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SAGEN.at 19.05.2008 19:41

Untergegangene Berufe
 
Wer kann von heute untergegangenen Berufen erzählen? Wer hat selbst noch einen Beruf ausgeübt, den es heute nicht mehr gibt?

Die Vielfalt der Berufe ist ein lebender Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft. Heute (2008) sollen ungefähr zwei Drittel aller Berufe mit Computer und/oder Auto zu tun haben. Ist daraus ein kultureller Niedergang abzuleiten oder eine neue High-Tech-Kultur, die sich die Menschen gewünscht haben?

Doch welche Berufe sind in letzter Zeit still untergegangen, welche Berufe sind schon lange untergegangen?

Auf Beiträge neugierig...

Wolfgang (SAGEN.at)

mina 19.05.2008 20:12

AW: Untergegangene Berufe
 
der verein schloss trautenfels hatte da voriges jahr eine äußerst interessante vortragsreihe ... leider habe ich zu spät darüber erfahren aber es ging um genau dieses thema ... es hieß "vom altag verschwunden"

kleiner auszug aus der homepage:

"Vom verschwundenen Alltag" und Kulturkalender Bezirk Liezen

Dieses Leader+-Projekt erforscht unter der Projektleitung von OStR Prof. Mag. Dr. Josef Hasitschka, das Verschwinden beziehungsweise die veränderte Arbeitsweise verschiedener Berufe seit 1945. Dieses Projekt wurde mit dem Steirischen Volkskulturpreis 2006 ausgezeichnet.

Nach 30 Stammtischgesprächen wurde am 4. Juli mit dem Feuerwehrmännern und RettungsfahrerInnen ein krönender Abschluss der Veranstaltungsreihe Vom verschwundenen Alltag seit 1945 geschafft. Bei den Stammtischgesprächen wurde das Wissen von alten Berufen und Techniken durch ZeitzeugInnen lebensnah präsentiert. Die vorgestellten Berufssparten sind für unsere Region spezifisch und Teil der Identität. Die verschwindenden Berufe sind sowohl beispielhaft für das Land als auch durch die Ergänzungen der TeilnehmerInnen flächendeckend für die Region aufgenommen und damit für die Alltagsgeschichten sehr aussagekräftig.

2008 wird eine Publikation mit ca. 30 Berufen die Ergebnisse dokumentieren. Die Daten werden auf CD im Museum Schloss Trautenfels archiviert.

cerambyx 20.05.2008 10:02

AW: Untergegangene Berufe
 
Super Idee, nach dazu wo ich grade in meiner Region mich mit diesem Thema auseinandersetze ... guckst Du mir etwa irgendwie über die Schulter, Wolfgang? *ggg*

Übrigens: einen "Fast-Start" dieses Themas hatten wir schon im Bereich "Suche" mit dem Thread "Altes Handwerk in Ö" ...

Wie schnell in der heutigen Zeit Berufe kommen und gehen, zeigt mein Eigener:
Ich selber war in der allerersten Klasse der "Büromaschinenmechaniker" in der Berufschule Amstetten - und dieser Beruf wurde schon lange wieder durch die rasante technische Entwicklung am Elektronik-Sektor abgelöst und aufgespalten auf Mechatroniker, Elektroniker, Programmierer, EDV-Techniker, Softwaretechniker usw.
Wie ich diesen Beruf, sein Werden und Vergehen selber erlebt habe, schreibe ich gerade nieder - ich stelle bei Interesse gerne Auszüge davon hier herein ...

Hier bei uns im verträumten Molln sind alte Berufe Tradition - und einer der Traditionsreichsten ist mit dem letzten lebenden Meister der ca. 1600 begründeten Zunft im Jahr 2004 ausgestorben: der Mollner "Schaufelhacker" Norbert Zemsauer starb mit 76 Jahren und hat bis zum Schluss seine Kunst bei diversen Veranstaltungen gern gezeigt.

Literaturtipp: Mohr/Die Geschichte der Mollner "Schauflerzech", 1995, Verlag Ennsthaler, Steyr (hoffentlich noch nicht vergriffen, bei Interesse kann ich im örtlichen Museum nachfragen, die haben das auch angeboten)
Museum Molln

Es grüßt aus Molln
Norbert

Huber 20.05.2008 14:25

AW: Untergegangene Berufe
 
An zwei Berufe, deren Wirken ich noch als Kind und Jugendlicher erlebt habe, erinnere ich mich gut. Zwar gibt es, glaube ich, beide noch - allerdings sind sie derart aus dem öffentlichen Leben verschwunden, dass sie schon fast "untergegangen" sind.
Das eine war der Kohlehändler. Damit meine ich eher die Variante, die noch höchstpersönlich in der Butte die Kohlen zu den Leuten gebracht hat. In meinem Wohnhaus wohnte ein solcher und für mich bekam das Wort "Schwarzer Mann" eine ganz andere Dimension dadurch. Obwohl er ein sehr netter und freundlicher Mann war, dessen Bärenkräfte ich bewunderte, als ich einmal die Möglichkeit (oder besser gesagt nicht) hatte, diese Butte zu (wie gesagt, eher nicht) heben.
Ebenfalls fröhlich unterwegs war der Scherenschleifer in Wien. Als der letztendlich von der Bildfläche verschwand, gab es zwar noch diverse Messer- und Scherenläden, die vor Ort diese Tätigkeiten übernahmen, aber auch diese Geschäfte sind aus dem Stadtbild verschwunden.

