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-   -   Hausarbeit damals und heute (http://www.sagen.at/forum/showthread.php?t=4394)

ulli292 27.03.2014 15:43

Hausarbeit damals und heute
 
Eben ist mir wieder das Schulkochbuch meiner Oma (Geburtsjahrgang 1923) untergekommen, und beim Herumblättern sind mir besonders die Kapitel zum Thema diverse Hausarbeiten aufgefallen. Ich dachte, dass das ein gutes Thema für dieses Forum wäre. Ist jemand interessiert?

Kapitel aus diesem Teil:

Das Feuer
Das Aufwaschen und Aufräumen in der Küche
Einiges über Verwendung des Kochgeschirr
Die Wäsche
Die Kochkiste (fand ich besonders interessant)
Berechnung des Küchenzettels
Das Aufstellen des Küchenzettels
Täglicher Küchenzettels für die vier Jahreszeiten
Allgemeine Kochregeln
Das Tischdecken und das Verhalten bei Tisch

Danach kommen die Kochrezepte. :)

Wenn jemand mehr wissen will, einfach Bescheid sagen und ich kann die Seite (ist in deutscher Schrift gedruckt) abschreiben. :)

Babel 27.03.2014 19:04

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von ulli292 (Beitrag 42610)
... und beim Herumblättern sind mir besonders die Kapitel zum Thema diverse Hausarbeiten aufgefallen. Ich dachte, dass das ein gutes Thema für dieses Forum wäre. Ist jemand interessiert?

Ich habe etliche Haushaltsbücher: eins von 1904 (für "bessere" Haushalte), zwei aus den 1950er Jahren und das DDR-Standardwerk "Die Frau" von 1961 (in dem natürlich nicht nur der Haushalt behandelt wird). Bei entsprechenden Fragen kann ich daraus gerne auch Kostproben liefern.

SAGEN.at 27.03.2014 21:47

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Beispiele sind natürlich sehr willkommen, etwa die "Kochkiste" klingt spannend!

Wolfgang (SAGEN.at)

ulli292 28.03.2014 08:10

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Aus "Dr. Oetker's Schulkochbuch", 2. Auflage (1927), S. 10

"Die Kochkiste.

Das Geheimnis der Kochkiste beruht auf der Lehre von den schlechten Wärmeleitern.
Man nimmt zur Herstellung der Kiste am besten eine kräftige Holzkiste, möglichst ohne Ritzen. Es läßt sich aber auch ein Korb verwenden, wenn man ihn innen mit einem dicken Tuche oder einem Wachstuche bekleidet.
Der Deckel des Topfes muß gut schließen. Am besten benutzt man Kochkistentöpfe, die in Haushaltungsgeschäften erhältlich sind. Unter dem Topfe muß eine 8 - 10 Zentimeter dicke Lage Heu, Holzwolle, Stroh, Späne oder dergl. festgedrückt werden. Der Topf wird mitten darauf gestellt und ringsum mit Holzwolle festgestopft. Wer es anwenden kann, legt einen Wollstoff über die ganze Fläche der Kiste und schneidet den Stoff über dem Topfe sternartig ein. Dann wird der Topf herausgenommen, die Tuchläppchen in die Öffnung geschoben und der Stoff rings am Kistenrande unter einem Bande oder einer Leiste befestigt. Der Kistendeckel wird auch 8 Zentimeter dick gefüllt und mit Stoff bezogen. Wenn der Deckel flach aufliegt, muß dieses Kissen in der Kiste noch Platz haben. Die Hauptsache ist, daß die Hitze zusammengehalten wird. Man schließt die Kiste möglichst mit einem Schlosse, denn sobald sie geöffnet wird, kocht es im Topfe nicht mehr weiter, und der feste Verschluß ist die Hauptsache.
Man kocht nun das, was in der Kiste gar werden soll, auf Gas-, Petroleum- oder Spirituskocher oder auf dem Herde 1/4 bis 1/2 Std. vor und setzt es in die Kiste. Nach einigen Stunden ist alles gar. 10 Min. vor dem Einsetzen des Topfes in die Kiste darf der Deckel des Kochtopfes nicht mehr gehoben werden; denn der Dampf trägt wesentlich zum Gelingen dieser Kochart bei.
Im allgemeinen richtet sich derjenige, welcher die Kiste benutzt, nach den gewohnten Kochvorschriften. Alles, was schwer weich wird, z. B. Hülsenfrüchte, Sauerkraut, Steckrüben, kann am Abend angekocht und über Nacht in die Kiste gestellt werden (oder man muß es 3/4 Std. des Morgens vorkochen.) Am Morgen kocht man das Gericht dann nochmals mit Fleisch und Kartoffeln 20 min. und stellt es wieder in die Kiste hinein. Zu Kohlrabi, Blumenkohl und dergl. kocht man die Soße, legt das geputzte Gemüse roh hinein, kocht 15 Min. vor und stellt es dann ein. Wer mittags Zeit hat, kann Kartoffeln, Bratwurst und dergl. in der letzten halben Stunde noch auf Gas oder Herd fertigstellen. Am wichtigsten ist die Kiste für die Frau, welche nur morgens einige Stunden Zeit für ihre Häuslichkeit findet und nicht immer pünktlich mittags zu Hause sein kann. Da findet der Mann das Mittagbrot in der Kiste und braucht nicht zu warten.
Immerhin sollte die Kochkiste nicht regelmäßig benutzt werden, weil durch das lange Kochen der Nährstoff- und Vitamingehalt der Speisen leidet."

