellen Essen dieses Landstriches. "Schwarzsauer" hieß dieses schmackhafte Gericht, das aus dem Blut frisch geschlachteter Enten oder Gänse gekocht wurde, mit Essig musste das Blut immer schön gerührt werden, damit es nicht verklumpte. Und dazu kamen dann noch Klöße, Trockenobst, bestimmt auch Salz, so dass eine typisch pommersche süß- kräftige Geschmacksrichtung herauskam. Ich aß die Suppe das letzte Mal vor 12 Jahren und kenne im Augenblick niemanden, der sie noch kochen würde, was eigentlich schade ist, denn sie war ungemein lecker. Ekelhaft fand ich allerdings die bei manchen übliche Einlage der "Wickelpoten" (Wickelfüße). Dazu verwendete man die Füße der Gans und wickelte sie in ein paar Gedärme- natürlich alles ganz sauber, das Ganze wurde dann mitgekocht.
Tja, eigentlich nun auch wieder kein allzu großer Unterschied zur Bockwurst im Darm, wenn mans recht bedenkt... :O)

donpulpi 13.04.2007 07:56

AW: Was kann man essen?
 
hmm.. blutsuppe.. naja.. *gg*.. ist sicher nicht schlecht. viele essen auch keine blutwurst. mir schmeckts hingegen.

aber bevor ich diese gänsefüsse esse..halte ich mich lieber an faschierten braten im speckmantel mit bratkartoffeln und grünen salat.. hatte ich gestern zb in meinem lieblingswirtshaus. :-)

http://www.world-of-smilies.com/wos_...1682-51150.gif

Ulrike Berkenhoff 13.04.2007 20:50

AW: Was kann man essen?
 
"Blutklöße" gibt es auch bei uns: sie werden "Möpkenbrot" genannt!
Ich esse sie nicht - mein Mann dagegen sehr gerne. Von Astrid Lindgren
kann man dazu eine Michel Geschichte nachlesen (wenn ich mich recht
erinnere). Ein altes Gericht ist: Himmel und Erde. Kartoffelbrei, Apfelmus und
dazu gebratene Blutwurstscheiben. Habe ich jahrelang nicht gegessen!
Dabei soll Blutwurst ja die sauberste Wurst sein! Viele Grüße von Ulrike -

Pomeranze 16.04.2007 16:57

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Ulrike!
Himmel und Erde? Altes Gericht? Aus Westfalen?
Und da dachte ich immer, das ist eines der Urgerichte aus Pommern und Mecklenburg...Westfalen sind hier vor einigen Jahrhunderten auch zugewandert, haben sie`s vielleicht mitgebracht oder aus dem Norden übernommen? Ich glaube, es wäre interessant, eine Art Landkarte der "Urgerichte" herzustellen. Hm... also Tollatsch, Schwarz- und Weißsauer, Himmel und Erde müssten auf so einer Karte schon drauf sein. Angeblich ist es für Pommern typisch, Süßes mit Herzhaftem zu verbinden, haben sogar die Nachkommen pommerscher Auswanderer in ihren Familienerinnerungen bewahrt. Legt ihr in euren Entenbraten auch Backpflaumen und Äpfel? Ich dachte als junges Mädchen, das macht man überall so...
Grüße aus dem Norden!

Stine

SAGEN.at 16.04.2007 17:07

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Pomeranze,

Zitat:

Ich glaube, es wäre interessant, eine Art Landkarte der "Urgerichte" herzustellen.
solche Landkarten gibt es in der ethnologischen Nahrungsforschung sehr wohl, bei Interesse suche ich Dir einmal ein Beispiel raus.

Wolfgang (SAGEN.at)

Ulrike Berkenhoff 16.04.2007 19:34

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Stine, hier noch eine Geschichte aus meinem Leben zum Thema:
Als Lehrling (Auszubildende) in einer Buchhandlung half ich in meiner
Freizeit (!) einer Kundin die Bücher ihres Mannes zu katalogisieren damit
sie von ihr einem Antiquariat angeboten werden konnten. Mein Chef
hatte sie abgewimmelt - mir tat sie leid. Als Lohn durfte ich bei ihr Mittagessen!
Ich dachte: ich seh nicht richtig. In meinem Teller Erbsensuppe schwammen
einige Schweineschwänzchen. Sie war fast beleidigt . Wie konnte ich dieses
Feinschmeckergericht verachten? Ich überließ ihr die Schwänzchen, die sie
genüßlich abknabberte, und aß nur die Suppe. Ich kannte dieses Gericht
wirklich nicht, bei uns kam meistens Mettwurst hinein. Wahrscheinlich bin ich
schon ein verwöhntes Nachkriegskind! Zum Thema Essen gibt es
wahrscheinlich unendliche Geschichten! Viele Grüße von Ulrike!

dolasilla 16.04.2007 21:14

AW: Was kann man essen?
 
