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SAGEN.at 07.07.2007 19:38

Dinge des Verschwindens?
 
Wer erinnert sich an Dinge, die aus unserer Lebenswelt verschwinden?

"Das können ganz unspektakuläre Dinge sein, eine bestimmte Bewegung, eine Geste der Höflichkeit, eine von Not erfundene Speise, Markenartikel und unterschiedliche Dienstleistungen und natürlich all die technischen Geräte." So beginnt das "Kleines Glossar des Verschwindens. Von Autokino bis Zwischengas. Lauter Nachrufe.", herausgegeben von Andrea Köhler, München 2003.

Welche Dinge des Alltags fallen Euch ein, die verschwinden oder schon verschwunden sind?

Wolfgang (SAGEN.at)

Alexander 07.07.2007 20:40

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Wolfgang,

als erstes fallen mir dazu die Compact Cassetten ein. Im Handel scheinen sie komplett von den CDs verdrängt worden zu sein, und auch im Privaten verschwinden sie zusehends. Zeitgleich verschwindet natürlich auch der allseits beliebte Bandsalat. ;)

Viele Grüße, Alexander.

Ps.: Das Wort "Bandsalat" selbst steht übrigens seit 2006 in der Liste der aussterbenden Wörter.

SAGEN.at 07.07.2007 21:45

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Alexander,

die "Compact Cassetten" und der "Bandsalat" sind sehr schöne Beispiele! Ich erinnere mich noch an die orangen Cassetten von BASF, die gabs als C60 und als C90, also mit 60 Minuten (=2x30 Minuten) und 90 Minuten (=2 x 45 Minuten). Irgendeine Marke gab es auch in grün.

Der Bandsalat war immer eine Aufregung, galt es doch die kostbare Cassette zu retten. Es war immer eine Wuzelei aus dem Gummirad und so einem Stäbchen, die eigentlich fast immer den Bandsalat ausgelöst haben. Das gerettete - aber meist zerknitterte Band - war halt dann leider bei späteren Abspielungen eine besonders gefährdete Stelle für neuen Bandsalat.

Wolfgang (SAGEN.at)

harry 07.07.2007 22:25

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Wer verwendet noch eine mechanische Schreibmaschine? - Ich habe jedenfalls schon lange keine mehr gesehen.

Einen Nudelwalker aus Holz zu kaufen war mir unlängst nicht möglich. Alles Plastikware in Zwergerlgröße für den "Single-Haushalt". Ein Bekannter erbarmte sich meiner und drechselte mir einen.

siegi 07.07.2007 22:37

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Weil Harry einen Nudelwalker anführt, fällt mir das Nudelbrett ein. Weiter ein sogenanntes Stopfschwammerl oder Stopfholz. Wer kennt das noch? Strickliesl für Kordeln machen. Da wird mir noch so einiges einfallen.

In Klagenfurt gibt es ein Geschäft, in dem man sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt. Ein Eisenwarenhandel der alten Schule. Alles was man sonst nirgends mehr bekommt, dann heißt es geh zum .............. :)

siegi 07.07.2007 22:48

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Wäre ein interessantes Fotothema, Gegenstände des alltäglichen Lebens vor 1970 :)

Oder "Es war einmal"

SAGEN.at 08.07.2007 00:02

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zur von Harry beschriebenen Schreibmaschine gibt es einen kleinen essayistischen Text "Meine Schreibmaschine" auf SAGEN.at, den ich aus technikgeschichtlichen Gründen sehr interessant erachte. Bei diesem Text - dieser ist nun fast 100 Jahre alt - ist es übrigens ganz interessant, wenn man das Wort Schreibmaschine beim Lesen durch ein sonstiges technisches Gerät (zB PC) ersetzt.

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 08.07.2007 00:14

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Siegi,

Zitat:

Wäre ein interessantes Fotothema, Gegenstände des alltäglichen Lebens vor 1970
ich habe Deinen Vorschlag in der Fotogalerie soeben umgesetzt:
Alltagstechnik vor 1970

Bin schon sehr gespannt, was kommen wird?