Hier noch ein Link zum WIKIPEDIA - Artikel zu den Kochkisten, die zu Beginn des 20. Jh. wohl sehr häufig in Gebrauch waren.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kochkiste

Babel 28.03.2014 09:21

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Nach dem 2. Weltkrieg wurden Kochkisten verwendet, weil wegen der ständigen Stromsperren (und Kohlen gab es viel zu wenig) nur zeitweise der Herd in Betrieb genommen werden konnte. Es gab Leute, die eine richtige Kochkiste hatten. In anderen Familien – auch bei uns – fabrizierte man selbst eine.

Ulrike Berkenhoff 28.03.2014 14:57

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Früher Haushaltsschule - später Berufsfachschule - heute Berufskolleg ...
Meine Zeit auf der "Frikadellen- bezw. Puddingakademie" währte 2 Jahre
und war eigentlich meine schönste Schulzeit. Nach der damals 9jährigen
Volksschule (heuer Hauptschule und 10 Jahre) konnte man mittlere Reife
und Fachabitur dort erlangen. Die Schule war angelegt für Hauswirtschafterinnen,
Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen usw. Damals noch eine reine Mädchenschule,
heuer finden sich auch Jungen z.B. für Sozialpädagogik dort. Die praktischen
Fächer(Handarbeit!) werden auch weniger vermittelt als damals - wir hatten noch
Schulgarten, Waschküche, Kochküche, Vorratsraum, Dachboden zum
Wäschetrocknen usw. Genauso gab es aber Unterricht in allen wichtigen
theoretischen Schulfächern . - Zum eigentlichen Thema: Wir hatten ein
Buch: Haushaltsführung und -pflege, leider besitze ich es nicht mehr.
Hat hier jemand vielleicht auch eine "Haushaltsschule" besucht und berichtet
darüber, fände ich interessant! Viele Grüße von Ulrike

Babel 09.09.2014 11:47

AW: Hausarbeit damals und heute
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 42621)
Hat hier jemand vielleicht auch eine "Haushaltsschule" besucht und berichtet
darüber, fände ich interessant! Viele Grüße von Ulrike

Meine Mutter hielt es für angebracht, daß ich zwischen Abitur (Sommer) und Semesterbeginn (Anfang November) eine dreimonatige Haushaltsschule besuchte. Ich habe, meine ich, nicht viel Brauchbares gelernt. Da es in Schwaben war, lernte ich Spätzle schaben. Der ganze Kochunterricht kam mir ziemlich überflüssig vor – das Dr.-Oetker-Kochbuch hätte es auch getan. Backen konnte ich, denn wir hatten zu Hause auch das Dr.-Oetker-Backbuch. Wir hatten Nähen als Unterrichtsfach, aber da ich mir damals ohnehin meine Kleider selbst nähte, waren die dort vermittelten Anfangsgründe für mich uninteressant; bei den anderen Handarbeiten – Stricken, Häkeln, Sticken, Stopfen – war es das gleiche. Wir lernten an einer Babypuppe, wie man ein Baby wickelt. Letztlich gab es nichts, was ich bei entsprechendem Interesse nicht auch von Mutter und Großmutter hätte lernen können, und so kam mir das alles als rechte Zeitvergeudung vor – einen dreimonatigen Handelsschulkurs hätte ich wesentlich sinnvoller gefunden.

Aber eigentlich wollte ich nur das Foto einer Kochkiste hier einstellen, das ich kürzlich im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld gemacht habe.
Mein Haushaltsbuch von 1955 schreibt: "Eine gute Kochkiste ist übrigens auch eine gute Kühlkiste!" Der Kühlschrank war noch ein Luxusgerät, das Vorhandensein einer Kochkiste konnte offenbar noch vorausgesetzt werden.

Ulrike Berkenhoff 09.09.2014 19:26

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Alternativ wäre ein Besuch der Handelsschule sicherlich nützlich gewesen.
Leider habe ich auch nicht richtig Schreibmaschine u. Steno gelernt! -
Dr. Oetker Schulkochbuch und Backbuch scheint ja das bekannteste zu
sein! Es gibt aber auch noch Henriette Davidis, Mary Hahn usw. Meine
Oma hatte noch einen Kohleherd, darauf wurde auch gekocht. Ich erinnere
mich an so herausnehmbare Eisenringe, um die Feuerstelle kleiner bezw.
größer zu machen. Wurde mit einem Haken bewerkstelligt. Danach gab
es den sog. Beistellherd, elektrisch oder Stadtgas. Daneben kam dann
der moderne Kühlschrank(vorher nur ein Speisekämmerchen). Aus unserem
Kämmerchen wurde später das Duschbad, wir bekamen auch Erdgasleitung
und somit Heizung. Die herkömmliche Waschküche konnte auch verschwinden, denn es gab elektrische Waschmaschinen und Schleudern
(welche mit Saugnäpfen an den Boden gedrückt wurden). Hielt man letztere
nicht fest, "sprangen" sie durch den Raum bei hoher Schleuderzahl.
Wäschetrockner und Mangel war schon Luxus, Nähmaschine hatten wir
immer (mechanisch/elektrisch). Beim Trampeln fuhr ich immer
Rückwärtsgang! Haushaltsschule-Näharbeiten wurden daheim noch mal
hübsch mit Mutters Hilfe auf der Elektrischen genäht. Wir hatten
auch eine Strickmaschine, sehr kompliziert, aber meine Mutter hatte
technisches Verständnis. -Ulrike

