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Rabenweib 25.03.2009 13:52

Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Das lustige Leben einer Zigeunerin



Seit etwa zwei Jahren bin ich Mitglied im Verein „Romano Centro“ in Wien, einem Verein, der sich für in Österreich lebende Sinti und Roma einsetzt.

Es ist fragwürdig, weshalb diese Bevölkerungsgruppe überhaupt jemanden braucht, der sich für sie einsetzt, warum sie erst vor wenigen Jahren als Zigeuner anerkannt wurden von der Regierung. Wieso sie bis vor wenigen Jahren als „Ausländer“ bezeichnet wurden, wo sie doch schon drei Generationen zurück hier begraben liegen und hier leben und hier geboren sind.



Zigeuner stehen nicht öffentlich dazu, Zigeuner zu sein. Oftmals geben sie sich als Jugoslawen oder Tschechen aus, um nicht als Zigeuner erkannt zu werden.

Sie haben Angst. Heute noch.

Man darf nicht vergessen: Zigeuner stinken, sie haben Läuse und Flöhe, waschen sich nicht, stehlen natürlich wie die Raben, können nicht schreiben und lesen, und da ist es immer noch besser, ein normaler „Ausländer“ zu sein, als gleich ein Zigeuner.

Und weil sie so schlechte Menschen waren, wollte Hitler sie auch umbringen- genauso wie Alte und Kranke und Behinderte.

Aber da gab es doch jemanden, der Zigeuner als etwas ganz Besonderes sah.

Dr. Mengele in Auschwitz nämlich. Der war total begeistert von den Zigeunern, baute ihnen eigene Baracken, und Kindergärten, weil er die Kinder so mochte, ließ sich sogar manchmal „Vater“ nennen von den hübschen dunklen Zigeunerkindern, die er sogar als intelligent bezeichnete.

Besonders die oftmals unterschiedlichen Augen der Zigeunerkinder zogen ihn richtig magisch an. (Sie haben oftmals ein grünes und ein braunes, oder ein blaues und ein grünes Auge)- und Zwillinge waren auf der Hitliste Mengeles ganz oben.

Er ließ sie vermessen, machte Gipsabdrücke von ihren Gesichtern, zwei Kinder wurden am Rücken zusammengenäht, ihre Arterien miteinander verbunden, er wollte künstlich siamesische Zwillinge aus ihnen machen. Später durfte die eigene Mutter die beiden Kinder mit einem Polster ersticken, weil sie so geschrien haben, dass sie es nicht aushalten konnte.

Die verschiedenen Augen wurden nach der Ermordung vieler Zigeuner eingeschickt und untersucht.

Von etwa 11.000 in Österreich lebenden Zigeunern wurden vorsichtig geschätzt 9000 ermordet.

Die wenigen, die die KZ`s überlebt haben, haben sich nie wieder getraut, öffentlich zu sagen, wer sie sind. Sie verschweigen ihre Geschichte.

Sie geben diese Angst an ihre Kinder weiter, und die Kinder wachsen mit dieser Angst auf.

Da können sie noch so wunderbare Gipsy- Musik spielen und fröhlich tanzen und singen, es schwingt immer ein trauriger Unterton mit.

Wer wusste schon, dass die Zigeuner zwar aus Indien nach Europa kamen, dass sie aber keineswegs ein „Nomadenvolk“ waren, sondern nur deshalb herumgereist sind, weil sie nirgends stehen bleiben durften für längere Zeit? Weil sie gehetzt und gejagt wurden, vertrieben wurden wo immer sie auch aufkreuzten, weil die Österreicher Angst hatten vor diesen dunklen Gesichtern, vor den schwarzen Haaren und vor der fremden Energie, die sie mitbrachten als Scherenschleifer, Kesselflicker, Teppichverkäufer und so weiter…

Dass viele Zigeuner etwas stehlen mussten, weil sie oftmals gar nicht die Möglichkeit bekamen, etwas zu kaufen, aber ihre Familien auch irgendwie ernähren mussten- darüber spricht man nicht, das wird heute noch in Rumänien totgeschwiegen, dass Zigeuner an den Rand der Städte gedrängt werden, in Betonblocks teilweise ohne Strom und Wasser, die bekommen keine Chance, eine normale Arbeit anzunehmen, wegen ihrer Herkunft. Was bleibt übrig? Kriminalität…



Ich habe mich jedenfalls lange mit diesem Thema beschäftigt, habe mir viele Dokumentationen über Zigeuner im Fernsehen angeschaut, viele Berichte gelesen, viele Zeitungen, Bücher gekauft, usw… Aber ich wollte natürlich auch endlich jemanden kennen lernen, der mir LIVE davon erzählen konnte, was einen Zigeuner ausmacht und was übrig geblieben ist von ihrer Kultur, ihren Bräuchen, ihren Liedern und Tänzen.

Aber wie lernt man Zigeuner kennen, wenn sie sich nicht öffentlich „outen“?

Ich weiß zwar, dass im Burgenland welche wohnen, konnte aber schlecht von Tür zu Tür gehen, anläuten und fragen: „Tschuldigung, san sie zufällig a Zigeina“?



Ich wandte mich also an den Verein Romano Centro in Wien und stellte meine Frage, ob sie jemanden wüssten, der Sinti oder Roma ist, eventuell KZ`s überlebt hat und als Zeitzeuge fungiert, und den ich kennen lernen könnte.

Ich bekam die Adresse von einer Frau aus Wien, mit den Zeilen:“ Frau Ceija Stojka würde ihnen sicherlich weiterhelfen können, sie hat 3 KZ`s überlebt und ist Roma, hat Bücher über ihr Leben geschrieben und würde ihnen sicher genre darüber erzählen.“



Ich habe diese Adresse lange Zeit zu Hause gehabt, habe mich aber nie getraut, ihr zu schreiben, Wien schien so weit weg zu sein, ich wusste nicht wirklich, was ich sie fragen sollte, was ich sie fragen KONNTE- denn man stellt ja nicht einfach so Fragen wie: „Wie schrecklich war es im KZ“?

Ich kannte diese Frau nicht, also kaufte ich erstmal ein Buch über sie.

Auf dem Cover des Buches das Bild von ihr: eine wunderschöne alte Frau mit sehr weisen, wissenden Augen, sehr stolz, sehr mutig sah sie mich an, mit magischen Amuletten um den Hals, der Fatima- Hand und einer Marienfigur, blond gefärbte Haare.

Ich hab das Buch zweimal gelesen. Es ist geschrieben, als hätte es ein Kind geschrieben. Leicht. Locker. Ohne große Ausschmückungen, einfach so, wie sie es erlebt hat. Ravensbrück, Bergen- Belsen, Dachau- die Schornsteine, die Abholung ihres Vaters, seine Vergasung, der Tod des kleinen Bruders an Typhus, die unheimliche Kraft der Mutter „Sidi“, die alles zusammenhielt.

Hunger. Überlebenskampf. Und dann als sie alles überlebt hatte die Rückkehr nach Wien- und wieder kein Dach über dem Kopf, wieder kein zu Hause, wieder umherziehen mit Pferd und Wagen.



Das Buch hat mich sehr berührt.

Ich habe mich dann entschlossen, ihr zu schreiben, und ihr zu sagen, dass ich sie für eine sehr stolze, mutige, schöne Frau halte, die ich sehr bewundere für ihre Kraft und ihren Mut darüber zu reden- immer wieder- und dass ich sie gerne kennen lernen würde.

Lange Zeit bekam ich keine Antwort. Drei Monate später, als ich schon gar nicht mehr damit rechnete, kam plötzlich ein unscheinbarer Brief daher.

Ich schaute auf den Absender und war auf einen Schlag hellwach. Ich öffnete den Brief und das Erste was mir aus dem Kuvert entgegenblinzelte waren bunte Blumen, eine bunte Wiese mit wunderschönen Blumen.

Ich zog das Bild heraus, das dick mit Ölfarbe gemalt war, drehte es um, und da stand in krakeliger Schrift:“ Atmen, Leben Danach“- und daneben ein Hakenkreuz.