Wolfgang (SAGEN.at)

SAGEN.at 08.07.2007 00:47

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Siegi,

Zitat:

In Klagenfurt gibt es ein Geschäft, in dem man sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt.
Da habe ich vor 2 Jahren in Hamburg ein witziges Geschäft entdeckt. Das ist eigentlich eine große Kette, die es zwischenzeitlich auch in Österreich und der Schweiz gibt, die sozusagen die besten Produkte des 19. und 20. Jahrhunderts nachbaut. Dort habe ich mir dann einen Katalog gekauft, der schon aus ethnologischer Sachkulturforschung eine nette Lektüre ist. Wenn die Angaben in dem Katalog stimmen, sucht dieser Anbieter in entlegendsten Regionen noch alte Fabriken, die dann in deren Auftrag mit Originalwerkzeugen und den ursprünglich verwendeten Rohstoffen wieder die Produktion aufnehmen.

Die hatten z.B. die schönen Bakelit-Lichtschalter - das sind die Schalter in weiß und dunkelbraun, die so voll und kräftig "Klack" gemacht haben - in wunderbaren Nachbauten. Die hatten eine schöne Spielwand mit diesen Schaltern... Grad' dass sie nicht noch einen "Stromspion" (Zweifachverteiler an der Glühbirne) hatten :)

Übrigens bieten die auch eine schöne mechanische Schreibmaschine um ca 500 Euro an.

Der Trend zu "guten Dingen" (der Werbeslogan dieser Kette) scheint also zwischenzeitlich wieder so gross zu sein, dass größere Unternehmen damit ziemlich gut leben können.
Trotzdem, und das ist für mich der negative Haken an der Sache, wäre mir persönlich Regionalhandel lieber, als tausende LKW-Fuhren von und zur Logistik von Großanbietern.

Wolfgang (SAGEN.at)

volker333 08.07.2007 22:00

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Wolfgang,
zu dem Thema fällt mir spontan meine alte Super-8 Kamera ein, die im Schrank verstaubt. Filme und Entwicklung gibt es wohl gar nicht mehr. So wird es wohl auch mit den alten Tonbändern und irgendwann auch mal mit den mechnanischen Kameras sein.
Im untertägigen Bergbau darf zulassungsbedingt (schlagende Wetter) nur mit mechanischen Instrumenten gemessen werden. Über Tage wird natürlich mit elektronischen Instrumenten gemessen. Stirbt der u.T. Bergbau stirbt auch diese Art der Vermessung und die speziellen Kenntnisse darüber.
Selbst alte Darstellungen (Risse) lassen sich heutzutage nur noch schwer deuten, weil mit uns fremden Maßen gemessen wurde. (Lachter, Klafter,Rute)
Gerade wenn ich an den Bergbau denke, fallen mir etliche Dinge ein, die für immer in Vergessenheit geraten werden. Vor einigen Jahren wurde bei uns ein Schacht verfüllt, der eine der wenigen noch erhalten alten Fahrkünste enthalten hat. :smi_mitha Hab leider zu spät davon erfahren, sonst hätt ich was dagegen getan. Aber zu ist zu.:smi_ersch
Früher sprach man noch von Künsten. (Wasserkunst, Fahrkunst)
Wer heute von Kunst spricht, denkt an Malerei und Musik aber meist nicht an alte Handwerkskunst. Viele Berufe sind weggefallen. Ich denke da auch an die alten Explorateure, die über Land zogen und Kenntnisse hatten und auf Dinge achteten, die vollkommen in Vergessenheit geraten sind. Wer sieht schon einem kleinen Bachlauf an, dass das Gebirge in der Umgebung Kupfer enthält? Wer weiß noch von der Möglichkeit Pflanzen als Anzeiger für Bodenschätze zu nutzen? Ich glaube viele Sagen sind auch aus Nichtwissen bzw. Halbwissen entstanden.
Ein alter Bergmann hat mir erzählt, dass er als junger Mann einmal fast von einem herabbrechenden Fels erschlagen worden wäre. Er konnte sich nur noch mit einem beherzten Sprung hinter den Holzausbau retten. Die alten Bergleute fingen an zu lachen und sagten: " Eh Kleiner, hast wohl Angst zu sterben?" "Das war der Grubenkarl."-->Sage
Dann zeigten sie ihm, wie man das Gebirge mit einem Stock abklopft und die losen Steine am Klang erkennt und fachmännisch löst. Zum Glück nicht zu spät.
Übrigens, wer kennt den sogenannten "Klanghammer"? Kenne ihn nur vom Erzählen.
Sorry, war vielleicht etwas zuviel auf einmal aber das Thema ist sehr gut.:smi_dafue
Gruß Volker

harry 08.07.2007 22:48

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von volker333
Sorry, war vielleicht etwas zuviel auf einmal aber das Thema ist sehr gut.

