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Ulrike Berkenhoff 07.10.2006 17:27

100 Jahre Dauerwelle
 
Heute in der Tageszeitung: 100 Jahre Dauerwelle. Wie ich finde: ein haariges
Thema! Wer weiß etwas zu berichten? Finde ich interessant! Erfinder war
ein bayr. Frisör namens Karl Ludwig Nessler. Meine Quelle: Westf. Rundschau
7.Okt.06. Volkstümlich sagt man hier: Dauerkrause. Meine erste Erinnerung:
ich hatte glatte lange Haare. Mutig zum Frisör (vor ca 35 Jahren). Es war
eine lange Prozedur, ich wollte es : leicht wellig. Das Ergebnis: Typ
Rauschgoldengel. Kurz drauf ließ ich mir die ganze "Pracht" abschneiden.
In dem Zeitungsartikel steht auch etwas von 5stündiger Tortur und üblen
Gerüchen. - Bin gespannt auf Antworten! Ulrike

Berit (SAGEN.at) 12.10.2006 11:11

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Bekam nicht in den 50ern jedes Mädchen ihre heißersehnte Dauernwelle zur Konfirmation?

Berit

dolasilla 12.10.2006 11:39

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
ich wollte es : leicht wellig. Das Ergebnis: Typ
Rauschgoldengel.

Ein einziges Mal hab ich mir sowas verpassen lassen - und mir ging es dabei ähnlich wie dir: Ich hatte halblange Haare und wollte sie ganz lang wachsen lassen und dabei großzügige Wellen haben, so a la Katharine Hepburn. Ausgschaut hab ich nachher wie ein Pudel - mit vielen kleinen Kringellöckchen.
:smi_ersch

Fast ein Jahr hat es gebraucht, bis das rausgewachsen war und ich geh seither auch nimmer in einen Frisiersalon.

Ulrike Berkenhoff 13.10.2006 10:24

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zur Konfirmation bekam ich die Haare von einer Nachbarin (Frisöse)
gemacht. Auf dicke Lockenwickler gedreht, mit einer Schwebehaube
(kennt noch jemand diese Gebilde am Staubsaugermotor befestigt?)
getrocknet. Leicht antoupiert, so "6er Kringel "vor den Ohren (wurden nachts
mit Tesafilm angeklebt!) . Fast alle Mädchen hatten erstmals Seidenstrümpfe u.
Schuhe mit Absatz (schwarze Lackschuhe m. Riemchen). Die Kleider alle
schwarz, die Jungen den ersten dunklen Anzug. Wir sahen aus wie eine
Beerdigungsgesellschaft, da die Fotos auch noch schwarz-weiß waren.
Gefeiert wurde zu Hause, geschenkt wurden nützliche Dinge für die
Aussteuer. Jetzt hat Berit mich auf das Thema Konfirmation gebracht!
Natürlich hatte man auch ein Kettchen mit Kreuz, ein Gesangbuch u.
weißes Taschentuch mit wunderbarer Häkelspitze. Die Zeiten haben sich
inzwischen doch sehr gewandelt! Gerne lese ich hier entsprechende Berichte!
Viele Grüße von Ulrike!

Eostra 25.04.2007 20:43

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
Erfinder war
ein bayr. Frisör namens Karl Ludwig Nessler.

hallo ulrike,

das der urgroßonkel meines vaters aus bayern stammte ist mir neu.
meine wurzeln führen in den schönen schwarzwald und der geburtsort, sowie die nach dem erfinder benannte strasse liegt in todtnau.

http://www.nessler-todtnau.de/index.php

grüße,
ulrike ;)

Ulrike Berkenhoff 26.04.2007 12:59

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Danke für die Informationen! Werde meiner Tageszeitung mitteilen, daß sie
wohl falsche Angaben gebracht haben, denn auf diese Quelle habe ich mich
gestützt. Freundliche Grüße und vielleicht hier im Forum noch weiteren
Austausch über interessante Themen! Ulrike

Babel 20.06.2015 19:58

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 3791)
Erfinder war ein bayr. Frisör namens Karl Ludwig Nessler. Meine Quelle: Westf. Rundschau, 7.Okt.06.