Hallo Wolfgang,

Zitat:

Zitat von SAGEN.at
solche Landkarten gibt es in der ethnologischen Nahrungsforschung sehr wohl, bei Interesse suche ich Dir einmal ein Beispiel raus.
Wolfgang (SAGEN.at)

Mich interessiert das SEHR!
Das Beispiel und auch weitere Literaturtipps, Links o.ä. zu diesem Thema - also wenn du da weiteres weißt - darüber tät ich mich sehr freuen!

LG,
dolasilla

donpulpi 17.04.2007 07:42

AW: Was kann man essen?
 
ich glaube in der wiener küche gibts sowas nicht. schade eigentlich.

weil,so denke ich, die wiener küche ein mischmasch aus böhmen,mähren,italien,deutschland,rumänien, ungarn..usw ist.
eben alle länder die in der k.u.k. monarchie vertreten waren.und die befreundeten länder eben

aber es muss ja auch ein davor gegeben haben..

Pomeranze 17.04.2007 18:28

AW: Was kann man essen?
 
Zitat:

Zitat von SAGEN.at
Hallo Pomeranze,


solche Landkarten gibt es in der ethnologischen Nahrungsforschung sehr wohl, bei Interesse suche ich Dir einmal ein Beispiel raus.

Wolfgang (SAGEN.at)

Ja, das würde mich sehr interessieren! Was muss ich dir dann angeben? Ein Land oder ein Gericht?

fragt Stine

SAGEN.at 22.04.2007 21:25

AW: Was kann man essen?
 
1 Anhang/Anhänge
Zur Frage nach Landkarten in der ethnologischen Nahrungsforschung:

Es gibt hervorragende Kartenwerke aus der Zeit der früheren Volkskunde, u.a. den sogenannten "ADV - Atlas der deutschen Volkskunde". Der ADV war ein ziemlich umfangreiches Forschungsprojekt, das durch schriftliche Fernerkundung in den Jahren 1930 - 1935 angelegt war. Hierbei wurden in fünf Aussendungen 243 Einzelfragen ausgeschickt. Diese waren zum Teil noch mehrfach untergliedert. Als Ansprechpartner versuchte man im ganzen deutschsprachigen Gebiet jeden vierten Schulort zu erreichen und dort war wiederum ein Lehrer (0,4 Prozent Lehrerinnen).

Daraus wurden bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges 120 thematische Karten in 6 Lieferungen produziert, sowie eingehendere fachliche Diskussionen durch Mathias Zender nach dem Krieg.
Der ADV war (und ist noch) Kritik ausgesetzt, u.a. wegen methodischer Fehler aber vor allem wegen der Idiologien seiner Entstehungszeit. Dennoch bleiben bis heute diese Fragebogen ein außerordentlich wertvolles Dokument.

Es gibt dann noch den "Schweizer Atlas für Volkskunde" und den "Österreichischen Volkskundeatlas" u.a.m., das führt aber an dieser Stelle zu sehr in Details.

Zur Beantwortung Deiner Frage auf die Geschichte von Lebensmitteln ist er der ADV vielleicht doch nicht so optimal, sehr wohl aber auf die Verbreitung von Lebensmitteln zur Entstehungszeit des Atlas.

Hierzu sei noch angemerkt, dass die Daten nach wie vor einer modernen GIS-Auswertung oder sonstigen Computerauswertung harren - wer diese also vornimmt, wird sicher noch durch neue Bezugsmodelle sehr wichtige Daten erstellen können...

Eine solche exzellente Auswertung in Bezug auf Nahrungsethnologie hat Günter Wiegelmann in dem Buch "Alltags- und Festspeisen, Wandel und gegenwärtige Stellung", Marburg 1967 veröffentlicht. In dieser Habilitationsschrift wertet er die Fragen zu den Speisen aus und bringt auch exzellente historische Bezüge.

Als Beispiel habe ich Dir die Kartenauswertung zur ADV-Frage 237 "Kartoffelzubereitungen am Werktag" als Attachement angehängt.
Die Verbreitung von Salzkartoffeln, Kartoffelsalat, Kartoffelklöße, Bratkartoffeln, Kartoffelbrei, Pellkartoffeln, Reibekuchen und Kartoffelsuppe. Wichtig zu den reinen Kartendaten ist jedoch auch seine Erklärung der Karte:
Von der Einführung der Kartoffel in Spanien, Italien und Niederlande gelangte sie durch Soldaten und wandernde Arbeiter nach Mitteleuropa. Dort sorgten der volksnahen Schicht der Gebildeten, also Pfarrer, Amtsleute und Richter für deren Verbreitung. Die lokalen Regierungen standen der Kartoffel aus politischen Gründen (Umgehung der Zehentverpflichtungen) feindlich gegenüber. Der Zeitrahmen der Verbreitung liegt zwischen 1730 und 1800.
Wiegelmann vergleicht die hier vorliegende Karte mit Karte 5 (Kartoffeln beim Hochzeitsmahl - Zubereitungen, zu ADV-Frage 136b) und belegt deutlich eine klare Trennung von alltäglicher und hochfestlicher Kartoffelbereitung und hier wiederum, dass in jenen Regionen wo bestimmte Kartoffelspeisen Alltagskost sind, diese nicht Feiertagskost sind.

