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Babel 25.03.2013 17:00

Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Früher gab es strenge Vorschriften, wie lange man Trauerkleidung trug – gestaffelt nach Nähe der Verwandtschaft zum Verstorbenen. Neben der schwarzen Trauerkleidung gab es außerdem die "Halbtrauer" – die Erlaubnis, nach eingehaltener "Volltrauer" für eine Übergangszeit grau zu tragen, einen weißen Kragen am schwarzen Kleid oder ähnliches. Auch die Zeit der Halbtrauer war je nach Verwandtschaftsgrad geregelt.

Mir ist bewußt, daß die Regeln (d. h. die vorgeschrieben Zeiten) nicht überall dieselben waren, aber mit regionalen Varianten hat es sie bei uns wohl überall gegeben. Kennt noch jemand solche Vorschriften (oder kann mir jemand Literaturhinweise dazu geben?).

Ulrike Berkenhoff 25.03.2013 17:35

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Ein Trauerjahr bei nächsten Angehörigen: Ehepartner, Eltern u.a. war wohl
üblich (heuer 6 Wochen?). So lange trägt man wohl nicht mehr schwarz und
bedeckt, vor allem nicht im Sommer. Danach die Kleider für die Witwe, meine
Uroma trug nur dunkel geblümt mit weißem Krägelchen, dazu eine Brosche,
dunkle Strümpfe und schwarze Schuhe. Heut wird alles "aufgeweicht" (die
alten Bräuche), in der Stadt noch eher als vielleicht auf dem Dorf? Es wurde
auch in der Trauerzeit möglichst nicht geheiratet oder "Freudenfeste" ver-
anstaltet, hält sich noch jemand daran? Trauernde Männer hatten einen
schwarzen Schlips um, wer trägt noch jeden Tag Krawatte und zeigt dabei
seine Trauer. Als Kind hatte ich eine schwarze Armbinde um den Mantelärmel,
als meine Oma starb. Ich glaube nur bis zur Beerdigung. Meine Großeltern
wurden noch im Haus aufgebahrt. Ich meine mich zu erinnern, dass hier im
Forum schon mal das Thema "Beerdigungen, Trauerbräuche usw. besprochen
wurde. - Ulrike

Babel 25.03.2013 18:33

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Ich weiß, daß von diesen Sitten praktisch nichts mehr übrig ist. Mich interessiert speziell dieses fein abgestufte System von Kleidervorschriften für die Zeit nach familiären Todesfällen, das in meiner Jugend durchaus noch geläufig war. (Ich selbst habe als etwa 17jährige eine graue Bluse getragen, die meine Mutter ihrer verwitweten Schwiegermutter zum Beginn der "Halbtrauer"-Zeit schickte und postwendend zurück bekam mit dem Bemerken: Ja, die Volltrauerzeit sei zwar vorbei, aber sie gedenke trotzdem, beim Schwarz zu bleiben! Da es trotz der grauen Farbe eine hübsche Bluse war, habe ich sie mir sofort angeeignet.)

Vielleicht sollte ich erklären, warum ich es so genau wissen will: Im vorigen Jahr habe ich zusammen mit einer Bekannten eine Ausstellung über Trauerbrauchtum zusammengestellt und auch das Begleitmaterial dazu geschrieben. Ich hätte zu diesem Thema gerne etwas gesagt; ich habe mich wirklich durch einen Haufen Fachliteratur durchgewühlt und natürlich auch gegoogelt. Dabei bin ich auf etliche Foren gestoßen, in denen jemand Fragen nach der Dauer der Trauerzeit stellte und mit schöner Regelmäßigkeit Antworten erhielt wie: "Man trauert mit dem Herzen, nicht mit der Kleidung" – oft in ausgesprochen aggressivem Ton.

Nun berichtet mir meine Bekannte, die die Führungen in der Ausstellung macht, daß sie derselben Aggressivität bei sonst interessierten Besuchern begegnet: Damit sei man ja wohl früher genug schikaniert worden, daran wolle man bitteschön nicht mal mehr denken! Das hat mein Interesse an diesem "Regelwerk" für die Trauerkleidung wieder neu erweckt. Wenn also jemand noch etwas darüber weiß, wäre ich sehr dankbar!

Ulrike Berkenhoff 25.03.2013 19:47

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Diesen Spruch kenne ich!-
Meine Schwiegermutter trug 1 Jahr Trauer um ihre Mutter. Da diese aber
auswärts wohnte, fragten mich andauernd Leute: ist der Schwiegervater
gestorben oder seine Mutter? Denn diese wohnte mit im Haus. Auf meine
Antwort dann die Frage: muß man das Heute noch? Die Frau kannte ja hier niemand. Ist das nicht übertrieben - ich finde, jeder wie er mag. Meine
Mutter ging als Krankenschwester nach dem Tod meines Vaters ziemlich
bald wieder arbeiten. Sie trug die weiße Schwesternkleidung und wer es
nicht wußte, merkte ihr nichts an. Auch im Geschäft scheint es Kunden zu "stören", wenn man länger Trauer trägt. Der Tod wird "ausgeblendet" und
nicht wie früher ins tägliche Leben gewissermaßen einbezogen. Übrigens
"Halbtrauer" kenne ich nicht, wie es hier geschildert wird. -Ulrike

ulli292 27.03.2013 14:46

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Eigentlich schade, dass es nicht mehr zeitgemäß scheint die Trauer die man fühlt auch durch seine Kleidung auszudrücken, nicht? Man könnte ja da diversen Trauerkleidungsgegnern durchaus ähnliche Absichten unterstellen wie den früheren Verfechtern dieses Brauches. Kleiderordnung die halt in die andere Richtung geht.

