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-   -   Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen (http://www.sagen.at/forum/showthread.php?t=1353)

SAGEN.at 24.02.2008 17:21

Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Wer kennt schöne Dokumentationen von Seilbahnen der Firma "Adolf Bleichert & Co"?

Diese Dokumentationen, falls es sie überhaupt im Internet gibt, würden vermutlich in vielen Sprachen vorliegen, da die Bleichert-Seilbahnen weltweit errichtet wurden.

Die Hochblüte der Firma "Adolf Bleichert & Co" war zwischen 1876 und 1932, die Firma Bleichert hat über 7000 Seilbahnen weltweit errichtet. Der Ingenieur Adolf Bleichert (1845 - 1901) gilt als Erfinder der modernen Drahtseilbahn.

Unverändert ist mir bisher nur eine einzige erhaltene Seilbahn von Bleichert bekannt, hier auf SAGEN.at dokumentiert: Die Marmorbahn in Laas - ein technisches Weltwunder.

In renovierter Form dürften im Alpenraum noch Bleichert-Seilbahnen existieren, möglicherweise die Zugspitzbahn in Ehrwald, die Patscherkofelbahn in Innsbruck, die Raxbahn auf den Semmering, die Pfänderbahn in Bregenz, oder die Seilbahn Bozen - Kohlern, die die drittälteste Personenseilbahn der Welt ist.

Nun ist eben die Frage, wer weitere Bahnen bzw Dokumentationen zu Bleichert-Bahnen in aller Welt ausfindig machen kann?

Wolfgang (SAGEN.at)

Sagensammler 13.08.2008 17:37

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
In Dresden gibt es noch bis zum 2. November 2008 eine Ausstellung über die Firma Bleichert. Hier sind noch einige Impressionen davon:
http://www.alpinforum.com/forum/view...ichert#p436198

Weitere Informationen über die Geschichte der Firma finden sich unter:
http://www.seilbahngeschichte.de/bleichert.htm

Als vermutlich einmalig zu bezeichen ist die wohl letzte, original erhaltene Personenluftseilbahn von Bleichert, die Predigstuhlbahn:
http://www.predigtstuhl-bahn.de/

In der Schweiz gibt es von den Bleichert-Luftseilbahnen (Säntis, Engelberg, Melchsee-Frutt etc.) kaum mehr originale Bauten. Sie wurden alle bereits mehrere Male erneuert resp. ersetzt.

Dresdner 06.10.2008 11:44

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Mit Interesse habe ich die beiden vorstehenden Artikel, einschliesslich der freundlichen Erwähnung meiner Internetseite http://www.seilbahngeschichte.de/bleichert.htm gelesen.
Ich habe versucht, auf dieser Seite die wichtigsten Informationen zum Werdegang A. Bleicherts sowie zur Ausstellung zusammenzufassen.
Die Literatur zur Firma Bleichert ist von ihrem Umfang her sehr begrenzt. Es ist das Ergebnis der Arbeit des Leipziger Heimatforschers Dr. Manfred Hötzel, dass die Verdienste Bleicherts nicht vollständig vergessen wurden.
Dr. Hötzel verfasste im Rahmen der Reihe "Gohliser Historische Hefte" zwei Publikationen, so die Schrift "Adolf Bleichert und sein Werk" sowie eine Schrift zu den Söhnen Bleicherts. Beide Schriften enthalten alle vorhandenen Informationen zur Familie, den Werken sowie zu Aufstieg und Niedergang der Firma. Dr. Hötzel gab 2007 und 2008 auch Kalender zur ehemaligen Firma Bleichert heraus.
Aus technikgeschichtlicher Sicht sehenswert ist in erster Linie die Predigtstuhlbahn Bad Reichenhall (http://www.seilbahngeschichte.de/predigtstuhlbahn.htm), die älteste, im Originalzustand erhaltene Seilschwebebahn der Welt. Eine weitere Bleichertbahn mit ihren markanten Kabinen verkehrt im niedersächsischen Bad Harzburg (http://www.seilbahngeschichte.de/burgbergseilbahn.htm). Sehr interessant ist für mich auch der hier vorgestellte Bericht zur Laaser Marmorbahn. Am Zugspitzgipfel verkehren keine Bleichertbahnen mehr. Alle ehemaligen Bleichertbahnen für Personentransport in Österreich wurden erneuert bzw. "vermodernisiert".
Die Nachkommen der ehemaligen deutschen Bleichertdynastie leben verstreut in aller Welt. Einer der Nachkommen, der in New York lebende Herr Rolf von Bleichert versucht, die Tradition seines berühmten Vorfahren zu bewahren und über seinen Sohn auch der englischsprachigen Welt mittels diverser Publikationen zugänglich zu machen.
Bei allen Versuchen der Recherche - viele interessante Dokumente sind nicht mehr auffindbar. So der Vertrag zwischen Bleichert und Zuegg, der Bleichert die Nutzung der Zueggschen Patente gestattete sowie eine Gesamtübersicht der von Bleichert hergestellten Bahnen.
Sollte es auf diesem Weg möglich sein, weitere Erkenntnisse zur Arbeit Bleicherts als auch Zueggs zu gewinnen - wir freuen uns über jeden Hinweis und jedes zur Verfügung gestellte Material. Schliesslich soll auch die Internetseite www.seilbahngeschichte.de dazu beitragen, technikgeschichtliche Leistungen unserer Vorfahren für uns und unsere Nachwelt sichtbar zu erhalten.
Dresdner

SAGEN.at 06.10.2008 22:35

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
1 Anhang/Anhänge
Hallo Dresdner,

herzlichen Dank für Deine kompetente Rückmeldung!
Deine Datenbank www.seilbahngeschichte.de ist wohl für jeden an der Technikgeschichte bzw am Kapitel Seilbahngeschichte interessierten die erste Anlaufstelle. Ich schätze diese sehr.

Etwas überrascht bin ich über Deine Feststellung, die Predigtstuhlbahn sei die "älteste, im Originalzustand erhaltene Seilschwebebahn der Welt."
Und diese Feststellung ausgerechnet von Dir aus Dresden... ;)

In allen mir bekannten Lexika wird die "Dresdner Bergbahn" als die älteste Bergseilbahn der Welt geführt. Wenn ich das richtig sehe, läuft ja auch dort noch Deine Ausstellung zu den Seilbahnen von "Adolf Bleichert & Co."

