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Elfie 28.03.2013 12:40

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 35748)
Eine solche Trauergruppe hab ich mal besucht (nicht als Trauernde), und dort habe ich allgemein das beklagen hören, was ich gestern schon hier schrieb: Daß alle die wohlmeinenden Leute einen "aktivieren", "ins Leben zurückführen" wollen und einem lästig fallen mit Erklärungen darüber, wie schön doch das Leben sei, wenn man nur bereit sei, es wieder wahrzunehmen ...

Sensibilität ist eben nicht jedermanns Sache, grundsätzlich finde ich solche Gruppen nicht ganz verkehrt, weil die meisten Menschen am Anfang das Bedürfnis haben, über den Verstorbenen zu reden, über die gemeinsamen Jahre/Erlebnisse und so. Zu Hause hört niemand zu oder die Trauernden haben Angst, denen auf die Nerven zu gehen...
Unter Gleichbetroffenen ist das besser möglich, wenn alle ein ähnliches Bedürfnis haben. Da allerdings als "Fortgeschrittener" hineinzupreschen und Lebenslust verbreiten zu wollen ist nicht nur lästig, sondern auch dumm, selbst wenns gut gemeint ist.

Babel 28.03.2013 12:56

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Elfie (Beitrag 35754)
... grundsätzlich finde ich solche Gruppen nicht ganz verkehrt ... Da allerdings als "Fortgeschrittener" hineinzupreschen und Lebenslust verbreiten zu wollen ist nicht nur lästig, sondern auch dumm, selbst wenns gut gemeint ist.

Die Gruppe, die ich besucht habe (nicht von einem Beerdigungsinstitut, sondern von einer Selbsthilfe-Kontaktstelle organisiert) hat während der "Laufzeit" keine weiteren Interessenten aufgenommen, obwohl Selbsthilfegruppen das sonst gerne tun. Damit sollte eben dieses "Hineinpreschen Fortgeschrittener" verhindert werden. Offenbar gab es entsprechende negative Erfahrungen!

Egon 30.03.2013 10:51

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Jedes Ding hat 2 Seiten
Es ist schön wenn jemand die Tradition hochhält und es ehrlich ist

anderseits :-))) Ich war mal bei einem Begräbnis - Witwe in Schwarz tief verschleiert in Tränen aufgelöst
am nächsten Tag habe ich sie in Graz zufällig getroffen : Kurzes duftiges Kleidchen "zum Anbeissen " :-))) ( die hat schaut wies mich gsegn hat )

so gehts auch - oder

Babel 30.03.2013 11:19

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Egon (Beitrag 35795)
Jedes Ding hat 2 Seiten
Es ist schön wenn jemand die Tradition hochhält und es ehrlich ist

anderseits :-))) Ich war mal bei einem Begräbnis - Witwe in Schwarz tief verschleiert in Tränen aufgelöst
am nächsten Tag habe ich sie in Graz zufällig getroffen : Kurzes duftiges Kleidchen "zum Anbeissen " :-))) ( die hat schaut wies mich gsegn hat )

so gehts auch - oder

Ich denke, wenn eine Tradition wie diese nicht mehr existiert, läßt sie sich nicht mehr "hochhalten", auch wenn sie ihre Vorteile gehabt hat – offensichtlich kam man im Laufe der Zeit allgemein zu der Überzeugung, daß die Nachteile überwogen. Eine auch nach der Beerdigung schwarz gekleidete Witwe wäre heute eher eine komische Figur und würde wahrscheinlich eher der Heuchelei als echter Trauer verdächtigt.

Die Witwen, die am nächsten Tag wieder "zum Anbeißen" aussehen (wer weiß, wie und wie lange der Verstorbene sie geplagt hat!), gab es natürlich auch schon immer. Hier eine alte Ansichtskarte, die illustriert, daß frau auch in Schwarz zum Anbeißen aussehen konnte und mann das recht gut verstanden hat. Das aus Frankreich stammende Karte trägt auf der Rückseite in sieben Sprachen den Titel "Beileidsbezeugungen".

Ulrike Berkenhoff 30.03.2013 19:58

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Na, das sieht eher nach "Flirt" als nach Beileidsbezeugung aus - oder?
Ulrike

Babel 30.03.2013 20:00

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Allerdings. Der Bildtitel müßte eigentlich in Anführungszeichen stehen. ;)

Joa 30.03.2013 20:26

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 35798)
(wer weiß, wie und wie lange der Verstorbene sie geplagt hat!)

Im Normalfall sterben eher die Geplagten und nicht die Plagenden, es sei denn es wird nachgeholfen :D

Babel 30.03.2013 20:28

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Zitat:

Zitat von Joa (Beitrag 35820)
... es sei denn es wird nachgeholfen :D

Die Dunkelziffer soll ja recht hoch sein. :D

Dresdner 07.04.2013 11:30

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
Es ist schon interessant, dass man hier immer über die Witwe spricht, die trauern und dies gefälligst über ihre Bekleidung zum Ausdruck bringen muss, aber nie über den Witwer.
Demzufolge sind die beschriebenen Bekleidungsrituale Ausdruck einer Zeit, in der die Frau Anhängsel des Mannes war und dies gefälligst auch nach dem Tod "ihres Herrschers", zum Ausdruck zu bringen hatte. Dass sie vom Mann auch noch oft erniedrigt und gedemütigt wurde, spielt dabei anscheinend keine Rolle.
Zum Glück löst sich die Frau zumindest in unserem Kulturkreis zunehmend aus dieser Rolle und damit verändern sich auch die Formen der Bekleidung. Viele Beziehungen sind zudem auf Zeit angelegt, was die Ehe als lebenslangen Bund generell in Frage stellt. Damit ist auch die "Institution Ehe" in unserer immer schelllebrigeren Zeit grundlegenden Wandlungen umworfen - ob man das gut findet oder nicht. Mit der Institution wandeln sich logischerweise die Ausdrucksformen ihrer Beendigung.
Dresdner

Ulrike Berkenhoff 07.04.2013 12:01

AW: Trauerkleidung, Trauerzeiten
 
"Natürlicherweise " haben Frauen eine höhere Lebenserwartung, sicherlich
erst, seit sie nicht mehr so viele Geburten überstehen müssen. Sieht man
in den Seniorenheimen, eine ganze Station Frauen, nur 2 Männer . Vielleicht
werden aber auch die Männer zu Hause länger von den Frauen gepflegt.
Durch die Berufstätigkeit der Frauen erleiden diese
aber auch die früher" männlichen Krankheiten" wie Infarkt, Herzanfall, Hörsturz,
Stress ... Obwohl: das reine Hausfrauendasein war auch stressig! Man kannte
dieses Wort nur nicht. Nach dem Krieg gingen viele aus der Not geboren
sog. "Bratkartoffelverhältnisse" ein oder eine "Versorgungsehe". -Ulrike


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