War es nicht auch ein Signal an die Umgebung wenn z. B. Witwen wieder anfingen Farben zu tragen? Schwarz bedeutete nicht nur Trauer sondern auch dass die betreffende Dame nicht vorhatte eine neue Beziehung einzugehen? Mit dem Ablegen der Witwenkleidung gab Frau also zu verstehen dass sie wieder 'zu haben' war?

Babel 27.03.2013 19:17

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von ulli292 (Beitrag 35716)
Eigentlich schade, dass es nicht mehr zeitgemäß scheint die Trauer, die man fühlt, auch durch seine Kleidung auszudrücken, nicht?

War es nicht auch ein Signal an die Umgebung, wenn z. B. Witwen wieder anfingen, Farben zu tragen?

Durch die Kleidung ausgedrückte Trauer war durchaus auch ein Schutz für die Trauernden. Sie ersparte ihnen das heute übliche wohlmeinende Geschwätz von Verwandten, Bekannten, Kollegen etc.: "Das Leben geht doch weiter! Denk wieder an was anderes, unternimm mal was, geh unter die Leute ..."

Gewiß trauert jeder anders, aber die meisten brauchen eine Zeit, in der sie nichts unternehmen, nicht unter die Leute gehen, sondern einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen. Diese Zeit der Zurückgezogenheit war früher institutionalisiert – sicher für manche zu lang, aber der gänzliche Verzicht darauf tut den Trauernden nicht gut, sondern läßt in ihnen leicht das Gefühl aufkommen: Ich müßte es längst bewältigt haben, andere können das offenbar, warum ich nicht, was stimmt nicht mit mir?


Informationen über die festgelegten Trauerzeiten habe ich zwar nicht aus dem deutschsprachigen Raum, aber aus dem französischsprachigen Belgien. Hier Auszüge aus dem Katalog eines volkskundlichen Museums in Bastogne:

"Die ,tiefe Trauer' galt für den Tod der Eltern, eines Kindes oder des Ehepartners. Sie dauerte ein Jahr und sechs Monate und folgte strengen Regeln: Nach dem halben Jahr, in dem die Witwe oder die Mutter nur schwarzgekleidet aus dem Haus ging und in der Kirche einen langen Kreppschleier trug, der das Gesicht verbarg und bis zu den Waden reichte, begann die ,Halbtrauer', die eine größere Freiheit in der Kleidung ließ. Man konnte nun weniger düstere Farben tragen: schwarz und weiß, grau, malvenfarbig, lila. Der kürzere Schleier enthüllte die Gestalt wieder, wurde zurückgeschlagen und nahm dem Aussehen der Trauernden viel von seiner Strenge. Weiterhin aber untersagte die Schicklichkeit jede Anwesenheit bei Belustigungen wie Bällen, Kirchweih, öffentlichen Festen. Vor allem Witwen sollten größte Zurückhaltung wahren, sollten betrübt wirken und den Freuden des Lebens abgewandt ...
Die ,kleine Trauer' schließlich dauerte sechs oder drei Monate, je nachdem ob es sich um die Großeltern, um Bruder oder Schwester handelte. Man trug schwarz; das Tragen eines leichten Schleiers war freigestellt.
Für einen Onkel oder eine Tante sollte man drei Monate lang auf helle Kleider verzichten und Stätten der Lustbarkeit meiden."

Die Trauerzeiten waren von Ort zu Ort verschieden:

"Die volle Trauerzeit dauerte in Hodister bis zum Jahrgedächtnis. In Bastogne wurde nach sechs Wochen tiefer Trauer der Schleier zurückgeschlagen; in Gouvy nach sechs Monaten durch eine Haube ersetzt. Nach einem halben Jahr schlug man in Libramont den Schleier zurück, nach drei Monaten in Houdrigny, wo ganz früher die Trauerzeit drei Jahre dauerte.
In Fosses bedeckte der Schleier das Gesicht ein Jahr lang, wurde im zweiten Jahr zurückgeschlagen getragen, im dritten abgenommen; in diesem dritten Jahr durften die Frauen von Saint-Pierre graue oder dunkelblaue Kleider tragen. Die abnehmende Strenge der Trauer kann man als Riten des Übergangs zurück zu einem normalen Leben auffassen.
Die Männer trugen während der ganzen Trauerzeit einen dunklen, möglichst schwarzen Anzug; oft war es ihr Hochzeitsanzug. Wer sich keine schwarze Kleidung leisten konnte, trug einen Trauerflor am Ärmel. Oft wird berichtet, daß die Männer einen Anzug färben ließen, um die Kosten für neue Trauerkleidung zu sparen. Eine "Chronologie der Trauer" wie bei der Frauenkleidung scheint es bei den Männern nie gegeben zu haben."