Definitiv ausgestorben halte ich den Beruf des Stubenmädchens. Bestenfalls ist er in irgendwelchen Berufsbildern von Hotelfachkräften aufgegangen.

lg
erich

volker333 20.05.2008 17:12

AW: Untergegangene Berufe
 
Hallo,
ich selbst habe noch einen Beruf gelernt, der so gar nicht mehr vermittelt wird.
Bergvermessungsingenieur. Die Betonung liegt in diesem Fall auf Berg.
Der Umgang mit mechanischen Vermessungsinstrumenten wird heute nur noch am Rande gelehrt. Elektronik und CAD ist angesagt. Da ist nichts mehr mit Handarbeit. (Messen, berechnen, Hand zeichnen)
Diese ist allerdings gerade im Untertagebergbau, wo erhöhtes Gasvorkommen die Regel ist, nicht so ohne weiteres einsetzbar.
Mit dem Aussterben des heimischen Bergbau's ging und geht dieser wie auch andere interessante Berufe, die speziell auf den Bergbau ausgerichtet waren, verloren.
Die Technik und der Zeitgeist tut ihres dazu, dass ein ständiger Wandel im Berufsfeld stattfindet.
Früher waren es auch noch Künste, die erlernt werden mußten.
Wasserkunst, Fahrkunst, Wetterkunst, Markscheidekunst. Heute wird das ganze z.T. verdenglischt.
Hydrauliker, Logistiker, Metereologe (ist allerdings ein anderes Wetter gemeint). :smi_hello (Hallo!)

Ich bin mir schon fast sicher, dass in einigen Jahren verschiedene Berufe nochmal angesagt sind. Alten Bücher werden herausgekramt und man wird merken, dass Erfahrung nicht anzulesen ist.
Dann werden ein paar Chinesen eingeflogen, die sich i.M. unsere Anlagen für ein paar Euro kaufen und nach China transferieren, um uns unser Urwissen wieder zu lehren. :smi_ersch
Also Leute lernt chinesisch.

Grüße und xīn xiǎng shì chéng !
Volker

harry 21.05.2008 12:27

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von Huber
...Ebenfalls fröhlich unterwegs war der Scherenschleifer in Wien. Als der letztendlich von der Bildfläche verschwand, gab es zwar noch diverse Messer- und Scherenläden, ...

Dazu gibt es ein hübsches Bild von Wolfgang, das zeigt, dass bei Bedarf auch ausgestorbene Berufe wieder auferstehen können.

Dann fällt mir noch der Rastlbinder ein. Ein fahrender Handwerker, der löchrige Kochtöpfe reparieren konnte und gebrochene Porzellan- oder Steingutgegenstände geschickt wieder zusammensetzte.

Ich selbst hatte bis vor wenigen Jahren einen Speisewärmer aus Keramik, der gebrochen war und vom Rastlbinder wieder kunstvoll zusammengesetzt und mit einem Drahtgeflecht überzogen wurde. Dieses Geflecht hielt das Stück dann wieder viele Jahre zusammen. Immer wieder wurde dieses "Kunstobjekt" (niemand mehr erkannte die Arbeit eines Rastlbinders) bei Tisch bewundert. Leider fiel das gute Stück zu guter Letzt der Gravitiation zum Opfer und war ein zweites Mal nicht mehr zu reparieren :(

dolasilla 21.05.2008 15:15

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von Huber
Definitiv ausgestorben halte ich den Beruf des Stubenmädchens. Bestenfalls ist er in irgendwelchen Berufsbildern von Hotelfachkräften aufgegangen.

Der Beruf des Stubenmädchens ist ganz sicher nicht ausgestorben. Wer macht denn die Betten, staubsaugt die Räume, putzt die Klos & Badezimmer etc... in all den Hotels, Pensionen, etc...?

Ich kenne selbst viele Frauen, die in Hotels als Stubenmädchen gearbeitet haben. Also definitiv als Stubenmädchen und nicht als Teil einer (anderen) Tätigkeit im Hotelfachgewerbe.

LG,
Dolasilla

cerambyx 21.05.2008 19:26

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von harry
Dann fällt mir noch der Rastlbinder ein. Ein fahrender Handwerker, der löchrige Kochtöpfe reparieren konnte (

Dank Harry sind mir Kesselflicker, Trankführer und Scherenschleifer eingefallen, die ich aber schon im Thread "Wer erinnert sich"angesprochen habe.
Da ich in den nächsten Tagen ein Fass von einem Dachboden "evakuieren" werde, fällt mir der "Fasslbinder" ein, der die Fässer nicht nur produziert, sondern auch regelmäßig gewartet hat. Mittels Holzschlägel und einem meißelähnlichen Gerät (kennt jemand den Namen?) wurden die Eisenreifen wieder um die zerlegten, mit heißem Wasser gewaschenen und gebürsteten Fassdauben (die gebogenen Bretter werden so bezeichnet) geschlagen.
Als Beweis, dass es den selten gewordenen "Binder" aber noch gibt, möge dieses Bild von einem Kreuz dienen, das ich erst kürzlich gefunden habe.

Es grüßt aus dem Steyrtal
Norbert

SAGEN.at 07.09.2008 17:07

AW: Untergegangene Berufe
 
Ein Beruf, der mir auch ausgestorben erscheint, ist der Feilenhauer:

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/Feilenhauer.jpg
Die Werkstätte eines Feilenhauers (gez. v. Alois Greil)
(Bildquelle: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band I, Wien und Niederösterreich, Wien 1886, S. 307)


