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SAGEN.at 27.07.2005 12:00

Speck aus Südtirol
 
Wer je in Südtirol war, wird überall mit Angeboten an Speck konfrontiert. Kein anderes Produkt aus Südtirol hat in den letzten Jahrzehnten derartigen Anklang gefunden wie der Südtiroler Speck.

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/speck_suedtirol.jpg

Speck aus Südtirol
© Wolfgang Morscher, 26. Oktober 2005


In den 1960er Jahren war Südtiroler Speck noch ein wahrer Geheimtipp. In einem Südtirol-Führer des Landesfremdenverkehrsamtes wurde die Delikatesse auf drei Zeilen abgehandelt - als "geräuchertes durchwachsenes Schweinefett, das man als Vorspeise oder mit kalten Platten isst." Als 1966 die Tiroler Handelskammer und der Gastwirteverband der Provinz Bozen im Berliner Hilton eine Spezialitätenwoche veranstalteten und zur Eröffnung neben reichlich Wein auch Speck auffahren ließen, schritten die Berliner Gesundheitsbehörden ein. Nach deutschem Recht durften Lebensmittel dieser Art nicht älter als zwei Monate sein - der Speck wurde beschlagnahmt. Erst durch die politische Intervention durch Landeshauptmann Silvius Magnago beim regierenden Oberbürgermeister Willy Brandt, wurde der Verzehr ausnahmsweise erlaubt.

1992 schlossen sich die Südtiroler Speckhersteller zu einem Konsortium Südtiroler Markenspeck zusammen. Schon 1998 wurde die Zahl von vier Millionen verkauften Hammen überschritten, 2002 setzten rund 1000 Beschäftigte pro Jahr rund 400 Millionen Euro um.

Wo sind die für den Speck notwendigen Schweine in Südtirol?

Selbst aufmerksame Beobachter werden in Südtirol kaum ein Schwein entdecken. Der Bestand in Südtirol liegt bei 25 000 Tieren, das reicht nur für ca. 50 000 Hammen.
Die meisten der für den "echten Südtiroler" Speck verwendeten Schweine standen niemals auf Tiroler Boden, sondern werden per LKW importiert.
(Das selbe gilt übrigens auch für italienischen Parma-Schinken.)

Quelle: Josef Rohrer. Zimmer frei. Das Buch zum Touriseum. Bozen 2003. S. 187 und S. 226.

Wolfgang (SAGEN.at)

gavial 28.07.2005 21:07

AW: Speck aus Südtirol
 
Als gebürtiger Kärntner (und Nahrungsverwerter) bin ich natürlich ein absoluter Fan von kärntner Speck. Der, von einem Bauern, zart mit Wacholder und anderen Kräutern und Hölzern geräuchert, schmeckt einfach unübertrefflich! :smiley_da Und bei diesen Bauern kann man auch die Vorstufe am Hof grunzen hören.... (Nix für ungut, in Südtirol gibt's dafür andere gute Dinge)

gavial 31.08.2005 11:46

AW: Speck aus Südtirol
 
Das habe ich heute im ORF gefunden:

Zitat:
Die Konsumenten würden erwarten, dass Tiroler Produkte auch aus Tiroler Rohstoffen bestehen.......In der Praxis gestaltet sich das Ganze allerdings so, dass auf der Verpackung zwar Tiroler Speck steht, dieser aber auch Fleisch aus Deutschland oder Dänemark enthält. Eine EU-Verordnung macht das möglich......Der Tiroler Speckproduzent Karl Handl spricht sich mit aller Deutlichkeit gegen die Forderung nach rein Tiroler Rohstoffen aus. Schweinefleisch sei in Tirol einfach nicht ausreichend vorhanden, meint Handl. Zudem seien die Produktion von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung wichtiger als Rohstoffe, die in einem Tourismusland nicht vorhanden sind und auch gar nicht produziert werden können, betont der Speckproduzent.
Ende des Zitates

Die ganze Story findet Ihr unter
http://tirol.orf.at/stories/54936/
Arme Tiroler :heuldoch: , arme EU.
Da sieht man, wie wichtig gute Geschäftsbeziehungen zum Direktvermarkter sind (Guten Speck kauft man beim Bauern!)

gavial

SAGEN.at 31.08.2005 12:53

Speck aus Tirol
 
Tiroler Speck nur aus Tiroler Schweinen?