Übersetzt aus: Les Vivants et leurs Morts. Art, croyance et rites funéraires dans l'Ardenne (Die Lebenden und ihre Toten. Kunst, Glaube und Begräbnisriten in den Ardennen), Bastogne 1989

SAGEN.at 27.03.2013 20:52

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Vorschriften zur Dauer der Trauerzeit habe ich im Augenblick noch nicht gefunden.

Ein kleiner Hinweis auf "Trauertracht" in Österreich:

Trauertracht ("in der Klag"): In Vorarlberg der schwarze, faltige "Load"-Mantel und ein weißer Kopf- und Halsbund, die leinene Stauche.* In Salzburg vor alters weißleinene Krägen und Mundtücher bzw. zweiteilige Schulterschürzen und schwarze, spitzige Klaghüte, wovon Reisiegl (1786), Hübner (1796), Sartori und noch Kürsinger (1840) aus dem Gebirgsland von Radstadt bis in den Pinzgau berichten. (Haberlandt 148)

Stauche: das ma. Haupttuch und "Maultüchl", das langstreifenförmig zusammengelegt das Gesicht der Frau umhüllte (Geramb). Es wurde noch später "in der Klag" beibehalten (Mayer, Sölland 394); in Vorarlberg so noch bis auf die Gegenwart (Lentner ZföVkde 11, 146; Barbisch, Vadans 282). Im Bezirk Zwettl trugen die Frauen bis zur Gugel (-> Kopftücher) unter das Kinn gebunden ein zusammengelegtes weißes Tuch ("Maultüchel", "Munkerl"), so dass nur Mund, Nase und Augen sichtbar waren, auch in drückendster Sommerhitze. Der letzte Rest dieses in den achtziger Jahren noch stetig geübten Brauches ist das Tragen eines Mundtuches als Zeichen tiefer Trauer bis nach dem Weltkrieg in der Amstettener Gegend. (Haberlandt 136)
Quelle: Arthur Haberlandt, Taschen-Wörterbuch der Volkskunde Österreichs, Wien 1953

Wolfgang (SAGEN.at)

Babel 27.03.2013 21:01

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Vielen Dank, Wolfgang! :smiley_da

Ulrike Berkenhoff 28.03.2013 10:10

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Übrigens ließ man beide Eheringe zusammenschweißen, bezw. trug beide
Ringe am Ringfinger, so sah jeder den Witwenstand (Witwer-). Natürlich mußte
der eine Ring geweitet bezw. gestaucht werden. - Meine Mutter starb
früh und mein Vater stand mit mir alleine da( habe ich hier schon mal berichtet).
Dadurch bin ich ein "gebranntes Kind", was wohlwollende Bemerkungen der
Mitmenschen betrifft: Das Kind braucht eine Mutter, wie soll das weitergehen,
wenn das Kind erst in die Schule kommt, wird Zeit, daß er sich eine neue
Frau sucht ... Mein Vater hat lange getrauert und erst wieder geheiratet, als
ich schon eingeschult war. Als meine sorgende Oma krank wurde, drohte man
mit Kinderheim usw. Ist mir alles noch im Gedächtnis eingebrannt, Kontrollen
vom Jugendamt usw. Zum Glück habe ich eine tolle "neue Mama" bekommen!-
Ein Beerdigungsinstitut vor Ort bietet ein sog. Trauercafe an, dort können sich
Betroffene austauschen. Es hat dort auch schon zu neuen "Beziehungen"
geführt, kenne auch einige Fälle, wo man rasch auf dem Friedhof einen neuen
Partner kennenlernt. Verurteilen soll man dies nicht, viele Menschen fürchten
die Einsamkeit. -Ulrike

Babel 28.03.2013 10:54

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 35744)
Übrigens ließ man beide Eheringe zusammenschweißen ...

Ein Beerdigungsinstitut vor Ort bietet ein sog. Trauercafe an, dort können sich
Betroffene austauschen

Diesen "Doppelring", ein breites, eigenartig flaches Gebilde, hat meine Oma auch bis zu ihrem Tod (1967) getragen, nach sehr kurzer und sehr unglücklicher (1914 beendeter) Ehe – was sein mußte, mußte halt sein! Und da jeder Mensch zwei Großmütter hat: Die andere (seit 1957 verwitwet) hat einfach ihren Ehering bis zum Tod (1985, mit 105 Jahren) weitergetragen.

Eine solche Trauergruppe hab ich mal besucht (nicht als Trauernde), und dort habe ich allgemein das beklagen hören, was ich gestern schon hier schrieb: Daß alle die wohlmeinenden Leute einen "aktivieren", "ins Leben zurückführen" wollen und einem lästig fallen mit Erklärungen darüber, wie schön doch das Leben sei, wenn man nur bereit sei, es wieder wahrzunehmen ...