Elfie 09.09.2014 19:57

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Meine Haushaltsschul-Erfahrungen dauerten 4 Monate. Es war eine Caritas-Schule mit Internat. Eigentlich ging ich zur Überbrückung für die Zeit in der ich noch keine Lehre antreten konnte, hin, da ich erst im Oktober 14 wurde.
Damals waren 8 Jahre Pflichtschule, wenn man danach einen Beruf erlernen wollte.
Nachdem für mich auf Grund des reizenden Schulpersonals eine weitere Schule nicht (leider) in Frage kam, ging ich eben dort hin.
An den eigentlichen Unterricht kann ich mich kaum erinnern, die Kochlehrerin war eine reizende alte Dame, die das wohl in ihrer Pension machte.
Am Vormittag waren wir bei Familien als Haushaltshilfe, das hat mir sehr gefallen - der 2. Versuch :D, der Mann war Professor und irgendwas in der Diözesanverwaltung, es gab ein Wohnzimmer mit 100ten Büchern, herrlich.
Bei dieser sogenannten "Hausfrau" hab ich das meiste gelernt, weil ich mich wohlgefühlt hab.

Die Küchenherde mit den verschiedenen Ringen kenn ich auch noch, man konnte so die verschieden großen Pfannen direkt aufs Feuer stellen.
Mein Küchenherd hat an dieser Stelle nur noch eine runde Platte, ein etwas anderer Guss als der Rest, wird auch schneller heiß.
Geöffnet wird sie nur, um Holzstücke, die beim vorgesehenen Loch nicht hineinpassen, einzulegen.

Babel 09.09.2014 22:56

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 45819)
Leider habe ich auch nicht richtig Schreibmaschine u. Steno gelernt! -

Es gibt aber auch noch Henriette Davidis ...

Meine Oma hatte noch einen Kohleherd, darauf wurde auch gekocht. Ich erinnere mich an so herausnehmbare Eisenringe ...

Danach gab es ...

Nähmaschine hatten wir immer (mechanisch/elektrisch).

Ich schon, aber das gehört eher unter "Dinge des Verschwindens", dazu schreibe ich noch was.

Das Davidis-Kochbuch gab es in so unzähligen Auflagen, daß ich es immer wieder gesehen habe – in Antiquariaten, auf dem Flohmarkt, in Ausstellungen ... Ich hatte mal das Davidis-Haushaltsbuch, eine Ausgabe von ca. 1900, aber das habe ich eingetauscht gegen ein anderes antiquarisches Buch, das mir wichtiger war. (Ein zweibändiges Haushaltsbuch von 1904 hatte ich schon).

Wir hatten einen kombinierten Elektro-Kohle-Herd. In unserer 1937 neugebauten Siedlung hatte niemand mehr sowas Altmodisches wie einen Kohleherd, aber nach dem Krieg war meine Mutter sehr froh über das Ding wegen der dauernden Stromsperren (obwohl auch Heizmaterial nicht in erforderlicher Menge zu bekommen war). An die Eisenringe erinnere ich mich auch.

Es ist nicht ganz einfach, sich zu erinnern, was wann durch was abgelöst wurde. Ich habe allerdings als Anhaltspunkte unsere Umzüge in eine andere Stadt, d. h. in ein anderes Haus.
– Bis 1951 wohnten wir in einer Doppelhaushälfte mit Waschküche und gemauertem Waschkessel darin; der Raum wurde nie richtig trocken, und entsprechend wohl fühlten sich die Asseln ... :smi_ersch
– Bis 1957 hatten wir keinen Kühlschrank, aber eine Speisekammer (zur Nordseite, daher vergleichsweise kühl). 1951-57 mußten wir die Wäsche "rausgeben", abgesehen natürlich von der "kleinen Wäsche", die sich im Waschkessel (auf dem Herd) oder Waschbecken waschen ließ.
– Dann zogen wir um und hatten eine Einbauküche mit Kühlschrank. Es gab im Haus auch einen Raum mit drei Waschmaschinen (für 70 Hochhaus-Mietparteien!); für einen Waschtermin trug man sich in einen Terminkalender ein, dann kam man etwa alle zwei Wochen mal dran ... Wäschetrockner gab es natürlich noch nicht, nur eine Schleuder.

Nähen gelernt habe ich an einer alten Singer mit Handkurbel. 1957/58 kaufte meine Mutter eine hochmoderne elektrische Nähmaschine mit Kniehebel – das war wunderbar, weil man plötzlich eine Hand mehr zur Verfügung hatte. :) In der Haushaltsschule (1958) hatten wir altmodische Maschinen zum Treten – ich hatte Mühe, mich vom Kniehebel aufs Pedal umzugewöhnen, und die Maschinen waren auch alle nicht mehr in Ordnung, so daß die Lehrerin ständig von einer Maschine zur andern unterwegs war, um Blockaden zu lösen, verwirrtes Garn zu entwirren, krause Nähte aufzutrennen etc. :rolleyes:

Ulrike Berkenhoff 09.09.2014 23:42

AW: Hausarbeit damals und heute
 
In der alten Waschküche stand ein großer Kessel (Kupfer) in einem
gemauerten Ring mit Feuerung. Es gab 2 Becken aus Stein und eine
Wringmaschine. Die Wäsche wurde gekocht, gespült, durch die Walzen
gedreht. Harte Arbeit, vor allem die großen Teile (Bettwäsche). Kleine
Wäsche wurde auch manchmal im Kochtopf auf dem Herd erledigt.
Bevor in der Küche die Edelstahlspülbecken aufkamen waren die
Becken aus Stein. In der Waschküche wurde auch gebadet (Zinkwannen),
das Wasser noch zum Einweichen der Arbeitskleidung genommen.
Leinen waren draußen und eine Wäschebleiche. Im Winter war es
schwieriger die Wäsche zu trocknen. Man mußte auch sparsam sein
und auf die Kleidung achten: Sonntagskleid, Schulkleid, Alltagskleid.
Alles wurde geändert, ausgebessert usw. -Ulrike

Babel 12.09.2014 11:40

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 45825)
Harte Arbeit, vor allem die großen Teile (Bettwäsche).

