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SAGEN.at 23.01.2006 14:32

Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Im März 2006 startet der Kinofilm "Die Wolke":

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/die_wolke_plakat.jpg
Bildquelle: Concorde Filmverleih GmbH

Der Spielfilm nach dem Buch von Gudrun Pausewang unter der Regie von Gregor Schnitzler thematisiert die Katastrophe von Tschernobyl, wo am 26. April 1986 sich eine der größten Umweltkatastrophen bzw. die zweitgrößte nukleare Katastrophe (nach Majak 1957) ereignet hat.

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/di...nenbild_08.jpg
Bildquelle: Concorde Filmverleih GmbH


http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/di...nenbild_12.jpg
Bildquelle: Concorde Filmverleih GmbH

Aus den Bildern geht ja eine phantastisch überzeichnete Spielfilmhandlung des Films hervor. Eigentlich war das 1986 viel stiller, es gab ganz wenig Information.

Wie habt Ihr die Katastrophe von Tschernobyl in Erinnerung?
Wer kann darüber erzählen?

Wolfgang (SAGEN.at)

gavial 23.01.2006 15:24

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Hier meine persönlichen (und subjektiven) Erinnerungen:
Die Nachrichten tröpfelten ganz spärlich zuerst aus den Medien und dann in mein Hirn. Wir haben diesem "Reaktorzwischenfall", so habe ich den Eindruck, zuerst gar keine so große Bedeutung zugemessen. Erst im Laufe von Tagen wurde klar, dass da etwas Größeres passiert sein muss. In meiner Erinnerung war die massivste Einschränkung die, dass man keine Schwammerl klauben sollte.
Und dann war da noch die allenthalben aufkommende Selbstgefälligkeit, dass wir ja Zwentendorf nie in Betrieb genommen haben ..... :smi_mit k
Bis man das wirkliche Ausmaß der Katastrophe erkannte, dauerte es Wochen.

SAGEN.at 23.01.2006 15:44

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Ich erinnere mich noch daran, dass gerade die Salat-Zeit angebrochen war. Endlich vorbei mit dem Wintergemüse und den langweiligen Radieschen. Und gerade in diesem Jahr habe ich im Supermarkt die fertigen Salate entdeckt, die auch schon gewaschen waren, wo man nur noch Dressing darüber geben musste. Erst einige Tage nach dem die Wolke bei uns heruntergeregnet hatte, wurden alle Salate eingezogen und verbrannt.

Am 1. Mai 1986 war ein wunderschöner Tag. Ich war auf den sog. "Telfeser Wiesen" eben in der Wiese. Wir hatten aber halbwegs Glück, Freunde von mir sind in den radioaktiven Regen gekommen und bekamen ziemlich Haarausfall.

Einige Tagen nach dem radioaktiven Regen hat man auch festgestellt, daß der Straßenstaub in der Gehsteigkante besonders hohe Radioaktivität enthielt. Darauf hin sind dann die Kehrmaschinen gefahren und haben den Staub aufgekehrt und die Strassen wurden abgespritzt.

Wolfgang (SAGEN.at)

baru 01.02.2006 23:03

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Zitat:

Freunde von mir sind in den radioaktiven Regen gekommen und bekamen ziemlich Haarausfall.
Echt wahr? Wegen des Regens?

In unserer Gegend hat es in der Zeit auch ziemlich viel geregnet und ich erinnere mich an das Pilz- und Beeren-Sammelverbot, empfohlen auch noch für die Jahre danach.
Besonders interessant fand ich einen Artikel in einer Zeitung, in dem ein tschechischer (oder war es ein polnischer?) Imker berichtete, dass er sich gewundert habe, warum seine Bienen trotz Wärme und Sonne die Stöcke nicht verlassen hatten; einige Tage später wurde dann die Katastrophe bekannt.