Elfie 28.03.2013 12:40

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 35748)
Eine solche Trauergruppe hab ich mal besucht (nicht als Trauernde), und dort habe ich allgemein das beklagen hören, was ich gestern schon hier schrieb: Daß alle die wohlmeinenden Leute einen "aktivieren", "ins Leben zurückführen" wollen und einem lästig fallen mit Erklärungen darüber, wie schön doch das Leben sei, wenn man nur bereit sei, es wieder wahrzunehmen ...

Sensibilität ist eben nicht jedermanns Sache, grundsätzlich finde ich solche Gruppen nicht ganz verkehrt, weil die meisten Menschen am Anfang das Bedürfnis haben, über den Verstorbenen zu reden, über die gemeinsamen Jahre/Erlebnisse und so. Zu Hause hört niemand zu oder die Trauernden haben Angst, denen auf die Nerven zu gehen...
Unter Gleichbetroffenen ist das besser möglich, wenn alle ein ähnliches Bedürfnis haben. Da allerdings als "Fortgeschrittener" hineinzupreschen und Lebenslust verbreiten zu wollen ist nicht nur lästig, sondern auch dumm, selbst wenns gut gemeint ist.

Babel 28.03.2013 12:56

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 35754)
... grundsätzlich finde ich solche Gruppen nicht ganz verkehrt ... Da allerdings als "Fortgeschrittener" hineinzupreschen und Lebenslust verbreiten zu wollen ist nicht nur lästig, sondern auch dumm, selbst wenns gut gemeint ist.

Die Gruppe, die ich besucht habe (nicht von einem Beerdigungsinstitut, sondern von einer Selbsthilfe-Kontaktstelle organisiert) hat während der "Laufzeit" keine weiteren Interessenten aufgenommen, obwohl Selbsthilfegruppen das sonst gerne tun. Damit sollte eben dieses "Hineinpreschen Fortgeschrittener" verhindert werden. Offenbar gab es entsprechende negative Erfahrungen!

Egon 30.03.2013 10:51

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Jedes Ding hat 2 Seiten
Es ist schön wenn jemand die Tradition hochhält und es ehrlich ist

anderseits :-))) Ich war mal bei einem Begräbnis - Witwe in Schwarz tief verschleiert in Tränen aufgelöst
am nächsten Tag habe ich sie in Graz zufällig getroffen : Kurzes duftiges Kleidchen "zum Anbeissen " :-))) ( die hat schaut wies mich gsegn hat )

so gehts auch - oder

Babel 30.03.2013 11:19

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Egon (Beitrag 35795)
Jedes Ding hat 2 Seiten
Es ist schön wenn jemand die Tradition hochhält und es ehrlich ist

anderseits :-))) Ich war mal bei einem Begräbnis - Witwe in Schwarz tief verschleiert in Tränen aufgelöst
am nächsten Tag habe ich sie in Graz zufällig getroffen : Kurzes duftiges Kleidchen "zum Anbeissen " :-))) ( die hat schaut wies mich gsegn hat )

so gehts auch - oder

Ich denke, wenn eine Tradition wie diese nicht mehr existiert, läßt sie sich nicht mehr "hochhalten", auch wenn sie ihre Vorteile gehabt hat – offensichtlich kam man im Laufe der Zeit allgemein zu der Überzeugung, daß die Nachteile überwogen. Eine auch nach der Beerdigung schwarz gekleidete Witwe wäre heute eher eine komische Figur und würde wahrscheinlich eher der Heuchelei als echter Trauer verdächtigt.

Die Witwen, die am nächsten Tag wieder "zum Anbeißen" aussehen (wer weiß, wie und wie lange der Verstorbene sie geplagt hat!), gab es natürlich auch schon immer. Hier eine alte Ansichtskarte, die illustriert, daß frau auch in Schwarz zum Anbeißen aussehen konnte und mann das recht gut verstanden hat. Das aus Frankreich stammende Karte trägt auf der Rückseite in sieben Sprachen den Titel "Beileidsbezeugungen".

Ulrike Berkenhoff 30.03.2013 19:58

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Na, das sieht eher nach "Flirt" als nach Beileidsbezeugung aus - oder?
Ulrike

Babel 30.03.2013 20:00

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Allerdings. Der Bildtitel müßte eigentlich in Anführungszeichen stehen. ;)

Joa 30.03.2013 20:26

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 35798)
(wer weiß, wie und wie lange der Verstorbene sie geplagt hat!)

Im Normalfall sterben eher die Geplagten und nicht die Plagenden, es sei denn es wird nachgeholfen :D

Babel 30.03.2013 20:28

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Joa (Beitrag 35820)
... es sei denn es wird nachgeholfen :D

Die Dunkelziffer soll ja recht hoch sein. :D

Dresdner 07.04.2013 11:30

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Es ist schon interessant, dass man hier immer über die Witwe spricht, die trauern und dies gefälligst über ihre Bekleidung zum Ausdruck bringen muss, aber nie über den Witwer.
Demzufolge sind die beschriebenen Bekleidungsrituale Ausdruck einer Zeit, in der die Frau Anhängsel des Mannes war und dies gefälligst auch nach dem Tod "ihres Herrschers", zum Ausdruck zu bringen hatte. Dass sie vom Mann auch noch oft erniedrigt und gedemütigt wurde, spielt dabei anscheinend keine Rolle.
Zum Glück löst sich die Frau zumindest in unserem Kulturkreis zunehmend aus dieser Rolle und damit verändern sich auch die Formen der Bekleidung. Viele Beziehungen sind zudem auf Zeit angelegt, was die Ehe als lebenslangen Bund generell in Frage stellt. Damit ist auch die "Institution Ehe" in unserer immer schelllebrigeren Zeit grundlegenden Wandlungen umworfen - ob man das gut findet oder nicht. Mit der Institution wandeln sich logischerweise die Ausdrucksformen ihrer Beendigung.
Dresdner

