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Elfie 04.01.2011 11:22

Alte Worte
 
1 Anhang/Anhänge
Im Zusammenhang mit der Einstellung einer Schmalspur-Bahnstrecke in Niederösterreich las ich von der „Krumpe“. Mit dieser Linie fuhr ich 4 Jahre zur Schule und 5 in die Arbeit, aber diesen Ausdruck kannte ich nicht. Wir nannten sie liebevoll respektlos „Reisabirl-(Reisigbündel-)Express.
Bei der Recherche zu einem Foto stieß ich auf die Erklärung: Krumpe, weil sie sich krumm und kurvenreich durch die Landschaft schlängelte.
Mir fielen Worte meiner Großmutter ein:
der geht krump (er hinkt); der kimmt gaunz krump daher (er geht ganz schief, oder auch mit gebeugtem Rücken); a krumpe Hax´n war, was früher öfter und vermutlich durch Rachitis verursacht vorkam – ein gebogener Unterschenkel.

Als Kind hörte ich statt strecken (sich durchbewegen) nur raunzen. Nicht nörgeln, man hat „sich geraunzt“.
Nun hab ich das Buch: „Highurcht und aufgschriebm“. Das nennt „krump“, aber raunzn nicht. Aber es nennt in den Quellen unter sehr vielen anderen auch sagen.at und „Die Mundart der Österreicher“. Schande über mich: ich hatte es noch nicht entdeckt.
Dort gibt es „ranzen“.

Heute fiel mir ein, dass der Großvater sein Taschenmesser „Schniatza“ nannte.

Welche alten Worte sind noch bekannt, unterscheiden sich regional und werden heute nicht mehr verwendet. Meine Freundin stammt aus Ternitz, ich aus St. Leonhard, beide vom Land, beide Niederösterreich und trotzdem gibt es sogar da schon Unterschiede.

Das Buch in den Dokus ist von 1811, ich bin gleich drin versunken und hab gestaunt, wie viel mir noch bekannt ist. Was davon haben junge Menschen noch gehört? Was man selber, das inzwischen durch Gleichmacherei verschwunden ist. Durch „Schönsprechen“ aberzogen.
Und was mich auch sehr interessiert: woher kommt es?
Krump und krumm ist klar. Ranzen, raunzen? Bei Katzen wird rollig auch raunzig genannt. Da nörgeln und da kugeln sie, ist das beides? Und das Taschenmesser als Schnitzwerkzeug?

Den Buchdeckel des NÖ Mundartlexikons ziert übrigens ein herrliches Foto!

SAGEN.at 04.01.2011 18:58

AW: Alte Worte
 
Hallo Elfie,

Du meinst vermutlich das Buch "Mundart der Österreicher" von Joseph Sonnleitner 1811.
Ein sehr seltenes Werk das ohne Vorbilder erstellt wurde!
Übrigens auch zum Lesen recht köstlich ;)

Wolfgang (SAGEN.at)

Elfie 04.01.2011 21:15

AW: Alte Worte
 
Hallo Wolfgang,
ja, das hab ich gemeint und auch gleich drauf los gelesen, geht ja herrlich nach den Buchstaben! Sollte jeder mal reinschauen, der sich für unsere Sprache interessiert!!
Sicher ist so eine Sammlung heute einfacher aufzubauen, aber der Autor meines Buches hat auch dazu aufgerufen, ihm etwas zu schicken.

josefkarl 04.01.2011 22:05

AW: Alte Worte
 
Hallo Elfi,
Zitat:

Meine Freundin stammt aus Ternitz, ich aus St. Leonhard, beide vom Land, beide Niederösterreich und trotzdem gibt es sogar da schon Unterschiede.
Das sind eher schön größere Entfernungen, andere Landesviertel usw.. Unterschiede gibt es schon in viel kleinräumigeren Regionen, innerhalb von Bezirksgrenzen! So ist die Donau bei manchen Ausdrücken, Betonung und Aussprache so eine Trennlinie. So z.B. kennt man "entan Wossa" (=> drüber dem Wasser, der Donau, gegenüberliegende Orte...) einige Ausdrücke vom "herentan Wossa" (=> heimatliches Ufer), nicht.
Zitat:

"der geht krump" (er hinkt)
dazu fällt mir aus unserer Gegend noch ein "der geht hatschert od. hatschat"... wird auch für "langsames dahinschlendern" verwendet, oder wenn eine Sache langsam vorankommt => "des geht oba hatschert"...