Zitat:

Zitat von Eostra (Beitrag 4910)
dass der urgroßonkel meines vaters aus bayern stammte ist mir neu. meine wurzeln führen in den schönen schwarzwald und der geburtsort, sowie die nach dem erfinder benannte strasse liegt in todtnau.

Für die Bewohner in Nordrhein-Westfalen und nördlicher ist alles, was südlicher liegt, Bayern. :D In Aachen sagte man mir dauernd, ich spräche bayerisch, obwohl meine Sprache allenfalls einen vagen Anflug von irgendwas Süddeutschem, eher Schwäbischen, hatte.

Ich war schon glücklich, daß ich zur Konfirmation die Haare abschneiden durfte. Und dann auch gleich Dauerwelle? Meinen Vater hätte der Schlag getroffen! :smi_ersch

Ich habe dann über zehn Jahre lang Dauerwelle getragen. Es war lästig. Man konnte die Haare nicht selbst waschen, weil sie danach auf große Lockenwickler gelegt werden mußten – andernfalls wäre es eine Krause gewesen, als hätte man sich Krautsalat auf den Kopf gelegt. Und schön aufwickeln konnte nur der Friseur – es sollten ja die richtigen sanften Wellen dabei herauskommen. Der Friseurbesuch kostete Ende der 50er Jahre 2,50 Mark, Mitte der 60er Jahre 3,50 Mark. Also ging ich alle zwei bis drei Wochen zum "Waschen und Legen". Es ist heute unvorstellbar, wie frau es zwei bis drei Wochen von einer Haarwäsche bis zur anderen ausgehalten hat, aber es war so üblich.

Es gab später (um 1980) Dauerwellen, die konnte man an der Luft trocknen lassen – man hatte dann etwas, das wie eine milde Naturkrause aussah. Ich hab es mir mal machen lassen, aber an mir hat es mir nicht gefallen. Ich hab es rauswachsen lassen, bis ich wieder meinen normalen Kurzhaarschnitt tragen konnte.

Ja, an diese Trockenhauben, die man zu Hause benutzte und die sich aufbliesen wie deformierte Luftballons, erinnere ich mich auch.

Ulrike Berkenhoff 22.06.2015 00:31

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Nochmal zum Thema: erinnert sich jemand an Minipli und Trockenshampoo?
-Ulrike

Babel 22.06.2015 09:20

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Minipli: Das seit Jahrzehnten nicht mehr gehörte Wort habe ich zwar wiedererkannt, aber was war das nochmal? Diese krausen Männerfrisuren, die zu einem bestimmten Typ, zu offenem Hemd, künstlischer Sonnenbräune, Goldkettchen und Angeber-Auto gehörten? :D

Trockenshampoo gibt es seltsamerweise immer noch zu kaufen. In der Zeit, als wir nur alle zwei bis drei Wochen zum "Waschen und Legen" gingen und die Haare genug Zeit hatten, so richtig fies fettig zu werden, war es nützlich, ja notwendig. Frisierumhang umgelegt, das pulvrige Zeug ins Haar gesprüht und dann gebürstet, was das Zeug hielt. Aber beim Friseur sehe ich ja immer noch Frauen meines Alters und noch ;) älter, die sich Dauerwellen machen lassen und vermutlich dasselbe Problem haben wie wir damals – die benutzen das vielleicht noch.

Elfie 22.06.2015 10:59

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Da gab es bei uns eine Naturschönheit.

Aber der Bursch auf deinem Link sieht doch auch gut aus! Gefällt mir besser als die Gegelten und Brauengezupften von heute. Ist aber natürlich Geschmacksache und alles hat seine/ihre Berechtigung!! Mode ist ja auch dazu da, sich von anderen zu unterscheiden ;). Dafür sehen dann alle gleich aus :D.