F. X. von Neumann-Spallart schreibt dazu:
"Einer der Vorzüge, welcher dem Wiener Gewerbetreibenden zuerkannt werden muss, besteht in der Findigkeit, die sich häufig bis zum Erfindungsgeiste steigert und namentlich in der geschickten Ausbildung des Werkzeuges äußert. Daraus erklärt sich auch, dass die Anfertigung der Werkzeuge eine der besonders entwickelten Richtungen des Wiener Gewerbebetriebes darstellt. In vielen Fällen bis zur rationell eingerichteten "Fabrication" hinaufreichend, so z. B. bei den Werkzeugen für Holzbearbeitung, für Blechbearbeitung leisten aber selbst die nach ältestem Stile eingerichteten Werkstätten für die aktiven Hilfsmittel des Gewerbebetriebes noch immer Rühmenswertes. Ein Beispiel prägnantester Art hierfür sind die Feilenhauereien, deren heute noch in Wien eine große Zahl existiert. Diese Feilenhauereien, meist in den bescheidensten Räumen installiert, mit wenigen Arbeitern betrieben, liefern ein vorzügliches Produkt, das dem auf maschinellem Wege im In- und Auslande erzeugten noch immer Stand hält."
(Quelle: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Band I, Wien und Niederösterreich, Wien 1886, S. 307)

Wie also aus dem etwas umständlichen Text hervorgeht, gab es zu dieser Zeit sehr wohl schon maschinelle Feilenproduktion und trotzdem auch händische Feilenproduktion.

Das Bild lässt etwas interessantes erkennen: offenkundig werden hier die Feilenzähne eingehauen, daher wohl auch der Name "Feilenhauer".

Wolfgang (SAGEN.at)

gropli 07.09.2008 18:35

AW: Untergegangene Berufe
 
Grüezi

In manchen Kantonen der Deutschschweiz gab es den Beruf des „Hundestupfers“ (Hundeschupser). Diese hatten die Aufgabe streunende Hunde aus Wirtshäusern und Kirchen zu entfernen...

Gruss gropli

.

SAGEN.at 08.09.2008 00:18

AW: Untergegangene Berufe
 
Hallo Gropli,

der "Hundestupfer" ist tatsächlich ein extrem seltener Beruf.
Wurde dies hauptberuflich ausgeübt?

Wolfgang (SAGEN.at)

erzähler 08.09.2008 19:05

AW: Untergegangene Berufe
 
Also eine Berufsart, die untergegangen ist, waren die "Wagner"Sie haben also die Räder der Holzwägen gemacht und repariert, sie haben Holzgabeln für die Bauern gemacht, Rechen usw....

Aus einigen von ihnen wurden dann so in den 60er Jahren der vorigen Jahrhunderts die "Skierzeuger". Gar nicht wenige, aber von denen haben es dann auch nur wenige geschafft.

Erzähler

Berit (SAGEN.at) 08.09.2008 22:45

AW: Untergegangene Berufe
 
Fast ausgestorben ist der Beruf der "Rechenmacher", der jedoch wie viele andere Berufsbezeichnungen als Familiennname heute noch besteht. Im Mühlviertel dürfte es diesen Berufsstand noch geben, wenigstens einen...

Berit

SAGEN.at 08.09.2008 23:48

AW: Untergegangene Berufe
 
1 Anhang/Anhänge
Du meinst wohl diese (Holz-) Rechenerzeugung im Mühlviertel?

Wolfgang (SAGEN.at)

Berit (SAGEN.at) 08.09.2008 23:52

AW: Untergegangene Berufe
 
Bingo! :)

Berit

gropli 09.09.2008 08:56

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von SAGEN.at (Beitrag 7447)
der "Hundestupfer" ist tatsächlich ein extrem seltener Beruf. Wurde dies hauptberuflich ausgeübt?

Grüezi Wolfgang
Die Frage lässt sich nicht genau beantworten. Der Hundestupfer arbeitete jedenfalls im Auftrag der Obrigkeit. Obs ein Vollamt war, weiss ich nicht.

Mein Grossvater arbeitete noch als "Käfervogt". Er organisierte die regelmässige Sammlung der Maikäfer. Und vor allem rechnete er im Auftrag der Gemeindekasse mit den einzelnen Sammlern ab. Käfervogt war aber kein Beruf sondern ein Amt.

Gruss gropli

.

SAGEN.at 09.09.2008 14:12

AW: Untergegangene Berufe
 
Vielleicht ist auch der "Ohrenseifenbläser" von Interesse?

Ohrenseifenbläser demonstrierten auf Varietébühnen öffentlich die enorme Leistungsfähigkeit ihrer Luftkanäle im Kopf. Ein gewisser Mister Charles, der sich Erster Ohrenseifenbläser der Welt nannte, konnte mit den Ohren luftballongroße Seifenblasen erzeugen.
(Quelle: Rudi Palla, 1994, S. 223)

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 09.09.2008 14:15

AW: Untergegangene Berufe
 
Untergegangen erscheint mir auch der Beruf des "Sliemers" zu sein.

Sliemer fertigten, zum Beispiel in Wien und in italienischen Städten, bis ins 18. Jahrhundert Fenster aus ölgetränktem Papier an.
(Quelle: Rudi Palla, 1994, S. 311)

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 09.09.2008 14:25

AW: Untergegangene Berufe
 
Der Beruf des "Wassertrompeters" war schon immer untergegangen, da es diesen, entgegen verbreiteter Ansicht gar nicht gab.

Der Dichter Fritz von Herzmanovsky-Orlando, 1954 in Wien gestorben, vermeinte allerdings in einem Eisenbahnabteil der böhmischen Westbahn zwei solchen Wassertrompetern begegnet zu sein. Als der Zug mit einem Ruck anfuhr, sprang dem einen der etwas zu kleine chapeau melon vom Kopf und Herzmanovsky auf die Zeitung. In der nun folgenden Diskussion zwischen dem Hutlosen und dem Dichter entstand eine Diskussion um den Beruf des Wassertrompeters. "A Wassertrompeter is man doch von Geburt! Schon als Seigling! Ja schon im Mutterleibe!"

