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SAGEN.at 21.11.2008 12:24

Wahrsager auf dem Land
 
In den Sagen und Volkserzählungen finden sich öfters Belege zu Wahrsagern, die in abgelegenen Gegenden am Land gelebt haben und die durch ihre Endzeitprophezeiungen bekannt wurden.

Diese Wahrsager hatten auch oft gute medizinische Kenntnisse und waren etwa als Bauerndoktoren für Vieh und Mensch bekannt.

Ein bekannter Wahrsager, den im Bayerischen Wald jedes Kind kennt, ist der Wahrsager Mühlhiasl, der um 1800 gelebt haben soll. Mühlhiasl wurde im Wald als Findelkind gefunden. Matthias verdingt sich als Hirte im Kloster Windberg, überwirft sich mit dem Abt, arbeitet als Müller und erschreckt alle Welt mit seinen düsteren Prophezeiungen. Schließlich kehrt er in den Wald zurück, in dem er gefunden wurde.

"Der Mühlhiasl hat's g'sagt" ist im Bayerischen Wald eine bekannte Redewendung, allerdings dürften ihm viele Aussagen posthum bzw auch nach dem Geschehnis zugedichtet worden sein.

Vielfach lebten solche Wahrsager als Einsiedler, eine beeindruckende Dokumentation gibt es auf SAGEN.at etwa über den Höhlenmensch im Stubaital (Tirol).

Wer kennt weitere Wahrsager im ländlichen Bereich?

Wolfgang (SAGEN.at)

far.a 21.11.2008 12:42

AW: Wahrsager auf dem Land
 
So in der Art habe ich vom "Höller - Hansl" in der Weststeiermark gehört. Er soll ein gescheiter einfacher Mensch gewesen sein, der sowohl Mensch wie auch Vieh zu behandeln wußte. Besonders soll er aus dem Urin eines Patienten viel herauslesen können. Weil diese Patienten oft mit der Schmalspurbahn in die Stainzer Gegend (Weststeiermark) gekommen waren, erhielt diese Bahn den Beinamen "Flascherlzug". Sicherlich war aber bei den Zugreisenden ab und zu auch eine Flasche "Schilcher" (rosèfarbener Wein) dabei.
Vielleicht gibt es jemanden aus der Weststeiermark, der mehr über den Höller Hansl berichten kann.
2008-11-21 ,Altenmarkt bei Fürstenfeld, far.a

Ulrike Berkenhoff 28.11.2008 13:15

AW: Wahrsager auf dem Land
 
Bei uns waren es oft Schäfer, die Menschen halfen, wenn die Ärzte nicht
weiter wußten. Dies haben mir ältere oft erzählt, vor allem bei Hautkrankheiten
und Gelenkschmerzen. Durch ihren Beruf und die Verbundenheit mit der Natur
hatten sie medizinische Kenntnisse und auch "seherische" Gaben , z.B.
Wettervorschau o.a. - Viele Grüße von Ulrike

Rabenweib 02.06.2009 19:05

AW: Wahrsager auf dem Land
 
Meine Oma ist eine von ihnen, auch wenn sie sich selber nicht als "Wahrsagerin" bezeichnen würde.
Zu ihr kamen immer schon die Leute, wenn das Vieh krank war, und sie wusste immer was. Irgendwelche Hausmittel und Rezepte, Drehs und Tricks.
Einige Bauern haben das von ihren Eltern erfahren und heute kommen die Jungbauern zu Oma, wenn sie nicht zum Tierarzt gehen wollen oder wenn der Tierarzt keine Zeit hat. Oma sagt ihnen dann, was zu tun ist, wenn eine Kuh Koliken hat oder wenn bei einer Geburt was schief läuft.

Und sie sah oft Dinge vorher, die dann eingetroffen sind oder träumte etwas, das dann auch passierte. Sie hat auch viele Erzählungen auf Lager, die sehr mysteriös sind, über Leute die Fluchen konnten oder Hausbrände zum Stillstand brachten. Auch sie selbst hat einmal jemanden verflucht als sie jung war, die Frau die sie verfluchte ist laut ihren Erzählungen erblindet.

Eigentlich wollte sie früher immer Hebamme werden, da aber ihre Mutter mit 48 an Gebärmutterkrebs starb, hat Oma sich um ihre 12 Geschwister kümmern müssen und konnte so nie den Beruf der Hebamme erlernen, hat sich aber immer so sehr dafür interessiert, daß sie praktisch alles darüber weiß und in meinen eigenen Schwangerschaften die beste Ratgeberin war.
Sie wusste auch Bescheid über alles, was mit Stillen, Brustentzündungen, Nachgeburt und Baby-umdrehen (Sternguckerkind) usw.... zu tun hatte.
Sie kennt Tees die helfen den Muttermund zu öffnen, oder hat mir zum Beispiel auch erklärt, daß die Blätter vom Nussbaum, aufgelegt auf die Brustwarzen gegen Entzündungen helfen.
Sie stellte bis vor wenigen Jahren selber noch Arnikatinktur und andere Heilmittelchen her.