Solche Geschichten, noch dazu vom Fachmann (!) können nie zuviel sein. Vielleicht könntest Du noch erklären, was eine "Fahrkunst" im Bergbau ist :headscrat

Ja, und meine Super-8-Ausrüstung verstaubt auch irgendwo vor sich hin ;)

volker333 08.07.2007 23:47

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Hallo Harry

Fahrkunst:
Ist eine Erleichterung beim Einfahren in einen Schacht.
Zwei Stangen (jede Stange besteht aus mehreren verbundenen Hölzern die insgesamt so lang sind wie der Schacht tief ist) werden durch Wasser- oder Dampfkraft auf und ab bewegt. Etwa 2-3 m bei jedem Hub. Hebt sich die eine Stange so senkt sich die andere. Dabei wird die Drehbewegung eines großen Rades in eine Auf- und Abbewegung umgesetzt.
Im Abstand des Hubes befinden sich Trittbretter.
Du steigst auf das erste Trittbrett und wirst 2-3m hinabgefahren. Nach jedem Hub stehen die Stangen für ein paar Sekunden still. Währendessen steigst du auf die andere Stange neben dir. Diese bewegt sich jetzt nach unten. Umsteigen- weiter- umsteigen-weiter.
Es gibt noch Nachbauten von Fahrkünsten. Habe selbst mal eine im Harz gesehen. Allerdings leider noch nicht selbst befahren.

Hört sich abenteuerlich an, ist es bestimmt auch gewesen. Aber besser als mit Fahrten (bergmännische Ausdruck für Leitern) in den Berg zu kommen.
Die Fahrkunst herzustellen, im Laufen zu halten und dafür zu Sorgen, dass sie auch störungsfrei läuft, war sicher eine Kunst, die hoch geachtet wurde, hing doch auch dein Leben daran. Direkt damit verbunden war auch die Wasserkunst. Das Herleiten und Vorhalten von Wasser für die Betreibung der Fahrkunst. Ich habe selbst mal in Rheinland-Pfalz (Fischbach) den Verlauf einer oberirdischen künstlich angelegten Wasserzuleitung für eine Fahrkunst erkundet. Die haben sich nicht gescheut Tunnel zu graben und am Hang entlang Gräben auszuhauen und dabei immer das Gefälle im Auge behalten.
Kann ich nur sagen Hut (Helm) ab.
Wirkliche Künstler.
Gruß Volker

Ulrike Berkenhoff 09.07.2007 22:47

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Ist das "Arschleder" auch verschwunden? Dies fragt sich Ulrike

siegi 09.07.2007 22:59

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von volker333

Fahrkunst:
Ist eine Erleichterung beim Einfahren in einen Schacht.


Immer wieder interessant, die oft verwirrenden Fachausdrücke oder Berufssprache der verschiedenen Berufsgruppen. Besonders der Bergbau ist für Laien ein Buch mit sieben Siegeln :)

volker333 09.07.2007 23:10

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
Ist das "Arschleder" auch verschwunden? Dies fragt sich Ulrike

Hallo Ulrike,
nana, solch böse Worte in dem Mund einer Frau.:floet:
Das Arschleder gibt es noch und wird vereinzelt auch noch getragen. Insbesondere in steilen Bereichen, wo man besser auf dem Hintern :floet: rutscht, als auf seinen Füßen zu gehen.
Das Arschleder wurde vor 20-30 Jahren häufiger als Ehrengeschenk mißbraucht.
Dabei wurde auf das Leder der Ehrenanlass und natürlich der zu Ehrende vermerkt. Das Ganze farbig ausgestaltet und feierlich überreicht.
Habe auch ein solches in irgendeiner Schublade liegen. (Hab ich zu meinem Einschulung bekommen. Quatsch. Hätte mir aber einige Schmerzen erspart.)
Hat ein Vorfahre von mir geschenkt bekommen.
Fazit:
Arschleder --> absolut rote Liste