Ich weiß, das Gerangel um die älteste Seilbahn der Welt liegt an kleinen Definitionen und unterschiedlichen Auffassungen. Es wäre hier wirklich mal an der Zeit, eine ordentliche Systematik zu veröffentlichen.

Etwas gar bunt treibt es in dieser Hinsicht Bozen (Südtirol), deren Kohler Bahn (Kohlerer Bahn) am 29. Juni 2008 das Hundert-Jahr-Jubiläum gefeiert hat, allerdings bei dieser und anderen Gelegenheiten nicht müde wird, ständig die Unwahrheit zu verbreiten, die älteste Seilbahn der Welt zu sein..... :down:


Zurück zu Adolf Bleichert:
Dein Zitat:
Zitat:

Alle ehemaligen Bleichertbahnen für Personentransport in Österreich wurden erneuert bzw. "vermodernisiert".
ist natürlich zweifellos richtig.
Allerdings möchte ich bemerken, dass manche Hinweise auf "Adolf Bleichert & Co." erhalten sind, vgl etwa das Foto von Berit am Hafelekar in Innsbruck, ein weiteres geschnitztes Beispiel von der Nordkettenbahn in Innsbruck hier im Anhang.

Die Marmorbahn in Laas ist die einzige vollständig erhaltene Seilbahn der Firma Bleichert im Originalzustand!
Zur Marmorbahn kann man nur sagen, dass sich Südtirol leider bisher gar nicht bewusst ist, welches Technikjuwel dieses Land hat.
Die Laaser Marmorbahn wäre übrigens gar nicht so einfach zu definieren, denn diese hatte früher noch eine ganze Reihe weiterer Aufgaben. Lediglich die fünfte Etappe ist 1973 untergegangen, aber im selben Jahr noch veröffentlicht Prof. Dr. Werner Rutz in der Zeitschrift "Technikgeschichte" (des VDI - Verein Deutscher Ingenieure) den energischen Appell "das einmalige Zeugnis der Seilbahn- und Bremsbergbau-Technik" unter allen Umständen zu erhalten.

Das ist jetzt 35 Jahre her und im Augenblick fährt die Marmorbahn täglich im normalen Produktionsbetrieb. Es ist sehr zu hoffen, dass dieser Zustand erhalten bleiben kann...

In der Hoffnung auf Diskussion

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 07.10.2008 11:04

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Was die Predigtstuhlbahn als älteste, im Originalzustand verkehrende Seilschwebebahn der Welt betrifft, bleibe ich bei meiner Einschätzung. Die von dir angesprochene Bergschwebebahn Dresden ist keine Seilschwebebahn, sondern eine Bergschwebebahn, welche statt auf einem Tragseil auf einer Fahrschiene geführt wird. Somit darf sie sich zwar "erste und auch älteste Bergschwebebahn der Welt" nennen, nicht aber älteste Seilschwebebahn.
Die Dresdner Anlage ist seilbahntechisch gesehen eine Sonderkonstruktion, welche nur noch in zwei weiteren Fällen gebaut wurde. Dies war der Schrägaufzug beim Palace-Hotel in St. Moritz (1907 - 1922) und ist aktuell der Aufzug unter der neuen Olympiaschanze Garmisch-Partenkirchen. Streiten kann man auch darüber, ob die nur saisonal betriebene Gruppenpendelbahn Heiligenbluth (Kabinen laufen an einer an der Tunneloberkante befestigten Fahrschiene) auch eine derartige Anlage ist.
Was die Originalität der Predigtstuhlbahn angeht, ist diese mit der Laaser Marmorbahn vergleichbar, beide Bahnen verkehren im Originalzustand.
Der im vorstehenden Artikel geäußerte Ansicht zur Kohlerer Bahn kann ich mich nur anschließen. Auch die Jubiläumsschrift zu deren 100-jährigen Geburtstag enthält neben falschen Fotozuordnungen mehrere Fehlbewertungen. Neben der Laaser Marmorbahn sehe ich noch ein weiteres Stück Südtiroler Seilbahngeschichte in Gefahr: die Ifinger Seilbahn Meran 2000, die letzte große Troyer-PB. Die Anlage soll bereits seit einigen Jahren in eine neue, große 100-er PB umgebaut werden, es ist jammerschade, wie speziell die Tal- und die Mittelstation verfallen. Im Büro des Geschäftsführeres in der Talstation sind die originalen Baupläne Troyers komplett vorhanden. Zu wünschen wäre, dass wenigstens diese Dokumente gerettet werden.
Dresdner

SAGEN.at 07.10.2008 18:58

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Dresdner,

was den Boznern mit ihren Behauptungen rund um das Jubiläum "100 Jahre Kohlererbahn" in den Sinn gekommen ist, ist mir auch völlig rätselhaft?

Ich habe schon Monate vor Erscheinen der Festschrift die Verantwortlichen mehrfach schriftlich auf ihre falsche Darlegungen aufmerksam gemacht.

Schließlich wurde auch eine Südtiroler Zeitung auf die falsche Sachlage aufmerksam...

Daraufhin wurde von den Herausgebern der Festschrift eine Südtiroler Definition für „Berg“ etabliert, was bedeutet, dass die Bahnen in Dresden (84 Meter) und San Sebastian (28 Meter) aus Südtiroler Sicht auf keinen „Berg“ fahren. Zur Sicherheit wurde noch argumentiert: „Bei den Bahnen in Dresden und San Sebastian handelt es sich um Jahrmarkt-Bahnen.“

Vielleicht sollte auch erwähnt werden, dass die Kohlerer Bahn zum vierten Mal neu errichtet wurde, die oben angesprochenen Bahnen aber im Originalzustand betrieben werden.


Interessant ist Dein Hinweis auf die Ifinger Seilbahn Meran 2000. Die muss ich mir unbedingt in nächster Zeit ansehen.