Laut einer EU-Verordnung können Produkte mit einer geschützten geografischen Angabe (gga) vermarktet werden, obwohl die Rohstoffe dafür aus einer anderen Region kommen. So stammt der Großteil des Fleisches, aus dem in Tirol Speck wird, etwa aus Ostösterreich, Deutschland oder Dänemark.

Auch Steirisches Kernöl oder Gailtaler Speck tragen die Bezeichnung gga.

Produkte wie Tiroler Graukäse oder Wachauer Marillen-Marmelade hingegen werden mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung (gU) angeboten. Dafür muss auch der Rohstoff aus regionalen Quellen bezogen werden. Kürzlich wurde dem Marmeladenproduzenten Staud untersagt, in der Wachau geerntete und in Wien zu Marmelade verarbeitete Marillen als „Wachauer“ anzubieten.

„Die Konsumenten erwarten sich, dass auch die Rohstoffe für regionale Produkte wie Tiroler Speck von dort stammen“, meint Harald Glatz, Leiter der Abteilung Konsumentenschutz der AK Wien. Deshalb sei die EU-Verordnung zu ungenau und soll dahingehend geändert werden, dass nur noch die Bezeichnung gU zulässig sei.

Für eine Änderung der EU-Verordnung ist auch Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol, die u.a. von Tiroler Bauern produzierten Speck vermarktet, die dafür Tiroler Schweine verarbeiten. „Wir fordern Klarheit für die Konsumenten.“ Zwar sei die Industrie wichtig für Tirol, „sie schmückt sich aber mit fremden Federn“, kritisiert Juen.

Die Forderung, für Tiroler Speck nur Tiroler Schweine verarbeiten zu dürfen, als „absurd und realitätsfremd“ bezeichnet Speckkaiser Karl Handl, der damit auch die Jobs seiner 400 Mitarbeiter gefährdet sieht. „In Tirol werden jährlich 20.000 Schweine geschlachtet. Damit kämen wir nicht einmal eine Woche aus."

“Außerdem zähle bei der Herstellung guten Specks primär das Know-how und nicht das Herkunftsland des Tieres. „Zu glauben, ein Schwein aus der Steiermark ist schlechter als eines aus Tirol, ist eine Beleidigung für Züchter und Mäster“, sagt der Sprecher des Tiroler Speckkonsortiums. Und Dänemark genieße international den Ruf, eine der besten Fleischqualitäten überhaupt zu produzieren.

Quelle: Tiroler Tageszeitung, 31.08.2005

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 31.08.2005 12:56

AW: Speck aus Südtirol
 
Tiroler Speck - made in Nederland, assembled in Tirol :headscrat

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 26.10.2005 17:35

AW: Speck aus Südtirol
 
Ein ähnliches bekanntes Produkt aus Südtirol sind Südtiroler Äpfel. Viele Gebiete der Südtiroler Landschaft sind ja mit maschinell bearbeitbaren Äpfelkulturen bepflanzt.

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/aepfel_suedtirol.jpg

Golden Delicious aus Südtirol
© Wolfgang Morscher, 26. Oktober 2005

Heute hat mir ein Südtiroler Bauer erzählt, daß in den letzten Tagen die Äpfelbäume (Golden Delicious) gespritzt wurden. Ende Oktober werden die Obstbäume in Südtirol mit einer Mischung aus Harnsäure und Kupfer gespritzt, damit die Bäume ganz rasch Blätter und Obst verlieren - dadurch würden sie im folgenden Jahr besser austreiben. Zwei Tage nach der "Behandlung" trägt der Baum kein Obst und keine Blätter mehr...

Heimische Äpfel benötigen diese Behandlung nicht, diese werden von den Konsumenten am (Super-)Markt nicht akzeptiert und nur am Bauernhof selbst gegessen.

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 23.11.2005 01:17

AW: Speck aus Südtirol
 
Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler zur oben beschriebenen Verkehrspolitik der EU:

"Die Verkehrspolitik der EU ist Unfug"

Geißler: Ich halte es für richtig, dass die Tiroler die Autobahn blockieren, anders kann man diesen Unfug ja nicht mehr abstellen. Dass 400.000 Tonnen Schweinefleisch in Belgien geschlachtet, in Italien verarbeitet und als Parma-Schinken wieder retour kommen, passiert deshalb, weil der Verkehr viel zu billig ist. Die Preise entsprechen nicht den Kosten, vor allem wenn man die Umweltkosten miteinbezieht. [...] Europa muss Tunnel bauen und den Verkehr auf die Schiene verlagern.