Gruß Volker

volker333 09.07.2007 23:14

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von siegi
Immer wieder interessant, die oft verwirrenden Fachausdrücke oder Berufssprache der verschiedenen Berufsgruppen. Besonders der Bergbau ist für Laien ein Buch mit sieben Siegeln :)

Hallo Siegi,
zum besseren Verständnis. Ein Bergmann geht nicht ein Bergmann fährt.
Auch wenn er geht. :smi_mitha
Ein Bergmann fährt in die Grube.
Es gibt in der Grube den Fahrweg. (Fußweg)
Fährt ein Bergmann in der Grube mit einer Lokomotive oder mit dem Band fährt er auch. --> Ein Bergmann fährt immer, außer er liegt.:smi_im_be
Gruß Volker

siegi 09.07.2007 23:28

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Lederherzln auf Westen als Ellenbogenschutz sind kaum mehr zu sehen. Gänzlich verschwunden scheinen die Ärmelschoner. Ein Lehrer von mir war der Letzte, den ich mit den Dingern gesehen habe.
In der Metallbearbeitung sind die Schweißelektroden nur mehr selten im Gebrauch. Auch das Punktschweißen ist verschwunden.

mina 10.07.2007 14:57

AW: Dinge des Verschwindens?
 
die lederherzen auf den westen hatte mein gastvater in irland ... und punktschweißen hab ich noch während meinem eben abgeschlossenen lehrgang lernen müssen :smi_heult

geschichtenerzählende großeltern werden immer seltener ... die schwarzbeerriffel ist auch fast nicht mehr zu sehen ... die guten alten holzrodeln werden auch langsam aber sicher durch bobschlitten oder rennschlitten ersetzt ...

harry 10.07.2007 20:18

AW: Dinge des Verschwindens?
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von mina
... die schwarzbeerriffel ist auch fast nicht mehr zu sehen ...

Vor wenigen Tagen sah ich in der Haushaltsabteilung eines großen Möbelhauses (in der Haushaltsabteilung bei den Küchengeräten und nicht in der Dekorationsabteilung!) Schwarzbeer-Riffeln. In Wien 22.
Ich hab' nicht schlecht gestaunt und die Verkäuferin gefragt. Sie antwortete mir, dass sie jetzt in der Urlaubszeit "sehr gut gehen".

In meiner Küche oft und gerne verwendetes, allerdings auch schon aussterbendes Gerät ist der Mörser. Der große für frische Kräuter, Pesto und ähnliches, der kleine für getrocknete Gewürze, wie etwa Nelkenpulver

Ulrike Berkenhoff 10.07.2007 22:32

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Was ist bitte "Schwarzbeerriffel"? - Danke im voraus! Ulrike

harry 11.07.2007 00:05

AW: Dinge des Verschwindens?
 
1 Anhang/Anhänge
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
Was ist bitte "Schwarzbeerriffel"? - Danke im voraus! Ulrike

Das ist eine kleine (etwa 12 cm x 20 cm), oben offene Holzkiste. Der Boden besteht aus parallelen Drähten, die in 3 bis 5 mm Abstand angebracht sind und an einer Schmalseite, die ebenfalls offen ist, einen Kamm bilden. Oben ist noch ein Handgriff angebracht.
Diese Riffel oder auch Raffel wird als Pflückgerät für Schwarzbeeren oder Granten (Preiselbeeren, Moosbeeren) verwendet: Man fährt damit durch den Beerenbusch und rebelt die Beeren ab, Die Äste werden durch den Drahtkamm gezogen und die Beeren bleiben in der Riffel.
Pfft, das war gar nicht so leicht zu beschreiben. Hoffentich ist's verständlich.