Mir standen Tränen in den Augen.

Wie musste es sein, nach 3 KZ`s und all dem Leid und der Not und dem schwarzen klebrigen Rauch und dem Schreien nach drei Jahren zum ersten Mal wieder auf einer Blumenwiese zu stehen, und die Freiheit zu spüren, den Wind, der durch das Gras streift, die Blumen in all ihren wunderbaren Farben zu sehen, und zum ersten Mal nach so langer Zeit wieder reine Luft einatmen zu können, ohne damit die Toten zu inhalieren.



Und dann eine kleine weiße Karte mit wenigen Worten: „Ich lade Dich herzlich ein, mich in Wien zu besuchen; Es wird nie aufklärbar sein, aber nachdem Du da bist, sind wir schon zu zweit. Es freut mich, dass es solche Menschen wie Dich gibt“.



Na, ich bin natürlich gesprungen vor Freude und war den ganzen Tag ganz überdreht. Zweimal haben wir vor unserem Treffen telefoniert, am Telefon erwische ich einmal ihren Sohn, einmal ihre Tochter, einmal ihre Schwägerin, man muss sich durch die ganze Sippe durchkämpfen, wenn man da jemanden bestimmten sprechen will. Haha Das finde ich natürlich alles total aufregend und es wird immer spannender für mich. Ich bin so nervös, dass mir schlecht wird, kurz bevor wir in Wien sind und ihre Haustür suchen.



Als wir (mein damaliger Freund und ich) sie schließlich gefunden hatten und nervös mit einem Geschenk an ihrer Tür läuteten hüpfte mir erstmal ein kleiner wuscheliger Hund die Beine hoch und beschnupperte mich und bellte und wedelte mit dem Schwanz, und dahinter kam eine Frau zum Vorschein, die mir echt die Sprache verschlug.

Vom Buch- Cover her hatte ich mir Ceija etwas rundlich und groß vorgestellt.

Die Frau aber, die da über`s ganze Gesicht strahlte und sich für den Hund entschuldigte und auf Romanes mit kindlicher weicher Stimme mit ihm schimpfte, war sehr zierlich und klein, hatte lange strubbelige blonde Haare, sie trug ein langes schwarzes Samt- Kleid, dazu eine glitzernde goldene Schürze und gestrickte Woll- Socken, war total quirlig und war etwa 70 Jahre alt.

Um den Hals hatte sie jede Menge magischer Amulette die mir vom Buch Cover bekannt vorkamen. Sie bat uns, hereinzukommen.

Als wir durch den Flur Richtung Wohnzimmer gingen sah ich an den Wänden

überall ihre wunderbaren Blumenbilder hängen, sowie Pferdegeschirr, Steine, die beschriftet waren mit „Bergen Belsen“, „Dachau“, „Ravensbrück“ und „Auschwitz“ lagen am Boden. Spiegel und riesige Teppiche zierten die Wände und Böden.

Und dann kam ein riesiger Durchgang, der mit riesigen dicken Teppichen verhangen war. Und als die zierliche Frau davon verschluckt wurde, und ich hinter ihr die Teppiche zur Seite schob um den Raum dahinter zu betreten verschlug es mir gleich zum zweiten Mal den Atem, denn der Raum der dahinter war , war etwa 100 Quadratmeter groß, von der Decke hing ein riesiger Luster, der funkelnd sein Licht verteilte, alle Wände waren voll von wunderbaren riesigen Bildern, Ahnengalerien, Fotos von der ganzen Zigeunersippe, von Ahnen und verstorbenen Familienmitgliedern, von Ceija, usw…

In der Mitte des Raumes stand ein riesiger Tisch, an dem sicher 15 Personen Platz haben, er war gedeckt mit großen Tüchern die aus Thailand oder Bali zu stammen schienen.

In einer Ecke des Raumes stand eine riesige hellblau, weiß und rosa bemalte Marienfigur aus Holz, die mit glitzernden Plastik- Ketten geschmückt war,

(es fehlte meiner Meinung nach nur noch blaues Lametta und eine elektrische Lichterkette)- davor ein Altar mit Kerzen, Engelsfiguren, getrockneten Blumen und einer Wahrsagekugel, die Wohnung war voll mit barocken Sesseln, dick gepolstert mit edlen Stoffen, überall dicke Teppiche…

Und an der Wand ein ungemachtes Bett mit bunter Bettwäsche.



Ceija rannte aufgeregt zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, stellte auf den großen Tisch Schmalz, Wurst, Brot, Semmeln, Wasser, Cola, Kaffee und Käse, Aufstrich und so weiter- obwohl wir ihr versicherten, dass wir gerade gegessen hatten.

Dann übergab ich endlich mein Geschenk für sie, das ich vor lauter staunen noch immer in der Hand hielt.

Als sie das Geschenk sah, stellte sie es vor sich auf den Tisch, stützte ihre beiden Unterarme am Rand des Tisches ab, schaute mich an, schüttelte den Kopf und grinste. Sie freute sich so sehr, dass sie fast weinte.

Dann begann sie mit langsamen, bedächtigen Bewegungen, die Masche der Verpackung zu lösen, sagte mir so nebenher, dass sie meine Briefe ihrer Familie vorgelesen hätte und dass ihre Kinder geweint hätten vor Rührung. Dann bewunderte sie das Verpackungs- Papier, die Masche, und als sie den Inhalt sah, stützte sie sich wieder ab und schüttelte wieder den Kopf, biss sich auf die Lippen, trug die Kerze die darin war zu ihrer Marienfigur und sagte zu ihr: „Siehst Du Maria, was wir bekommen haben? So eine schöne Kerze, die zünden wir morgen an, ja? Und wie die duftet!“

Dann kam sie zurück und schaute sich die anderen Dinge an, die ich ihr mitgenommen hatte- darunter eine gefilzte bunte Decke, die ich mal auf einem Mittelaltermarkt gekauft habe, und die sie ihrer Maria zum Altar legen wollte, und ein Gedicht und zwei gemalte Bilder von meiner Tochter, wobei sie fast zu weinen begonnen hat vor Freude darüber.

Dann setzte sie sich an den Rand ihres Bettes, und wir begannen zu reden. Über mein Leben, über ihr Leben, über ihre Erlebnisse in den KZ`s.

Dabei konnte ich es nicht lassen, auf ihren Unterarm zu starren, der tätowiert war mit der Aufschrift „Z 9600“- die Nummer aus dem KZ- wobei das „Z“ für Zigeuner stand. Diese Tätowierung tat weh in den Augen und sie versuchte nicht, sie zu verbergen, sondern trug sie mit Würde.

Ich wusste, dass sie damals 7 Jahre alt war, als man ihr das tätowierte. Und es war nicht schön tätowiert, so wie meine Tattoos, sondern wild reingestochen in die Haut.



Sie erzählte, dass sie gerade erst vor wenigen Wochen erfahren hätte, dass ihr Vater nicht in Dachau an Lungenentzündung gestorben sei ( so wie damals angeblich ALLE an Lungenentzündung gestorben sind laut Papieren) , sondern in Hartheim in Oberösterreich, und dass die Urne, die sie damals nach Hause bekam nicht die Asche ihres Vaters enthielt, sondern irgendetwas anderes.

Ich habe ihr dann gesagt, dass ich in Hartheim mit behinderten Menschen gearbeitet hatte und viele Bücher darüber hätte und wüsste, dass die Überreste der dort vergasten Menschen per Güterwaggons zur Donau transportiert wurden und dort in den Fluss gekippt wurden.

Daraufhin war sie komplett aufgelöst vor Freude, bedankte sich tausendmal, dass ich ihr das gesagt habe, denn Zigeuner legen Wert darauf zu wissen, wo Verstorbene begraben liegen, und nun wüsste sie, dass ihr Vater in der größten „Ader“ Europas fließt, dass er verdunstete und zu Regen wurde und wieder herunterkommt vom Himmel, dass sie ihn wahrscheinlich schon getrunken hätte, und dass er bei seinem Tod an seine Familie, seine Kinder gedacht hat, und dass er diesen Weg gewählt hat, weil es der einzige und schnellste Weg war, auf direktem Weg zurück nach Wien zu kommen.

