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Ulrike Berkenhoff 17.11.2012 10:58

AW: Arme-Leute-Essen
 
Liebe Berit: Brotgrammel???-Ulrike

Berit (SAGEN.at) 17.11.2012 17:01

AW: Arme-Leute-Essen
 
Liebe Ulrike,

ich habe leider ad hoc kein Foto zur Hand. Ich versuche sie dir zu beschreiben:

Du kannst dir die Brotgammel (auch Grampel) ähnlich wie einer Holzschublade vorstellen, in der sich ein Wiegemesser befindet. Die Klinge hat auf einer Seite einen Griff, hier ist die Seite vom Holzboden nicht nach oben gezogen und auf der gegenüberliegenden Seite ist sie im Holzrahmen fixiert. Das wirklich harte Brot kann nun ohne viel Kraftaufwand und geminderter Verletzungsgefahr mit der Klinge zerhackt werden, ein weiterer Vorteil sind die hochgezogenen Seiten, die fliegende Brotstückchen verhindern.

Unsrige hat übrigens starke Gebrauchsspuren, in der Mitte hat sich eine halbkreisförmige Vertiefung gebildet. :)

Einziger Nachteil für die heutigen, eher kleinen Küchen besteht darin, dass sie mehr Platz als ein einfaches Holzbrett mit Messer wegnimmt.

lg Berit

baru 17.11.2012 18:50

AW: Arme-Leute-Essen
 
Da wär noch die Brennsuppe: hell- bis mittelbraune Einbrenn mit Wasser aufgießen, salzen, mit Kümmel würzen.
Ich vermeide jetzt absichtlich die mit den heutigen ZUtaten mögliche Aufbesserung, denn die hatten die "armen Leute" ja nicht....;)
Und das Mehlkoch: helle Einbrenn mit Milch aufgießen und kochen bis es am Pfannenboden leicht "anwächst" (das nennen wir "Prinzen"). Mit Butterstückerl belegt kommt ea auf den Tisch, wenn die Butter geschmolzen ist, wird gegessen, natürlich alle aus einer Pfanne.
Besonders beliebt war das "Ummischüttkoch": in einer neuen Pfanne wird Butter geschmolzen, das Koch mit den Prinzen nach oben in die Pfanne gegeben, in der das Koch noch einmal "anwachsen" soll, vor dem Essen mit Zucker bestreuen. (Das war in der Grundschule viele Jahre mein Frühstück, ich hatte einen weiten Schulweg...)
Das Melkermuas wird ähnlich hergestellt.

Das "Bettelmandl-Gulasch" ist nix anderes als ein Erdäpfelgulasch.

Meine Mutter erzählte auch vom selber hergestellten Zichorie-Kaffee aus Löwenzahnwurzel.

Die einfache Bauernkost der frühen Jahre kann man der Armen-Leute-Kost zurechnen, hergestellt aus dem, was der Boden hergab und Milch(produkten) und Wasser, heutzutage "aufgemotzt" zu Schmankerln in der sogen. gehobenen Gastronomie (wobei dann vor allem die Preise sehr "gehoben" sind)


@Ulrike: Brotgrammel

Dresdner 23.11.2012 17:10

AW: Arme-Leute-Essen
 
Auch Bratbrot und "armer Ritter" war einst ein Armeleuteessen. Zudem wurde nichts weggeworfen und auch alle Innereien kamen zur Verarbeitung.
Heute muss man schon sehr suchen, um saure Nierchen zu bekommen (ich mag sie nur nicht selbst zubereiten),
Dresdner