Minipli - war das nicht die leichtere Sorte, die irgendwann auch Wasserwelle hieß? Die Milde, die schon beschrieben wurde.
Ich hab meinen Zopf erst mit 14 abgeschnitten, den konnte ich selber nicht flechten, d. h. schon, aber nur auf eine Seite so über die Schulter, dann ging er mir auf die Nerven.

Leider hatte ich ganz glattes, widerspestiges Haar, was vorher nicht zu bemerken war und dann ließ ich auch Dauerwellen machen. Die Prozedur und der Gestank waren schauerlich, den Hund hat kaum etwas gestört an mir, aber wenn ich da frisch vom Frisör kam, hat er sich verkrochen. Aber ich hab das jahrzehntelang durchgezogen. Hab meine eigene Wickelmethode gefunden, denn die strengen Röllchen - groß oder kleiner - waren ja auch furchtbar. Als ich es dann wieder mal ohne versuchte, merkte ich, dass sich das Haar geändert hatte und doch einigermaßen frisierbar war.

Trockenshampoo hab ich nur ein einziges Mal versucht, hat dann grauslich gejuckt und ich hatte danach für Wochen Schuppen :(.

Auf dem Land kam die Dauerwelle für Herrn naturgemäß später und hat sich auch nicht so durchgesetzt. Vermutlich haben die Burschen die mitleidigen Blicke der Mädchen nicht ertragen. Meist wollten ja eher die Männer mit schütterem Haarwuchs mehr Dichte vortäuschen und sahen dann aus wie nach einem Stromunfall.

harry 22.06.2015 12:05

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 51543)
...Leider hatte ich ganz glattes, widerspestiges Haar ...

Da gab es auch das Gegenteil: Meine Mutter, die, Gott hab' sie selig, heute 102 Jahre alt wäre, hatte ganz dichte Naturlocken. Unfrisiert sah sie aus, als hätte sie sich ein Minipli machen lassen. Sie litt so seht darunter (auch das gab's), dass sie sich "verkerhrte" Dauerwellen machen ließ, also die Locken mit der Dauerwellenmethode entfernt wurden.
Ehrlich gesagt, mir gefiel sie mit Locken besser ;)

harry 22.06.2015 13:15

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 51513)
Ja, an diese Trockenhauben, die man zu Hause benutzte und die sich aufbliesen wie deformierte Luftballons, erinnere ich mich auch.

Diesmal habe ich nicht Schubladen durchwühlt und in Kistln gekramt. Ich habe in Keller und Dachbodern herumgeschnüffelt, wie ein Spürhund und - ich hab's ja gewusst - so eine Trochenhaube gefunden. Sie ist zwar schon so lange unbenützt, dass man auf dem Deckel der Verpackung schreiben könnte, aber immerhin noch für ein Dokumentarfoto gut. :)

Babel 22.06.2015 13:22

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von harry (Beitrag 51546)
... so eine Trochenhaube ... immerhin noch für ein Dokumentarfoto gut. :)

Na, das ist ja nur die Verpackung. :( Warum hast du sie dir nicht aufgesetzt, den Strom angestellt, dann ein Selfie gemacht und hier eingestellt? :D

Das Leiden an der Naturkrause und das Glättenlassen beim Friseur gab es öfter. Einer Freundin von mir ging es auch so. Lange hat sie nur still vor sich hingelitten, aber als uns Anfang der 70er Jahre die Hippies die lang runterhängenden glatten Haare brachten, hat sie sich auch regelmäßig dieser Maßnahme unterzogen. Obwohl es doch auch gekräuselte Hippies gab, weibliche und männliche: Rainer Langhans trägt seine Naturkrause (und seine Schlabbergewänder) immer noch. Ich hab ihn kürzlich erst in München gesehen.

harry 22.06.2015 13:44

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
In diesem Thread geht es um Dauerwellen und ich habe leider Naturwellen, also wäre ein Selfie von mir hier nicht angebracht.
:weise: (Symbolbild)

Babel 22.06.2015 13:56

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 51543)
Da gab es bei uns eine Naturschönheit.