Ulrike Berkenhoff 07.04.2013 12:01

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
"Natürlicherweise " haben Frauen eine höhere Lebenserwartung, sicherlich
erst, seit sie nicht mehr so viele Geburten überstehen müssen. Sieht man
in den Seniorenheimen, eine ganze Station Frauen, nur 2 Männer . Vielleicht
werden aber auch die Männer zu Hause länger von den Frauen gepflegt.
Durch die Berufstätigkeit der Frauen erleiden diese
aber auch die früher" männlichen Krankheiten" wie Infarkt, Herzanfall, Hörsturz,
Stress ... Obwohl: das reine Hausfrauendasein war auch stressig! Man kannte
dieses Wort nur nicht. Nach dem Krieg gingen viele aus der Not geboren
sog. "Bratkartoffelverhältnisse" ein oder eine "Versorgungsehe". -Ulrike

Babel 07.04.2013 12:11

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Dresdner (Beitrag 36232)
Es ist schon interessant, dass man hier immer über die Witwe spricht, die trauern und dies gefälligst über ihre Bekleidung zum Ausdruck bringen muss, aber nie über den Witwer.

Das ist so nicht ganz richtig. Auch für den Witwer galten Bekleidungsvorschriften. Sie waren nur nicht so differenziert wie für die Frauen. Hier nochmal, was ich vorn schon aus einem belgischen Katalog zitierte:

"Die Männer trugen während der ganzen Trauerzeit einen dunklen, möglichst schwarzen Anzug; oft war es ihr Hochzeitsanzug. Wer sich keine schwarze Kleidung leisten konnte, trug einen Trauerflor am Ärmel. Oft wird berichtet, daß die Männer einen Anzug färben ließen, um die Kosten für neue Trauerkleidung zu sparen. Eine ",Chronologie der Trauer’ wie bei der Frauenkleidung scheint es bei den Männern nie gegeben zu haben."

Da ich speziell nach dieser "Chronologie der Trauer" gefragt hatte und weil die Frauenkleidung mehr Varianten zuließ (siehe dazu dieses zwar schwarze, aber unleugbar kokette Kleidchen der jungen Frau auf der Ansichtskarte!), ist hier natürlich mehr von den Witwen als von den Witwern die Rede.

Babel 09.01.2016 13:52

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Manchmal könnte man seine Fragen selbst beantworten, wenn man seine eigenen Bücher gut genug kennen würde ... ;) Folgendes habe ich in zwei Büchern gefunden, in die ich eigentlich recht oft reinschaue.


Aus: Angelika Bischoff-Luithlen, Von Amtsstuben, Backhäusern und Jahrmärkten. Ein Lese- und Nachschlagebuch zum Dorfalltag im alten Württemberg und Baden, Stuttgart 1979:
Nach der württembergischen Trauerordnung des Herzogs Eberhard Ludwig von 1720 mußten "Mann und Frau, Vater und Mutter, Schwiegereltern und Eltern über erwachsene Kinder ein halb Jahr à dato des Absterbens in schwarzem Tuch gehen", dagegen Großeltern, Brüder und Schwestern, Schwäger ersten Grades ein Vierteljahr. Um minderjährige Kinder trauerte man 6 Wochen auf diese Weise, Geschwister trugen die "kleine Trauer" 8 Tage lang. 1771 und 1784 ergingen neue Trauerordnungen nebst Vorschriften über die Trauerzeit."

Um 1900 ist aus der obrigkeitlichen Vorschrift eine Frage des guten Tons geworden. Die folgenden minutiösen Anweisungen stehen in einem Buch, das für die Hausfrau (groß-)bürgerlicher Kreise gedacht ist. Einfachere Verhältnisse hätten einen derartigen Aufwand gar nicht erlaubt.
Auszug aus: Im Deutschen Hause. Ein Ratgeber und Helfer für das gesamte häusliche Leben der deutschen Familie, hrsg. von Luise Holle, Hanau o.J. [1904]:
Auch für die ernste Zeit der Trauer macht der gute Ton gewisse Vorschriften hinsichtlich unserer Kleidung ... Man unterscheidet dabei drei Abstufungen: tiefe Trauer, einfache Trauer und Halbtrauer.