Da könnte man stundenlang so dahinphilosophieren... :-)

lg
josefkarl

Mystika 04.01.2011 22:27

AW: Alte Worte
 
krumpt? Das kenn ich nicht. Aaaaaber? Kraumpad. Des is a kraumpada Hund....Schimpfwort, wenn jemand sehr öööhhm, na eben kraumpad ist.

Elfie 04.01.2011 22:50

AW: Alte Worte
 
Kraumpad gibt´s auch bei uns - ein Grobian. Ein Kraumpn ist auch ein sperriges Stück, ein Ast oder ähnliches.

Hallo josefkarl,
du hast Recht, stundenlang ließe sich da was finden - eine Kettenreaktion...
Die Wossaseitn erinnert mich an ein altes Wortspiel: Entn san Antn - Antn san entn. Für Nichtniederösterreicher: Drüben sind Enten - Enten sind drüben.
Aber da hammas schon: wir sagen entn, ohne a.
"A so a Hatsch" meint auch einen langen, beschwerlichen Weg und ich hatte schon mal die Idee, dass es da eine Verwandtschft zur Hadsch, der Mekka-Wallfahrt gibt.
Danke jedenfalls für die Anregunen.
Liebe Grüße, Elfie

Mystika 04.01.2011 23:02

AW: Alte Worte
 
A Hascherl.....ein öööhm....Hascherl eben

Rabenweib 05.01.2011 00:14

AW: Alte Worte
 
http://www.lpph-amstetten.at/dialekt/

Möchte auf diesen Link hinweisen.
Hier kann man Wörter adopteiren.
Man muss sich dann dazu verpflichten, das man das adoptierte Wort recht oft ausspricht, damit es nicht ausstirbt.
Ich habe das Wort "Bisguardn" (zänkisches Weib) adoptiert. :-)))

Klickt mal auf die "rote Liste"- ist echt spannend, mit Hörproben sogar!

Pfiat Eich!

Sonja

Hornarum48 05.01.2011 18:47

AW: Alte Worte
 
4 Anhang/Anhänge
Wer sich darüber informieren will, wie die niederösterreichischen Menschen im 19. Jahrhundert und in manchen abgeschiedenen Gegenden auch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts noch geredet haben, dem seien drei Standardwerke genannt:

Franz Ziska, Österreichische Volksmährchen. Wien 1822, 111 Seiten mit einem Wörterbuch der Mundartausdrücke.

Franz Ziska und Julius Max Schottky, Österreichische Volkslieder mit ihren Singweisen, Pesth 1819, 289 Seiten. Am Schluß die Kapitel "Einige Worte über die Unter=Oesterreichische Mundart" und "Erklärung der mundartlichen Wörter".

Josef Misson, Da Naz, a niederösterreichischer Bauernbui geht in d´Fremd. Gedicht in unterennsischer Mundart, erste Auflage Krems 1850.

Diese drei Werke gibt es auch in späteren Veröffentlichungen bzw. Nachdrucken.

Die beigeschlossenen Abbildungen nach den Exemplaren in der Sammlung Prof. Hermann Maurer, Horn.

SAGEN.at 05.01.2011 18:52

AW: Alte Worte
 
Hallo Hornarum,

Respekt: Franz Ziska's Originalausgabe aus 1822 ist ein edler Besitz einer volkskundlichen Primärquelle aus Österreich!
Du hast ein sehr gut erhaltenes Exemplar.