Auf dem Land kam die Dauerwelle für Herrn naturgemäß später und hat sich auch nicht so durchgesetzt. Vermutlich haben die Burschen die mitleidigen Blicke der Mädchen nicht ertragen.

Eure Naturschönheit hat, wie im Internet zu sehen, heute entschieden weniger Haare. Vielleicht ist ihm die Dauerwelle nicht bekommen. :D
Diese Krause scheint überhaupt eine Zeitlang die Frisur der Fußballer gewesen zu sein, siehe unsere Weltmeister von 1974. :)

Diese Burschen mußten auch in der Stadt mitleidige Blicke ertragen. Wir haben diese Frisur automatisch mit einem Intelligenzquotienten unter 50 und einem Eitelkeitsquotienten über 140 assoziiert. :rolleyes:

Babel 22.06.2015 13:58

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von harry (Beitrag 51548)
... ich habe leider Naturwellen, also wäre ein Selfie von mir hier nicht angebracht.

Die würde man ja unter der Haube gar nicht sehen. ;)

Elfie 22.06.2015 15:33

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von harry (Beitrag 51545)
Ehrlich gesagt, mir gefiel sie mit Locken besser ;)

Hübsche Mutter!!! Genau solche Haare hatte eine Schulkollegin und hat sie, kaum, dass sie aus der Schule raus war, auch immer glätten lassen. Dabei haben wir - also die mit den Schnittlauchlocken - sie immer so beneidet! Scheinbar will man immer das, was andere haben.

Elfie 22.06.2015 15:41

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 51549)
Eure Naturschönheit hat, wie im Internet zu sehen, heute entschieden weniger Haare. Vielleicht ist ihm die Dauerwelle nicht bekommen. :D:

Der "Schneckerl" - das war sein Spitzname - war tatsächlich ein Naturpudel, es gibt auch Kinderfotos von ihm. Weiß nicht, ob im Netz, im TV schon öfter gesehen. Man kanns ja auch am Rest noch sehen ;).

Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 51549)
Diese Burschen mußten auch in der Stadt mitleidige Blicke ertragen. Wir haben diese Frisur automatisch mit einem Intelligenzquotienten unter 50 und einem Eitelkeitsquotienten über 140 assoziiert. :rolleyes:

Naja, das war vermutlich ein Vorurteil, das sich mit dem Vergleichen lässt, das 30 Jahre später den Blondinen zuteil geworden ist ;). Es war eben Mode und früher wurden Männer schief angesehen, wenn sie sich oberhalb des Halses verschönern ließen, erlaubt waren grad mal Tatoos und Bodybuilding, wobei Ersteres schon schräg beäugt wurde.

Babel 22.06.2015 16:42

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 51552)
Naja, das war vermutlich ein Vorurteil ...

Der moderne Alltag ist ohne Vorurteile nicht zu bewältigen. Horkheimer erklärt: „Im Dschungel der Zivilisation reichen angeborene Instinkte noch weniger aus als im Urwald. Ohne die Maschinerie der Vorurteile könnte einer nicht über die Straße gehen, geschweige denn einen Kunden bedienen.“ (Quelle) :D

Elfie 22.06.2015 18:09

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
1 Anhang/Anhänge
Also um beim Thema zu bleiben: ein positves Vorurteil wäre dann, davon auszugehen, dass man unbedingt männlich sein und einem Ball nachrennen musste, wenn man auf seinem Kopf eine gewisse Freiheit walten ließ?

Dazu hab ich im Archiv etwas gefunden: schwanken zwischen Frisur und - ja, was :D

Babel 22.06.2015 18:47

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 51560)
Also um beim Thema zu bleiben: ein positves Vorurteil wäre dann, davon auszugehen, dass man unbedingt männlich sein und einem Ball nachrennen musste, wenn man auf seinem Kopf eine gewisse Freiheit walten ließ?