Man mußte auch sparsam sein und auf die Kleidung achten: Sonntagskleid, Schulkleid, Alltagskleid.
Alles wurde geändert, ausgebessert usw. -Ulrike

Die Arbeit in der Waschküche habe ich wohl nie gesehen, weil ich immer gleich rausgeschickt wurde, außerdem habe ich mich vor den dort unausrottbaren Asseln geekelt. An die vor Wasserdampf fast undurchsichtige Luft erinnere ich mich allerdings, und an das Waschbrett – ja, das war damals noch ein Gebrauchsgegenstand und kein Bauch ... :rotfl:

Als das größte Problem habe ich in Erinnerung, daß wir Kinder ja wuchsen und eigentlich dauernd neue Kleidung gebraucht hätten. Nun gab es weder Kleidung noch Stoff zu kaufen, von den letzten Kriegsjahren an bis 1951, als wir die DDR verließen. Also mußte ständig etwas aus alten Sachen gemacht werden. Kleider machte man weiter, indem man sie senkrecht aufschnitt und Streifen aus anderem Stoff zwischensetzte. Verlängern war einfacher: Unten einen Stoffstreifen ansetzen. Man verwendete auch Stoff, den man in besseren Zeiten weggeworfen hätte; so hatte ich ein Röckchen aus einem Stoff voller Mottenlöcher, die meine Mutter mit farbigen Blümchen in Langettenstich umhäkelt hatte – es sah sehr niedlich aus. Es wurde viel gestrickt und gehäkelt, da konnten ja alle Garnreste verwendet werden. Meine Mutter hat alte Strümpfe in dünne Streifen geschnitten und daraus eine Weste für mich gehäkelt. Da alle diese Handarbeitstechniken so nötig waren, habe auch ich sie früh und gründlich gelernt.

Die sogenannten Sonntagskleider hatten wir, aber sie wurden auch sonntags nur stundenweise angezogen: Nicht zum Essen, denn wir hätten sie ja bekleckern können; nicht zum Spielen, denn da hätten sie ja schmutzig werden können; schon gar nicht zum Spazierengehen, denn ich hatte die Neigung, ständig wegen irgendwelcher Steinchen oder Pflänzchen am Boden zu hocken ... :D

Elfie 12.09.2014 11:56

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Im Haus, wo wir wohnten gab es keine Waschküche, meine Mutter stand das ganze Jahr im Hof beim Holztrog, gekocht wurde im "Waschhäfen" auf dem Küchenherd. Auch getrocknet wurde draußen, oft fror die Wäsche schon beim Aufhängen, aber wenn sie ausgefroren wird, trocknet sie schneller, sagte die Mutter. Drinnen wäre ohnehin kein Platz gewesen, bei Regen kam sie auf die "Auslage", das war ein gedeckter Gang vorm Heuboden, so breit wie die Stiege dort hin. Die Waschrumpel (Waschbrett) war ein wichtiges Requisit.
Meine Freundin, obwohl 11 Jahre jünger, erzählte, sie hätten einmal die Woche gebadet (Eltern und 4 Geschwister auf einem Bauernhof), der Rangordnung nach - Eltern zuerst - und dann war das reines (Hirsch-)Seifenwasser, darin wurde die Wäche eingeweicht.
Die Sonntagskleider waren eine lästige Angelegenheit, aber wenn man die Umstände bedenkt, kein Wunder. Man konnte manche Stoffe auch gar nicht gut waschen, ich erinnere mich an die Männerhosen, die mit Salmiakgeist ausgebürstet wurden, ein beißender Gestank hat sich da verbreitet. Ich glaube, Putzerei gab es nicht im Ort oder eine Annahmestelle, außerdem hätte das gekostet.

Babel 12.09.2014 12:07

AW: Hausarbeit damals und heute
 
2 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 45881)
Auch getrocknet wurde draußen, oft fror die Wäsche schon beim Aufhängen, aber wenn sie ausgefroren wird, trocknet sie schneller, sagte die Mutter.

Man konnte manche Stoffe auch gar nicht gut waschen ...

Im Haus, wo wir wohnten gab es keine Waschküche.

Ich habe viel später (70er Jahre) gesehen, daß die Leute bei klirrender Kälte ihre Wäsche im Garten aufhängten. Man belehrte mich, daß sie auf diese Weise sozusagen gefriergetrocknet würde – ein Begriff, den ich nur von Pulverkaffeedosen kannte.

Ja, das vergißt man heute leicht, daß die Stoffe teilweise schlecht oder gar nicht waschbar waren und die Farben nicht licht-, wasch- und schon gar nicht kochecht. Als dann die indanthren-gefärbten Tischtücher oder Bettbezüge in den 50er Jahren aufkamen, schienen sie ein unglaubliches Wunder zu sein.