Wolfgang (SAGEN.at)

Elfie 05.01.2011 18:53

AW: Alte Worte
 
Da Naz war in meinen Anfangszeiten allgegenwärtig. War der Hl. Ignazius ein ganz besonders rühriger Heiliger oder gab es immer schon so was wie Modevornamen??

josefkarl 05.01.2011 19:11

AW: Alte Worte
 
Hallo Elfi,
Zitat:

Aber da hammas schon: wir sagen entn, ohne a.
"A so a Hatsch"
Bei uns, 30-40 km östlich, hängt man wieder ein "a" an => "a so a Hatscha" und "Hatschn" gibts auch => ausgetretene, alte Schuhe...

lg
josefkarl

Hornarum48 05.01.2011 19:25

AW: Alte Worte
 
Ich habe in meiner Jugend noch Leute kennengelernt, welche die ui -Mundart sprachen (Bui, Muider). Heute sagt man auch im Waldviertel Bua,Muader usw. !

Berit (SAGEN.at) 05.01.2011 19:26

AW: Alte Worte
 
Zum "Naz":
Ich glaube es gab "schon immer" Modevornamen, in alten Zeiten waren sie oft an Politiker gekoppelt, so hieß mein Urgroßvater z.B. Wilhelm, wenig später gab es dann in sehr vielen Familien einen Adolf.

Eine Häufung von eher ausgefallenen katholischen Vornamen steht oft in Zusammenhang mit dem Patronat, so war der Männername "Zeno" in Naturns (Südtirol) sehr verbreitet oder "Romed" in Thaur (Nordtirol).

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es weitere Strömungen in der Popularität eines Heiligen gibt, die vielleicht mit einer Wallfahrt oder eben mit der Heiligsprechungen oder dergl. zusammenhängen. Mir fällt da das Ignatiuswasser ein, ich glaube es ist mir erstmals in OÖ begegnet.

Berit

Ulrike Berkenhoff 05.01.2011 19:39

AW: Alte Worte
 
Elfie: Ich kenne nur Ignatius von Loyola, erster Jesuiten"general", Heiliger -
er hat wohl auch Schulen gegr. u.a. Muß sehr bedeutend gewesen sein!
Ich bin aber als Evangelische mit den Heiligen nicht so vertraut!
Viele Grüße von Ulrike

Mystika 07.01.2011 19:51

AW: Alte Worte
 
Alte Worte meiner Oma..... heid haun i scho an Kaffee gessn....Aber, eigentlich sagte das ihre Frau Muatta.....und noch früher sagten sie zur Mutter....nein, nicht Sie, sondern? Euch Muatta....

Mystika 07.01.2011 19:53

AW: Alte Worte
 
Eure Frau Muatta, hobs euch heit schon die Hodalumpn vom Boch ghoid?

Rabenweib 07.01.2011 20:10

AW: Alte Worte
 
meine oma und die oma meines mannes nannten die mutter die "frau mamaaaaa" und waren auch per "sie" mit ihr. :-)

Mystika 07.01.2011 20:10

AW: Alte Worte
 
Eure Frau Muatta, bittsche gehms ma ihna Haundoaweit zum Fiadi Glöckln her, damits ihna ihre Aung ned vaduan.

Elfie 07.01.2011 21:16

AW: Alte Worte
 
Wirklich interessant, danke!!
War Mamaaaa nicht eher in der Stadt??
Die ui-Mundart kannte ich nie, vielleicht ist da auch die Donau eine Grenze, ua ist immer noch. Muada war eher geringschätzig (obwohl die Großeltern einander so nannten und das war durchaus liebevoll), Muata war üblich. Die Wertschätzung dürfte überhaupt am t gelegen haben, denn die Steigerung war Mura. Galt auch für Voda. Aber sie wurden mit DU angesprochen. Auf Bauernhöfen war es anders, zwar nicht "Eure Frau Muatta", aber statt z. B. "hast du" - "hot d´ Muatta" , "hot da Vota".
@Mystika: dein letzter Satz klingt bis auf die Anrede sehr vertraut, mit Glöckeln ist wahrscheinlich klöppeln gemeint, auch typisch, dass dann ein bekannter Begriff draus wurde. Der kaffee wurde auch bei uns gessn.
Wo war das bei dir??