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 07.10.2008 20:40

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Zitat:

„Bei den Bahnen in Dresden und San Sebastian handelt es sich um Jahrmarkt-Bahnen.“
Okay, wir als Jahrmarktsbahnler haben uns in Vorbereitung der Bleichertausstellung sehr bemüht, mit den Kollegen der Kohlerer Bahn Kontakt aufzunehmen. Ich selbst habe Material nach Bozen gebracht und die Zusicherung auf Zusammenarbeit erhalten. Doch selbst Telefonanrufe und Emails brachten nichts - man hat kein Interesse an einer Kooperation.
Dresdner

Dresdner 08.10.2008 16:41

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Einige Hinweise zu weiterführendem Material, aktuelle bzw. ehemalige Bleichertbahnen betreffend.
Bücher:
* 75 Jahre Tiroler Zugspitzbahn. Ehrwald 2001
* Kubanda, Roland: Stadtflucht 10m/s - Innsbruck und die Nordkettenbahn. Studienverlag Innsbruck 2003
* Lang, Johannes: Drahtseile zum Himmel. 75 Jahre Predigtstuhlbahn. Bad Reichenhall 2003
Videos / DVD:
* Zugspitze - Top of Germany - Video zu Geschichte und Technik aller deutschen Zugspitzanlagen einschliesslich der ehemaligen Bleichertanlagen, wie z.B. der Seilbahn Schneefernerhaus - Zugspitzgipfel
* Tiroler Zugspitzbahn - mit den besten Aussichten - DVD mit Filmen zum Bau der ersten (Bleichertanlage) und der zweiten TZB
* DVD mit historischen Aufnahmen zum Bau und Betrieb der Predigtstuhlbahn
* alle Bücher, Videos und DVD sind über die jeweiligen Bahnen bzw. ggf. über den Buchhandel zu beziehen

Archivmaterial:
* Eisenbahnarchiv Tirol / Herr Schröter, Innsbruck
* Patscherkofelbahnarchiv / Herr Mungenast, Innsbruck
* altes Nordkettenbahnarchiv / Herr Mag. Kubanda (Stadtarchiv Innsbruck)
* Predigtstuhlbahnarchiv / Geschäftsführer der Predigtstuhlbahn Herr Dr. Glatz, Bad Reichenhall - vorhanden sind die kompletten originalen Konstruktions- und Baupläne, alle Unterlagen zu Revisionen etc.
* Sächsisches Wirtschaftsarchiv Leipzig - Dokumente, Foto- und Filmmaterial / Zugang empfohlen über Dr. Hötzel, Leipzig
* Sächsisches Staatsarchiv Dresden sowie Sächsische Staats- und Universitätsbibliothek - wird derzeit recherchiert
* Hinweis: kein Material ist vorhanden in der Bibliothek des Zentralen Militärhistorischen Museums der Bundeswehr Dresden sowie im Zentralkatalog aller militärhistorischen deutschen Forschungseinrichtungen (recherchiert wurde nach Namen und Firma Bleichert sowie nach den Suchworten Militär- und Feldseilbahnen)
Dresdner

casus 08.10.2008 23:15

AW: Adolf Bleichert Werke, Leipzig
 
Hallo und Gruß aus Leipzig,
zunächst herzlichen Dank an Wolfgang für die Fotos der Laaser Marmor-Bahn, die gerade in meinen Briefkasten flattern.
Kurz, warum ich hier bin: In meinem nächsten Magacine will ich einen Artikel über die (ehemaligen) Bleichert-Werke bringen, deren Ruinen gerade an die Leipziger CG-Gruppe verkauft wurden und die diese in historischem Umfeld sanieren und bebauen will. Diesen Schwebezustand (!) - Gelände ist frei zugängig - machen sich derzeit Fotografen aus aller Herren Länder zu Nutze. Ich wohne gleich um die Ecke und kann das Geschehen verfolgen :)
Hier habe ich eine kleine Bildergalerie mit Aufnahmen vom 28.9.08: http://www.das-from.de -> Bilderbuch -> Oktober 2008
Die Fotos wird Wolfgang wohl demnächst auf dieser Seite in HQ veröffentlichen.
Nun zum eigentlichen: Bei meiner Recherche bin ich auf weitere Quellen gestoßen, die mir die Autoren leider jedoch nicht frei zur Verfügung stellen wollen, die aber als Hinweis sehr interessant sind:
1. http://edocs.tu-berlin.de/diss/2003/buhl_susann.pdf (frei)
2. Dissertation Oliver Werner: Ein Betrieb in zwei Diktaturen. Von der Bleichert Transportanlagen GmbH zum VEB VTA Leipzig 1932 bis 1963. Stuttgart 2004. (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bd. 101) (kostenfreie Verwendung abgelehnt)
3. Friederike Sattler, Magisterarbeit: "Mitwirkung im SAG-Betrieb. Zur Geschichte der Bleichert Transportanlagenfabrik, Leipzig 1946-1953" (nur im Staatsarchiv)
Okay, ist alles sehr stark auf Adolf Bleichert fokussiert, aber das ist ja meine Absicht! Seilbahnen waren nun mal sein Metier...
Bis die Tage. Lieben Gruß
casus

SAGEN.at 09.10.2008 00:41

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
2 Anhang/Anhänge
Hallo casus,

meine Güte - was für traumhafte Fotos!
Wirklich stark ist Dein Bild "casus 14010", da es dazu im Buch "Adolf Bleichert und sein Werk" von Manfred Hötzel und Stefan W. Krieg, Leipzig 2002, auf Seite 72 eine Aufnahme dieser Montagehalle aus dem Jahr 1906 mit voller Einrichtung gibt. (möchtest Du nicht die ganz exakte Fotoposition nachstellen?)

Nachtrag: ein kopiergeschütztes Zitat nun als Attachement.

Das Wort "Denkmalschutz" in Bezug auf die Produktionshallen der Firma Bleichert klingt ganz plausibel und letztlich auch nach Hoffnung auf Erhalt dieses Kulturdenkmales, hoffentlich ist der Denkmalschutz in Leipzig etwas zuverlässiger als etwa bei uns in Tirol...

Ist Dir eine Produktionshalle (vgl. Anhang) mit einem auf einer Seite schräg geneigten Glasdach aufgefallen?

Wolfgang (SAGEN.at)

casus 10.10.2008 23:15

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Zitat:

Zitat von SAGEN.at (Beitrag 7654)
hoffentlich ist der Denkmalschutz in Leipzig etwas zuverlässiger

trügerische Hoffnung! Das ist überall gleich; wird er als Argument gebraucht, führt nix dran vorbei - ist er im Wege, werden genau diese gepflastert!