Huber 02.02.2006 22:39

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Für mich hatte es Endzeitcharakter.
Am Tag nach Tschernobyl hatte ich mit einem Freund einen Kinobesuch auf der Mariahilfer Straße vereinbart. Wir haben den auch gemacht. Das eigentlich Schlimme war, daß die Mariahilfer Straße, damals zwar noch nicht so überlaufen wie heute aber ganz gut besucht, nahezu menschenleer war und es hat leicht geregnet. Im Kino waren außer uns auch nur drei Leute und es war ein total angesagter Film.
Fürwahr, ein trauriger Tag.
EH

peter 14.02.2006 13:06

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Ich hab ab Mai 1986 bis 1997 als Messtechniker an der Versuchsstelle für Strahlenschutz gearbeitet. Ich war dort für Radioaktivitätsmessungen zuständig (Lebensmittel, Boden, Bewuchs etc.).
Ich erinnere mich an einen erlegten Hirsch, den uns ein Jäger zur Messung brachte. Die Schilddrüse des Hirschen hatte soviel Jod-131 gespeichert, dass das Tier, laut damaliger Strahlenschutzverordnung, nicht frei herumlaufen hätte dürfen.

^..^ 21.02.2006 16:57

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Zitat:

Zitat von peter
Ich hab ab Mai 1986 bis 1997 als Messtechniker an der Versuchsstelle für Strahlenschutz gearbeitet. Ich war dort für Radioaktivitätsmessungen zuständig (Lebensmittel, Boden, Bewuchs etc.).
Ich erinnere mich an einen erlegten Hirsch, den uns ein Jäger zur Messung brachte. Die Schilddrüse des Hirschen hatte soviel Jod-131 gespeichert, dass das Tier, laut damaliger Strahlenschutzverordnung, nicht frei herumlaufen hätte dürfen.

Nun, lassen wir uns etwas nachrechnen.
Halbwertzeit von Jod131 beträgt rund 8 Tage. Unfall fand am 26.04 statt , das bedeutet, dass bis 1.Juni 1986 die Halbwertzeit 4,25mal abgelaufen ist.
Die Aktivität dabei sinkt um 2^4,25 oder anders gesagt, es bleibt nur 5 % übrig. Welche Werte waren denn damals erlaubt?
MfG ^..^

^..^ 21.02.2006 17:18

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Zitat:

Zitat von gavial
Bis man das wirkliche Ausmaß der Katastrophe erkannte, dauerte es Wochen.

Wieso?
Die Stadt Pripyat wurde schon am 27.04.86 evakuiert.
30 km Zone etwas später.
Die Tatsache, dass der Reaktor als steuerbares System nicht mehr
existiert war nach einige Stunden klar.

gavial 21.02.2006 21:02

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Zitat:

Zitat von ^..^
Wieso?

Ich meinte damit das Bewusstsein der Menschen (und auch mein eigenes). Da hat es doch relativ lange gedauert bis uns die Auswirkungen bewusst wurden.

peter 22.02.2006 10:58

AW: Die Wolke - Katastrophe von Tschernobyl
 
Zur Halbwertszeit:
Wenn die Rechnung bloss so einfach wäre!!!!
Du rechnest die physikalische Halbwertszeit von Jod-131, gut. Die physikalische Halbwertszeit gibt jedoch nur den Zerfall des Nuklides pro Zeit wieder. Für Lebewesen (Pflanzen, Tiere, Menschen) wurde der Terminus Technikus: "biologische Halbwertszeit" eingeführt, ein Mass für jene Zeitspanne in der die Hälfte der Aktivität eines Nuklides aus dem Körper ausgeschieden wird. Biologische Halbwertszeit und physikalische Halbwertszeit unterscheiden sich in den meisten Fällen. Zur Berechnung der Verweildauer eines Nuklides in einem Lebewesen werden beide Kenngrössen zur "effektiven Halbwertszeit" zusammengerechnet. Die Effektive Halbwertszeit kann man nur dann zur Berechnung der Verweildauer im Organismus heranziehen, wenn sichergestellt ist, dass kein weiterer Eintrag des radioaktiven Stoffes stattfindet. Im konkreten Fall handelt es sich aber (physikalisch gesehen) um ein offenes System, das heisst, dass ein permanenter Eintrag (durch die Nahrungsaufnahme und durch die Atmung) an Radioaktivität, einem Verlust durch den Stoffwechsel gegenübersteht. Es wird sich ein Gleichgewicht einstellen.
Zur Abschätzung der Jod-131 Aktivität in der Schilddrüse des Tieres müsste man also eine etwas aufwändigere Modellrechnung anstellen.


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