Wie gesagt, das Datenmaterial des ADV wird leider zu Zeiten des EU-Einheitsessens immer bedeutsamer...

Wolfgang (SAGEN.at)

D.F. 22.04.2007 23:40

AW: Was kann man essen?
 
Sehr geehrter Administrator,

ich muß Dich heftig rüffeln:

Zitat:

... zu Zeiten des EU-Einheitsessens immer bedeutsamer...
Erstens heißt es: "in Zeiten"!

Zweitens und das ist natürlich der Hauptgrund meines Ärgers: Die dumpf-blöden Anti-EU-Vorurteile in Österreich sollten nicht auch noch in ein Forum, das gelegentlich gar Ansprüche auf Ernsthaftigkeit erhebt, eindringen!

Aber natürlich steht es Dir - drittens - frei, Dich jederzeit von EU-fremden Hamburgern und Sushi zu ernähren!
Oder Dich an die so richtig autochthon alpenländischen Kartoffeln zu halten...

Guten Appetit
D.F.

SAGEN.at 23.04.2007 00:00

AW: Was kann man essen?
 
Zweifellos sollte das Forum frei von Politik gehalten werden!

Gerade im Zusammenhang mit Ernährung fällt das aber besonders schwer. In der volkskundlichen Literatur rund um den ADV sind tatsächlich gewaltige Varianten regionaler Speisen aufgezählt, die längst verschwunden sind.

Ernst Burgstaller listet etwa in seinem Buch: Brauchtumsgebäcke und Weihnachtsspeisen, Ein volkskundlicher Beitrag zur österreichischen Kulturgeographie, Linz 1957 auf hundert Seiten vor allem oberösterreichische Gebäcksorten auf, die 50 Jahre später vermutlich selbst einem Bäcker dort kein Begriff mehr sind. Die Lebensmittelproduktion erfolgt heute ja großteils in zentralen Fabriken oder, um bei Backwaren zu bleiben, sehr wohl in Miniöfen regional in jeder Filiale, die aber mit fertigem Teig aus zentralen Fabriken beliefert werden.

Die Kritik meinerseits geht auch gegen die schleichende Einführung von Gen-Lebensmitteln unter Umgehung jeglicher Kennzeichnung in der EU. Ich kenne mich da nicht aus, weiß nur, dass ich keine Lust auf genetisch veränderte Lebensmittel habe. Anscheinend ist da aber schon ziemlich viel verändert?

Der dritte Aspekt, den ich anspreche, soll in der Dokumentation "We feed the World" zu sehen sein. Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber in jenem Film seien Interviews mit Industriemanagern, die gerade in den neuen EU-Ländern (Rumänien etc.) deren angestammte Obstkulturen zerstören und EU-Einheitskulturen ansetzen.

Da ich sinnvolle Ernährung für eine persönlich wichtige Sache erachte, kann ich mich hierzu mit EU-Kritik schwer zurückhalten.

Wolfgang (SAGEN.at)

D.F. 23.04.2007 00:36

AW: Was kann man essen?
 
Daß sich das Essen wandelt, steht außer Frage. Es hat sich - wie das Beispiel der Kartoffel deutlichst zeigt - immer schon gewandelt.
Daß es sich nicht nur zum Besseren verändert, ist auch unbestritten!

Aber daß die EU für Negativ-Entwicklungen verantwortlich sein soll, ist schon erklärungsbedürftiger!

A propos Brot: Ich glaube kaum, daß die EU irgendeinem oberösterreichischen Bäcker die Produktion bestimmter Sorten untersagt.
Und ich stelle fest, daß die Brotkultur in Nordtirol schon vor dem EU-Beitritt auf einem bedauerlich tiefen Niveau angelangt war. Höchstens überboten - wenn diese widersprüchliche Satzkonstruktion erlaubt ist - vom extrem hohen Preisniveau für alles, was nicht Standard-Maschinen-Semmeln sind.
Zumindest letzteres schaut z. B. im alten EU-Tirol südlich des Brenners deutlich besser aus...

Zu den einheimischen Obst- und Gemüsesorten:
Einerseits schließe ich mich Deinem Bedauern an.
Andererseits erinnere ich mich aber auch noch an die Zeiten, wo es in großen Teilen Österreichs - Tirol war wegen des Accordino besser gestellt - im Hochsommer wochenlang keine guten, hochreifen italienischen Tomaten gab, weil sie nicht importiert werden durften, ehe die Gemüsebauern in Ostösterreich ihre - objektiv betrachtet: minderwertige - Ware nicht an den Mann / die Frau gebracht hatten.
Dieses Problem sind wir z. B. dank EU los.

Und als Esser sage ich: Gott sei Dank!

Damit gute Nacht!
D.F.


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