Zitat aus dem Haushaltsbuch (1904) meiner Großmutter:
"Eine gut ausgestattete Wohnung hat jetzt stets eine Extrawaschküche, die ungesunde und unappetitliche Wascherei in der Küche, die früher allzuoft in Mietwohnungen ganz und gäbe war, ist in der Neuzeit mit Recht abgeschafft. Wo nicht jede Mietwohnung ihre Waschküche hat, ist doch eine solche für alle Hausbewohner zum abwechselnden Gebrauch vorhanden."
Es ist ein Haushaltsbuch für das "gehobene Heim", und die Verfasserin hat wahrscheinlich nie etwas von den Wohnverhältnissen normaler Leute gesehen. Die Fotos zeigen, was für Waschräume sie im Sinn hatte: Räume, in denen etliche dienstbare Geister beschäftigt waren, während die Hausfrau bestensfalls reinkam, um die Arbeitenden zu überwachen.

Ulrike Berkenhoff 13.09.2014 11:06

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Wäsche bügeln oder plätten? Dies wurde früher mit nicht elektrischen
Eisen gemacht. Sie wurden auf der Ofenplatte erhitzt oder es kam heiße
Kohle hinein. Ich hatte ein kleines Kinderbügeleisen, wurde kurz auf
die heiße Ofenplatte gestellt, dann durfte ich Taschentücher bügeln.
Für alles wurde der große Küchentisch benutzt. Es kam eine alte Wolldecke
und ein Laken darauf. Der Tisch war der Mittelpunkt für alles, nicht nur zum
Essen. Hausaufgaben (dafür wurde eine Ecke "freigemacht"), Essen
vorbereiten, manchmal Spiele, Handarbeiten, kleine handwerkliche
Ausbesserungen der Männer - dort wurde sich auch unterhalten usw.
Die "Gute Stube" (Wohnzimmer) blieb besonderen Anlässen vorbehalten.
-Ulrike

Elfie 13.09.2014 11:34

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Ich kenne nur so ein Bügeleisen mit Eisenkern drin. Das hatte hinten eine Art Klappe, da hinein passt genau dieses Gusseisenteil. Meine Großmutter fing mit dem Bügeleisen auch Mäuse, Statt dem Kern wurde ein Stück Speck auf ein Holz gebunden, das in die Klappe geklemmt wurde und diese so weit offen hielt, dass die Maus hinein konnte. Wenn sie sich über den Speck hermacht zog sie auch am Holz und die Falle war zu.

Joa 13.09.2014 11:53

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 45921)
Ich kenne nur so ein Bügeleisen mit Eisenkern drin. Das hatte hinten eine Art Klappe, da hinein passt genau dieses Gusseisenteil. Meine Großmutter fing mit dem Bügeleisen auch Mäuse, Statt dem Kern wurde ein Stück Speck auf ein Holz gebunden, das in die Klappe geklemmt wurde und diese so weit offen hielt, dass die Maus hinein konnte. Wenn sie sich über den Speck hermacht zog sie auch am Holz und die Falle war zu.

Dann gab's wohl gebackene Mäuse! :D

Elfie 13.09.2014 17:38

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Die gabs! Schmeckten herrlich, aber nur für Vegetarier - was eigentlich auch nicht stimmt, denn sie landeten im Schweineschmalz :(.

Ulrike Berkenhoff 13.09.2014 20:12

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Nicht dein Ernst? -Ulrike

harry 13.09.2014 20:34

AW: Hausarbeit damals und heute
 
@Joa Das war jetzt hinterlistig. :rotfl:

@Ulrike: Gebackene Mäuse sind eine Süßspeise aus Hefeteig. Dieser wird mit einem Löffel abgestochen und in heißes Fett eingelegt. Serviert werden die goldbraun gebackenen, etwa faustgroßen Stücke mit Preiselbeerenkompott (Kronsbeeren).:koch:

Ulrike Berkenhoff 14.09.2014 10:56

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Danke für die Aufklärung! -Ulrike

Babel 14.09.2014 14:16

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zur Hausarbeit gehört auch die Verwaltung des zur Verfügung stehenden Geldes, die häusliche Buchführung. Welche Anteile des Einkommens wofür ausgegeben werden, das hat sich im Laufe der Jahrzehnte extrem geändert. Mein Haushaltsbuch von 1955 gibt folgende Richtwerte an – "bezogen auf einen Haushalt mit 1 bis 2 kleinen Kindern":

10 % Miete
6 % Heizung, Licht
45 % Ernährung
4 % Genußmittel
6 % Hausrat
12 % Bekleidung
6 % Reinigung der Wohnung und Körperpflege
6 % Bildung, Unterhaltung
3 % Verkehrsmittel
2% Sonstiges
= 100 %

Das wird dann spezifiziert am Beispiel eines Haushalts mit 387 DM Nettoeinkommen (und gelegentlichen, nicht näher bezeichneten Zusatzeinkünften, die von -,60 bis 50 DM reichen). Dieses Beispiel enthält zusätzlich 50 DM Sparrücklagen monatlich, die in der obigen Einkommensaufteilung nicht enthalten sind.

Auf der Abbildung einer handgeschriebenen Haushaltsbuchseite findet sich der Einnahmeposten "Rabattmarkenheft". Wer erinnert sich an diese Faltblätter, in die man die Rabattmarken einklebte, die man an der Kasse für den jeweiligen Einkauf bekam?