Ich war total gerührt, als sie später meinte: „Auschwitz war so grausam, dass sogar der Tod Angst hatte. Denn der Tod kann so viele Seelen auf einmal gar nicht mitnehmen. Der war total überfordert, denn die sind ja nicht normal gestorben, sondern umgebracht worden. Und das war sogar dem Tod zu viel. Der hat richtig Angst gehabt!“



Dann erzählte sie mir von ihrem Sohn, der mit 23 Jahren an Drogen gestorben ist. Sie sagte, dass Zigeuner ihre Angst weitergeben, ungewollt. Dass die Kinder damit aufwachsen und dass kein Zigeuner öffentlich sagen würde, dass er Zigeuner ist, weil dann sofort ein Schritt zurück gemacht wird und die alten Vorurteile- dass Zigeuner stehlen würden und Läuse hätten, sich nicht waschen würden und stinken- wieder zu Tage kämen.

Dass am Nachbarhaus ein Schild hängt, auf das jemand geschrieben hat: „Tötet alle Roma- Kinder!“ Und dass am Gehsteig vor dem Haus jemand ein Hakenkreuz auf den Asphalt gesprüht hat.

Ich bin nicht mehr schockiert über diese Dinge, ich kenne die Szene und weiß, dass sie es oftmals gar nicht aus wirklicher Bosheit machen, sondern aus Unwissenheit, aus Minderwertigkeitskomplexen und Rudelverhalten. Sie denken nicht darüber nach, wen sie treffen, Hauptsache, es lenkt von ihren eigenen Problemen ab. Auch Ceija weiß das. Aber sie ist schockiert darüber, dass es nie aufgehört hat, obwohl alle wissen, was geschehen ist. Sie ist schockiert darüber, dass es noch immer Leute gibt, die behaupten, KZ`s hätte es nicht gegeben.



Sie erzählte, dass sie mit ihrer Familie auf Kriegsfuß stehen würde, seit sie ihr Buch veröffentlicht hat, weil die eine Hälfte der Familie neidisch ist, weil bei ihr täglich hohe Leute aus und ein gehen, Interviews gemacht werden und sie dadurch auch Geld verdient hat, sich zu outen. Die andere Hälfte der Familie hat einfach Angst, dass dadurch Hass erzeugt wird, oder dass Rechtsradikale aufmerksam werden auf sie.



Außerdem will niemand von den Roma oder Sinti über ihre Erfahrungen in den KZ`s reden, das wäre ein Thema, das totgeschwiegen wird.

Sie aber hätte das nicht ausgehalten, und sie würde immer wieder darüber reden, denn die Seelen der Toten begleiten sie und sie sähe es als ihre Aufgabe in diesem Leben, darüber zu reden, und ihr Volk mit Stolz und Würde zu vertreten.



Die ganze Zeit während sie redet bin ich wirklich fassungslos über ihre wunderbare Ausstrahlung, das Licht, das sie versprüht trotz ihrer vielen schrecklichen Erlebnisse. Sie lacht und dann scheint es wieder als würde sie beinahe weinen, wenn sie nachdenklicher wird- und sie redet und strahlt und spricht über Geister und Seelen und Wiedergeburt, über Karma und den Tod ihres Vaters als wäre das total normal und überall üblich.

Sie schenkt mir ein Video über ihr Leben, ein Buch, in dem sie Gedichte schreibt, die meinen sehr ähnlich sind, sowie eine CD, auf der sie Roma- Lieder singt, und ein mit ihren typischen Blumenmustern bemaltes Marmeladeglas, gefüllt mit Marillenmarmelade.

Sie erlaubt mir, Fotos zu machen, und als sie erfährt, wie lange Johannes um mich kämpfen musste, sagt sie lachend: „Mädel, Du bist ja ärger wie 10 Zigeuner zusammen“- worüber wir lange lachen müssen, denn ich empfinde das als größtes Kompliment aus dem Munde einer Zigeunerin.

Sie nennt mich die ganze Zeit „Mädel“- sagt mir mit kopf schütteln: “ Mädel, Du musst ein Buch schreiben!“ rennt weiterhin zwischen Wohnzimmer und Küche hin und her, wird immer wieder von den dicken Teppich- Vorhängen verschluckt, um dann wieder daraus hervorzukommen als würde ein riesiges Wurmloch sie ausspucken.


Verzückt hört sie meinem Freund zu, der über vergangene Leben und seine Ansichten zu Spiritualität redet, schüttelt lachend den Kopf, schaut mich an und sagt:“Mädel, wo hast Du denn DEN aufgegabelt?“

Die Stimmung ist total locker, so als wäre sie eine alte Schwester, die wir seit Jahren kennen. Alle Fragen die ich vorbereitet hatte waren vergessen, die ganze Nervosität ist in dem Moment verflogen, wo sie die Türe geöffnet hatte.

Ich erzähle ihr, dass ich bei einer Geistreise ein Mädchen getroffen habe, die mit ihr im KZ gewesen sein soll und JOBST hieß.

Nachdenklich sagt sie: Ja, ich kenne eine Familie, die hat Jobst geheißen, und die wurden alle auf einem Fleck erschossen. Da war ein Mädchen dabei“

Sie erzählt mir, dass der RABE ihr Tier wäre, zu dem sie eine starke Beziehung hätte- und ich zeige ihr mein Raben- Tattoo und erzähle ihr von den indianischen Krafttieren.

Sie freut sich und erzählt mir über eine Indianerin, mit der sie eine Zeremonie in Auschwitz machte, mit Trommel und Tanz, und dass die Indianer ein verwandtes Volk mit den Roma wären, die wären sehr ähnlich.



Sie sagt uns auf die Frage, warum sie ihre Haare immer blond gefärbt hatte, dass sie als Teppichverkäuferin am Wiener Markt gearbeitet hat und dass die Leute bei dunklen Menschen Angst haben. Dann hat sie ihre Haare blond gefärbt und konnte viel mehr verkaufen. Und irgendwann hat sie sich daran gewöhnt und so ist es bei blond geblieben.



Wir rauchen Zigaretten und reden und vergessen die Zeit um uns herum, und irgendwann sagt sie uns, dass sie uns jetzt verabschieden muss, weil sie schlafen geht. Sie umarmt uns herzlich, nicht ohne uns zu sagen, dass sie sich freuen würde, wenn wir bald wieder kommen würden.



Wir verlassen das Haus mit vielen, vielen Eindrücken, sind ganz stumm und jeder denkt für sich nach über alles, was sie gesagt und erzählt hat.

Wir fahren noch in ein kleines Lokal, wo wir uns an einen Tisch setzen, eine Kerze anzünden, stumm die Leute an den Nachbartischen beobachten, das Buch von Ceija lesen und nachdenken.

Wir sind gleichzeitig tief beeindruckt von der lichtvollen Ausstrahlung dieser Frau, schwer betroffen von der Art, wie sie über die KZ`s redet und die vielen Toten in ihrer Familie, über das schreckliche Leid und die Bilder, die sie im Kopf hat- und die man auf anderen Bildern von ihr findet, die sie in einem Zimmer hinter einem dicken Teppich versteckt hat. (Ihre Malerein sind in zwei Bereiche zu teilen, einmal die Blumenwiesen, immer wieder, Blumen in allen Farben- dazu Pferde und Planenwagen und Menschen mit langen dicken schwarzen Zöpfen und bunten Kleidern. Und der andere Bereich zeigt Schornsteine, durch die Seelengesichter fliegen, nackte Menschen die brennen, SS- Uniformen, Hunde und Gewehre, schreiende Kinder, schwarze Wolken, den Tod und Stacheldraht.)