Tiefe Trauer bedingt gerauhte, stumpf-schwarze Stoffe: Wollkrepp, Kaschmir, Rips, Cheviot. Als Ausputz dienen breite Blenden und Aufschläge aus englischem Krepp in reichlicher Verwendung. Der Hut besteht vollständig aus Krepp in möglichst einfacher, unauffälliger Form; der dichte Gesichtsschleier ist ringsum mit Krepp besäumt und reicht hinten und vorn gleich tief, fast bis zu den Knien herab. Witwen tragen außerdem oft noch hinten am Hute ein langes, bis zum Kleidersaum fallendes Schleierende aus Krepp oder überhaupt keinen Hut, sondern die sog. Witwenhaube mit Schneppe aus Krepp und statt des Mantels ein dreizipfelig gefaltetes schwarzes Wolltuch. Auch die Überkleider müssen von stumpfen Stoffen in tiefem Schwarz gefertigt sein, ebenso ist es Sitte, nur schwarze Strümpfe und Unterröcke, schwarze glatte Schirme, Fächer, Pompadours etc. zu tragen. Für die Handschuhe wählt man schwarzes dänisches Leder oder einfachen schwarzen Zwirn. Gold- und sonstige glänzende Schmucksachen sind bei tiefer Trauer zu vermeiden; erlaubt sind aber Uhrketten, Broschen etc. aus Jett oder matt geschliffener Steinkohle, doch wird man auch sie nur sparsam verwenden.

Für einfache Trauer genügen glatte schwarze Wollkleider. Die Kreppverzierungen werden schmaler, fallen auch ganz fort und können durch seidenflor, Borten, Posamenten, Fransen und Perlen ersetzt werden. Den Schleier trägt man kürzer und dazu schwarze Glacéhandschuhe.

Bei der Halbtrauer, als dem Übergang zur farbigen Kleidung, sind schon wieder seidene Stoffe zulässig und an Farben schwarz, schwarz-weiß, hell- und dunkelgrau, lila und ganz weiß.

Für die Herrenwelt schreibt tiefe Trauer schwarze Anzüge, schwarze Mäntel, Hüte, Handschuhe und Schlipse vor. Um den linken Arm und um den Hut wird ein breiter Florstreifen getragen. Bunte Wäsche ist natürlich zu vermeiden. Die einfache Trauer erlaubt dunkle und mittelfarbige Anzüge und begnügt sich als Trauerabzeichen mit Florstreifen um Arm und Hut.

Um seine nächsten Angehörigen: Vater, Mutter, eins der größeren Geschwister oder die eigenen Kinder trauert man 1 Jahr lang tief, dann ein halbes Jahr lang leicht, worauf man zur Halbtrauer übergeht. Der Witwer betrauert seine Gattin ein bis anderthalb Jahr; die Witwe hält wenigstens anderthalb Jahr an der tiefen Trauer fest, oder aber – namentlich in vorgerücktem Alter – legt sie die schwarzen Gewänder überhaupt nicht mehr ab, als stilles Zeichen dafür, daß sie dem Toten noch übers Jahr hinaus die Treue bewahrt. Die Trauerzeit um die Großeltern währt 6 – 9 Monate, um Freunde und sonstige Verwandte 6 Wochen bis 2 Monate in leichter Trauer ...

Das Verhalten während der Trauerzeit hat sich, der ernsten Kleidung angemessen, ebenfalls ernst und würdig zu geben. Nichts berührt verletzender, als lautes kokettes oder albernes Benehmen im dunklen Trauergewande ...

Elfie 10.01.2016 12:01

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Babel schließt den Kreis ;).

Ich hab jetzt das Ganze nachgelesen: meist wurde mit der jüngeren Vergangenheit geantwortet oder mit gegenwärtigen Gepflogenheiten.
Selber ist mir da auch wieder Einiges eingefallen, aber es geht hier ja um alte Bräuche. Da muss ich nach einem neueren Buch suchen, das aber die Geschichte der Trauer behandelt. Also vielleicht findet sich etwas noch nicht Beschriebenes.

ulli292 10.01.2016 15:22

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Was mir dazu noch einfällt, ist die rechtlich / praktische Komponente des Trauerjahres, die sicher eine Rolle gespielt hat. Bei einer Wiederverheiratung der Witwe sollte sich der Nachwuchs dem richtigen Vater zuordnen lassen. Bei einer zu frühen Heirat hätte ein Kind ja theoretisch noch vom vorherigen Ehemann sein können - was nicht im Interesse des neuen Partners sein konnte, da er als Ehemann automatisch als Vater des Kindes galt.

Wenn eine Frau mit ihrer neuen Heirat ein Jahr oder länger wartete, war dieses Problem gelöst.

Babel 10.01.2016 15:39

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Ich habe ein paar Benimm-Bücher (das ist so ein Bücherbestand, den ich etwa alle zehn Jahre durch eine Neuerwerbung aktualisiere :D).