TT: Sie sind ein gewiefter Politfuchs. Wie lautet ihr Tipp für Tirol?

Geißler: Tirol ist jetzt so schön, dass man es nicht mehr weiter erschließen muss. Es braucht keine weiteren Skilifte und Skipisten. Die Alpen dürfen auf keinen Fall kaputtgemacht werden.

Quelle: Auszüge aus einem Interview der Tiroler Tageszeitung mit Heiner Geißler, 21. November 2005

Wolfgang (SAGEN.at)

harry 12.12.2008 11:24

AW: Speck aus Südtirol
 
Zitat aus einem Bericht des Online-Kurier vom 11.12.2008 zum Thema Dioxin kontaminiertes Schweinefleisch aus Irland:

"Bei der bekannten Firma "Handl Tyrol" bestätigt man: Seit September wurden bei der deutschen Westfleisch 4695 kg Schwein gekauft. Erst Mittwoch erfuhr man, dass 20 Prozent davon irisches Schweinefleisch sei. Im November wurden 2500 Kilo Fertigware exportiert, nur da könnten maximal sechs Prozent irisch sein."

http://www.kurier.at/nachrichten/279092.php

Kommentar überflüssig. :smi_mit k

Ulrike Berkenhoff 12.12.2008 19:32

AW: Speck aus Südtirol
 
Dioxin-Fleisch, PFT-Fisch, gespritztes Obst und Gemüse ... Was bitte sollen
wir noch essen? Der Verbraucher wird etwas beruhigt mit wieder niedrigeren
Benzinpreisen! Wenn man denkt: Die vielen Schweine, die praktisch "umsonst"
gelebt haben und nun verbrannt werden. Wo mischt man die Rückstände unter?
Wahrscheinlich wieder in Tierfutter oder "Biodünger". - Zum Speck haben wir uns
auch einmal etwas Hirschsalami gekauft, sie enthielt 3-5 Prozent Hirschfleisch
und ??? Viele Grüße von Ulrike

cerambyx 12.12.2008 21:27

AW: Speck aus Südtirol
 
Mahlzeit!

Leider sind mir alle diese Umstände allzu lange allzu bekannt - schon bei unserer Nationalpark Planung wiesen wir darauf hin mittels einer Broschüre mit einem Bild von Tomaten mit Wurzeln in einer alle 6 Stunden vorbeigeschwemmten Nährlösung ... und das war 1989 !

Meine Äpfel hole ich mir vom Bauern in meinem Bekanntenkreis.
Meine Schweine auch ...
Meine Hirsche auch ...
Sogar die geräucherte Wildschweinzunge ...
und den Kriecherlschnaps auch ;-)
übrigens (für die genauen Beobachter!): da gibts ja ein Bild wie ich den Arnika in Korn ansetze: die Flasche war zwar vom "Hofer", aber der Korn von einem Mühlviertler Bauern - aber der wurde in "Dopplern" geliefert!

Nachteil: obiges nur Saisonal erhältlich! (na und?)
Vorteil: die gleiche Vorfreude wie in der Kinderzeit! (schööööön!!)

Probierts doch einfach mal - wetten, es ist einfacher als Ihr glaubt, auch in der Stadt!!! Macht doch einfach einen (Lebens)Sport daraus - und dann begeistert man auch andere .... *zwinker* wie ich's grade hier versuch *endezwinker*

jetzt hab ich Appetit bekommen - und das um DIE Zeit :-(

LieGrü
Norbert

SAGEN.at 12.12.2008 22:06

AW: Speck aus Südtirol
 
In meiner urbanen Gegend (Innsbruck) ist alle paar hundert Meter ein Supermarkt, allerdings praktisch kein Bäcker, Fleischhauer etc.

Ich war gerade eben wieder in der "Markthalle", dort gibt es noch einen der letzten Fleischhauer und Bäcker in der ganzen Stadt.

Als Ferialjob habe ich vor vielen Jahren beim größten industriellen Lebensmittelhersteller Österreichs gearbeitet (der einen bekannten Billig-Supermarkt ausstattet) und will hier nur berichten, das war echt grauslich...