Wir sind voller Freude darüber, dass sie uns als „Gadje“ (so nennen die Zigeuner uns „Weiße“) so voller Liebe und Gastfreundschaft, Offenheit und Herzlichkeit aufgenommen hat. Und wir sind überrascht über die tiefe Spiritualität dieser Frau, denn für eine Frau ihres Alters ist das wirklich unglaublich wie sie damit umgeht und wie sie darüber redet, wie sie sie LEBT…



Damals hab ich nach meinem Besuch bei ihr ein kleines Paket an sie geschickt, darin enthalten ein Buch über Hartheim, ein kleines Heiligenbildchen der Maria- aus Russland, und ein langer Brief, sowie meine Gedichte und das Versprechen, dass wir sie bald wieder besuchen und ich ihr dann ein Bild schenke, das ich für sie gemalt habe- ein Chamäleon.

Ich denke nämlich, dass dieses Bild auch ganz gut zu ihr passt, denn das Chamäleon passt sich seiner Umgebung optimal an, kann sich je nach Situation verändern, bleibt aber doch immer ein Chamäleon.

So, wie sich Ceija in ihrem Leben an sehr viele Situationen anpasste um zu überleben, aber innerlich doch immer eine Zigeunerin blieb und nie ihre Sprache, ihre Lieder und ihre Werte vergessen hat.



Wir sind dann am nächsten Tag am Vormittag zur russisch- orthodoxen Kirche im dritten Bezirk gefahren, haben eine russische Messe angehört, haben Kerzen gekauft, die wir dann zu einer Mutter Gottes- Ikone stellten und für Ceija, sowie für unsere Ahnen und Familien angezündet haben.

Sonja

Ulrike Berkenhoff 26.03.2009 09:17

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Liebe Sonja, dies ist ein beeindruckender Bericht! Selten hat mich hier etwas so ergriffen! - Nun erzähle ich heuer
zum 2. Mal von unserem Friedhof: Hier ist nämlich ein altes Zigeunergrab.
Es ist abgeräumt, der eindrucksvolle Stein noch vorhanden (leider kann
ich keine Fotos versenden). Es handelt sich gewissermaßen um einen
steinernen Baumstamm mit Fischsymbol u.a. Früher stand auf dem Grab eine
Ulme (eingegangen). - Wir haben vor Ort eine sog. "Zigeunerwiese",
jährlich kamen diese früher als fahrendes Volk eine Weile hierher. Sind auch
so Kindheitserinnerungen! - Viele Grüße von Ulrike

Rabenweib 26.03.2009 09:35

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
oh schade, wieso kannst du keine fotos versenden?
per mail auch nicht? sonst könnte ich sie ja für dich hier einstellen.
wo ist denn der friedhof genau?
oder die wiese?
magst du mir eine PM schicken?
meinst du, es wäre möglich, wieder eine ulme dort zu pflanzen, oder würde ich probleme bekommen dann?
alles liebe, sonja

volker333 29.03.2009 16:35

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Hallo Sonja,
schönes Erlebnis und interessant berichtet. :smiley_da
Es gibt allerdings auch andere Erfahrungen mit Zigeunern.
Wenn du willst, kann ich dir mal die Erfahrungen einer Krankenschwester berichten, die eine Zigeuner"königin" "chefin" pflegen musste. :down:
Wir machen seither einen großen Bogen um Zigeuner. Zum Glück gibt es da, wie in allen Menschengruppen, Unterschiede. Ich bin froh, dass jemand was positives berichtet. Aber selbst gemachte Erfahrungen sitzen sehr tief.
Gruß Volker

Rabenweib 29.03.2009 17:20

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
hallo volker!
natürlich gibt es überall schwarze schafe. ich kenne auch einige österreicher die ich :smi_nein: finde...
deshalb male ich denen aber auch keine sprüche an die hausmauer oder will sie loshaben. *lach*
da hatte ich halt glück, daß ich mir die richtige ausgesucht habe. :-)
bzw. wurde mir eine liebe frau empfohlen von dem verein.
ich habe sie später noch einmal besucht mit meinen kindern und es war wirklich eine schöne zeit.
alles liebe, sonja

Berit (SAGEN.at) 30.03.2009 21:34

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
4 Anhang/Anhänge
Da die "Zigeunergräber" angesprochen wurden, möchte ich ein paar Fotos zeigen, die meine Mutter vor 3 Jahren auf einem Friedhof bei Paris (Montreuille) gemacht hat. Die Gräber liegen alle beieinander auf einem christlichen Friedhof und sind sehr prunkvoll. Als Grabsteine wurden meistens polierte Steine (Granit?) gewählt, zusätzlich zu den Inschriften werden auch Bilder der Verstorbenen in den Stein gefräst/geätzt. Besondere Blickpunkte sind die vergoldeten Details wie Schmuckketten und Siegelringe. Die Verstorbenen bzw. Inhaber der Gräber werden so dargestellt wie man sie kennt, die Frauen mit Kopftüchern und langen Röcken, die Männer in Anzügen. Auch Statussymbole bzw. "Symbole der Freiheit" sind abgebildet wie z.B. der Planwagen mit Pferden und der Mercedes.
Unbekannt ist uns der Brauch Getränke, Kaffeservice und Spitzendeckchen auf die Gräber zu stellen. Ich nehme an, dass dem Verstorbenen zu Ehren diese "Gaben" mitgebracht wurden, vielleicht wird aber auch dazu eingeladen hier zu verweilen und einen "Kaffeeklatsch" zu halten?
Wer weiß mehr zu diesen Bräuchen der Zigeunerkultur?

Berit

Rabenweib 30.03.2009 22:55

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
oh, wie schön, danke fürs zeigen!
ich bin mir ziemlich sicher, daß es opfergaben für die verstorbenen sind.
schnaps und wein, kaffee und kekse...
schade, daß man hier bei uns wahrscheinlich gleich für verrückt erklärt wird,
wenn man sowas macht. ich bringe meinem opa ab und zu mal tabak auf den friedhof oder opfere heimlich ein paar manner-schnitten, wenn keiner herschaut. *lach*
aber ein bier hinstellen, das trau ich mich dann doch nicht. *ggg*
sehr schön, diese gräber.
alles liebe, sonja

Ulrike Berkenhoff 31.03.2009 09:09

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Eine Frage: Sagt man überhaupt noch Zigeuner? Wie nennen sie sich , heißt es
nicht Sinti und Roma o.ä. Ich weiß, viele kamen nach der Wende z.B. aus dem
total armen Rumänien, wo sie mehr "schlecht als recht" lebten. Wie soll ein
"Volk ohne Land" denn leben, und wo? - Es gibt da viele traurige Beispiele. - Bei einem
Besuch in Berlin haben wir damals auch "schlechte" Erfahrungen gemacht
(Bettler im Park). Da mir aber die Umstände bewußt waren, sehe ich alles von
beiden Seiten. "Leute holt die Wäsche rein, Zigeuner sind in der Stadt ..."
hat nicht Reinhard Mey dies in einem Lied verarbeitet? Früher kamen sie z.B.
an die Türen und baten um frisches Wasser. Sie lagerten auf Wiesen, ohne
Strom, Toiletten, Wasser u.a. Von Ort zu Ort ging es weiter! Also: lustig war
so ein Leben nicht. Manche wollten vielleicht etwas anderes, aber welche
Chancen gibt es. So bleibt die "Sippe" als Halt (bei uns natürlich sieht auch
dies alles anders aus). Man soll nichts beschönigen - aber auch nichts ver-
schweigen. Diese Menschengruppe hat im "Dritten Reich" wahnsinnig leiden
müssen und leider keine große "Lobby".
Mich wunderte immer das Grab auf unserem Evangelischen Friedhof, dachte
ich doch, der Katholische Glaube (Marienverehrung) wäre dort verbreitet.
Liebe Rabenfrau, weißt Du etwas darüber?
Viele Grüße von Ulrike