Ich bin morgen in Dresden, die Bergschwebebahn fotoknipsen und vielleicht das Museum besuchen, Nachmittag gehe ich nochmal in die Bleichert-Ruinen und suche das Gesuchte...
Mal sehen :)

Habe noch 3 Fotos vom Vollbrand 2006 auf dem Bleichert-Gelände für meinen Artikel bekommen (von einem professionellen Sensationsfotografen). Darf sie aber nur dort verwenden, da ansonsten ©. Also seid gespannt.

LG casus

Dresdner 11.10.2008 18:17

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Was die Leipziger Produktionshallen betrifft, da ist jede Hoffnung auf einen Denkmalschutz unberechtigt, da dort nichts Schützenswertes mehr existiert.
Wurden in den 50-er Jahren bereits alle Gegenstände vernichtet, die auch nur entfernt an die Bleichertdynastie erinnerten, tat die Treuhand nach der politischen Wende alles, um auch die "äußere Hülle" verfallen zu lassen. Dieses Schicksal traf auch viele andere Industriegebäude der Stadt Leipzig.
Wie bereits weiter vorn beschrieben, ist das komplette Material, welches an Bleichert erinnert, vom Leipziger Historiker Dr. Manfred Hötzel gesichtet und aufbereitet worden - im Raum des Bürgervereins Leipzig-Gohlis gibt es dazu auch eine kleine Ausstellung.
Dr. Hötzel bemüht sich derzeit ebenso sehr intensiv darum, dass die Bleichertausstellung, welche derzeit in Dresden gezeigt wird, auch in einem würdigen Rahmen in Leipzig präsentiert werden kann.
Dresdner

casus 11.10.2008 23:03

Die Bleichert-Ruinen, Teil2 online
 
Habe jetzt die 2. Fotoserie der Ruinen der Bleichert-Werke online gestellt.
Link: http://www.das-from.de > Bilderbuch > Oktober 2008
Fragt mich bitte nicht, wie ich mich gefühlt habe, als ich auf dem morschen Dach von Halle 14 langgelaufen bin!!! Das ist die Halle, die bei dem Großbrand 2006 bis auf die Grundmauern abgefackelt wurde...
http://www.ercl.net/2008-10-11/Luftb...lan%201911.jpg

Es folgt demnächst noch eine Serie zur Bergschwebebahn in Dresden von ebenfalls heute, 11.10.08. Schmankerl: Mit Bildern aus dem Maschinenraum der Anlage!

Bis denne, LG aus Leipzig
casus

SAGEN.at 12.10.2008 00:46

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo casus,

wieder unglaublich beeindruckende Fotos aus den Werkshallen der Firma Bleichert!
Merkwürdig wie verwundbar (und leider auch schon ziemlich verwundet) diese Hallen des Fabriksgeländes heute auf den Betrachter wirken...

Bei der Gelegenheit kann man auch ansprechen, was die Firma Bleichert so erfolgreich am Markt machte: die Firma Bleichert war schon außerordentlich früh in Modultechnik durchorganisiert. Das heißt jedes Teil, jede Feder und selbst die kleinste Schraube waren durchnummeriert und katalogisiert. Dem Besteller wurden dann in einer Holzkiste ganz exakt das bestellte Teil und die nötigen Schrauben etc. geliefert, kein einziges Teil mehr. Und ein ganz großer Überraschungscoup war da auch noch dabei: die Firma Bleichert lieferte wirklich nur die Spezialteile. Alles andere musste der Besteller selbst nach strengen Vorgaben der Firma Bleichert pünktlich stellen.

Das heißt:
- die Firma Bleichert war dadurch immer der Billigstbieter! Alle anderen Anbieter und Konkurrenten am Markt boten komplette Seilbahnen an, während Bleichert mit dem Konzept, der Steuerungsanlage und Spezialeinrichtungen (Kabinen etc) der lachende Gewinner war.
- damit entfiel in den Leipziger Fabrikshallen die große Metallverarbeitung und es war keine teure Gießerei notwendig. Natürlich konnte die Firma Bleichert damit ohne großen Transportaufwand Seilbahnen in aller Welt errichten, weil ja die Besteller vor Ort selbst die Infrastruktur (Drahtseile, Masten, Fundamente, Dämme, Stützen - alles auf den Millimeter genau) errichten mussten. Ich kann mir vorstellen, dass das bei machen Bestellern nachträglich zu ganz großen Überraschungen geführt hat...

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 12.10.2008 08:46

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Zitat:

Das heißt:
- die Firma Bleichert war dadurch immer der Billigstbieter! Alle anderen Anbieter und Konkurrenten am Markt boten komplette Seilbahnen an, während Bleichert mit dem Konzept, der Steuerungsanlage und Spezialeinrichtungen (Kabinen etc) der lachende Gewinner war.
- damit entfiel in den Leipziger Fabrikshallen die große Metallverarbeitung und es war keine teure Gießerei notwendig. Natürlich konnte die Firma Bleichert damit ohne großen Transportaufwand Seilbahnen in aller Welt errichten, weil ja die Besteller vor Ort selbst die Infrastruktur (Drahtseile, Masten, Fundamente, Dämme, Stützen - alles auf den Millimeter genau) errichten mussten. Ich kann mir vorstellen, dass das bei machen Bestellern nachträglich zu ganz großen Überraschungen geführt hat...
Bei allem Respekt - dieser Argumentation kann ich nicht folgen.
1. Bleichert war nicht der billigste Anbieter, als Beispiel sei die Geschichte der Fichtelbergschwebebahn genannt, siehe auch http://www.seilbahngeschichte.de/fic...chwebebahn.htm. Was Bleichert und Söhne waren: sie waren der technisch ausgereifteste Anbieter der damaligen Zeit.
2. Bleichert hatte in seinen Leipziger Werken eine komplette Metallverarbeitung mit Ausnahme der Gießerei, ich kann das in einem nachfolgenden Artikel auch gern belegen.
3. Nicht der Besteller, sondern die Ingenieure (und die in deren Auftrag tätigen Arbeiter) der Leipziger Firma errichteten vor Ort die Komplettanlagen. Dabei bediente sich Bleichert natürlich Zulieferern und Firmen, die vor Ort ansässig waren. Dies hatte zum einen betriebswirtschaftliche Gründe; zum anderen war bereits damals in vielen Fällen eine solche Vorgehensweise Voraussetzung dafür, die Aufträge überhaupt zu erhalten.
Dresdner

SAGEN.at 12.10.2008 10:38

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Dresdner,

so weit ist unsere Argumentation nicht auseinander, dennoch kurz meine persönliche Interpretation der Bleichert'schen Konstruktionsmethode. Ich beziehe meine Kenntnisse vor allem aus der Innsbrucker Nordkettenbahn und der Laaser Marmorbahn.