Allerdings muss das auch relativiert werden, weil ich denke, dass sich der Schimmel, die Insekten, Tierteile und all das Zeugs doch wieder in der Produktion halbwegs verteilt...

Jedenfalls wurde in diesem Lebensmittel-Industriebetrieb sehr genau in der Produktion bzw Produktionsqualität unterschieden, ob etwa die Marmelade oder der Honig zu einem Auftrag der Eigenmarke, eines Wiener Delikatessen-Geschäftes, der bekannten Billig-Kette oder ins Ausland gehört. Bei Adressen im "Ausland" wurden dann einige Dinge ausgelassen, Kontrolllen gab es bei der Produktion für ausländische Auftraggeber prinzipiell nicht, wohingegen sich die Lebensmittelkontrolle zumindest bei der Eigenmarke ausdrücklich 10 Minuten vor ihrem Erscheinen angekündigt hat.

Was ich mit diesem Beispiel sagen will:
Ich denke, es ist für einen industriellen Lebensmittelproduzenten wohl mehr als selbstverständlich, dass die Eigenmarke die beste Qualität hat, die Qualität für einen gelegentlichen Besteller in 2000 km Ferne kaum eine Rolle spielt.

Ich bin in keiner Weise u.a. etwa in der Ethnologie (wie hier auf SAGEN.at demonstriert) auf meine Region beschränkt, für mich gibt es den Begriff "Ausland" eigentlich nicht, ganz Europa und noch viel mehr Regionen gilt es für mich noch zu entdecken - allerdings bei meiner Ernährung verzichte ich gerne auf weite Tiertransporte und Sojabohnen aus ehemaligen brasilianischen Urwäldern etc.

Daher hätte ich einen Vorschlag für findige Unternehmer:

Wenn jemand ein Lebensmittelgeschäft gründen würde, das seine Produkte tatsächlich nur aus der Region bezieht, würde ich für dieses Geschäft auch an das andere Ende der Stadt fahren.

Wolfgang (SAGEN.at)

Ulrike Berkenhoff 13.12.2008 18:05

AW: Speck aus Südtirol
 
Auch in unserer Region gibt es die sog. "Hofläden", darunter sogar ein
Ziegenbauer. Der Ziegenkäse ist begehrt! - Ein Erlebnis vorhin auf dem
Wochenmarkt. Beim Gemüsebauern kaufte ich einen Blumenkohl und
schaute noch nach Äpfeln. Ich fragte die Verkäuferin: Haben Sie noch Äpfel
aus eigener Ernte? Sie schaute schon etwas komisch: Nein, nicht mehr.
Wo haben Sie denn die Äpfel her, von der Elbe (Altes Land-sehr bekannt)?
An einem Karton entdeckte ich diese Herkunft, die Verkäuferin : diese ja.
Und die anderen? Keine Antwort. Wat nu? - Viele Grüße von Ulrike!

Ulrike Berkenhoff 13.12.2008 18:13

AW: Speck aus Südtirol
 
Was ist bitte "Kriecherlschnaps"?
Wir setzen auch den sog. "Aufgesetzten" an: Schwarze Johannisbeeren mit
Kandiszucker u. klarem Schnaps! In eine Flasche ca. 2 Finger breit Früchte u.
Kandis darauf, mit Schnaps bedecken. Später durchfiltern u. auffüllen. Prost!
- Ulrike

SAGEN.at 13.12.2008 18:20

AW: Speck aus Südtirol
 
Zitat:

Was ist bitte "Kriecherlschnaps"?
Kriecherl = Kriechtiere bzw. Käfer.
ich vermute, Cerambyx setzt seinen Schnaps aus Käfern an?

Wolfgang (SAGEN.at)

harry 13.12.2008 20:47

AW: Speck aus Südtirol
 
Das "Kriecherl" ist ein Steinobst.
Die genaue Definition fand ich im "Österreichischen Wörterbuch"

http://=www.oesterreichisch.net/oest...Kriecherl.html

Oksana 16.12.2008 10:57

AW: Speck aus Südtirol
 
Ich bin auch dafür, dass man besser die heimischen Produkte essen sollte. Sie kommen schneller auf unseren Tisch und haben dadurch bessere Qualität. Denn wo sie nicht weit transportiert werden müssen, bekommen sie während des Produktionsprozesses keine/wenig Kunststoffe und Konservante zur längeren Haltung.