Der "Elmayer" von 1957 schreibt:
Die früher streng eingehaltenen Vorschriften bezüglich Trauerkleidung und Dauer ihres Tragens sind heutzutage nicht mehr bindend. Nach einigen Monaten kann das düstere Schwarz selbst von den Nächststehenden gemildert oder abgelegt werden. Das Schwarz ist nur eine Äußerlichkeit und keineswegs ein Maßstab für die Tiefe des Schmerzes und der Trauer.
Ein Buch von 2007 (Elisabeth Bonneau, 300 Fragen zum guten Benehmen) behandelt Trauerkleidung überhaupt nicht mehr, sondern gibt nur noch Anweisungen, was "man" – also Hinterbliebene wie Gäste – bei einer Beerdigung trägt:
In konservativen Kreisen gehen alle Anwesenden meist ganz in Schwarz: Mantel, Hut Schuhe; für die Herren schwarzer Anzug mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte, für die Damen ein schwarzes Kleid oder ein Kostüm mit schwarzem Oberteil und schwarzen Strümpfen. Immer häufiger beschränken sich zumindest die Trauergäste auf Kleidung in gedeckten Farben und zurückhaltenden Formen. Je größer Ihre Distanz zu dem Verstorbenen ist bzw. war, desto eher kleiden Sie sich in Anthrazit oder Dunkelblau, als Dame wählen Sie eine weiße Bluse zum dunklen Kostüm. Jeans und T-Shirt, Anorak und bunter Schirm bleiben im Schrank.
Auch in anderen Büchern der letzten 70 Jahre reduziert sich die Frage darauf, was man zur Beerdigung trägt – sofern Trauerfälle überhaupt noch behandelt werden.

Babel 10.01.2016 15:46

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von ulli292 (Beitrag 54699)
Was mir dazu noch einfällt, ist die rechtlich / praktische Komponente des Trauerjahres, die sicher eine Rolle gespielt hat. Bei einer Wiederverheiratung der Witwe sollte sich der Nachwuchs dem richtigen Vater zuordnen lassen. Bei einer zu frühen Heirat hätte ein Kind ja theoretisch noch vom vorherigen Ehemann sein können - was nicht im Interesse des neuen Partners sein konnte, da er als Ehemann automatisch als Vater des Kindes galt.

Wenn eine Frau mit ihrer neuen Heirat ein Jahr oder länger wartete, war dieses Problem gelöst.

Der schon zitierte Elmayer von 1957 schreibt: "Eine Wiederverehelichung ist der Witwe nach dem Gesetz erst nach Ablauf von zehn Monaten gestattet. Für den Witwer sind im Gesetz keine Vorschriften vorhanden."

Ein Gesetz war zweifellos eine bessere Sicherung als ein schwarzes Kleid. ;) Ob es in Österreich noch gilt und ob wir so ein Gesetz auch hatten (und womöglich haben :smi_ersch), weiß ich nicht. :kopfkratz

Elfie 10.01.2016 17:00

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Nachdem der Elmayer auch hierzulande ein Begriff ist, beziehen er seine Gestattungen vermutlich nur auf Benimmregeln.
Ich hab jetzt eine Freundin angerufen, eine Juristin, die auch 30 Jahre im Sozialministerium tätig war (Quelle ;)) Sie sagte, dass es zumindest seit der Monarchie nie eine gesetzliche Frist für die Wiederverheiratung gab. Lediglich ein Kind galt bis 10 Monate nach der Trennung - Scheidung oder Tod - als Kind dieses Mannes. Diese Frist wurde inzwischen verkürzt. Wie gesagt, das gilt für Österreich.

Um auf die Trauerkleidung zurück zu kommen: ich trug nach dem Tod meiner Mutter eine längere Zeit schwarze Strümpfe. Das war mitunter sogar "modern" (wer ist denn g´storben - wurde am Anfang noch gefragt), im Dienst eben nicht. Da wurde ich auch öfter gefragt, erst noch irgendwie mitfühlend (was ja nicht das Ziel war), aber als es hieß 2 Monate (in etwa, genau weiß ich es nicht mehr): ahsooo. Naja, Zeit, wieder "normal" zu werden.

Als vor einigen Jahren eine Verwandte starb, versuchte ich, fürs Begräbnis einen Trauerflor zu ergattern, weil ich keine dunklen Kleider mag und daher auch nicht habe. Keine Chance. Was auch gar nichts machte, da auch ihre Schwiegertochter und die Enkel bunt daher kamen. Ein Mann hat ja schnell mal einen dunklen Anzug.

Babel 10.01.2016 17:10

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 54705)
Nachdem der Elmayer auch hierzulande ein Begriff ist ...

Als vor einigen Jahren eine Verwandte starb, versuchte ich, fürs Begräbnis einen Trauerflor zu ergattern, weil ich keine dunklen Kleider mag und daher auch nicht habe. Keine Chance. Was auch gar nichts machte, da auch ihre Schwiegertochter und die Enkel bunt daher kamen. Ein Mann hat ja schnell mal einen dunklen Anzug.

Der Elmayer ist nur bei euch ein Begriff. Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem Harry bei SAGEN.at von seiner Tanzstunde bei diesem Herrn erzählte. :D

Na, ich weiß nicht – wozu braucht ein Herr noch einen dunklen Anzug, wenn er nicht gerade Bankanstellter ist? :kopfkratz Und selbst bei denen braucht er nicht mehr besonders dunkel zu sein.