Dazu hab ich im Archiv etwas gefunden: schwanken zwischen Frisur und - ja, was :D

Ganz so eng konnte man es nicht sehen, da man ja auch Männer mit dieser Freiheit auf dem Kopf kannte, die keinem Ball nachrannten.

Das negative Vorurteil jener Jahre war aber tatsächlich, daß so auffällige Verschönerungsmaßnahmen bei Männern unpassend waren und nur mit einem niedrigen Intelligenzquotienten erklärt werden konnten. Da auch Fußballer als Geschöpfe galten, deren Qualitäten nicht im Kopf, sondern in den Beinen lagen, paßte das eigentlich recht gut zusammen. (Daß nicht alle Fußballer blöd waren, konnte man ja mal für einen Moment vergessen. ;)) Vielleicht hatte das schlechte Image der männlichen Kräuselfrisuren bei den Frauen auch seinen Grund darin, daß wir die Dauerwelle als unsere Domäne betrachteten, aus der sich die Männer gefälligst raushalten sollten. :D Für uns Frauen war es gewissermaßen eine Pflicht, das Bestmögliche mit unseren Köpfen anzustellen! :smi_klats

Na, im Ernst: Ich habe mich beim Wort "Vorurteil" einfach daran erinnert, daß ich früher mal Horkheimers Aufsatz "Über das Vorurteil" gelesen habe und seine Erklärungen zur Nützlichkeit desselben sehr nachdenkenswert fand.

Ulrike Berkenhoff 22.06.2015 19:36

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
"Krause Haare - krauser Sinn" - ein altes Sprichwort. "Lockenköpfe" sind
unglücklich, vor allem die Männer - also wurde geglättet und abgeschnitten. Glattes Haar
läßt sich Dauerwelle machen. Viele möchten eine andere Haarfarbe -
warum eigentlich? Heuer soll grau "in" sein, jüngere Menschen färben sich also grau -
graue Haare färben um zu verdecken, dass man älter wird. Manches ist schon
verrückt, wir lassen uns viel zu sehr beeinflussen - denkt Ulrike
Gehe übrigens Morgen zum Frisör zur neuen Dauerwelle!

Babel 22.06.2015 19:43

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 51563)
"Krause Haare - krauser Sinn" - ein altes Sprichwort.

Heuer soll grau "in" sein

Gehe übrigens Morgen zum Frisör zur neuen Dauerwelle!

Ja, und "Lange Haare, kurzer Verstand"! :D

Na super, endlich bin ich mal voll up-to-date! :)

Du nimmst diese Tortur noch auf dich? Mein Mitgefühl ist dir gewiß! :troest:

Elfie 22.06.2015 20:32

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 51565)
Ja, und "Lange Haare, kurzer Verstand"! :D

Na super, endlich bin ich mal voll up-to-date! :)

Ja :smi_klats , diese beiden und der Spruch "Jung, dumm und gefräßig" waren die sprichwörtlichen Vorurteile eines Meisterpädagogen meiner Klasse, einer der wenigen Menschen, bei deren Gedenken es mich heute nach Jahrzehnten noch in den Fingern juckt :mad:.

Dafür freut es auch mich umso mehr, dass ich endlich mal "in" bin :)

Das Zitat Horkheimers macht tatsächlich neugierig auf mehr ;).