Es ist auch schon genug, dass die Ökologie in den industriellen Gegenden schlecht ist – schmutzige Luft, schlechtes Wasser… Andere Sache ist, dass wir hier im Norden z.B. ziemlich begrenzt sind. Hühner, Milch, Kartoffel – diese Produkte kaufe ich nur aus der Region, auch wenn Hühner von der heimischen Fabrik teurer sind als die aus den USA gebrachten („Beine von Bush“ – so hat das Volk die unnatürlich großen Hühnerbeine aus Amerika genannt, die früher in jedem Geschäft waren. In den letzten Jahren hat sich die heimische Lebensmittelherstellung zum Glück ziemlich rasch und gut entwickelt und die Situation etwas geändert).

Manches aber, vor allem natürlich Obst, muss zu uns gebracht werden. Und da ist schon der Mensch selbst dafür verantwortlich, was er für sich wählt. Ich habe einmal Dill gesehen, gebracht aus Polen oder Deutschland – Blödsinn!!! Bei den Äpfeln wähle ich z.B. die vom Süden unseres Landes, nicht die aus Ausland gebrachten. Aber auch dann, auch wenn sie natürlicher aussehen und nicht so hoch glänzen, ist es nicht genug, sie einfach mit dem Wasser aus der Wasserleitung zu waschen, das in Archangelsk übrigens auch schlecht ist. Ich habe einmal einen Apfel auf eine enge Tasse gelegt (nicht „in“, sondern „auf“) und dann mit eben gekochtem Wasser übergossen. Was haben wir nun in der Tasse? – das Wasser und grauen Schleier/Schaum… Seitdem verfahre ich nur so.

Ausserdem glaube ich an die Theorie des “genetischen Gedächtnisses”. Das heißt, viele Generationen, die in dieser Region lebten, darunter auch meine Vorfahren, haben sich hauptsächlich von dem ernährt, was sie hier bekommen konnten. Diese Information haben wir in unserem genetischen Gedächtnis. Die „heimischen“ (in diesem Fall nicht nur hier hergestellt, sondern hier traditionell gegessen) Produkte tun uns gut. Und wenn wir „fremde“ Produkte in großen Mengen essen, hat es negativen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Ich kann gleichgültig die 55 Arten von Wurst und Schinken in einem Geschäft anschauen („fremdes“ Essen), aber wenn ich eine Woche lang keinen Fisch esse, bekomme ich richtige Entzugssymptome, wie bei Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit…

Es ist zwar nicht ganz zur Idee des ersten Beitrags "heimische Produkte aus heimischen Rohstoffen", beim umfangreichen Thema „Ernährung“ kann man aber wirklich über so Vieles diskutieren…

PS Oh, und letzte Woche habe ich in einem „guten“ großen Lebensmittelgeschäft (fast Supermarkt) eine hübsche graue Maus gesehen :)

PPS Das oben gesagte bezieht sich keinesfalls auf die Mandarinen aus Marokko, ohne die kann ich den Winter und das Neujahr nicht vorstellen :smi_mitha

Und jetzt - Mittagspause! Malzeit!

Lg Oksana

Berit (SAGEN.at) 17.12.2008 18:39

AW: Speck aus Südtirol
 
@Dresdner

Ich verstehe den Text von Oksana als einen Bericht aus Archangelsk und ich glaube nicht, dass sie die Ökologie in industriellen Gegenden verallgemeinern will. Das du dich daraufhin angesprochen fühlst verstehe ich, nichts desto trotz hat doch gerade der Umweltschutz sehr viel mit Politik zu tun und wenn nicht Leitsätze und Maßnahmen von der Regierung gesetzt werden, dann ändert sich auch nichts. Und wenn wir uns als Private 10 mal darüber ärgern das das Inntal von Auspuffgasen vergiftet wird, die Wipptaler Milch (so weit ich weiß) nur als "Mischmilch" vermarktet werden kann, es nützt alles nichts wenn nicht die Politik hier eingreift.

Ich finde deine Äußerung
Zitat:

Sicher ist es auch immer eine Frage des Geldes und der Mentalität eines Volkes, wie man mit diesen Dingen umgeht
sehr beleidigend.
Genau wie die folgende, wenn auch nicht eindeutig von dir ausgesprochen
Zitat:

Wie man das Ganze in Italien handhabt, kann man hier lesen
Aber solltest du es nicht so gemeint haben, dann mögest du doch bitte in 2 Sätzen ausdrücken was du meinst und nicht einfach einen Link setzen.