Schließlich stellte sich heraus, die beiden seien keine Wassertrompeter von Berufs wegen, sondern Einwohner der Ortschaft Wassertrompeten, Gerichtsbezirk Bischofteinitz, Gemeinde mit eigenem Statut in Westböhmen.
(Quelle: Rudi Palla, 1994, S. 355)

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 09.09.2008 14:27

AW: Untergegangene Berufe
 
"Fingerhüter" schlugen Fingerhüte mit stählernen Stanzen und Punzen aus Messing- oder Eisenblechstreifen mit freier Hand aus. Schon im Jahre 1373 werden zünftige Fingerhutmacher in Nürnberg werähnt.
(Quelle: Rudi Palla, 1994, S. 98)

Wolfgang (SAGEN.at)

Ulrike Berkenhoff 19.09.2008 20:39

AW: Untergegangene Berufe
 
In meiner Heimatstadt lebten 1719 : 900 Einwohner, davon Handwerker
in folgenden Berufen
1. stärkste Gruppe waren die Weber: 40 Leineweber, 28 Wollenweber
(man sagte auch Wandmacher
oder mundartl. Wüllner-Wollstoff wurde bis ins 16. Jht. nicht Tuch
sondern Wand, Gewand oder Laken genannt)
2 Strumpfweber
2. 30 Schuhmacher. Ohne Meisterstück sagte man wohl Schuster, ein
Flickschuster hatte das geringste Ansehen (wahrscheinlich reparierte
er nur u. fertigte keine neuen Schuhe an)
3. 14 Schreiner, evtl. gehörten Holzschuhmacher dieser Zunft an, denn bei
den Schuhmachern werden sie nicht erwähnt
4. 25 Bäcker
5. 8 Krämer
6. 8 Schlächter
7. 21 Schneider
8. 2 Glaser
1620/21 hatte die Stadt übrigens die Hälfte Bürger durch die Pest
verloren!
- Unter dem "Alten Fritz" (Preuß. König) gab es eine Zwangsmühle, dort
mußten die Leute ihr Getreide mahlen lassen, also gab es auch den Beruf
des Müllers (darüber gibt es die heimische Sage: Spuk in der Mühle)-
Viele Grüße von Ulrike!

SAGEN.at 29.11.2008 20:37

AW: Untergegangene Berufe
 
Wer hat vom Beruf des "fahrenden Glockengießers" gehört?

Josef Tremmel, Ein Glockenguß in Zell am Ziller 1631, in: Tiroler Heimatblätter, Heft 7/8, 1950, S. 102 -104:

"[...] ein Glockenguß am Ort seiner Bestimmung selber ist eigentlich keine gar so große Seltenheit. Die Schwierigkeit, große Glocken per Fuhrwerk oder Floß an sein Ziel zu bringen, wegen allzu weiter Entfernung des Bestimmungsortes, schlechter Wege dorthin, in unserm Falle auch die häufigen Ausbrüche des Zillers über sein Ufer, sowie auch der Freude darüber, dem Glockenguß beiwohnen zu können, waren Gründe dafür.

Man sprach früher von Gießern auf Wanderschaft, „fahrenden" Gießern. Diese verließen am Aschermittwoch ihre Heimat und kehrten erst auf Allerheiligen in die Heimat zurück. Wie die „fahrenden Sänger" und Vaganten des Mittelalters in den Burgen und adeligen Sitzen mit Vorliebe vorsprachen, so hatten die „fahrenden" Glockengießer Klöster und Stifte, Städte und größere Ortschaften zum Ziel ihres Besuches, um zu Arbeit zu gelangen. Berühmte Persönlichkeiten unter ihnen waren längst im vornherein bestellt und verpflichtet worden. Wenn dann zu Allerheiligen, wo manchmal schon gar kühle Winde wehen, die Heimkehr erfolgt war, wurde zur Winterszeit in der eigenen Gießstätte am Gusse großer prunkvoller Leuchter, am Guß eherner Taufbecken, Altarleuchten, Statuen und weltlichen Gebrauchsgegenständen gearbeitet, um am nächsten Aschermittwoch die Wanderfahrt neuerdings aufzunehmen.

Die alten Glockengießer gingen da gewissermaßen "auf die Stöhr", wie heute noch manchmal bei den Bauern der Schneider, Schuster, die Nahterin und andere Professionisten eine Zeitlang beim Bauern gewissermaßen ihr Zelt aufgeschlagen haben, nur mit dem Unterschied,, daß der Bauer es ist, der sie bittet, zu ihm ins Haus zu kommen,, indessen die alten Glockengießer sich selber mit ihren Diensten anboten.

In der nächsten Nähe der Kirche, oft im Friedhof, wurde die Gußstätte errichtet, in Städten auch manches Mal außerhalb der Stadtmauern.

War der Gießer bereits eine Berühmtheit und schon im vorherein bestellt worden, dann hatte man auch das nötige Material an Kupfer und Zinn bereits herbeigeschafft gehabt.

Oft wollten die Leute, vor allem die Glockenpatinnen noch eigens persönliche Opfer an Gold und Silber der Glockenspeise einverleiben, dann konnten sie ihre Gaben zum Guße — es herrschte ja sehr lange und bei manchen Leuten auch heute noch der Glaube, daß das Beifügen von Silber der Glocke einen extra schönen Ton verleihe — in ein Loch im Gußofen hineinwerfen, welches Loch aber nicht zur glühenden, brodelnden Gußmasse führte, sondern glatt ins Feuer darunter ging. Dort konnten es der Gießer mit seinen Helfern als nettes Trinkgeld aus der Asche heraus holen.

