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TeresaMaria 19.01.2014 08:13

AW: Lieblingsgedichte
 
Es ist zwar nicht mein Lieblingsgedicht, aber diese Entdeckung soll auch hier verewigt sein:


Wanderfreunde

Sechs Tage Arbeit und Kultur,
Am Sonntag aber “Nur Natur”.
Sieh frank und frei ins Land hinaus,
Schliff, Schick und Bildung laß zuhaus.

Des Waldes feierliche Stille
Belebe kräftig mit Gebrülle.
Laß bitte keine Blumen steh’n!
Was brauchen and’re sie zu seh’n?

Das Gras, die Saat tritt ruhig nieder,
Im nächsten Jahr wächst alles wieder.
Durch Rindenschnitt in jedem Stamme
Verew’ge Dich und Deine Flamme.

Blechbüchsen, Scherben und Papier
Laß liegen zu des Waldes Zier.
Was sind dem Walde Tiere not?
Wirf, hetze, fange, schlage tot!

Rauch flott im Holze, schür’ ein Feuer!
Das freut den Förster ungeheuer.
Wo freundlich Rast und Stille winken,
Laß knallend Deinen Motor stinken!

Hältst Du Dich stets an solche Regel,
Bist Du ein zünft’ger - Wanderflegel!

Babel 01.04.2014 21:48

AW: Lieblingsgedichte
 
1 Anhang/Anhänge
Die Veilchen träumen nicht mehr, sie sind längst da ... ;)
Diese Tafel ist außen an der Kapelle beim Gütersteiner Wasserfall (oberhalb von Bad Urach, Baden-Württemberg) angebracht.

Eduard Mörike, der Lieblingsdichter der Schwaben, wurde 1804 geboren und besuchte von 1818 bis 1822 das Evangelische Seminar in Urach, ehe er im Tübinger Stift zum Pfarrer ausgebildet wurde (allerdings hat er seinen Beruf gehaßt und sich so früh wie möglich in den Ruhestand begeben).

Elfie 01.04.2014 22:40

AW: Lieblingsgedichte
 
Das ist wohl eines der bekanntesten und meistzitierten "alten" Frühlingsgedichte - ich mag es auch :).

Ulrike Berkenhoff 02.04.2014 15:02

AW: Lieblingsgedichte
 
Von Eduard Mörike: Auf ein Ei geschrieben

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?
Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich täts gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren,
Und zugleich tät es mich kitzeln,
Dir ein Rätsel draufzukritzeln.

Ulrike Berkenhoff 02.04.2014 15:05

AW: Lieblingsgedichte
 
(Forts.)

Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst geschaffen,
Wohl die Henne? Wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward das Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hats der Has gebracht!

Ulrike

Babel 02.06.2014 10:24

AW: Lieblingsgedichte
 
Bertolt Brecht
Überall vieles zu sehen

Was hast du gesehen, Wanderer?
Ich habe eine anmutige Landschaft gesehen, da war ein grauer Hügel vor einem hellen Himmel, und das Gras wiegte sich im Wind. An den Hügel lehnte sich ein Haus, wie sich ein Weib an einen Mann lehnt.

Was hast du gesehen, Wanderer?
Ich habe einen Höhenzug gesehen, gut, um Kanonen dahinter zu stellen.

Was hast du gesehen, Wanderer?
Ich habe ein Haus gesehen, das war so baufällig, daß es nur durch einen Hügel aufrecht gehalten wurde; aber so lag es den ganzen Tag im Schatten. Ich kam zu verschiedenen Stunden vorbei, und niemals stieg aus dem Kamin Rauch, als ob Essen gekocht würde. Und ich sah Leute, die dort wohnten.

Was hast du gesehen, Wanderer?
Ich habe ein dürres Feld auf felsigem Grund gesehen. Jeder Grashalm stand einzeln. Steine lagen auf der Wiese. Zuviel Schatten von einem Hügel.

Was hast du gesehen, Wanderer?
Ich habe einen Felsen gesehen, der seine Schulter aus dem Grasboden erhob wie ein Riese, der sich nicht besiegen läßt. Und Gras, das steil und gerad stand, mit Stolz, auf dürrem Boden. Und einen gleichgültigen Himmel.

Was hast du gesehen, Wanderer?

Ich habe eine Bodenfaltung gesehen. Hier müssen vor Jahrtausenden große Bewegungen der Erdoberfläche vor sich gegangen sein. Der Granit lag offen zutage.

Was hast du gesehen, Wanderer?
Keine Bank. Ich war müde.

alterego 02.06.2014 20:36

AW: Lieblingsgedichte
 
Dazu passend ein Eintrag aus
dem Gipfelbuch des Brocken:

Viele Steine
Müde Beine
Aussicht keine
Heinrich Heine


Der Eintrag stammt aber nicht
von Heinrich Heine, sondern wurde
ihm nur in den Mund gelegt.

Babel 10.07.2014 10:37

AW: Lieblingsgedichte
 
Die erste alte Tante sprach:
wir müssen nun auch dran denken,
Was wir zu ihrem Namenstag
Dem guten Sophiechen schenken.

Drauf sprach die zweite Tante kühn:
Ich schlage vor, wir entscheiden
Uns für ein Kleid in Erbsengrün,
Das mag Sophiechen nicht leiden.

Der dritten Tante war das recht:
Ja, sprach sie, mit gelben Ranken!
Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht
Und muß sich noch bedanken.

(Wilhelm Busch)

Ulrike Berkenhoff 10.07.2014 14:28

AW: Lieblingsgedichte
 
Wanderfreund - Wanderflegel:
wirklich gut gereimt und ebenso gemeint - Ulrike

Ulrike Berkenhoff 24.07.2014 10:16

AW: Lieblingsgedichte
 
Nun ist neben Agnes Miegel auch Ina Seidel als Nazi_Dichterin "entlarvt".
Ricarda Huch war allerdings eine Gegnerin und hat sich nicht der
damals geltenden Propaganda unterworfen. Ich muß meine Literatur-
kenntnisse weiterhin revidieren und meine alten Lehrbücher anzweifeln.
Hier ein Gedicht von Ricarda:
Sturmlied


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