Elfie 13.01.2015 19:31

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Ich bewundere dich unendlich!!!
Ein Haushaltsbuch kenn ich nur vom Hörensagen :(. Noch dazu in prozentueller Aufteilung. Zu Zeiten von Mitbewohnern hab ich die Kosten bzw. Rechnungen vermerkt, das war mir lästig genug. Ansonsten schau ins Börsl: was ist drin - fertig. Naja und wenn das fertig ist, dann schaumamal, was das Konto sagt :D.

Babel 13.01.2015 19:50

AW: Hausarbeit damals und heute
 
2 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 48144)
Ich bewundere dich unendlich!!! Ein Haushaltsbuch kenn ich nur vom Hörensagen :(.

Nein, das war aus einem Buch zitiert ("Mein praktisches Haushaltsbuch", 1955 gedruckt). Sooo alt bin ich nun auch wieder nicht, daß ich 1955 einen Haushalt mit zwei kleinen Kindern gehabt hätte. :rotfl:

Aber da wir einmal beim Thema sind, scanne ich die Haushaltsbuchseiten aus diesem Buch hier mal. Ist schon ganz interessant, da in einem anderen Thread gerade von Kaufkraft vor soundsoviel Jahren die Rede war.

Tatsächlich führe ich sowas aber tatsächlich. Ich habe es angefangen, als ich in Rente ging, um zu sehen, wie ich mit dem nunmehr viel geringeren Monatseinkommen zurechtkomme. Ich habe mir also ein Computerdokument eingerichtet, das alles schön addiert und nach allen erdenklichen Gesichtspunkten auswertet :D, und weil mir das Spaß macht, führe ich es immer noch – mehr Computerspielerei als sonst was.

Elfie 13.01.2015 20:43

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Ich hab schon die Anführungszeichen gesehen (also nicht gedacht, du warst 1955 Mutter 2er Kinder ;)), dachte aber, das wäre eben eine Richtlinie, um dein Haushaltsbudget in Prozenten zu errechnen ;), allein schon dieses Ansinnen :smi_augen.
Die Kostenaufstellung ist sehr interessant! 1 Brot 1 Mark kommt mir irgendwie viel vor. Mark-Schilling war 1:7, Mitte 1950er Jahre kostete eine Semmel ca. 30Groschen und Kleingebäck war irgendwie Luxus. Aber vielleicht hab ich auch etwas falsch in Erinnerung. Ich weiß nur, dass wir 1959 wieder mal umziehen mussten und die Miete errechnete sich aus dem Brotpreis: 40 kg. Wenn der Brotpreis stieg, dann auch die Miete. Was das genau in S war, weiß ich nicht mehr. Die Wohnung bestand aus 2 winzigen Räumen und Brunnen im Hof.

Ulrike Berkenhoff 13.01.2015 21:19

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Man bekommt Haushaltsbücher und viele Tipps übrigens oft kostenlos
in den Verbraucherberatungen! -Ulrike

Babel 13.01.2015 21:30

AW: Hausarbeit damals und heute
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 48147)
Die Kostenaufstellung ist sehr interessant! 1 Brot 1 Mark kommt mir irgendwie viel vor.

Es ist die Frage, wie groß das Brot war. Weiter oben auf derselben Seite steht: "9 Brötchen, 1 Pfd. Schwarzbrot –,85 DM. Es muß also schon ein recht großes Ding gewesen sein – naja, für eine vierköpfige Familie ... ;)

1 Liter Milch ist mit –,38 DM angegeben. Ich weiß noch, daß ich im Milchgeschäft –,42 Pfennig bezahlt habe – der einzige Preis, den ich behalten habe, wahrscheinlich weil man im Milchladen sonst nichts kaufte (oder bekam?) und diese 42 Pfennig sozusagen "netto" alle Tage ausgab.

Lebensmittel waren – gemessen an heute – teuer; ein Großteil des Monatseinkommens ging ja dafür drauf. Was Neues zum Anziehen war eine große Ausgabe, die man sich selten leisten konnte (ich habe mir damals noch alles selber genäht und kam damit auf ca. 1-2 neue Kleider jährlich) – heute nimmt man ein T-Shirt mal so nebenbei mit und hat zu Hause schon vergessen, daß man dafür Geld ausgegeben hat. Und ein Kühlschrank wird in dem Buch als eine "erhebliche finanzielle Belastung" bezeichnet und "für ein jungverheiratetes Paar in der Regel noch nicht erschwinglich".

Ich bilde hier noch eine Doppelseite aus dem Buch ab. Als ich das Buch bekam, konnte ich es nicht leiden – wie alle diese ewigen Drohungen: "Du heiratest ja mal, und dann ..." Heute liebe ich es innig. :)

Elfie 13.01.2015 21:50

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Herrlich! Heute, wo man das alles gefahrlos betrachten kann, ist es sehr interessant :D! Und Vieles ja immer noch gebräuchlich – also je nachdem: mein Haushalt ist recht unkompliziert und mit wenig Aufwand ;).
Da fällt mir ein: es gibt keine brauchbaren Flaschenbürsten mehr und dort liegt eine!