Über Durchmesser, Größe, Gewicht und Ton der Glocke hatte Dekan Stephan nichts in seinen Aufschreibungen hinterlassen. Heute würde uns das alles höchst interessieren. Wir können nach zwei Weltkriegen nicht einmal annehmen, daß von genannter Glocke noch etwas zu sehen oder zu finden wäre.

Ich bin überzeugt, daß auch manchen archivarischen Berichten, sowie aus Chroniken u. dgl. noch manchmal der positive Beweis gebracht werden könnte, daß am eigenen Heimatsort da oder dort eine Glocke in alter Zeit gegossen worden war."

Soweit Josef Tremmel 1950. Eigentlich eine sehr naheliegende Theorie, auch wenn ihm leider Beweise fehlen. Wer kennt dazu Hinweise?

Wolfgang (SAGEN.at)

Dresdner 01.12.2008 16:48

AW: Untergegangene Berufe
 
Wir sprechen hier immer von sehr alten Berufen, die untergegangen sind.
Aber auch mit der politischen Wende in Deutschland sind viele Berufsbilder verschwunden.
Einige wenige Beispiele dazu:
* Pionierleiterin - Fachschulabschluss
* Kulturwissenschaftler - Fachschulabschluss
* Diplomkulturwissenschaftler - Universitätsabschluss
* Ingenieurökonome verschiedener Fachrichtungen - Fachschulabschluss
* Diplomlehrer für das MLG - Universitätsausbildung in Leipzig in vier Studienrichtungen
* Diplomstaatswissenschaftler - Abschluß an Weiterbildungseinrichtungen der Parteien
* Diplomgesellschaftswissenschaftler - Abschluß an Weiterbildungseinrichtungen der Parteien
Dresdner

Ulrike Berkenhoff 01.12.2008 19:06

AW: Untergegangene Berufe
 
Bei uns gab es einen Glockenplatz, im Jahre 1660 aber erst der erste schriftl.
Beleg: Anthonius Paris aus Lotharingen, ein Klockengießer, so sich im Jahre
1660 allhie niedergeschlagen ...
Im Jahre 1906 schrieb ein Pfarrer über die Glocken unserer Heimat: "Altena:
Brandglocke, 15. Dez. 1660 zu Schwerte durch den aus Lothringen stammenden
Anth. Paris gegossen (dieser verstarb in Schwerte 1669)
1652 hat der gleiche Glockengießer eine Glocke für die Kirche in Deilinghofen
und 1662 eine für Hattingen gegossen.
Man nimmt an, daß der auswärtige A. Paris gerufen wurde, um in der
bereits vor Ort (Schwerte/Ruhr/Westfalen) bestehenden Gießerei zu arbeiten.
Eine zerborstene große Kirchenglocke (St.Viktor) wurde von einem in Soest
ansässigen Glockengießer namens Stühl vor Ort umgegossen. Er arbeitete
in Schwerte daran vom 19. Aug. bis St. Andreas (30. Nov.). 1732?
Insgesamt sind die Nachrichten spärlich. Meine Infos stammen aus einem
kleinen Heft unseres Heimatmuseums von 1942.
Viele Grüße von Ulrike

Dresdner 01.12.2008 20:33

AW: Untergegangene Berufe
 
Aus Wietzendorf in der Lüneburger Heide wird berichtet:
Zitat:

Ferner zählt die St.-Jacobi-Kirche zu Wietzendorf zu den Sehenswürdigkeiten
der Gemeinde. Sie wurde 1876 im neugotischen Stil errichtet.
Den aus Holz erbauten Kirchturm von 1746 hat man wieder benutzt. Er trägt
drei große Glocken. Die älteste Glocke wurde 1564 von einem durchreisenden
Glockengießer gegossen.
Dresdner

Dresdner 01.12.2008 20:59

AW: Untergegangene Berufe
 
http://www.ihff.de/ schreibt zum fahrenden Glockengießer:
Zitat:

Angelsächsische Mönche brachten im 5. Jahrhundert die Glockengießerkunst aus Nordafrika nach Europa.
Im 13. Jahrhundert ging die Fertigung von Glocken dann auf weltliche Handwerker über. ...
Nach 3-jähriger Lehrzeit mußte der Geselle weitere 3 Jahre auf Wanderschaft gehen, bevor er Meister werden konnte. Da es lange Zeit unmöglich war, Glocken wegen ihres Gewichtes zu transportieren, erfolgten Formherstellung und Guß vor Ort. Die Auftraggeber sorgten für Unterkunft und Verpflegung, Material und Zubehör.
Dresdner

volker333 26.01.2009 01:37

AW: Untergegangene Berufe
 
Hallo,
ich habe die Tage was interessantes in diesem Zusammenhang gefunden.
In einem Nachbarort, heute Kleinstadt arbeiteten etwa 1850:
-425 Landwirte
-17 Adlige
-28 Förster
-? Jäger
- 43 Gerichtsleute
- ? Notare
- 24 Hofleute
- ? Büttel (Gerichtsdiener)
- ? Boten
- 79 Knechte
- ? Tagelöhner
- 33 Müller
- 7 Bäcker
- 37 Steinmetzen
- ? Maurer
- 22 Schmiede
- ? Schlosser
- 16 Erzgräber
- 6 Soldaten
- 27 Schuster
- 7 Schreiner
- ? Tischler
- 10 Küfer
- 1 Seeler
- 1 Schuldiener
- 1 fürstlicher Strohschneider :kopfkratz
- 1 Rothgerber
- 1 Scherenschleifer
- 1 Hutmacher
- 18 Glasmacher
- 1 Hintersasse :kopfkratz
- 2 Dreher
- 1 Schürer :kopfkratz
- 2 Papierer
- 2 Puddler
- 378 Bergleute Prost
- 51 Verwaltungsbeamte
- 24 Meyer
- ? Heymeier (Gehilfe des Bürgermeisters)
- 5 Uhrmacher
- 35 Pfarrer
- 34 Lehrer
- 13 Wagner
- 11 Zimmerleute
- 25 Fuhrleute
- 1 Tabellion :kopfkratz
- 1 Eremit
- 20 Schneider
- 1 Postmeister
- 2 Wirte
- 1 Balgmacher
- 5 Metzger
- 1 Nachtwächter
- 3 Gerber
- 1 Landmesser :stolzbin:
- 1 Drucker
- 4 Kaufleute
- 12 Holzhauer
- 2 Blaufärber
- 1 Leyendecker :kopfkratz
- 2 Sattler
- 6 Schiffer
Die Liste macht lediglich eine Aussage über die Vielseitigkeit der Berufe und damit die soziale Struktur. Es können keine Prozentzahlen abgeleitet werden, da bei 2/3 der familienkundlichen Angaben (Kirchbücher und Standesamteinträge) die Berufsbezeichnung fehlt.