- "keine Gießerei" ist ein ganz entscheidender Produktionsvorteil für eine Maschinenbaufirma. Wie Ulrich Krüger in "Adolf Bleichert und sein Werk" auf S. 15 argumentiert, ersparte sich die Firma dadurch die dreifache Arbeiterzahl: "wenn Gußeisen und Stahlguß, Eisenkonstruktionen und Stahlseile selbst hergestellt würden, wäre etwa dir dreifache Arbeiterzahl notwendig. Das Bleichertsche Unternehmen besaß und behielt den Charakter eines Ingenieurbetriebes mit Maschinenfabrik. Das zahlenmäßige Verhältnis der Ingenieure und Produktionsarbeiter war bei Bleichert ein ganz anderes als bei Leipziger Maschinenfabriken allgemein. Im Bleichertschen Unternehmen kamen in den 1880er und 1890er Jahren auf einen Ingenieur lediglich 3 oder 4 Arbeiter. In der Maschinenfabrik von Karl Krause (Buchbindereimaschinen) in Anger-Crottendorf beispielsweise betrug die zahlenmäßige Relation etwa 1:15. Ähnliche Unterschiede gab es beim Kraftbedarf." (Krüger 2002, 15).

- der Besteller (im Fall der Marmorbahn) musste in Laas VOR Eintreffen der Ingenieure die komplette Infrastruktur (alle Hoch- und Tiefbauten, Dämme, Gleisanlagen, Gebäude, Seilbahnstützen, Seile, Energieversorgung, Kräne, Lokomotiven, Waggons, ja selbst die Generatoren und Motoren) stellen. Für diese doch recht aufwändige Anlage waren die verschiedensten italienischen Firmen etwa 2 Jahre lang nach den Plänen von der Firma Bleichert tätig. Die italienische Wertschöpfung war auch ein entscheidendes Argument, damit Bleichert den Auftrag bekam.

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 13.10.2008 17:08

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Wolfgang,
auch ich bin der Auffassung, dass unsere Meinungen nicht so weit auseinanderliegen - Bleichert hatte zur damaligen Zeit die Weltmarktführerschaft im Bereich der Seilbahnfertigung, er hatte den Zugriff auf die wichtigsten Patente, organisierte ein weltweites Netz von Tochterunternehmen, lieferte anerkannt hohe Qualität und gestaltete sein Unternehmen nach durchweg betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Bleichert & Söhne waren um 1900 das, was um 2000 Doppelmayr ist.

Einige Anmerkungen zu deinem Beitrag vom gestrigen Tag.
1. Der Krügersche Vergleich Ingenieure - Arbeiter bei Bleichert und in einer Buchbindereimaschinenfabrik mag von den reinen Zahlen her stimmen, besitzt aber inhaltlich keine Aussagekraft. Seilbahnen, mit Ausnahme bestimmter Typen von Feldseilbahnen, sind generell Einzelkonstruktionen. GARAVENTA gab vor einigen Jahren eine Broschüre mit dem Titel "Wie eine Seilbahn entsteht" heraus. Jedes Einzelteil muss extra berechnet und konstruiert werden, allein die Seilrechnung ist eine Wissenschaft für sich. Dazu kommen die in jedem Land unterschiedlichen zu beachtenden Gesetze und Verordnungen sowie die Sonderwünsche des zukünftigen Betreibers. Eine Buchbindemaschine dagegen wurde einmal konstruiert und konnte dann in der gleichen Ausführung unbegrenzt verkauft werden. Krüger vergleicht hier also "Äpfel mit Birnen".
2. Dass die Laaser Marmorbahn mit vielen heimischen Komponenten errichtet und ausgestattet wurde, lag zum einen, wie du geschrieben hast, an den Forderungen der Auftraggeber und zum anderen an der starken Wirtschaft Österreichs - die Leistungen wurden wie vereinbart erbracht. Diese Vorgehensweise wurde in allen Fällen gewählt, in denen die genannten Voraussetzungen gegeben waren, selbstverständlich gehörten dazu auch die Nordkettenbahn sowie die 1. TZB.
3. Den Komplettbau von Bahnen (außer Seile) belegt die Bleichertsche Rekordbahn schlechthin, die "Argentinische Goldbahn". Vom Nestor der Seilbahngeschichtsschreibung, H.D. Schmoll als "8. Weltwunder" bezeichnet und als "wohl bedeutendstes technisches Denkmal der Aufstiegsanlagenwelt" klassifiziert, schreibt Schmoll in der Weltseilbahngeschichte, Bd. I auf Seite 71: "Die gesamte, immerhin 34 km lange Streckenausstattung mit neun Sektionen wurde in Leipzig-Gohlis gefertigt, vor- und dann wieder demontiert, um schliesslich per Schiff von Hamburg nach Buenos Aires und auf der Schiene nach Chilecito transportiert zu werden."
Ein weiteres Beispiel ist die große Zahl der Feldseilbahnen, die vor und während des I. WK in Leipzig nach dem Baukastensystem für die Front gefertigt wurden.
4. Was die Gießerei betrifft ist es wichtig zu betonen, dass nur der reine Gußprozess ausgegliedert wurde. Der Formenbau, eigentlich ein integraler Teil jeder Gießerei, blieb bei Bleichert! Die Bleichertwerke lieferten die Formen, die die Gießereien dann weiter nutzten.
Dresdner

SAGEN.at 13.10.2008 23:19

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Dresdner,

vielen Dank für Deine aufklärenden Hinweise, dass bei einer Gießerei der Formenbau das zentrale technologische Element bleibt, was hier bei der Firma Bleichert verbleibt. Das sind kleine Details in meiner vorliegenden Literatur schlecht dargestellt, die zu ganz ordentlichen Fehlinterpretationen führen können.

Ich möchte nochmals auf die Modultechnik der Firma Bleichert hinweisen:
Es fehlt mir leider der exakte Einblick in den Aspekt der Modultechnik in der Technikgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts, dennoch erscheint mir Bleichert hier mehr als fortschrittlich zu sein.