Mystika 07.01.2011 22:49

AW: Alte Worte
 
hi hi hi....ach ja, klöppeln....nein so was Dummes. Aber bei unserer Familie wurde eher gehäckelt und gestrickt und genäht und gewebt und gesponnen als geklöppelt....aber, die Mutter meines Ex klöppelt noch. Entschuldige meinen Versprecher.

Mystika 07.01.2011 23:03

AW: Alte Worte
 
A sauwas Diandl, wenn ein Mädchen hüpsch war. A gstaundans Maunsbüd, wenn er was darstellte....der is jo no grea hinter de Ohrwaschln...ein Jüngling. Schlawiena....mein 3. Mann...

Mystika 07.01.2011 23:04

AW: Alte Worte
 
hübbbbsch mit b.

SAGEN.at 07.01.2011 23:28

AW: Alte Worte
 
Admin: MYSTIKA - ICH FINDE DEINE BEITRÄGE NUR ZUM KOTZEN :kotz:

ICH SPERRE DICH NUN FÜR 1 WOCHE, WIR SIND HIER KEIN KINDERZIRKUS!!!

ICH HABE WAS ANDERES ZU TUN, ALS STÄNDIG BEITRÄGE VON DIR ZU LÖSCHEN!

ICH WILL DAS FORUM VON SAGEN.at NICHT DURCH SOLCHE BEITRÄGE VERKOMMEN LASSEN!

Wolfgang (SAGEN.at)

Rabenweib 07.01.2011 23:32

AW: Alte Worte
 
@elfie: ja, frau mama sagte man in der stadt. die mutter meiner oma war aus wien!
liebe grüße, sonja

stanze 08.01.2011 14:44

AW: Alte Worte
 
Wir sagten zu unserer Oma früher Muuta, also das U betont.
Und zum Opa, Vaata, also das A betont.
Zur unserer Mutter sagten wir Maami, also das A betont.
Zum Vater sagten wir Taati, auch das A betont.

klarad 08.01.2011 17:47

AW: Alte Worte
 
Obwohl ich eine 'Eingeborene' Niederösterreicherin bin, habe ich aus Euren Beiträgen viel Neues gelernt. Auf jeden Fall wurde in St.Pölten der Kaffee nicht 'gessn'. Was aber - sogar von jüngeren Menschen - noch immer zu einem Mädchen gesagt wird, ist: 'das Mensch'. Kennt Ihr das ? Ich finde das zwar ganz grauslich, aber vielleicht meint halt die Volksseele, dass nur Mädchen Menschen sind :-) ?

Elfie 08.01.2011 18:18

AW: Alte Worte
 
Ich glaube, "Kaffee gessn" meinte das ganze Frühstück, ich kann mich an den Ausdruck Frühstück gar nicht erinnern bei den Großeltern, Fruhastuck war später und bei den Eltern. Vielleicht war das mit Mensch ähnlich, ein Dialektwort für Mädchen, es gab ja auch keine Menschen, das waren Leit´. Nur sprichwörtlich: ka Mensch mocht so wos. Stadt-Land war auch ein großer Unterschied.
Der Dialekt drückt sich auch mit verschiedenen Worten aus, denn Mädchen waren auch Dirndln, fällt mir grad ein. Und wenn das erste kam, hieß es: a Dirndal. Beim dritten: scho wieda a Mensch.