Verallgemeinerungen über Völker und Länder haben in diesem Forum nichts verloren!!! :down:

Berit

Dresdner 17.12.2008 19:48

AW: Speck aus Südtirol
 
Da mein Beitrag offensichtlich missverständliche Aussagen enthielt, wurde er gelöscht.
Bei Interesse bin ich gern bereit, zu diesen Aussagen eine Diskussion zu führen.
MfG Dresdner

Dresdner 17.12.2008 20:15

AW: Speck aus Südtirol
 
Hier noch einmal meine hoffentlich nicht missverständlichen Aussagen zum eigentlichen Thema.

Zitat:

Welch glückliche Menschen, die ihren kompletten Lebensmittelbedarf vom persönlich bekannten Bauern um die Ecke beziehen. Das klingt nach "guter alter Zeit", welche, wenn man genau hinschaut, gar nicht immer so gut war.
Das ganze Problem ist ein Ergebnis der Globalisierung - immer mehr Menschen in immer mehr Gegenden dieser Welt wollen nicht nur alle Informationen, alle Reisemöglichkeiten, nein - sie wollen auch möglichst viele Produkte zu jeder Zeit haben.
Ob der Speck in Östereich, der Stollen in Dresden, die Lebkuchen in Nürnberg und die Pfefferkuchen in Pulsnitz immer am besten schmecken? Ich esse österreichischen Speck bei einem Urlaubsaufenthalt in Kärnten oder Südtirol gern, aber der der verschweisste Speck als "Mitbringsel" kann dem frischen Speck eines einheimischen Fleischers bei weitem nicht Konkurrenz machen. Ebenso gibt es bestimmt Innsbrucker Bäcker, deren Christstollen besser als das Dresdner Original schmeckt, wobei es den Speck und den Stollen sowieso nicht gibt.
Unabhängig davon muss es für viele Leute aber unbedingt österreichischer Speck und Dresdner Christstollen sein. Da ja bekanntlich in unserer Gesellschaft die Nachfrage das Angebot bestimmt ist es nur natürlich, dass die österreichischen Speckproduzenten auf die im Eingangsartikel geschilderte Art und Weise die Nachfrage befriedigen. Wenn nicht genügend Massenware produziert wir, springen andere Hersteller in die Bresche.
Sind Bioprodukte immer besser als "normale" Waren aus dem Supermarkt? Auf alle Fälle sind sie teurer und in der Anfangszeit der Bioproduktion war sicher auch die Qualität höher. Heute ist auch Bioproduktion eine Massenproduktion und es ist länderspezifisch unterschiedlich, was unter Bio zu verstehen ist. Da sind in Bioprodukten eines Landes schon mal Zusatzstoffe enthalten, die in einem anderen Land verboten sind. Dazu kommen Skandale, wie der Betrug mit zehntausenden angeblichen Bioeiern aus Brandenburg, die in Wahrheit aus Käfighaltung kamen. Neueste Tests der Stiftung Warentest kamen zu vernichtenden Ergebnissen bei Biofruchtsäften.
Was die Qualität der Produktion "normaler Lebensmittel" betrifft, gibt es sicher immer negative Beispiele wie von Wolfgang berichtet; auch in Maischetanks von Brauereien hat man bei deren Reinigung tote Mäuse gefunden. Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass die Großabnehmer strenge Qualitätsanforderungen an ihre Lieferanten stellen und es sich kaum einer dieser Lieferanten leisten kann, dagegen mehrfach zu verstoßen. Die Konsequenz der Auslistung wäre in vielen Fällen das Aus für den Produzenten. Gefriergetrocknetes Gemüse z.B. enthält nachweislich mehr Nährstoffe als das Angebot frischen Gemüses auf dem Markt.
Das mit dem genetischen Gedächtnis mag stimmen, jedoch wird der Geschmack eines Menschen mehr davon geprägt, was er als Kleinkind zu essen bekommt. Da hilft auch alles gesunde Hipp und Milupa nicht, wenn die Kinder von den Eltern mit Süßigkeiten zu sehr verwöhnt werden.
Dresdner


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