Die "Argentinische Goldbahn": zu diesem technischen Weltwunder suche ich schon lange Informationen!
Es gibt den beeindruckenden Aufsatz von Peter von Bleichert: "Argentina's Chilecito - La Mejicana Wire Ropeway". Kennst Du noch weitere Artikel oder aktuelle Bildberichte (irgendetwas muss ja von dieser gigantischen Anlage erhalten sein?) dazu?

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 14.10.2008 20:53

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Was die Modulbauweise im Seilbahnbau angeht, so datiere ich deren Beginn auf den I. Weltkrieg - bei beiden kriegsführenden Lagern - betreffend die Fertigung von Feldseilbahnen für den militärischen Gebrauch.
Was zivile Anlagen betrifft, gab es seit Bleichert sicher eine Normierung bestimmter Einzelteile, aber von einer Modulbauweise würde ich in dieser Beziehung nicht sprechen. Die Ehre, die Modulbauweise bei zivilen Anlagen eingeführt zu haben, gebührt aus meiner Sicht Doppelmayr und zwar erst seit den 1980er Jahren, praktiziert bei seinen Umlaufbahnsystemen.

Hier die gewünschten Quellenverweise zur Bleichertschen Rekorderzbahn.
* Dietrich, A.: Erfindung der Drahtseilbahnen. Leipzig. 1908.
* Dietrich, G.: Die Erschliessung der nordargentinischen Kordillieren mittels einer Bleichertschen Drahtseilbahn für Güter und Personen. Sonderdruck der ZVDI. Berlin. 1906. Dies dürfte die entscheidende "Urpublikation" sein, auf die sich die Nachfolgepublikationen beziehen!
* Hons, J.: Bergbahnen der Welt. Berlin. 1986. S. 143ff.
* Schmoll, H.D.: Weltseilbahngeschichte Bd. I. Eugendorf bei Salzburg. S. 71/72.
Dresdner

Dresdner 26.11.2008 16:19

Adolf Bleichert & Co - Seilbahnausstellung in Leipzig
 
7 Anhang/Anhänge
Am gestrigen Tag, dem 25.22.2008, wurde die Ausstellung zu A. Bleichert und seinem Werk an ihrer zweiten Station eröffnet, Bleicherts Geburts- und Wirkungsstadt Leipzig.
Die Eröffnungsveranstaltung war mit ca. 80 Besuchern gut besucht; Informationen zu Modalitäten wie Öffnungszeiten etc. gibt der im Anhang angefügte Flyer.
Neben den vielen Originalexponaten fand vor allem eine PowerPoint-Präsentation des jetzigen Eigentümers des ehemaligen Bleichert-Areals an der Sammetstraße große Beachtung. Vorgestellt wurde die zukünftige Nutzung des Geländes. Alle Hauptgebäude werden erhalten, Innenhöfe werden entkernt und es entstehen lichtdurchflutete Gebäudestrukturen. Vorgesehen ist eine Mischnutzung aus Gewerbe (IT-Bereich, Handwerk), Wohnen, Freizeit und sozialen Einrichtungen (u.a. große Kinderbetreuungseinrichtung sowie betreutes Wohnen).
Vorgestellt wurde auch der nunmehr im 3. Jahrgang erscheinende Kalender zur Seilbahnfirma. Inhalt sind diesmal Reproduktionen historischer Wertmarken. Der Kalender im Format A5 ist zum Preis von 7,50 Euro plus Versand beim Bürgerverein Leipzig-Gohlis erhältlich.
Dresdner

SAGEN.at 26.11.2008 16:45

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Dresdner,

vielen Dank für Deinen Hinweis auf die Nachnutzung des Bleichert-Areals.
Es ist halt so eine Sache, eine Industrieruine, wie die letzten Bilder von Joachim Busch zeigen, kann ein Objekt nur eine sehr bedingte Zeit bleiben.

Die übliche Nachnutzung durch Kindergärten, Architekturbüros oder IT-Büros ist zwar eine Maßnahme zum Erhalt der Grundmauern, mit dem Flair der Fabrik hat das praktisch nichts mehr zu tun.

Jedes Objekt außerhalb seiner Funktion hat eben nur noch bedingte kulturelle Aussage.

Den Kalender werde ich bestellen, bemerkenswert ist die im Bild offenbare Nutzung der Drahtseilbahn Chilecito-La Mejicana auch zum Personentransport... ;)

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 26.11.2008 17:45

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Das vorgelegte Konzept zur Umnutzung des Geländes ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, zumindest die Grundrisse des Werkes zu erhalten. Zudem wird durch die Entkernung der Innenhöfe dem ursprünglichen Bleichertschen Verständnis der offenen, von Licht durchfluteten Arbeitsräume Rechnung getragen.
Eine Nachnutzung als Standort für Schwerindustrie wäre nicht möglich gewesen. Flächenplanung, Umweltschutz und Stadtentwicklung ständen dem entgegen. Zudem ist Leipzig eine der ostdeutschen Städte, die nach der politischen Wende am meisten unter dem Zusammenbruch der verarbeitenden Industrie zu leiden hatten. Ganze Produktionszweige verschwanden komplett. Noch heute wird man an den Ausfallstraßen der Stadt mit diesem Problem massiv konfrontiert.
Zu den Motiven der Wertmarken: da hat man sich schon damals selbst gern auf die Schippe genommen ... :smiley_da
Dresdner

Dresdner 07.12.2008 17:25

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hier die Kontaktdaten für die direkte Bestellung des Bleichertkalenders 2009 sowie der beiden biographischen Hefte zu Bleicherts Leben.