Sonja

Geomant 07.06.2009 14:40

AW: Wahrsager auf dem Land
 
Im Berchtesgadener Land - aus dem ich stamme- gab es 2 bedeutende Wahrsager und Visionäre, die vielen älteren Einwohnern noch bekannt sind:

Alois Irlmaier ( *1894 / +1959 ) lebte in Freilassing. Er war als Brunnenbauer beruflich tätig und damit zugleich Rutengeher - neudeutsch Radiästhet.
In den Kriegs- und Nachkriegsjahren machte er vielen Angehörigen von Soldaten Aussagen über ihren Verbleib bzw. über ihr Überleben oder über ihren Tod.
Bekannt wurde er vor allem durch eine ungewöhnliche Geschichte. Er ist der einzige bekannte Wahrsager, der seine Fähigkeiten gerichtlich bestätigt bekam (ist in BÜchern über ihn nachzulesen!) - und soviel zum Thema Aberglaube... zumindest was den Alois betrifft.

Dr. Eugen Köberle (verstorben 1979) lebte in Berchtesgaden. Bekannt war er durch seine Vorträge und insbesondere in den letzten Jahren wurden seine am Untersberg empfangenen Visionen durch seinen noch lebenden Freund Hagen Böhnisch (diese Botschaft habe ich in vollem Umfang in meinem Buch veröffentlicht) bekannt. Er orientierte sich beim Termin der Veröffentlichung an Voraussagen, die Köberle machte und die seinem Freund zeigen sollte, wann die richtige Zeit gekommen ist.

Und es gibt eine interessante Verbindung dieser beiden Propheten:
Köberle erhielt von Irlmaier eine Madonna geschenkt - und diese Madonna steht heute in der Almbachklamm bei einer Quelle, die er entdeckt hatte und sie zählt zu den heiligen Orten des Berchtesgadener Lands (siehe auch auf unseren Kraftortseiten www.kraftort.org und www.untersberg.org).
Die ganze Geschichte, wie die Madonna in die Bergwildnis der Almbachklamm kam und wie diese Quelle mit ihrem "lebendigen Wasser" heute zu einem Wallfahrtsort gewesen ist, gibt es in einigen Publikationen zum Nachlesen.

Geomant

Rabenweib 07.06.2009 14:45

AW: Wahrsager auf dem Land
 
hallo geomant!

total spannend! danke fürs erzählen!!!

Otto 04.09.2013 11:56

AW: Wahrsager auf dem Land
 
Mein Opa, der als Kind in Niederbayern lebte, sagte auch irgendwann mal was von einem Wahrsager, wahrscheinlich dem Mühlhiasl, der gesagt haben soll: "Wenn der eiserne Hund bellt durch Woid, na gehts los!" (Der Krieg, der 1.)
So in dem ungefähren Wortlaut sagte das mein Opa.

althea 27.06.2014 07:27

Katharina Auer, Ötztal - Tirol (1883-1953)
 
WahrsagerInnen in der Vergangenheit waren oft tiefgläubig, daher sind ihre geschauten "Bilder" auch sehr religiös gefärbt - dies nur zur "Warnung" für die Atheisten hier. ;-)

Katharina hatte Vorausahnungen, sie wusste oft im Voraus wer zu sterben hatte und ihr erscheinen auch "Arme Seelen", Verstorbene, die sie um Hilfe baten.

Zur Zeit Alois Irlmaiers, des Brunnenbauers aus Oberbayern, wurde auch sie von Visionen geplagt die unsere nähere Zukunft betreffen sollen (bzw. schon eingetreten sind).

Sinngemäß:
Die Zeiten werden wirklich schlecht - "das Geld bricht"(d.h. es ist nichts mehr wert), die Jungen werden zum Kriegsdienst eingezogen, aus den Städten kommen "schiache Leut'" (wilde Banden) die die Dörfer überfallen und plündern; nur auf den Almen wäre es sicher.

https://www.yumpu.com/de/document/vi...noch-bevor/128

Nicht, dass ihr denkt, sie wäre verrückt gewesen - aber Ähnliches findet sich bei Mühlhiasl, Irlmaier, einem Bauern aus Selb, einem Bauern aus dem Waldviertel etc.
Zu Zukunftsvorhersagen und Prophezeiungen gibt es eine eigene Forschungsszene mit enormem Datenmaterial....
Später stelle ich vielleicht noch ein paar ländliche Wahrsager und Seher vor.

LG
althea

LS68 22.03.2015 19:10

AW: Wahrsager auf dem Land
 
Mein Vater hat sich die Karten legen lassen und Sie haben gestimmt.


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