So einen Wasserpfeifer hatte ich auch mal und die gute alte Milchkanne: anfangs schöpfte die Milchfrau sie mit einem ½ Litermaß aus der großen Milchkanne, dann war auf einmal ein Pumpe da, die viel bestaunt wurde: mit einem Hub kam 1L Milch, sie konnte es auch auf ½ umstellen.
Ich denke schon, dass es alle Molkerei-Produkte gab. Joghurt war noch nicht modern, aber Sauermilch, Butter… Käse. Meine Großmutter kaufte im Milchgeschäft immer ihren Lieblingskäse: den mit dem Mäderl. Das war ein Eckerlkäse mit einer Frau in Tracht, ich glaube Vorarlberger oder so. Alma-Käse wars.

Babel 13.01.2015 23:07

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 48151)
es gibt keine brauchbaren Flaschenbürsten mehr ...

So einen Wasserpfeifer hatte ich auch mal ...

Ich denke schon, dass es alle Molkerei-Produkte gab. Joghurt war noch nicht modern, aber Sauermilch, Butter… Käse. Meine Großmutter kaufte im Milchgeschäft immer ihren Lieblingskäse: den mit dem Mäderl. Das war ein Eckerlkäse mit einer Frau in Tracht, ich glaube Vorarlberger oder so. Alma-Käse wars.

Wieso nicht? Ich hab eine, die genauso aussieht wie auf dem Bild. Aber wozu braucht man die überhaupt noch? Zur Zeit der Milchflaschen natürlich – aber heute? Soll ich dir eine schicken? ;)

So einen Pfeifkessel hatten wir in unserer Dreimäderl-WG in meiner Augsburger Studienzeit. Da passierte es schon mal, daß wir Teewasser aufsetzten, dann kamen ein paar Kommilitonen und nahmen uns irgendwohin mit, wir vergaßen das Teewasser, der Kessel pfiff stundenlang, bis er leer war, und bei der Heimkehr erwartete uns wutschnaubend die Mieterin der Wohnung unter uns ... :D

Ja, unser Milchladen hatte auch so eine Pumpe. Butter und Eckerlkäse kauften wir im Lebensmittelladen, und ab und zu wurde ich beauftragt, nach der Schule in der Kaufhaus-Lebensmittelabteilung Edamer und/oder Emmentaler zu kaufen. Joghurt gab es im Milchladen, stimmt, und er wurde leider in den 50er Jahren sehr schnell modern. Ich habe niemals Milch trinken können, und Joghurt war das Allerschlimmste. Nun kam meine Mutter leider auf die Idee, Salat nicht mehr mit Essig und Öl anzumachen, sondern mit Joghurt. Ich habe nie wieder in meinem Elternhaus Salat gegessen. :mad:

Elfie 13.01.2015 23:52

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Ich hab auch eine – neue – die aber deshalb ziemlich unbrauchbar ist, weil der Stiel zu weich ist. Die hat zwar am Ende einen schönen eleganten bunten Griff daran, den keiner braucht, aber schruppen kann man mit der nicht, alles gibt nach … Naja, ich setz im Sommer aus Kräutern alles mögliche Zeug an in Glas(Mineral)flaschen, da setzt sich dann auch manches innen an, weil sie ja etwas stehen müssen, deshalb. Außerdem für ein Glas-Babyflascherl, das ich für meine Hautcremepantscherei brauche, da kommt man auch mit sonst nix rein zum Reinigen…
Es gibt in Melk noch ein Geschäft, die haben Sachen, von denen die meisten gar nicht mehr wissen, dass es die mal gab. Früher war das eine Bürstenbinderei, jetzt ein Geschirr- und Haushaltswarengeschäft, die könnten noch so ursprüngliche stabile haben, wenn nicht, komm ich gern auf dein Angebot zurück ;).

Naja, so ein Kessel macht auch ein ganz scheußliches Geräusch, Wand an Wand würde ich auch ebendiese hochgehen ;).

Dressing ist eben auch modern :D!
Als Kind konnte ich auch kein Joghurt essen, später dann gern, aber bei der Umstellung auf die Plastikbecher dauerte es wieder sehr lange.
Milch war am besten kuhwarm :D.

Ulrike Berkenhoff 14.01.2015 11:26

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Es gibt noch gute Flaschenbürsten beim Bürstenmacher, der ab und zu auf
unserem Markt steht. Diese handwerkliche Arbeit hat allerdings ihren
Preis! Früher konnte man dergleichen auch beim Blindenverein bekommen,
die eine Werkstatt unterhielten. -Ulrike

Babel 14.01.2015 11:34

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 48162)
Es gibt noch gute Flaschenbürsten beim Bürstenmacher, der ab und zu auf unserem Markt steht.

Ich kenne auch Marktstände von Bürstenmachern. Sollte dieses Handwerk in Österreich denn ganz ausgestorben sein? :kopfkratz

harry 14.01.2015 11:35

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Ich erinere mich auch noch gut an das Milchgeschäft. Die Luft im Laden hatte einen ganz herrlichen, zarten Duft von saurer Milch. Im Geschäft auf der Stahltheke mit den eingelassenen Milchwannen standen der Reihe nach die Hohlmaße, jedes mit einem kleinen Bleiknopf mit dem Eichstempel. Es gab nur Milch, Butter und saure Milch (Die Milch wurde damals noch von selbst sauer). Alles andere, wie das Schlagobers oder mein geliebtes Fru-Fru (das war dicke saure Milch mit Erdbeermarmelade) mußte man vorbestellen. Meine Mutter verweigerte das "teure Glumpert". :nono: Das wäre Geldverschwendung, meinte sie, und Marmelade hätten wir genug zu Hause.