Bürgerverein Gohlis e. V.
Lützowstr. 19,
04157 Leipzig
Deutschland

Tel. 0341-911 5028, Fax 0341-246 6672,
E-Mail: buergerverein-gohlis@arcor.de
Ansprechpartner: Frau Dumin und Herr Vallentin

Dresdner

Ulrike Berkenhoff 07.12.2008 18:27

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
An die Bahnexperten hier im Forum: Sagt Euch der Name Brüninghaus, Schwerte
etwas? Hier vor Ort ist jemand dabei, die Geschichte dieser Firma aufzuarbeiten?
Ich berichte gerne später darüber! Viele Grüße von Ulrike

Dresdner 07.12.2008 20:43

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Meinst du die Firma Waggonbau Brüninghaus aus Schwerte?
Dieses Unternehmen hat nichts mit Seilbahnen und schon gar nichts mit Bleichert zu tun.
Das einzige deutsche Unternehmen, welches sowohl im Schienenfahrzeug- als auch im Seilbahnbau tätig war, war die seinerzeit bekannte Maschinenfabrik Esslingen.
Ein Porträt dieser Firma gibt es auf meiner Homepage unter http://www.seilbahngeschichte.de/me.htm.
Dresdner

SAGEN.at 23.12.2008 23:37

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
1 Anhang/Anhänge
Hier ein Beleg zu Adolf Bleicherts (Neu-)Erfindung der Luftdrahtseilbahn aus dem Jahre 1887:

Luftdrahtseilbahn

Als mechanisches Beförderungsmittel für kleine Lasten ist neuerdings die Drahtseilbahn zu wichtiger Bedeutung gelangt, deren Anfänge bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen, deren Benutzung aber lange Zeit vergessen war und die erst neuerdings wieder in viel verbesserter Form zur Anwendung gebracht worden ist.

Wenn die Leistungsfähigkeit der Lokomotive mit Bezug auf Lastenbeförderung im großen auch nicht annähernd von der Drahtseilbahn erreicht werden kann, so schafft dieselbe doch für kleinere Entfernungen und namentlich in solchen Fällen, wo die Anlegung von Eisenbahngleisen auf Schwierigkeiten stößt, großen Nutzen, indem sie über Gewässer und Täler, Straßen und Gebäude hinweggeführt und steile Anhöhen hinauf und hinab geleitet werden kann.

Die verbesserte Drahtseilbahneinrichtung beruht auf der Anwendung von gespannten und in gewissen Entfernungen unterstützten Drahtseilen, die als Laufbahn für die daranhängenden Fördergefäße dienen, deren Bewegung durch ein andres von einer Dampfmaschine oder unter Umständen auch einer Wasserkraft gezogenes Drahtseil erfolgt. Bei Drahtseilbahnen für unununterbrochenen Betrieb wird die Laufbahn durch zwei parallel nebeneinander gespannte Drahtseile oder Rundeisenstangen, die so genannten Stand- oder Laufseile oder Laufdrähte, gebildet, welche an dem einen Endpunkte der Bahn fest verankert und an dem andern Endpunkte über Rollen gelegt und mit Gewichten belastet sind. Bei zu steifen Drähten werden die über die Rollen gelegten Enden durch Ketten gebildet. Auf der Bahnlinie werden die Standseile durch Stützen getragen. Die Enden der Bahnlinie werden durch Weichen verbunden, so dass die Wagen ungehindert von dem einen Standseil auf das andere gelangen können.

Ein an beiden Endpunkten der Bahn über wagrechte Scheiben geführtes und durch irgendeine Bewegkraft in Bewegung gesetztes endloses Seil, das Zugseil, bewirkt die Fortbewegung der in Rollen auf den Standseilen hängenden Förderwagen, wie dies aus der Abbildung ersichtlich ist. Diese Wagen sind durch besondere, leicht lösbare Kupplungsvorrichtungen mit dem Zugseile verbunden und werden so von demselben zum Kreislaufe gezwungen.

Hat ein gefüllter Wagen die Bahn in ihrer ganzen Länge durchlaufen, so löst sich derselbe selbsttätig von dem Zugseile ab und geht auf die Weiche, während das Zugseil sich ungestört weiter bewegt. Nachdem ein Arbeiter den Wagen entleert und auf der Weichenschiene weiter nach dem andern Standseil geführt und daran befestigt hat, bewegt das Zugseil den Wagen nach der ersten Abgangsstation zurück. Die Auskupplung erfolgt hier gleichfalls selbsttätig und der Wagen gelangt auf der Weichenschiene zu den Beladestellen, wird daselbst gefüllt und wieder auf das erste Standseil gebracht, worauf der selbe den gleichen Kreislauf in der beschriebenen Weise aufs neue zurücklegt.

Werden jedoch bei etwa eintretender zeitweiliger Unterbrechung des Betriebes die Wagen nach den beiderseitigen Stationen eingezogen, so nehmen besondere Tragrollen, die an einer gewissen Anzahl der Unterstützungen angebracht sind, das Zugseil auf.

Meist gestatten die örtlichen Verhältnisse die Beibehaltung der geraden Linie für den Lauf der Bahn; ist dies jedoch aus besonderen Gründen nicht ausführbar, so kann die Bahn in so genannten Brechpunkten unter beliebigen Winkeln mit Anwendung von Kurvenunterstützungen geführt werden. Die Länge der Drahtseilbahn ist unbegrenzt. Bei Längen über 5000 m werden Zwischenstationen eingeschaltet, an denen das Zugseil unterbrochen wird.

Von der Bleichertschen Drahtseilbahn sind bis jetzt im ganzen über 260 Anlagen mit einer Gesamtbahnlänge von ungefähr 270 000 m ausgeführt; dieselben dienen zur Beförderung der verschiedenartigsten Lasten, insbesondere zur Beförderung von Kohlen, Erzen, Sand, Gesteinen, Baumaterialien u. s. w. und es schaffen dieselben in den geeigneten Fällen großen Nutzen.

Neuerdings ist in England von Flemming Jenkin auch eine elektrische Drahtseilbahn ausgeführt worden, auf welcher ein ganzer Zug von Förderlasten mit einer daran gespannten elektrischen Lokomotive auf dem Drahte oder Seile läuft, wobei diese Lokomotive den elektrischen Strom von einer an der Station aufgestellten Dynamomaschine durch die Bahn selbst zugeführt erhält. Da bei dieser Art der Seilbahnbeförderung kein Zugseil wirksam ist, sondern die Wagenbewegung ähnlich wie bei dem Eisenbahnbetriebe nur durch das Haften der Lokomotivräder an der Bahn bewirkt wird, so können mit dieser elektrischen Bahn Steigungen kaum überwunden werden und es ist auch das Gewicht der zu befördernden Last ein ziemlich beschränktes.

Quelle: Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien, Hg Professor F. Reuleaux Sechster Band, Die mechanische Bearbeitung der Rohstoffe, Leipzig und Berlin 1887, S. 65 – 66.