Rabenweib 31.03.2009 10:43

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
also die ceija hat gesagt, daß sie sich selber zigeunerin nennt, sie sei stolz drauf, sich so nennen zu dürfen. viele zigeuner sind halt nicht mehr stolz drauf, sie haben eher angst davor, sich zu "outen" und bezeichnen sich lieber anders.
und nehmen dann das wort "zigeuner" als schimpfwort, sow ei es oftmals halt gesagt wurde.
und es gibt da eine ganze menge unterteilungen: sinti und roma sind da nur die größeren zwei gruppen, da gibt`s noch viele kleinere gruppierungen. die namen müsste ich raus suchen aus büchern, auswendig merk ich mir die nicht. wenns dich interessiert schau ich mal nach.
das mit der marien-verehrung ist bei einigen sehr ausgeprägt, die pilgern ja sogar nach frankreich und haben dort ihre rituale wo sie die marienstatue in einer prozession herum tragen, und ich glaube sogar, daß sie an eine frau von jesus glauben, oder an eine tochter (durch die frau) die sahra heisst? müsst ich mich auch nochmal erkundigen.
eine freundin hat ein buch darüber, da könnt ich mal nachfragen und die ISBN-nummer abschreiben.
ich meld mich nochmal zu dem thema.
alles liebe, sonja

Berit (SAGEN.at) 31.03.2009 21:58

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Ich bin mir fast sicher, dass meine Mutter die Fotos auf einem evangelischen Friedhof gemacht hat... im übrigen habe ich mir sagen lassen, dass die Marienverehrung in einigen evangelischen Gemeinden stark im Kommen ist, wie z.B. in Hamburg. Und unter den "Zigeunern" gibt es auch Muslime.

Bei dem Wort "Zigeuner" mußte ich sehr (!) lange nachdenken, ob ich es denn wirklich benutzen will. Mir stellte sich dann die Frage: wann schreibe ich Roma und wann schreibe ich Sinti? Liegen die Unterschiede nur in der "Sippschaft" oder auch im Glauben, Riten, Gebräuche...? Nach einem kurzen Blick ins Internet habe ich dann festgestellt, dass es noch einige andere "Gruppen" gibt... und schlußendlich bin ich auf diese Seite gelangt, siehe auch http://www.forumromanum.de/member/fo...878&threadid=2 oder die anderen interessanten Zigeuner/Seiten von Rüdiger Benninghaus und habe mich dann für den Begriff "Zigeuner" entschieden.
Ich wurde dann schon gestern abend gefragt ob das Wort nicht zu den "verbotenen Wörtern" gehört, man sieht die "Sensibilisierung" oder "political correctness" ist in unserer Kultur doch schon weit fortgeschritten.

Beste Grüße :smi_blume

Berit

Ulrike Berkenhoff 05.04.2009 18:40

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Hier ein Liedtext, den wir unbekümmert noch als Kinder sangen, wie ich
ihn in Erinnerung habe:
Lustig ist das Zigeunerleben, faria,faria,ho
brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben, faria,faria, ho
Lustig ist es im grünen Wald, wo des Zigeuners Aufenthalt
Faria,faria,faria,faria,faria,faria,ho

Sollt uns einmal der Hunger plagen ...
gehn wir uns ein Häschen jagen ...
Häschen nimm dich nur in Acht, wenn des Jägers Büchse kracht ...

Sollt uns einmal der Durst sehr quälen ...
Gehn wir hin zu Wasserquellen ...
Trinken das Wasser wie Moselwein, als wärs echter Champagnerwein ...

Viele Grüße von Ulrike

Rabenweib 05.04.2009 18:47

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
oh, da kommen erinnerungen hoch! das haben wir auch gesungen, allerdings kannte ich nur die erste strophe.
wie schön! danke fürs reinstellen!
und da fällt mir noch alexandras "zigeunerjunge" ein... :-)
alles liebe, sonja

Ulrike Berkenhoff 08.04.2009 12:48

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Mir fiel noch folgendes ein: In der schönen Novelle von Theodor Storm
"Immensee" kommt auch in einem Kapitel ein Zigeunermädchen vor.
Vielleicht bei Interesse mal nachlesen. Viele Grüße von Ulrike

Rabenweib 08.04.2009 13:55

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Auf der Suche nach einem bunten langen Rock bin ich heute auf einer rassistischen Seite gelandet...
Ich habe bei google "xxxxx" eingegeben, und bin hierhin gelangt:

Admin: Link gelöscht. Solche Links lasse ich auch zu "Anschauungszwecken" nicht zu!

Ich war ziemlich schockiert darüber, daß sowas veröffentlicht werden darf.
(ja ich weiß, es wird noch weit schlimmeres veröffentlicht)
Ich hab wirklich geschluckt heute. Es macht mich wütend und traurig, daß es noch immer Menschen gibt die so denken.

Sonja

Rabenweib 10.04.2009 00:54

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
@berit: ich habe etwas nachgeforscht und rausgefunden, daß im mai die pilgerfahrten nach saint marie de la mer (frankreich) gemacht werden, die "gitanes" (hauptsächlich spanische roma) verehren dort ihre schutzheilige SARA.

Ulrike Berkenhoff 25.06.2009 19:57

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Heuer eine kleine Zeitungsnotiz in der WR (Westf. Rundschau), die ich hier
einstelle (afp) Pristina:
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die
sofortige Schließung mehrerer bleiverseuchter Auffanglager für Roma
im Kosovo gefordert. Die kosovarischen Behörden u. die Geberländer
müßten zusammenarbeiten, um die Insassen umzusiedeln u. sie gegen
Bleivergiftung medizinisch zu behandeln, erklärte HRW. Demnach wurden die
Roma von der UNO in Auffanglager untergebracht, die sich in der Nähe
einer alten Bleimine des Kosovo befinden. Die 1999 als Übergangslösung
eingerichteten Lager seien noch in Betrieb, 670 Roma lebten dort! -
Eine nachdenkliche Ulrike!

Rabenweib 25.06.2009 20:29

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
pffff..... krass... :smi_nein:

Oldtimer 12.07.2009 22:09

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Hi Rabenweib

dein Bericht zu Zigeunern hat wirklich was und ist sehr beeindruckend dargestellt.
Du überrascht mich immer wieder sehr angenehm auf´s Neue, wenn ich wieder mal einen Thread von dir aufstöbere.

Ja, das Vorurteil gegenüber den Zigeunern ist gross und diese Volksgruppe war deshalb besonderm Leid ausgesetzt und hatte nie wirkliche Chancen.

Ich selber lernte mal vor 25 Jahren einen sog. Zigeunerbaron etwas kennen.
Die waren aber schon sehr ins allgemein gesellschaftliche Leben integriert und meine Beziehungen waren vor allem geschäftlicher Natur.
Der Mann besass nämlich eine sehr beeidruckende Sammlung von Bauernschränken - so schön wie sie nicht mal im Museum zu sehen waren.

Rabenweib 12.07.2009 23:26

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
eine nachbarin von mir die sogar jünger ist als ich, kann sich noch daran erinnern, daß pferdewagen hier durch den ort fuhren, als sie klein war.
ich kann mich an sowas leider nicht erinnern, hatte aber immer die romantische vorstellung vom zigeunerleben... (und vielleicht ist ein bisschen von dieser zigeuner-romantik geblieben, weshalb ich mit so viel herzblut dabei bin wenns um dieses thema geht....)
was mich aber am aller-meisten gefreut hat, als ich damals ceija stojka kennenlernen durfte: ich sah, daß sie selbst genau diese zigeuner-romantik in ihrem herzen behalten hat.
und das, obwohl sie die vielen schattenseiten des zigeuner-daseins schmerzlich kennen lernen musste.
das ist es, was uns wohl verbindet. die eigenschaft, das schöne im herzen zu behalten und das schlechte ziehen zu lassen....

[ame="http://www.youtube.com/watch?v=5-1iVCxYK-w"]YouTube - Alexandra - Zigeunerjunge 1967[/ame]

MJCG 15.07.2010 00:42

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
hallo ihr lieben, ich bin durch zufall auf euren beitrag gestoßen der ja nun etlige jahre vergangen ist, aber vll ist es hilfreich.

ich bin eine Sinteza und wollte mich zu dem Thema mal äussern.

das wort Zigeuner ist ein schimpfwort und darf auch eigentlich nicht gebraucht werden, den Polizisten ist es untersagt dieses Wort zu gebrauchen.