Also es sind einige Berufe dabei über die ich mich noch schlau machen muss. Oder weiß jemand, was ein Tabellion macht? Das gleiche Problem habe ich bei Hintersasse und Leyendecker.
Und wo sind eigentlich die Frauen(berufe)? :Fluester: :bistjaliab:

Volker

SAGEN.at 26.01.2009 22:53

AW: Untergegangene Berufe
 
Hallo Volker,

vielen Dank für die interessante Liste, die neben den offenkundig vielfach ausgestorbenen Berufen auch ein Bild auf die Sozialstruktur dieses Ortes wirft. Da gibt es ja tatsächlich eine ziemlich spannende Vielfalt.

Unklar ist mir neben Deinen Anmerkungen auch der Beruf des "Seelers", des "Puddlers" und der Beruf des "Meyers" (Molkerei?) ?

Erstaunlich erscheint mir auch die feine Differenzierung zwischen "Erzgräbern" und "Bergleuten".

Bemerkenswert weiters die hohe Anzahl an Glasmachern und die niedrige Beschäftigungsanzahl im Bereich Postwesen, diesen Bereich hätte ich gerade um 1850 wesentlich wichtiger eingeschätzt.

2 Wirte ist auch nicht gerade viel für so eine emsige Stadt...

Wolfgang (SAGEN.at)

dolasilla 27.01.2009 12:19

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von volker333 (Beitrag 8489)
Und wo sind eigentlich die Frauen(berufe)? :Fluester: :bistjaliab:
Volker

Möglichkeit 1)
Im Nachbarort gab es um 1850 gar keine Frauen.
Höchst unwahrscheinlich.

Möglichkeit 2)
Im Nachbarort gab es um 1850 zwar Frauen, aber sie arbeiteten nicht.
Ebenfalls höchst unwahrscheinlich.

Möglichkeit 3)
Im Nachbarort gab es um 1850 Frauen, und diese arbeiteten auch, allerdings unbezahlt und deswegen scheinen sie in der Liste nicht auf.

Höchst wahrscheinlich.

Zu den unbezahlten Arbeiten gehören u.a. Essen kochen, Tiere versorgen, Kinder kleiden, ernähren und großziehen, usw usf (alles Weiberkram, mit dem sich Männer üblicherweise nicht so gern abgeben, weil eben unbezahlt).

Möglichkeit 4)
Im Nachbarort gab es um 1850 Frauen, die zusätzlich zu unbezahlter Arbeit auch einer bezahlten Arbeit nachgingen, z.B. als Weberinnen, Färberinnen, Wirtinnen, Hutmacherinnen, Dachdeckerinnen, Tagelöhnerinnen, Schneiderinnen, Lehrerinnen, Uhrmacherinnen, Kaufladen-Besitzerinnen usw usf.

Ebenfalls höchst wahrscheinlich.

Warum all diese Frauenberufe dann nicht auf der Liste aufscheinen? Doch, das tun sie, aber die Frauen dürfen sich bei Begriffen wie „Hutmacher, „Lehrer“, „Weber“, „Schneider“, „Müller“, „Uhrmacher“ mitgemeint fühlen - sie wurden also durch konsequentes Nicht-Benutzen von gerechter Sprache unsichtbar gemacht.

Wie in diesem Forum übrigens auch: Würden aufmerksame Menschen eine Analyse über www.forum.sagen.at durchführen, kämen sie zu dem Ergebnis, dass hier keinerlei Frauen vorhanden sind. Warum? Die aufmerksamen Menschen sehen die Profile hier durch und - ungeachtet dessen, dass hier etliche Frauen schreiben – finden sie lediglich Begriffe wie „Administrator“, „Benutzer“ o.ä. Die aufmerksamen Menschen ziehen daraus also den Schluss: Hier gibt's offenbar keine Frauen – ganz genau wie Volker es bei der Berufsliste aus dem Jahr 1850 folgert.

Bei dieser sehr speziellen Art der Geschichtsforschung- und -schreibung werden Frauen und ihre Leistungen ignoriert und der Anteil der Frauen an der gemeinsamen Geschichte übersehen: Frauen bleiben unsichtbar. Weil sie erstens sprachlich nicht miteinbezogen werden und zweitens ihre Geschichte männlichen Historikern und Forschern häufig schlichtweg zu unwichtig erscheint, um die Frauen überhaupt zu erwähnen.

Weiters hält dieser selektive Blick starr an männlichen Lebensentwürfen als Norm, die als Maßstab für alle gilt, fest - und übersieht dabei, dass alles, was Frauen geleistet haben - egal, ob sie Tagelöhnerinnen, Wirtinnen, Künstlerinnen oder ganz was anderes waren - nur im ständigen Widerstand gegen die konventionelle Auffassung der Rolle als Frau möglich war. Eine Rolle, die sie - im Unterschied zu Männern - zwang, ihren Aktivitäten zusätzlich zu ihren Pflichten wie Haushaltsführung, Versorgung und Ausbildung der Kinder u.v.m. nachzukommen.