Ich war lange auf keiner Beerdigung mehr, habe nur gelegentlich beim Friedhofs-Sightseeing Trauergesellschaften herumstehen sehen. Da schien mir die Farbpalette von Tiefschwarz bis Gelb und Pink zu reichen, und die Jeans waren auch nicht immer im Schrank geblieben. ;)

Elfie 10.01.2016 19:46

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 54706)
Der Elmayer ist nur bei euch ein Begriff. Ich habe mir das Buch gekauft, nachdem Harry bei SAGEN.at von seiner Tanzstunde bei diesem Herrn erzählte. :D

Na, ich weiß nicht – wozu braucht ein Herr noch einen dunklen Anzug, wenn er nicht gerade Bankanstellter ist? :kopfkratz Und selbst bei denen braucht er nicht mehr besonders dunkel zu sein.

Ich war lange auf keiner Beerdigung mehr, habe nur gelegentlich beim Friedhofs-Sightseeing Trauergesellschaften herumstehen sehen. Da schien mir die Farbpalette von Tiefschwarz bis Gelb und Pink zu reichen, und die Jeans waren auch nicht immer im Schrank geblieben. ;)

Naja, hätte ja sein können, dass der Herr sich mit seinen Büchern auch beim Nachbar einen Namen gemacht hat ;).

Ich weiß es nicht mehr so genau, es war Ende September, möglicherweise war das ein dunkler Mantel und schwarze Herrenhosen sind ja nicht so selten. Jedenfalls war der Sohn außer ein paar alten Weiblein als einziger "entsprechend" gekleidet (ich meine natürlich nur die engste Familie) und in den Hochzeitsanzug hätte der Gute unter Garantie nicht mehr gepasst.

Das Bedürfnis nach wenigstens einem Trauerflor war wohl meinem Alter geschuldet :(. :D

ulli292 11.01.2016 16:02

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Im Zillertal trägt Mann bei Beerdigungen meistens den Tuxer Janker mit schwarzer Hose. Frauen tragen das Röckl (schwarze Tracht) wenn sie eines haben. Wenn man keine Tracht besitzt, dann weicht man auf gedeckte, dunkle Farben aus. Auch wenn man nicht zu den Angehörigen zählt.

Regional sind manche Kleiderordnungen also vielleicht durchaus noch in Kraft.

Dresdner 13.01.2016 17:25

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Hier trägt Mann einen dunklen Anzug bzw. Kombination, ein weißes Hemd und einen schwarzen Binder.
Frau trägt ebenfalls dunkle Bekleidung und eine weiße Bluse.
Die früher üblichen schwarzen Armbinden sind verschwunden.

Witwen tragen oft noch einige Monate nach dem Tod des Mannes dunkle, bedeckte Kleidung.

Früher übliche Zeiten, in denen das Eingehen einer neuen Beziehung als unschicklich empfunden wurde, sind ebenfalls verschwunden.

Elfie 19.01.2016 16:41

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
3 Anhang/Anhänge
Im Wiener Bestattungsmuseum ist auch Trauerkleidung ausgestellt: Trauermode mit Schirm und einem „Trauerhut der gehobenen Preisklasse aus schwarzem Krepp mit Schleier“, Trauerschmuck aus schwarz lackiertem Holz mit Perlen und Ohrgehänge aus Jet-Imitat.
Dazu eine Info-Tafel:
Trauer kann sich in vielen Dingen ausdrücken, aber nirgends so schön wie in der passenden Mode: wer es sich leisten konnte, trug nicht bloß Kleider in der traditionellen Trauerfarbe Schwarz. Die Damen präsentierten sich um die vorige Jahrhundertwende mit großer Robe und Accessoires. Im Verlauf des Trauerjahrs wurde Schwarz gegen dunkle und schließlich nur mehr gedeckte Farben, aber auch auffälliges Mauve (Farbe - blasses Violett), eingetauscht. Für all das gab es spezielle Kaufhäuser, in denen man sich im Trauerfall ausstatten konnte.

Babel 19.01.2016 18:11

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Das Museum würde ich sooo gern mal sehen! Wir haben zwar in Kassel das "Museum für Sepulkralkultur", aber das fand ich ziemlich unergiebig. (Mein Besuch dort ist allerdings schon lange her – vielleicht war ich da noch nicht ausreichend "sensibilisiert" :kopfkratz).

Schade, daß der Hut schon so grün verschossen ist – er ist superschick!!! Aber wo/wann kann frau heute noch einen Hut tragen? :smi_heult

Ein paar Stücke Trauerschmuck besitze ich theoretisch ;) auch, aber die kann ich hier leider nicht zeigen, weil sie in einer Ausstellung sind, zusammen mit der Reklamekarte eines Geschäfts für Trauerkleidung. :(

Elfie 19.01.2016 20:12

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 54881)

Schade, daß der Hut schon so grün verschossen ist – er ist superschick!!! Aber wo/wann kann frau heute noch einen Hut tragen? :smi_heult

Der Schein trügt, der ist schon schwarz, nur herrscht im gesamten Museum Gruftbeleuchtung :D und der schicke Hut war ein ziemlich schwarzer Fleck, man hätte die Modistenkunst kaum wahrgenommen. Beim Aufhellen ist er etwas ergrünt :(.

Babel 19.01.2016 21:06

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 54883)
... nur herrscht im gesamten Museum Gruftbeleuchtung

Wie passend! :D


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