Mein Opa Wallani Georg war derjenige, der sich mit unseren alten und liebenswürdigen Bundeskanlzer Helmut Schmidt zusammen getan hat und ein abkommen gefunden hat, Wir Sinti und Roma wurden auch verfolgt und vernichtet, was bis ins Jahr 1979 nicht anerkannt war, was ja schon eine Schande ist, dass man diese Anerkennung erst erkämpfen muss mit Demonstrationen und öffentlichen Hungerstreicks in Dachau.
Ich möchte euch nur darüber informieren das es sinti und roma gibt, aber es eigentlich 2 verschiedene paar schuhe sind.
romas kommen wirklich aus dem ausland wie dem balkan polen etc
sinti kommen ausschliesslich aus dem deutschsprachigen raum teilweise frankreich, dann gibts noch die gitanos. die zivilisierten ähneln eher den sinti in deutschland.

wobei man nicht sagen kann, dass die roma unzivilisiert sind, ich selbst als sinteza musste mich erst mal vom gegenteil überzeugen und bin als einzigste sinteza zu dem ersten deutsche jugendtreffen von romas nach spanien. dort hat sich die elite aus 12 verschiedenen ländern getroffen um signale zu verbreiten, wir sind da und wollen was ändern.
http://romayouth.com/
http://www.amarodrom.de/content/euro...a-jugendgipfel
an das rabenweib, ich finde deinen berichten wirklich klasse.
falls irgendwer fragen hat, bitte einfach melden

LG MJCG

Rabenweib 15.07.2010 07:37

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Griaß di!
Hei, vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar hier! Ich freu mich drüber!
:)

Ich denke gerade darüber nach, vielleicht ist es auch Neid, der vielen Menschen entgegenschlägt, die ihre Wurzeln kennen.
Wenn ich da an die nordamerikanischen "Natives" denke, die ja fast alle wissen, zu welchem Stamm sie gehören (Ojibwe, Cree, usw...) dann fällt mir auf, dass wir Europäer, vor allem in Gebieten wo es Völkerwanderungen gab ja kaum wissen, wo wir herstammen.
Wir können nicht sagten wir sind von den...
Vielleicht ist es Neid, daß ihr sagen könnt: "Ich bin Roma" oder "Sinti" oder sonst eine Bezeichnung, die die Wurzeln bezeichnet.
Die Europäer können das nicht!
Sie sind ohne Wurzeln.

Aber oftmals ist es bestimmt auch einfach nur Angst und Unsicherheit (darum finde ich Aufklärungsarbeit auch enorm wichtig und finde es sollte viel mehr davon geben) aber auch die dumme Angst, daß Ausländer (egal welcher Herkunft und Abstammung) ihnen was wegnehmen könnten- den Job oder etwas vom Reichtum und vom Luxus...

Ich bin seit einigen Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig.
Sammle Kleidung, Spielzeug, Süßigkeiten, organisiere Feste im eigenen Haus für die Asylanten, mache Flohmärkte oder sonstwas...
Und immer wieder höre ich von den Österreichern Kommentare die mich einfach umhauen, weil sie teilweise so ungerechtfertigt und dumm sind, daß es mir die Sprache verschlägt.

Zitate:

"denen sollte man eine Bombe reinwerfen, denen sollte man die Schädel auf Asphalt knallen!"
(hat eine Hausfrau um die 50 neben mir an der Kasse des Dorfladens gesagt, weil ihre Halogenleuchte vom Rad geklaut wurde, sie wusste übrigens NICHT wer sie gestohlen hat)

"Ihr kriegt die Plastiksackerl eh weiterhin gratis, aber bei den Auslänern verlang ich jetzt 20 Cent"
(Verkäuferin in einem Laden)

"sowas wie dich hätte man beim hitler vergast!"
(rief eine alte frau mir in einem cafehaus nach als ich mit meinem kind dort aufs klo ging, ich hatte damals lila haare und bin tätowiert)

"tötet alle roma"
(aufschrift auf der hauswand in wien, wo ceija stojka lebt)



... und sowas sagen/ schreiben die menschen HEUTE- in einer aufgeklärten welt!


Ich habe oft darüber nachgedacht, woher dieser Hass kommt, und es IST Hass- Wut- Eifersucht- Dummheit...
Manchmal meine ich, daß es einfach Unwissenheit und unbegründete Angst ist, etwas zu verlieren.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht und würdest du darüber erzählen wollen?

Ich schick dir mal liebe Grüße und frische Bergluft aus dem Ybbstal!

Sonja

Anemona 19.07.2010 04:26

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Das ist ein Thema is seiner Komplexität glaub ich gar nicht zu erfassen - was auch für mich der falsche Ansatz wäre, da es ja immer individuelle Unterschiede gibt...
Neid-Angst-Unsicherheit sind sicherlich gute Punkte; doch will ich auch einen Punkt ansprechen, der uns in unseren Diskussionen ein wenig aufgefallen ist:
-Gewohnheit:
Wenn ich mir Österreich seit dem 2 WK ansehe, war es immer so, dass es Gruppierungen gab, über die man solch schreckliche Dinge sagte, wie du sie aufzählst - zuerst die Tschechen und Slowaken, dann folgten die Bewohner des ehemaligen Jugoslawien und Türken, dann gab es einen kurzen Umschwung auf Nigerianer/ Menschen nicht-weißer Hautfarbe und momentan sind es alle Islam-Gläubigen, die es abbekommen ...
Wir glauben entdeckt zu haben , dass diese Wechsel von Anfeindungen einem Zyklus unterliegen, der endet, wenn genug Jahre ins Land gezogen sind, sodass man sich an die Bewohner gewähnt hat...vor 9/11 hätte ich persönlich drauf gewettet, dass Menschen asiatischer Herkunft die nächsten Opfer solches Hasses werden würden...
Nicht, dass diese Erweiterung der Sichtweise etwas besser machen würde, glaube ich manchmal und an düsteren Tagen, dass man als Gesellschaft/ Teile davon leider immer jemanden braucht, den man beschuldigen kann...
Egal wie aufgeklärt man ist...

Rabenweib 25.08.2010 19:37

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Hallo zusammen!

@Anemona: Ja, das stimmt wohl. Einer kriegt immer des "Pummerl" wie man so schön sagt. Es braucht immer ein schwarzes Schaf. Wenn andere die Bösen sind, dann steht man selbst gut da. (Ego stärken indem man andere niedermacht).

Um dem entgegenzuwirken haben wir auf Facebook eine Gruppe "gegen die Vertreibung von Sinti und Roma" gegründet.

http://www.facebook.com/home.php#!/g...54941621187443

Vielleicht mag ja wer mitmachen?

Alles Liebe, Sonja

Ulrike Berkenhoff 25.08.2010 22:20

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Aktuell in Presse und Nachrichten: Frankreich "lockt" Roma aus Rumänien
"nach Hause" zu fahren mit 300 Euro "Kopfpauschale". So versucht man nun
unliebsame Menschen loszuwerden. Viele würden aber nach einer
Weile zurückkommen. Im Europa der offenen Grenzen ist dies natürlich
leicht geworden. In Rumänien haben sie auch keine Zukunft, in Frankreich
sind die Probleme groß durch Zuwanderung aus vielen Ländern (ehem. Kolonien).
In Zeiten der hohen Arbeitslosigkeit und sozialer Probleme sucht man
"Sündenböcke" auf "elegante " Art zur Zwangsabreise zu bringen. Das Geld
ist natürlich erstmal ein Lockmittel im Elend und evtl. in Rumänien eine Summe,
mit der man eine Weile leben kann?-Ich weiß es nicht, vielleicht weiß hier
jemand mehr darüber?- Ulrike

Rabenweib 25.08.2010 22:51

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
http://mein.salzburg.com/blog/wirtsc...ma-umgeht.html


und hier:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/...story/25600290

liebe grüße, sonja

cerambyx 26.08.2010 11:49

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Ich hatte mit Fahrenden (kann man Sinti und Roma unterscheiden? Wenn ja, wie? ... deshalb wähle ich den Begriff "Fahrende" um niemand zu beleidigen!) nur einmal Kontakt bei einem Groß-Treffen in einer NÖ Kleinstadt.