Ulrike Berkenhoff 08.01.2011 19:37

AW: Alte Worte
 
Das "Kaffeetrinken" am Nachmittag (möglichst mit Kuchen!) soll typisch
deutsch sein, habe ich mal gehört. Bei uns gab es Frühstück, Mittagessen
und Abendbrot. -Ulrike

LS68 09.01.2011 11:22

AW: Alte Worte
 
Hallo Zusammen,

es gibt auch ein dickes Buch ( denke mal in den 1990 jahren gedruckt )
mit remscheider Platt . Redewendung z.b. : " dem schien die Sonne in den Arsche hinein ----- > für einen Langschläfer.
Alte Worte sind z.B. Brink für Land und Born für Brunnen
Vor drei Jahren war im Fernsehn, das ein Schatzsucher mit hilfe alter Worte dem Niebelungenschatz auf der spur sei.
In Rheinbach bei Wormersdorf liegen die Ortsbezeichnungen : Kaltenborn, im Spesenwalde auf den Hölen und in den Hölen. Er entdeckte den zugang zu einer alten silbermie.
Ich hab die Daten nicht überprüft : am kalten Born soll auf jedenfall der Mord geschehen sein.

LS68 09.01.2011 11:29

AW: Alte Worte
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 19787)
Das "Kaffeetrinken" am Nachmittag (möglichst mit Kuchen!) soll typisch
deutsch sein, habe ich mal gehört. Bei uns gab es Frühstück, Mittagessen
und Abendbrot. -Ulrike

Ja bei uns im Bergischen war es früher brauch Sonntags und an Feiertagen eine "Bergische Kaffetafel" abzuhalten. Wird auch in Jedem Ausflugslokal angebote. In jedem Haushalt stand mindestens eine Dröppelminna,( Eine Kaffemaschiene, die die Türken vor Wien vergessen haben. Heute heißt das Samuar oder so ähnlich.) weil es ständig am tropfen ( dröppeln ) war.

Ulrike Berkenhoff 09.01.2011 12:07

AW: Alte Worte
 
Hallo Lars, schildere doch mal ausführlich eine "Bergische Kaffeetafel" in
der Rubrik: Küche, kochen ... ist doch eine regionale Besonderheit! -
Eine Dröppelminna kenne ich auch! Das Bergische Land mit Schloß Burg
ist immer einen Ausflug wert. Darüber schreibe doch mal unter: Wander-Tipp
Deutschland. Da du dort ein "Einheimischer" bist, kannst du es sicherlich besser als ich. War auch länger nicht dort! Ich hatte mal eine Tante in Wermelskirchen .
Einmal habe ich vor langer Zeit eine "Bergische Kaffeetafel genossen! -
Nachbarschaftliche Grüße von Ulrike

LS68 09.01.2011 13:12

AW: Alte Worte
 
Bin leider kein waschechter Remscheider und kann zur bergischen Kaffetafel weiter auch nichts Beitragen.
Ein Rundgang durch das Bergische werd ich sogleich in Angriff nehmen.

LS68 09.01.2011 15:50

AW: Alte Worte
 
Zitat:

Zitat von LS68 (Beitrag 19805)
Bin leider kein waschechter Remscheider und kann zur bergischen Kaffetafel weiter auch nichts Beitragen.
Ein Rundgang durch das Bergische werd ich sogleich in Angriff nehmen.

der bericht steht unter volkskunde, rundgang durch das bergische land

Ulrike Berkenhoff 10.01.2011 16:33

AW: Alte Worte
 
Bei Interesse an der "Bergischen Kaffeetafel" unter www.wermelskirchen.de
schauen, dort ist ein schöner Bericht über das "Kaffeetrinken mit allem Drum
und Dran" einschließlich Rezepte für Waffeln u.a. - Ulrike

Elfie 18.01.2011 11:36

AW: Alte Worte
 
Nochmals auf alte Worte meiner Kindheit zurückzukommen hat mich eine Stelle in einem herrlichen Buch verleitet, die mich an eine grandiose Blamage in der ersten Klasse erinnert hat.
Komischerweise versteht ein Kind jedes Wort, wenn es vorgelesen bekommt, aber sprechen konnten wir – die aus einfachen Verhältnissen – nur breiten Dialekt.