Ulrike Berkenhoff 22.06.2015 21:21

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Gehört wieder nicht zum eigentlichen Thema: auch ich hatte Lehrer, die
von sich gaben: Ihr taugt alle nichts und aus keinem von euch wird etwas
werden. Es gab aber auch das Gegenteil an fähigeren Pädagogen! Man muß bedenken - nun wieder zum
Thema Haare - es war die Zeit der Beatles und die Jungen ließen ihre Haare wachsen
(Pilzköpfe). Beim" Bund" gab es die Haarbeutel, nachdem der Zwang zum
Kurzhaarschnitt fiel. Das Musical "Hair" habe ich noch als alte "Langspielplatte".
-Übrigens dieses Trockenshampoo benutzte ich mal im Krankenhaus, totaler
Grauschleier, schreckliches Jucken, Schwefelgeruch ... Ulrike

Babel 22.06.2015 21:52

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 51566)
"Jung, dumm und gefräßig"

Ich kenne nur die Variante "dumm, faul und gefräßig". Aber da auch diese Fassung von einem Lehrer augesprochen wurde – gegenüber einem dreizehnjährigen Schüler –, ist das "jung" doch irgendwie inbegriffen. :D Übrigens war es ein Lateinlehrer; ohne ihn hätte ich vielleicht noch während der Schulzeit Interesse am Lateinischen bekommen und nicht erst mit ca. 50, einem Alter, in dem das Vokabellernen nicht mehr gerade leicht fällt. ;)

Babel 09.12.2015 18:37

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Zurück zum Thema "Haare":
Veranlaßt durch ein paar Haarbilder in der Bildergalerie haben Elfie und ich festgestellt, daß wir beide unseren abgeschnittenen Zopf aufbewahrt haben – sie bis heute, ich immerhin auch etwa 50 Jahre lang. Warum? Elfie schreibt, sie weiß es nicht.

Ich weiß natürlich auch nicht mit Sicherheit, was mich bewog, den Zopf – vom Friseur zusammengebunden und in eine Plastiktüte gesteckt – statt in den Mülleimer in den Kleiderschrank zu legen. Aber es erscheint mir heute doch naheliegend:

Das Abschneiden war mit der Konfirmation verbunden, einem der lebensgeschichtlichen Wendepunkte ("Übergangsriten"). Auch wenn die Konfirmation bei uns Oberschülerinnen nicht mehr mit Schulentlassung und Beginn des Arbeitslebens, also mit "Erwachsenwerden", zusammenfiel, gefühlsmäßig war sie immer noch ein bedeutsamer Termin: man (oder vielmehr: mädchen ;)) bekam zwei neue Kleider (Prüfungs- und Konfirmationskleid), brauchte künftig nicht mehr in die Kirche zu gehen (was die "Erfinder" der Konfirmation wohl kaum beabsichtigt hatten :D) und durfte endlich, ENDLICH die Haare abschneiden lassen! :smi_huepf Mit dem Zopf ließen wir (trotz weiterer Abhängigkeit vom Elternhaus) sozusagen die Kindheit hinter uns ... Das war schon ein Grund zum Aufbewahren des Zopfes. :)

In den frühen 50er Jahren behielt kaum ein Mädchen seine langen Haare über die Konfirmation hinaus, und die schon vorher kurzes Haar hatten, durften sich die erste Dauerwelle machen lassen.

Elfie 09.12.2015 22:15

AW: 100 Jahre Dauerwelle
 
Mein Haare-lassen war keine rituelle Handlung, eher war mir der Zopf lästig geworden. Im Internat musste ich ihn selber bändigen und trug ihn auf einer Seite nach vorne, das war nicht meins, aber nach hinten konnte ich es nicht, das war bis dato Mutters Geschäft gewesen :D.
Und später am Arbeitsplatz hätte ich ihn wegen der Maschinen irgendwie verstecken müssen.

Aber irgendwie hat mich die Bemerkung meines Großvaters berührt, hätte er nochmal etwas gesagt, ich hätte ihm den Wunsch erfüllt. Deshalb hab ich ihn damals wohl aufbewahrt. Denn ich erinnere mich, dass ihn der Frisör auch kaufen wollte...

Naja und warum ich ihn, als er mir vor Jahren wieder in die Hände fiel, nicht entsorgt hab, weiß ich wirklich nicht. Vermutlich, weil ich mich sehr schwer von altem Zeug trenne, an dem Persönliches hängt ;).


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