Meine (bitte wertfrei zu nehmenden) Beobachtungen:

Große Autos mit tadellos gekleideten, dunkelhäutigen, alleinfahrenden Lenkern (eine Lenkerin sah ich nie, kann aber auch nicht sagen, ob welche da waren) und gepflegter Ausdrucksweise waren ebenso zu finden wie vernachlässigte, verschmutzte Menschen, die in Gruppen lärmend und auch betrunken am Kirchenplatz auffielen. Schlafen am dortigen Kinderspielbereich, in Kartons gewickelte Kinder, grölen die Nacht hindurch bis in die Mittagsstunden - ein sehr alter Nachbar konnte nur schwer das unerwünschte Eindringen in seine ebenerdige Wohnung unterbinden, nachdem sie in schwer verständlicher Sprache ein Gespräch zur Ablenkung begannen. Hinterlassen wurden Fäkalien auf den Parkbänken ...

Meine persönliche Ansicht:
Auch "Einheimische" legen ja bei Bierzeltfeiern ein Gehabe an den Tag, das oft unakzeptabel ist - und ich meine, dass ein Versammeln oder Zusammenrotten egal welcher (Menschen)Art die Schwächen einer Gruppen eher sehen läßt als die Stärken. Aus diesem Grund sollte man daher keine "Beurteilung" ableiten!
Andererseits - nur zu verlangen, Integration zu betreiben ohne umsetzbare (!) Möglichkeiten anzubieten, ist auch nicht fair! Wenn die Führer der Fahrenden in wohlgesetzten Worten verlangen, ihnen (Arbeits-/Lebens-)Chancen anzubieten, ist das eine Sache! Diese Chancen dann auch einen Dritten wahrnehmen zu lassen, der weder kann noch will, ist eine ganz andere!

Wie soll das dann aber überhaupt funktionieren, wenn unsere Jugend immer weniger Arbeit findet, unsere Alten aus den Arbeitslosenstatistiken hinausgeschönt werden (was tut wohl ein 60-jähriger mit Staplerführerschein und danach ECDL-Schulung?)? Die letzte Meldung heute Früh war: Wirtschaft langsam positiver, Arbeitslose mehr .... in diesem Umfeld KÖNNEN die Fahrenden gar keine Chance haben auf Arbeit, das ist Faktum!

Fazit: Alle sind Ratlos - es gibt keine Lösung. Zu sagen: es MUSS eine Lösung geben, ist zu wenig .... wie Sonja's Beispiel zeigt, ist Einzelnen durch Einzelne in bestimmten Bereichen zu helfen, kann man Hilfe anbieten. Aber dies werden immer positive Einzelfälle bleiben ... und auch die müssen erst positiv ausgehen ...

Traurige Grüße
Norbert
der manchmal gerne weniger Realist sein würde!

Elfie 26.08.2010 13:59

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Dank an Norbert, der auch einmal die andere Realität anspricht.
Natürlich hat man eine andere Sicht der Dinge, wenn einem ein Mensch gegenüber sitzt, der seine Geschichte erzählt. Das verbindet und ist auch gut so. Und denen, die sich selber nicht helfen können, gehört geholfen, das ist am Schönsten von Mensch zu Mensch, da seh ich die strahlenden Augen und den Dank. Aber für das eigentliche Problem gibt es zu wenig Menschen für Menschen. Diese Menschen bleiben von Almosen abhängig, das ist menschenwürdig und vor allem hat man den Eindruck, dass die Zuständigen sehr froh drüber sind, wie es läuft. Rumänien hat sich kürzlich ganz offiziell bei den im Ausland lebenden Landsleuten dafür bedankt, dass sie NICHT zurückkommen, weil die Arbeitslosigkeit so hoch ist.
Real sollte man einmal schauen, warum es die letzten Jahre gerade in Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Russland, auch China immer mehr Superreiche gibt und die Bevölkerung immer noch mehr verarmt? Bei uns ist es nicht anders, eine Meldung von vor ein paar Wochen: der Anteil der Milliardäre (kein Schreibfehler!) um 11% gestiegen.
So lange man die "Reichen und Schönen" anhimmelt und hofiert, statt ihnen zu sagen: zahlt wenigstens ordnungsgemäß eure Steuern, ehe ihr mit Geld, für das unsere Arbeitsplätze wegrationalisiert worden sind um euch schmeißt, wird sich auch nicht viel ändern.
Die Obdachlosen zumindest in Wien sind fast ausschließlich Inländer, ohne private Hilfe (Caritas, Vinci-Bett) wären sie auch schlimm dran. Die Unterstützung vom Integrationshaus und von Ute Bock - sie halte ich ohnehin für eine österreichische Mutter Teresa - ist mir sehr wichtig, ich bin also sicher nicht ausländerfeindlich, meine besten Freund sind gebürtige Rumänen.
Aber ich seh in erster Linie MENSCHEN und auch, dass Vieles schief läuft.
Sorry, hat nix mit Zigeunerin und schon gar nicht mit lustig zu tun, ist also vielleicht etwas von Thema weg, aber es hat eben alles 2 Seiten.

stanze 26.08.2010 17:39

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Ich bin auch nicht Ausländerfeindlich, bin mit sehr vielen bei uns per Du.
Aber die Probleme ,die Elfie und Norbert so super schildern, sind eben Real und sehr schwer oder garnicht zu lösen. Es fehlen dazu die geeigneten Leute in der Obersten Schicht. Wir kleinen können diese Probleme nur Lindern.
Liebe Grüße

Ulrike Berkenhoff 30.08.2010 08:48

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Das Volk der Heimatlosen
10 Millionen Roma leben in Europa. Die Volksgruppe lebt verteilt und stellt
überall eine Minderheit dar, die häufigen Diskriminierungen ausgesetzt ist.
Vor allem in Rumänien, Bulgarien, Ungarn u. dem Kosovo leben sie als
Randgruppe der Gesellschaft. In Westeuropa scheint Frankreich "Vorreiter"
zu sein. Lager der Roma "Gens du voyage-Fahrendes Volk" werden zwangsgeräumt. Ihr Präsident beschwert sich vergeblich: Einige Belgier, wir
anderen sind offiziell Franzosen mit Papieren, Handelsregister-Eintragung
u. zahlen unsere Steuern. Meist sind wir als Markthändler tätig.
In Dänemark sollen 400 Roma abgeschoben werden.
Belgien: Die Regierung verlegt Lager zwangsweise aus dem Flämischen
in den wallonischen Teil.
Ungarn hat eine eigene Dramatik, es kam schon zu Todesfällen. Für alles
Übel werden die Verfolgten verantwortlich gemacht.
Angeblich gibt es sogar Hilfsmittel, z.B. für Rumänien, die zweckgebunden
"auf Eis liegen" und (warum auch immer) von der Regierung nicht abgerufen
werden. Die Problematik ist allseits bekannt, humanitäre Hilfe wird versagt
u. die Betroffenen dadurch oft bewußt an den Rand gedrängt u. wirklich
Gewalt u. Gesetzeskonflikte herausgefordert.
Bei uns sind Frankfurt, Köln u. das Ruhrgebiet Anlaufziel für die Roma.
In Dortmund sollen vermehrt Klau-Kids ihr Unwesen treiben.
Besonnene Menschen, die die Szene kennen, warnen immer wieder davor
"alle über einen Kamm zu scheren". - Leider steigt z.B. in Dortmund auch
das rechtsradikale Unwesen! - Ulrike

Ulrike Berkenhoff 30.08.2010 08:57

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
(Forts.)
Rumänen u. Bulgaren haben bei uns Bleiberecht. Die Kriegsflüchtlinge müssen
nach jahrelanger Duldung zurück nach Bosnien, Serbien, Kosovo. Ihre Kinder
haben deutsche Schulen besucht und sind Fremde in der alten Heimat der
Eltern, oft können sie die dortige Sprache nicht. Ein Kultursc hock
erwartet die "Heimkehrer" ohne Zukunft. 14 ooo mußten zurück in den
Kosovo, darunter 10 000 Roma. Vor allem auch in Albanien sind sie der
Willkür ausgesetzt! -
Hauptquelle ein heutiger Zeitungsartikel der Westf. Rundschau
Ein Foto zeigt die typische "Behausung" einer Roma-Familie im Kosovo.
Der Herd sieht aus wie zu Zeiten meiner Urgroßmutter u.a.!
Der bleiverseuchte Boden dieser unwürdigen Lager war hier schon mal Thema.
Es scheint sich nichts zu bessern, sondern die Lage wird dramatischer
(siehe Frankreich).
In Deutschland leben Sinti und Roma seit 600 Jahren, 70 000 sind als Minderheit
anerkannt u. deutsche Bürger.
Es grüßt mal wieder eine nachdenkliche Ulrike!

