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harry 08.07.2007 22:48

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von volker333
Sorry, war vielleicht etwas zuviel auf einmal aber das Thema ist sehr gut.

Solche Geschichten, noch dazu vom Fachmann (!) können nie zuviel sein. Vielleicht könntest Du noch erklären, was eine "Fahrkunst" im Bergbau ist :headscrat

Ja, und meine Super-8-Ausrüstung verstaubt auch irgendwo vor sich hin ;)

volker333 08.07.2007 23:47

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Harry

Fahrkunst:
Ist eine Erleichterung beim Einfahren in einen Schacht.
Zwei Stangen (jede Stange besteht aus mehreren verbundenen Hölzern die insgesamt so lang sind wie der Schacht tief ist) werden durch Wasser- oder Dampfkraft auf und ab bewegt. Etwa 2-3 m bei jedem Hub. Hebt sich die eine Stange so senkt sich die andere. Dabei wird die Drehbewegung eines großen Rades in eine Auf- und Abbewegung umgesetzt.
Im Abstand des Hubes befinden sich Trittbretter.
Du steigst auf das erste Trittbrett und wirst 2-3m hinabgefahren. Nach jedem Hub stehen die Stangen für ein paar Sekunden still. Währendessen steigst du auf die andere Stange neben dir. Diese bewegt sich jetzt nach unten. Umsteigen- weiter- umsteigen-weiter.
Es gibt noch Nachbauten von Fahrkünsten. Habe selbst mal eine im Harz gesehen. Allerdings leider noch nicht selbst befahren.

Hört sich abenteuerlich an, ist es bestimmt auch gewesen. Aber besser als mit Fahrten (bergmännische Ausdruck für Leitern) in den Berg zu kommen.
Die Fahrkunst herzustellen, im Laufen zu halten und dafür zu Sorgen, dass sie auch störungsfrei läuft, war sicher eine Kunst, die hoch geachtet wurde, hing doch auch dein Leben daran. Direkt damit verbunden war auch die Wasserkunst. Das Herleiten und Vorhalten von Wasser für die Betreibung der Fahrkunst. Ich habe selbst mal in Rheinland-Pfalz (Fischbach) den Verlauf einer oberirdischen künstlich angelegten Wasserzuleitung für eine Fahrkunst erkundet. Die haben sich nicht gescheut Tunnel zu graben und am Hang entlang Gräben auszuhauen und dabei immer das Gefälle im Auge behalten.
Kann ich nur sagen Hut (Helm) ab.
Wirkliche Künstler.
Gruß Volker

Ulrike Berkenhoff 09.07.2007 22:47

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Ist das "Arschleder" auch verschwunden? Dies fragt sich Ulrike

siegi 09.07.2007 22:59

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von volker333

Fahrkunst:
Ist eine Erleichterung beim Einfahren in einen Schacht.


Immer wieder interessant, die oft verwirrenden Fachausdrücke oder Berufssprache der verschiedenen Berufsgruppen. Besonders der Bergbau ist für Laien ein Buch mit sieben Siegeln :)

volker333 09.07.2007 23:10

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
Ist das "Arschleder" auch verschwunden? Dies fragt sich Ulrike

Hallo Ulrike,
nana, solch böse Worte in dem Mund einer Frau.:floet:
Das Arschleder gibt es noch und wird vereinzelt auch noch getragen. Insbesondere in steilen Bereichen, wo man besser auf dem Hintern :floet: rutscht, als auf seinen Füßen zu gehen.
Das Arschleder wurde vor 20-30 Jahren häufiger als Ehrengeschenk mißbraucht.
Dabei wurde auf das Leder der Ehrenanlass und natürlich der zu Ehrende vermerkt. Das Ganze farbig ausgestaltet und feierlich überreicht.
Habe auch ein solches in irgendeiner Schublade liegen. (Hab ich zu meinem Einschulung bekommen. Quatsch. Hätte mir aber einige Schmerzen erspart.)
Hat ein Vorfahre von mir geschenkt bekommen.
Fazit:
Arschleder --> absolut rote Liste

Gruß Volker

volker333 09.07.2007 23:14

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von siegi
Immer wieder interessant, die oft verwirrenden Fachausdrücke oder Berufssprache der verschiedenen Berufsgruppen. Besonders der Bergbau ist für Laien ein Buch mit sieben Siegeln :)

Hallo Siegi,
zum besseren Verständnis. Ein Bergmann geht nicht ein Bergmann fährt.
Auch wenn er geht. :smi_mitha
Ein Bergmann fährt in die Grube.
Es gibt in der Grube den Fahrweg. (Fußweg)
Fährt ein Bergmann in der Grube mit einer Lokomotive oder mit dem Band fährt er auch. --> Ein Bergmann fährt immer, außer er liegt.:smi_im_be
Gruß Volker

siegi 09.07.2007 23:28

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Lederherzln auf Westen als Ellenbogenschutz sind kaum mehr zu sehen. Gänzlich verschwunden scheinen die Ärmelschoner. Ein Lehrer von mir war der Letzte, den ich mit den Dingern gesehen habe.
In der Metallbearbeitung sind die Schweißelektroden nur mehr selten im Gebrauch. Auch das Punktschweißen ist verschwunden.

mina 10.07.2007 14:57

AW: Dinge des Verschwindens?
 
die lederherzen auf den westen hatte mein gastvater in irland ... und punktschweißen hab ich noch während meinem eben abgeschlossenen lehrgang lernen müssen :smi_heult

geschichtenerzählende großeltern werden immer seltener ... die schwarzbeerriffel ist auch fast nicht mehr zu sehen ... die guten alten holzrodeln werden auch langsam aber sicher durch bobschlitten oder rennschlitten ersetzt ...

harry 10.07.2007 20:18

AW: Dinge des Verschwindens?
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von mina
... die schwarzbeerriffel ist auch fast nicht mehr zu sehen ...

Vor wenigen Tagen sah ich in der Haushaltsabteilung eines großen Möbelhauses (in der Haushaltsabteilung bei den Küchengeräten und nicht in der Dekorationsabteilung!) Schwarzbeer-Riffeln. In Wien 22.
Ich hab' nicht schlecht gestaunt und die Verkäuferin gefragt. Sie antwortete mir, dass sie jetzt in der Urlaubszeit "sehr gut gehen".

In meiner Küche oft und gerne verwendetes, allerdings auch schon aussterbendes Gerät ist der Mörser. Der große für frische Kräuter, Pesto und ähnliches, der kleine für getrocknete Gewürze, wie etwa Nelkenpulver

Ulrike Berkenhoff 10.07.2007 22:32

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Was ist bitte "Schwarzbeerriffel"? - Danke im voraus! Ulrike


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