Nicobär 24.11.2012 22:10

AW: Arme-Leute-Essen
 
Nicht nur in den Küstenregionen war Fisch ein Arme-Leute-Essen. Besondere Bedeutung erlangte dabei der Hering, der als Salzhering eine sehr große Rolle bei der Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung spielte. Bis in die späten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts fuhren von Glückstadt (Elbe), Bremen-Vegesack, Bremerhaven und Cuxhaven große Fischfangflotten zum Heringsfang in die Nordsee aus. Der Fisch wurde noch auf See geschlachtet und in Holzfässern eingepökelt (ein bisschen zur Vegesacker Heringsfischerei findet Ihr hier). Da die Besatzungen traditionell am Gewinn beteiligt waren, bedeutete ein guter Fang für alle an Bord - vom Schiffsjungen bis hin zum Skipper - richtig viel Geld. Die Besatzungen, die oft nebenberuflich zur See fuhren - kamen nicht nur aus dem Bremer Raum, sondern auch aus dem Weserbergland und dem Raum Osnabrück. Viele nahmen sich in der Zeit nach dem II. Weltkrieg während der Matjeskampagne extra Urlaub, um dann für mehrere Wochen auf die Doggerbank zum Fischfang zu fahren. Das dabei verdiente Geld war mehr als willkommen, waren doch in der Zeit viele dabei, ihr Eigenheim zu bauen.

Sagenhaft ist der Salzhering in Norddeutschland auf jeden Fall: so gibt es seit 1401 am Sonntag Lätare alljährlich die sogenannte "Störtebeker-Spende" in Verden. Der Sage nach hatte der Seeräuber Klaas Störtebeker verfügt, dass in seiner Heimatstadt Verden (Aller) jedes Jahr die Armen mit kostenlosem Brot und Salzhering gespeist werden müssten.

lillifee07 18.03.2014 13:13

AW: Arme-Leute-Essen
 
Maroni waren früher ein Arme-Leute-Essen. In der Schulzeit meiner Oma haben die ärmeren Kinder Maroni als Jause gegessen. Heute kosten beim Maronibrater 6 Stück 2 Euro oder mehr!

greultina 26.09.2014 13:18

AW: Arme-Leute-Essen
 
Ich bezeichne gerne "Arme Ritter" als Arme-Leute-Essen. Einfach Milch und Ei miteinander verquirrlen, anschließend tunkt man Toastscheiben in die Flüssigkeit und brät diese auf der Pfanne an. Herzhaft oder süss sind sie zu genießen. Naja, und Pizza wird ja auch als ein solches Essen deklariert, obwohl heutzutage das kaum noch in Verbindung damit bringt.

harry 23.03.2015 10:17

AW: Arme-Leute-Essen
 
Nicht nur Fleischloses gab es als Arme-Leute-Essen.Wo aber findet man heute noch ein gutes (und vertrauenswürdiges :koch:) Beuschl?
Für diejenigen, die es nicht kennen, eine kurze Beschreibung: Herz und Lunge (heutzutage ohne Röhren!) werden mit Wurzelgemüse und Gewürzen weich gekocht, klein geschnitten und die Suppe mit etwas Rahm eingesickt. Mit Zitrone abgeschmeckt und mit Semmelknödeln ist der Genuss perfekt.

Steffi 02.12.2015 15:19

AW: Arme-Leute-Essen
 
Bei uns gab es früher immer Spaghetti Aglio e Olio und Pasta con Mollica als arme Leute essen. Ich mag beides bis heute sehr gerne. Auch Pellkartoffeln mit Quark esse ich sehr gerne noch.

Elfie 02.12.2015 18:19

AW: Arme-Leute-Essen
 
Zitat:

Zitat von greultina (Beitrag 46142)
Einfach Milch und Ei miteinander verquirrlen, anschließend tunkt man Toastscheiben in die Flüssigkeit und brät diese auf der Pfanne an. Herzhaft oder süss sind sie zu genießen. Naja, und Pizza wird ja auch als ein solches Essen deklariert, obwohl heutzutage das kaum noch in Verbindung damit bringt.

Stimmt, das hat schon meine Großmutter gemacht, mit Semmelschnitten. Ich war ganz wild drauf.

Zu Zeiten der sogenannten Armen Leute war Pizza noch unbekannt ;). Die ist vor allem schnelles Essen, besonders die fertigen Schnitten an den Imbiss-Ständen. Ja und preiswert ist sie auch.


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