Ulrike Berkenhoff 17.09.2010 09:33

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Frankreich steht unter starker Kritik in der EU wegen der praktizierten
Abschiebepraxis ! -Ulrike

Ulrike Berkenhoff 28.09.2010 19:47

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Bei uns wird 41 Familien aus dem Kosovo "Asyl" gewährt, es soll sich um Roma
und Ashkali (?) handeln. Auch hier wird nun öffentlich diskutiert: Bleiberecht
oder Heimreise, da kein Kriegsgebiet mehr. -Ulrike

Rabenweib 28.09.2010 20:39

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Ja, das ist bei "unseren Flüchtlingen" hier im Ort auch so. Offiziell gibt es ja auch in Tschetschenien keinen Krieg mehr, das soll rechtfertigen sie nach Hause zu schicken, wenn ich aber mit den Betroffenen rede, erzählen sie mir, sie haben telefoniert mit Angehörigen, die noch z.b. in Grosny (Tschetschenien) leben, und diese erzählen immer wieder von Übergriffen- auch jetzt noch....
Also ich verstehe vollkommen, daß Familien mit Kindern sicherheitshalber hier bleiben wollen. Auch bei den Kosovo-Flüchtlingen ist das so. Arton, ein Flüchtling der hier bei uns lebt, erzählte mir, daß offiziell der Krieg beendet ist, aber es gibt immer noch Gruppierungen die Anschläge verüben... er musste aus religiösen Gründen mit seinen Kindern flüchten, weil sie verfolgt wurden.

Rudolf_K 04.12.2010 21:01

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Ich war dieses Jahr drei Wochen in Rumänien. Die dortigen Sinti und Roma bezeichnen sich selbst als Zigeuner und wollen auch so genannt werden. So viel habe ich nicht direkt mit Zigeunern zutun gehabt, aber wir haben auf einem kleinen Dorf gewohnt, mit direkten Kontakt zur Bevölkerung, da kriegt man schon einen guten Einblick in fremde Länder.
Geschichten über Zigeuner hat man öfters gehört, dass sie Altmetall klauen (was dort wirklich ein Problem ist, da sie auch Kanaldeckel mitnehmen, aber was soll man auch anderes tun wenn man keine Chance hat?), die üblichen Klischees usw.
Unser Professor war mit dem örtlichen Museumsleiter unterwegs gewesen, wobei sie auch durch Viertel kamen, wo sich reiche Zigeuner(könige nennt man das ja wohl) große Villen gebaut hatten. Es war wohl schon nachts und es war Alkohol im Spiel, aufjeden Fall hat einer der Museumsleute dabei mit seinen Händen Gesten zu machen, als ob er auf die Zigeunerhäuser schießen würde. Ich denke von einem gesetzten Mann mit akademischen Hintergrund sollte man etwas anderes Erwarten, aber der Hass, welcher den Zigeunern in Rumänien entgegenschlägt, muss enorm sein.

Ulrike Berkenhoff 13.12.2010 09:51

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Heuer ein großer Bericht in unserer Westfälischen Rundschau über die
Situation der Zigeuner in Ungarn, jeder 15. Bewohner gehört dazu.
Unter DerWesten kann man im internet den Artikel finden - Ulrike

Ulrike Berkenhoff 25.05.2011 09:32

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Heuer in meiner "Westfälischen Rundschau" ein besonders interessanter
Artikel über die Zigeunerwallfahrt in der Camargue, Verfasser: Christoph Wendt.
Fast 1 Seite, daher kann ich nur das Wichtigste wiedergeben:
Am 25. Mai ist die Kirche Les Saintes Maries de la Mer Mittelpunkt einer
Wallfahrt (nachweislich seit dem 6. Jahrh.). Die Schutzpatronin der Sinti und
Roma heißt Schwarze Sara (dies war mir bisher so nicht bekannt).
Der Prozession voran schreitet der Erzbischof von Arles, denn alle versammelten
Menschen gehen -im wahrsten Sinne des Wortes- ins Wasser. Erinnert wird an
folgende Geschichte: Im Jahre 40 n.Chr. landete ein Boot hier an der Küste
mit folgenden Personen an Bord: Larzarus (von Jesus zum Leben erweckt laut
unserem Neuen Testament), seine Schwester (?) Maria Magdalena, Maria
Salome (Mutter von Johannes u. Jakobus - ich habe mal ein Buch gelesen,
daß Jakobus der Bruder Jesu war) , Maria Jakobea (Schwester von Jesu
Mutter Maria) u. ihre Dienerin, die dunkelhäutige Sara. -

Ulrike Berkenhoff 25.05.2011 09:47

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Den Marien zu Ehren wurde die gen. Kirche über ihren Gräbern errichtet.
Schutzpatronin der Zigeuner ist Sara, ihrer Statue dort stecken diese z.B. Bittbriefe unters Gewand, stecken Kerzen an, halten Andachten usw.
1448 wurden die Gräber einmal geöffnet, die Gebeine kamen in Reliquienschreine.
Maria Jacobea soll die Provence christianisiert haben. Ich weiß, durch die vielen
Namensgleichheiten in der Bibel wird immer einige Unklarheit bleiben, da
streiten sich die Gelehrten schon immer, wenn es um Maria, Salome usw. geht.
Auch Männernamen gab es mehrfach, so daß es auch da Verwechselungen
gab/gibt. Zur Kultur des "fahrenden Volkes" und ihrer Religion habe ich
wieder etwas gelernt. Der Vorname Sara spielt wohl auch deshalb eine große
Rolle bei der Namensgebung ihrer Töchter. - Nun viele Grüße , besonders
an Sonja, die ein Herz für alle Menschen hat: Ulrike

Ulrike Berkenhoff 07.06.2011 09:24

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
In unserer Dortmunder Straßenzeitung "Bodo" ein guter, fast 3seitiger Bericht,
von der österr. Journalistin Kerstin Kellermann, die auch für die Wiener
Straßenzeitung "Augustin" schreibt. Es geht um die Situation der Roma.
Außerdem dort ein lesenswerter Kommentar von Bastian Pütter, Titel:
Zigeunerjunge ... In Dortmund gibt es aktuell wohl zahlreiche Probleme.
- Ulrike

Rabenweib 29.01.2013 18:58

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
1 Anhang/Anhänge
Ich habs grade erfahren, Ceija ist heute verstorben. Vor wenigen Wochen hab ich ihr noch einen Brief egschickt, wir wollten sie demnächst besuchen. Nun kann ich sie nicht mehr real umarmen. Ich bin traurig....

Babel 29.01.2013 19:27

AW: Das lustige Leben einer Zigeunerin
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 22502)
Zigeunerwallfahrt in der Camargue

Ich habe einige Bilder von der Wallfahrtskapelle in der Kirche von Saintes-Maries mit der Statue der hl. Sara (nicht sehr gute Fotos, weil es darin ziemlich finster ist und man wegen der ständig darin Anwesenden Gläubigen auch nicht blitzen mag). Ich werde sie morgen oder in den nächsten Tagen in die Fotogalerie einstellen.


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 19:02 Uhr.

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