Bild im Anhang!

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 30.12.2008 12:49

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hier ein in französischer Sprache verfasster Artikel zur Montserratbahn: http://www.remontees-mecaniques.net/...tage-2137.html, welcher mit imposantem Bildmaterial glänzt.
Dresdner

SAGEN.at 31.12.2008 18:33

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Dresdner,

Danke für den Hinweis!
Der Link klappt bei mir allerdings nur so: http://www.remontees-mecaniques.net/...tage-2137.html

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 01.01.2009 10:48

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Wolfgang,
danke für die Kontrolle des Links. Bitte auch den fehlerhaften Link in meinem Posting ändern.
Einen schönen Jahresbeginn 2009 wünscht
Dresdner

Dresdner 30.01.2009 20:25

Ausstellung Adolf Bleichert & Co
 
Am morgigen Samstag ist die Ausstellung zu A. Bleichert & Co. letztmalig in Leipzig zu sehen.
Die Predigtstuhlbahn Bad Reichenhall, avisierter nächster Ausstellungsort, hat kurzfristig abgesagt, so dass die Exponate ein halbes Jahr eingelagert werden.
Die Ausstellung wird ab 8. Oktober 2009 im niedersächsischen Weltkulturerbe Rammelsberg (http://www.rammelsberg.de) für ca. 6 Monate zu sehen sein. Danach geht die Ausstellung in das sächsische Grimma.
Dresdner

volker333 05.03.2009 19:53

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
1 Anhang/Anhänge
Hallo,
bei meiner Recherche nach der Dinglerschen Maschinenfabrik AG bin ich auf eine interessante Internetseite gestoßen.
Hier geht's ausschließlich um Dampfmaschinen.
Und wie der Zufall es will, wer unter Dampfmaschinen / Betreiberfirmen bei Bleichert sucht findet sie auch mit der von ihnen eingesetzten Dampfmaschine der Firma Gebr. Sulzer.
Naja, wusstet ihr wahrscheinlich alles schon.
Aber hier ein Detail der Dampffördermaschine, nach deren Firma ich gesucht habe. Sie war noch bis vor kurzem in Betrieb und soll wieder aktiviert werden.
Baujahr 1916.
Gruß Volker

SAGEN.at 05.03.2009 20:02

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Hallo Volker,

vielen Dank für den Hinweis! Der Betreiber der Datenbank ist außerordentlich kompetent und hat mir schon beim Identifizieren von Dampfbaggern im Bergbau geholfen (zB hier)

Zu Deinem Foto: das ist ja eine unglaubliche Maschine und ein ebenso unglaublich gutes Foto -> damit gewinnst Du ja fast jeden Fotowettbewerb!

Was macht die Maschine genau? Fördert sie direkt Gestein oder ist sie ein Energiegeber?

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 05.03.2009 22:20

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Nachträglich sehe ich, dass "Dampfbagger.de" und "Dampf- und Kraftmaschinen" doch zwei Datenbanken von zwei verschiedenen Autoren sind.

Beide Datenbanken sind von exzellenter Qualität und in beiden Fällen sollte die gewaltige Arbeit der Autoren gewürdigt werden. Der Wert beider Datenbanken (und die freundlichen Auskünfte der Autoren) sind für technikgeschichtliche Recherchen eine Goldquelle.

Wolfgang (SAGEN.at)

volker333 06.03.2009 19:39

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von SAGEN.at (Beitrag 8830)
Was macht die Maschine genau? Fördert sie direkt Gestein oder ist sie ein Energiegeber?

Wolfgang (SAGEN.at)

Hallo Wolfgang,
bei der Dampfmaschine handelt es sich um eine Dingler-Dampffördermaschine.
Sie ist eine Zwillingsmaschine. Gewicht der Achse mit Kurbeln 29 Tonnen.
Dampfverbrauch 8,94 Tonnen/Stunde.
Querschnitt des Seiles das über die Koepescheibe (Durchmesser 7m) geführt wird war 1505 mm². Seilgewicht 14,9 kg/m. Das Unterseil hatte ein Gewicht von 14,5 kg/m.

An dem Seil hingen zwei Förderkörbe mit jeweils 4 Etagen.
Bei Seilfahrt hatten 64 Mann darin Platz und es wurde mit einer Geschwindigkeit von 8 m/sec gefahren.
Bei Güterförderung wurde mit einer Geschwindigkeit von 18 m/sec gefahren.


Gruß Volker

harry 06.03.2009 21:43

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Zitat:

Zitat von volker333 (Beitrag 8834)
Querschnitt des Seiles das über die Koepescheibe (Durchmesser 7m) geführt wird war 1505 mm².

Hallo Volker, kannst Du das erklären, bitte:
Querschnitt ist eine Längendimension, während [mm²] ein Flächenmaß ist. Ich kenne zwar diese Dimensionsangeben von Elektrokabeln, kann aber nix damit anfangen.:nixweiss:
oder ist damit die Fläche des Durchmessers gemeint (Kabeldurchmesser 43,8 mm) :confused:

volker333 07.03.2009 00:22

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Zitat:

Zitat von harry (Beitrag 8836)
oder ist damit die Fläche des Durchmessers gemeint (Kabeldurchmesser 43,8 mm) :confused:

Jepp!! Genau so ist es.
Wobei zu beachten ist, dass das Oberseil einen runden Querschnitt hat und das Unterseil einen "rechteckigen" flachen Querschnitt hat. Ich muss mal in meinem Bildarchiv kramen da habe ich sicher Photos von beiden Seilen.
Reich ich noch nach.

Ok, bis dann
Seilfahrt ins :smi_im_be
Volker

volker333 07.03.2009 23:57

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
1 Anhang/Anhänge
Hallo Harry,
wie versprochen angehängt die Bilder.
Links ist ein Oberseil rechts ein Unterseil zu sehen.
Gruß Volker

harry 08.03.2009 00:33

AW: Adolf Bleichert & Co - Seilbahnen
 
Danke! Ein Seil mit einem "rechteckigen" Querschnitt ist doch eine Seltenheit.

Anmerkung: Die sehr informative Werkszeichnung der Förderanlage hat neben der technischen Information auch einen echten ästhetischen Wert :maler: - schön! Heute sieht man so etwas nur mehr mit CAD gezeichnet.:autor_2:


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