Volkers Beispiel zeigt - obwohl das vermutlich nicht seine Absicht war – sehr deutlich, wie schwierig es für Frauen damals und auch heute noch ist, als Akteurinnen in von Männern fixierten und tradierten Quellen aufzuscheinen.

LG,
Dolasilla

PS: In meinem Profil hier steht „Erfahrener Benutzer“ - was unmöglich stimmen kann. Ich plane auch keine geschlechtsumwandelnde Operation.

gropli 27.01.2009 12:38

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von dolasilla (Beitrag 8505)

Bei dieser sehr speziellen Art der Geschichtsforschung- und -schreibung werden Frauen und ihre Leistungen ignoriert und der Anteil der Frauen an der gemeinsamen Geschichte übersehen: Frauen bleiben unsichtbar. Weil sie erstens sprachlich nicht miteinbezogen werden und zweitens ihre Geschichte männlichen Historikern und Forschern häufig schlichtweg zu unwichtig erscheint, um die Frauen überhaupt zu erwähnen.

Weiters hält dieser selektive Blick starr an männlichen Lebensentwürfen als Norm, die als Maßstab für alle gilt, fest - und übersieht dabei, dass alles, was Frauen geleistet haben - egal, ob sie Tagelöhnerinnen, Wirtinnen, Künstlerinnen oder ganz was anderes waren - nur im ständigen Widerstand gegen die konventionelle Auffassung der Rolle als Frau möglich war. Eine Rolle, die sie - im Unterschied zu Männern - zwang, ihren Aktivitäten zusätzlich zu ihren Pflichten wie Haushaltsführung, Versorgung und Ausbildung der Kinder u.v.m. nachzukommen.

Volkers Beispiel zeigt - obwohl das vermutlich nicht seine Absicht war – sehr deutlich, wie schwierig es für Frauen damals und auch heute noch ist, als Akteurinnen in von Männern fixierten und tradierten Quellen aufzuscheinen.

LG,
Dolasilla

PS: In meinem Profil hier steht „Erfahrener Benutzer“ - was unmöglich stimmen kann. Ich plane auch keine geschlechtsumwandelnde Operation.

Lieber Dolasilla, darf ich aus deinen Äusserungen schliessen, dass du kein Mann bist? :nixweiss:

Gruss gropli

.

dolasilla 27.01.2009 12:59

AW: Untergegangene Berufe
 
Zitat:

Zitat von gropli (Beitrag 8506)
Lieber Dolasilla, darf ich aus deinen Äusserungen schliessen, dass du kein Mann bist? :nixweiss:
.

Das hast du jetzt aber ganz scharfsinnig erkannt ;)

LG,
Dolasilla (eine erfahrene Benutzerin)

alterego 01.02.2009 20:04

AW: Untergegangene Berufe
 
Mein Vater war ein "Jünger Gutenbergs", will heißen, er erlernte den Beruf des Schriftsetzers.

Dieses Handwerk ist mit der zunehmenden Computerisierung verschwunden,
genauso wie sein Zugang zu dem Beruf, zu dem er sich
spätere entwickelte.
Auch als diplomierter Graphiker war es reine Handarbeit
in der seine Entwürfe entstanden.
Etwas was heutige Graphiker nicht mehr zuwege bringen. :nono:

Dresdner 02.02.2009 15:38

AW: Untergegangene Berufe
 
Zum Thema ist das Buch "Die verschwundene Arbeit" wieder erhältlich.
Infos mit Bildstrecke unter: http://www.parthasverlag.de/
Dresdner

Rabenweib 23.04.2009 07:25

AW: Untergegangene Berufe
 
Mein Großvater war Sensenschmied, hat am Schmiedehammer des "schwarzen Grafen" hier im Ort gearbeitet und Sicheln, Sensen und Gabeln gemacht.

Meine Großmutter war Magd am selben Hof, wusch das Pferdegeschirr der Kutschen die das Eisen vom Erzeberg brachten und war zuständig für Milchausgabe an die Leute die sich in Kannen früher die Milch noch jeden Tag holten. Sie hat auch die vielen Kühe noch mit der Hand gemolken.
Dafür bekam unsere ganze Familie gratis Milch und Fleisch.

Später hat Opa als Holzknecht unter den Rothschilds gearbeitet.
Er ist noch mit dem "Goaßschlitt`n" gefahren, mit dem das Holz transportiert wurde, hat die Rinden der Bäume mit einem "Sappe`l" abgeschält und roch immer gut nach Baumharz wenn er nach Hause kam.

Auch meine andere Oma war Magd auf verschiedenen Höfen, da sie in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, wurde sie von einem Bauern zum anderen "weiter gereicht" und musste immer hart arbeiten. Der Lohn für zwei Jahre Arbeit auf einem Hof in Seeburg im Ybbstal war ein Fahrrad.
Sie hatte das getragene Gewand der Altbäurin zu tragen. Nicht selten gab es sexuelle Übergriffe des Bauern auf die Mägde, wurde eine schwanger, wurde sie meist vom Hof vertrieben oder umgebracht. Auch Beziehungen unter den Mägden und Knechten waren nicht erwünscht. Zog eine Magd oder ein Knecht an einen anderen Hof, passte sein ganzes Hab und Gut in eine hölzerne Kiste. Solche Kisten findet man heute noch oft bei Altwarenhändlern, innen steht oft noch das Datum am Deckel.

In Waidhofen gab es in der Stadt früher einen Nachtwächter.
Für Touristen werden deshalb heute noch in Waidhofen Nachtwächter-Führungen angeboten.