Ja, die aussterbenden Küchengeräte. Für einen begeisterten Koch :koch: ein ewiges Ärgernis. Man müsste auch dafür eine Rote Liste anlegen.
Wie bereits gesagt, Flaschenbürsten.
Ein gedrechselter Nudelwalker aus einem Stück und nicht mit einer Bohrung für eine Griffstange, in der stets Mehl und andere Zutaten zufinden sind.:kotz:
Eine vernünftige Gugelhupfform aus Keramik, die die Hitze ordentlich aufnimmt und gleichmäßig verteilt.
Und viele andere kleine Helferlein, die schon fast vergessen sind und die man :Fluester: oft noch auf Jahrmärkten findet.

Dresdner 14.01.2015 11:39

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Unter http://www.eichwaelder.de/Altes/alte...ltesgeraet.htm gibt es eine große Auswahl solcher Utensilien mitsamt der Werbung zu bestaunen.
Heute wohl nur noch über Trödelmärkte beschaffbar - wenn überhaupt.

Elfie 14.01.2015 12:18

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Danke für die vielen Hinweise, ich muss gestehen: ich war schon ewig lang auf keinem Markt, außer den fixen "Grünmärkten", werde ich bei Gelegenheit nachholen und mich eindecken ;).

Ja, die Nudelwalker, ich dachte, ich spinne, als ich so ein Trumm bekam :smi_mitha. Man kann den Druck gar nicht dosieren, hat das Gefühl, der macht sich selbststängig. Ich brauchte ihn ja für das Herstellen von Tonplatten, das erfordert großen Druck, da bog sich alles.
Mal ganz abgesehen von der Reinigung, heute, wo doch alles im Hygienewahn deliriert.

Mit backen kenn ich mich nicht so aus, hab noch die emailierten Gugelhupfformen in Erinnerung, aber was mich schon lange ärgert, ist das neue Riess-Geschirr: die haben den modernen Metall-Abschluss übernommen, worin so schön der Filz vom Schwammerl hängen bleibt, aber auf einen Deckelgriff, den man auch ohne Topflappen anfassen kann und der schon ziemlich üblich ist, sind sie noch nicht gekommen.

Babel 14.01.2015 13:06

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 48170)
Mal ganz abgesehen von der Reinigung, heute, wo doch alles im Hygienewahn deliriert.

Wozu müssen die Geräte gut zu reinigen sein, da man sie doch in antibakteriellem Spülwasser baden und vor Gebrauch mit irgendwas Antibakteriellem ("tötet 99,9 % aller Keime") ansprühen kann? :kopfkratz

Ein besonders schönes Gerät war doch der Teppichklopfer, mit dem die Hausfrau früher angeblich auch die Kinder versohlte und den Ehemann begrüßte, wenn er stockbesoffen ins traute Heim heimkam (früher beliebtes Witz- und Ansichtskartenmotiv). Mitunter sehe ich noch in älteren Wohngebieten die vergessen vor sich hinrostenden Teppichklopfstangen herumstehen. :D

harry 14.01.2015 14:09

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 48173)
Wozu müssen die Geräte gut zu reinigen sein, da man sie doch in antibakteriellem Spülwasser baden und vor Gebrauch mit irgendwas Antibakteriellem ("tötet 99,9 % aller Keime") ansprühen kann?

Naja, mir schmeckt eben die Paste aus Teig, Spülmittel und Desinfektionsspray nicht so besonders. :D

Elfie 14.01.2015 14:12

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von harry (Beitrag 48176)
Naja, mir schmeckt eben die Paste aus Teig, Spülmittel und Desinfektionsspray nicht so besonders. :D

Ich wär da auch eher für die alte Methode: lufttrocknen und dann abklopfen :D.

Ja und teppichklopfende Hausfrauen bekämen doch heute gleich eine Anzeige wegen Feinstaubbelastung!

Babel 14.01.2015 14:39

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Zitat:

Zitat von harry (Beitrag 48176)
Naja, mir schmeckt eben die Paste aus Teig, Spülmittel und Desinfektionsspray nicht so besonders. :D

Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 48177)
Ich wär da auch eher für die alte Methode: lufttrocknen und dann abklopfen :D.

Ihr seid halt alle noch nicht in der Gegenwart angekommen. :(
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 48177)
Ja und teppichklopfende Hausfrauen bekämen doch heute gleich eine Anzeige wegen Feinstaubbelastung!

Bestimmt! Aber mit dem Ende der Teppichklopferei ist auch ein Motiv für die Lyrik verschwunden. Christian Morgenstern hat diese Tätigkeit noch so schön bedichtet:

Mägde am Sonnabend

Sie hängen sie an die Leiste,
die Teppiche klein und groß,
sie hauen, sie hauen im Geiste
auf ihre Herrschaft los.

Mit einem wilden Behagen,
mit wahrer Berserkerwut,
für eine Woche voll Plagen
kühlen sie sich den Mut.

Sie hauen mit splitternden Rohren
im infernalischen Takt.
Die vorderhäuslichen Ohren
nehmen davon nicht Akt.

Doch hinten jammern, zerrissen
im Tiefsten, von Hieb und Stoß,
die Läufer, die Perserkissen
und die dicken deutschen Plumeaus.

Elfie 14.01.2015 17:04

AW: Hausarbeit damals und heute
 
Das könnte tatsächlich ein Motiv für heutige Auffälligkeiten sein: man kann sich nirgendwo mehr straffrei seine Wut auslassen ;).


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