Eines Tages – die Frau Lehrerin (Fräu´n) war sehr bemüht, uns „Deutsch“ beizubringen – war ein Spielzeugfrosch das Lehrmittel und sie zeigte uns sein breites Maul: „wie kann man noch sagen?“ einige Vorschläge kamen, dann wurde ich gefragt. Bappe hat der Mensch, dachte ich. „Gosche“ sagte ich stolz und die Fräu´n war entsetzt.

Ganz zu Unrecht!! „...der Schaum hängt ihnen ganz dick von der Gosche…“ beschreibt ein gewisser Alfons Quellacasa (1843-1913), Naturgeschichtsprofessor in Brixen, seinen Schülern die Wiederkäuer.
Und noch ein Pfuiwort aus meiner Kindheit findet sich da:

„… Horntiere: Der Hauptrepräsentant der Hohlhörner oder wiederkäuenden, paarhufigen Horntiere ist das Rindvieh, je nachdem Stier, Ochs, Kuh oder Kalb genannt. Es ist das wichtigste Tier, deshalb überall zu finden. Die Beschreibung schenken Sie sich. Die Viehhändler legen den größten Wert auf die Wampen, d. i. nicht etwa der Bauch, wie viele glauben, sondern die Wampen mit zwei mm geschrieben oder Wammen, wenn Sie wollen. Das ist die Hautfalte dem Halse entlang. Wiederkäuer heißt man die ganze Familie, weil sie zweimal kauen muss, um das Futter verdauen zu können. Der Magen ist von der Vorsehung auch dementsprechend eingerichtet. Durch den Mund und Speiseröhre gelangt natürlich das Futter in den Wanst, was Sie nicht mit Wampen verwechseln wollen. Von dort in den Netzmagen und wiederum in den Mund, und wenn die Kühe im Stall liegen, kann man die zweite Kauung und Einspeichelung verfolgen. Der Schaum hängt ihnen oft ganz dick von der Gosche. Erst dann geht die zerkaute Speise durch den Blätter- und Labmagen und Schlundfalte seinen ordnungsgemäßen Gang in den Darm. Gerade vom Rindvieh können wir lernen, vernünftig zu essen und nicht alles wie ein Wolf zu verschlingen. In den alten… „

Originalzitat aus dem großartigen „Gullibuch“, empfehlenswert für jeden, der unsere Sprache, Originale oder auch nur Menschen liebt.

stanze 18.01.2011 12:37

AW: Alte Worte
 
Wir sagen zur "Gosche" des Rindes und auch das vom Schwein "Maul."
Eigendlich zu den Haustieren Hund und Katz auch.
Ein Schimpfwort ist es auch wenn einer frech ist oder nicht mitreden darf:
"Halt`s Maul."

alterego 18.01.2011 12:41

AW: Alte Worte
 
Von meiner Großmutter die aus dem Innviertel stammte
kenne ich noch:

aufleuten = anrufen
Botschn = Hausschuhe
hinterfotzig = unehrlich

Auch verdrehte und verballhornte sie gerne einzelne Worte.
So wurde aus dem Passage-Kaufhaus das "Paschaas" und
aus dem Staubsauger der "Saugstauber".

Berit (SAGEN.at) 18.01.2011 12:55

AW: Alte Worte
 
Anleuten - anrufen, Patschen/Botschen und hinterfotzig gehören in Tirol/Südtirol immer noch zu den verwendeten Begriffen. Hinterfotzig verwende ich besonders gern für Personen die" hinterm Rücken" reden und Unwahrheiten verbreiten.
Ein Wort was noch heute gebraucht wird und besonders bei Deutschen zu einem Schmunzeln führt ist:

auffrieren - auftauen

Berit

Rabenweib 18.01.2011 13:21

AW: Alte Worte
 
gosch`n
papp`n
mäu
fotz`

ein baby hat "a liabe fotz`n" (sowas würd ich heut nimmer sagen, aber meine oma sagt das noch)

"hoit de papp`n" bekomm ich zu hören wenn ich früh morgens schon zu viel rede. *lach*

`"sei net so goschat" wenn man was freches gesagt hat....


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