Sonja (Erfahrene Benutzerin)

cerambyx 09.09.2009 12:11

AW: Untergegangene Berufe
 
Beruf Schindelhacker - auf die Frage von far.a zum Bild Radlberger Alm - Schindeldach (1) bezüglich Haltbarkeit:

Die gehackten (so sagt man hier bei uns in OÖ) Schindeln halten besser, weil sie der Holzfaser folgen, die beim Schnitt durchtrennt werden und so dem Wasser vermehrt Angriffsfläche bieten, weil sie sich aufstellen, wenn sie nass werden (Wer ein Fichtenbrett lackiert, weiß, dass man dann "drüberschleifen" muß, um die "Borsten" wegzubekommen!)
Es wird bei uns zwischen Brett- und Spanschindel unterschieden. Das "Brettl" wird jeweils vom Mittelpunkt des Stammstücks aus gehackt, der "Span" parallel zum Mittelpunkt ... und wer jetzt fragt was die bessere Schindel ergibt? Da sind sich auch die Schindelhacker nicht einig ....

Anregung: Bei meinen Bergfahrten konnte ich verschiedene Arten der Deckung (Einfach, zweifach, lange und kurze Schindel, geformte Kleinschindel....) beobachten. Vielleicht könnten wir entsprechende Bilder sammeln bzw. bereits vorhandenen Bildern das Schlagwort "Schindel" zuordnen (nicht "Schindeldach", weil ja auch Hauswände geschindelt wurden und werden ...)

LG Norbert

Dresdner 09.09.2009 15:54

AW: Untergegangene Berufe
 
Nur als Anregung: könnte man das Kapitel untergegangene Berufe nicht auch alphabetisch ins Lexikon übernehmen? Das wäre bestimmt eine sinnvolle Auflistung, zudem, wenn man sie ergänzen könnte.
Dresdner

SAGEN.at 09.09.2009 16:31

AW: Untergegangene Berufe
 
Hallo Dresdner,

super-Idee! Danke!

Werde ich in den nächsten Tagen umsetzen!

Wolfgang (SAGEN.at)

Ulrike Berkenhoff 10.09.2009 09:51

AW: Untergegangene Berufe
 
Einen Nachtwächter haben wir neuerdings wieder (allerdings nur für
touristische Altstadtführungen). Auch Frauen sind dabei aktiv, dies war
sicherlich früher nicht möglich! - Es gab auch Berufe der "Schieferverarbeitung",
denn viele Häuser z.B. im Bergischen Land waren damit verkleidet. -
Besenbinder und Bürstenmacher kenne ich noch aus einer Werkstatt für
Blinde, früher kamen sie von Haus zu Haus, die Ware zu verkaufen (hervor-
ragende Qualität). Der letzte Korbflechter hat auch vor einiger Zeit sein
Ladengeschäft geschlossen. - Dies so meine Erinnerungen, viele Grüße von
Ulrike

cerambyx 10.09.2009 10:26

AW: Untergegangene Berufe
 
Hallo Ihr Alle!

Gibt es den "Moorstecher" noch irgendwo? Bekam gerade ein Buch zur "internen Rezension", da ist dieser Beruf aufgeführt ...

Aus Reinhold Gayl, Fazination Moor, Lebensraum und Kultur, öbv&hpt, Wien (kurzgefaßt mit eigenen Worten):
früheste Torfstiche und Werkzeugfunde sind bereits um 800 v.Chr. datiert, die beginnende Holzknappheit durch Erzverhüttung und Glasindustrie bewirkte stärkeren Torfabbau im Mittelalter, 1658 kam ein "Torflehrbuch" von Martin Schook heraus. Anwendungen als Brenntorf zum Malzdarren, Branntwein-Destillation, Glasschmelze, Salz- und Seifensieden, sogar als Brennstoff für Lokomotiven (! um 1830) wurde er vorgeschlagen!
Mit dem Spaten wuren viereckige Löcher senkrecht ausgestochen, der Torf zu Ziegeln geschnitten, den "Torfsoden", die einen Sommer lang gedörrt wurden (auf Trockengestellen, auf Stangen gesteckt, ...)
Der tiefer liegende "Schwarztorf" wurde mit Wasser getränkt und "gepettet", also gestampft, um das Überschußwasser wieder herauszubekommen. Erwachsene taten dies mit Holzschuhen, die Kinder barfüßig ...
Akkordarbeit war auch hier scheinbar schon Mode: bis zu 12.000 Torfziegel wurden von einem 4-er-Team pro Tag gefördert.

Wie komm' ich zu dem Buch: Bei uns im Nationalpark Kalkalpen gibts einige Moore, von denen auch Pollenanalysen vorliegen, mittels derer die Vegetation ab der Eiszeit bestimmt werden konnte ... daher das Interesse am Moor-Thema. Ein Moor wurde dabei auch als Themenweg gestaltet - Orchideenwiese pur!

Liebe Grüße
Norbert

Ulrike Berkenhoff 10.09.2009 16:55

AW: Untergegangene Berufe
 
Torfstecher war der Vater einer Freundin! Nach dem Krieg kam die Familie
aus dem Norddeutschen ins Ruhrgebiet, es gab "bessere" Arbeit in der
Fabrik, eine Wohnung in der Arbeitersiedlung. Diese Wohnungen hatten
2 Zimmer: Wohnküche u. Schlafzimmer. Waschhäuser und Plumpsklos draußen
(dieses Thema hatten wir schon mal). Natürlich nur Kaltwasser und Kohleherd
oder -ofen (im Wohnraum). Bescheidene Verhältnisse! Aber vielen ging es nicht
besser. - Viele Grüße von Ulrike


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