Und jetzt fällt mir noch ein Ding des Vergessens ein: Die Petroleumlampe.

mina 11.07.2007 14:03

AW: Dinge des Verschwindens?
 
gute beschreibung ... aber um allen zweifel auszuschließen werd ich unsere noch fotografieren ... bitte um etwas geduld *g*

die petroliumlampe findet man oft noch auf almhütten genauso wie das waschlavour ...hoffe das ist richtig geschrieben

dolasilla 11.07.2007 14:54

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Mörser sind heutzutage wieder relativ leicht zu bekommen! Aber vor ca 15 Jahren, als ich mir meinen ersten zulegen wollte, war ich in zig Geschäften und bin ob meiner Anfrage wie ein Alien angeschaut worden. Folgender, immer wieder ähnlicher Dialog entspann sich:

Ich: "Ich hätte gern einen Mörser. Haben Sie sowas?"
VerkäuferIn: "Was ist das ?????"
Ich: "Einen Mörser braucht man z.B. zum Pesto-machen. Damit zerdrückt man Pinienkerne, Kräuter, ...""
VerkäuferIn: "Aha. Warum nehmen Sie nicht einen Pürierstab? Da hätten wir was im Angebot..."
Ich: "Ich will aber keinen Pürierstab. Ich will einen Mörser!"
VerkäuferIn: "Haben wir leider nicht. Keine Ahnung, wo man sowas noch bekommt. Sowas benutzt ja heutzutage niemand mehr."

Im zigsten Geschäft hab ich dann doch endlich einen bekommen. Mittlerweile gibts Mörser wieder leichter zu bekommen, vor allem in asiatischen Läden findet sich eine große Auswahl: Mörser in allen Größen, Formen, aus verschiedenen Materialen, ...
Meine Mörser-Sammlung zuhause wächst und wächst und ich benutze die Dinger wirklich gerne und häufig!

LG,
Dolasilla

Ulrike Berkenhoff 11.07.2007 18:03

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Wenn die Männer "Auf Schicht" gingen bekamen sie Essen mit im "Henkelmann".
Sind solche Gefäße noch bekannt? Man konnte sie auch im Heiß-Wasserbad
wärmen. Später gab es Thermobehälter (ähnl. Thermokanne).Oft wurden auch
Kinder mit einem Henkelmann zum Werkstor geschickt dem Vater das Essen
bringen. Sie mußten warten bis er aufgegessen hatte, dann liefen sie zurück -
oft ganz schön lange Wegstrecken. Ein Fahrrad war noch etwas Besonderes!
Dies Thema ist echt interessant: schaue gerne was noch an Beiträgen,
Definitionen und Fotos kommt. Grüße an alle hier von Ulrike!

dolasilla 11.07.2007 18:40

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Viele Dinge aus früheren handwerklichen Tätigkeiten sind verschwunden - ich denk da z.B. an das Spinnrad (ich hab übrigens eins und kann damit auch spinnen - hab ich letztes Jahr von einer alten Frau aus dem Waldviertel gelernt :) ), auch die Werkzeuge, die z.B. bei der Flachsverarbeitung bzw zur Flachsgewinnung benutzt wurden: die Raspel, die Hechel, usw usf.

Oder ich denke auch an den Butterstempel (oder an das Butterfass und alles andere, was zum Buttern gebraucht wurde). Meine Oma hat noch selber gebuttert, und wenn die Butter fertig war, wurde mit einem Stempel aus Holz, in dem ein Motiv eingeschnitzt war, selbiger auf die Butter gedrückt. So entstand ein gestanztes Bild auf der Butter.

Ich hab sowas mal vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt erstanden (der Verkäufer wusste gar nicht, was das war!), und wenn ich Butter mache (ich gebe zu, ich mach es nicht oft, aber ab und zu eben), benutze ich den Butterstempel auch. Notwendig ist das zwar nicht, aber es ist einfach hübsch anzusehen ;)

Mein Butterstempel zeigt eine Blume - und ich behaupte jetzt mal, die Butter schmeckt damit einfach besser :)

LG,
Dolasilla

harry 11.07.2007 18:48

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
Wenn die Männer "Auf Schicht" gingen bekamen sie Essen mit im "Henkelmann".
Sind solche Gefäße noch bekannt? Man konnte sie auch im Heiß-Wasserbad
wärmen.

Ein Kollege von mir, der erst heuer in den wohlverdienten Ruhestand ging, hatte täglich sein "Menage-Reindl" (so heißt der Henkelmann bei uns) mit. Das war eine emailierte Blechschüssel mit Deckel. Der Deckel war mit einer Gummidichtung versehen und ein Blechbügel darüber mit Schnellverschluss sicherte ihn. Über diese Gewohnheit wurde er allerdings schon manchmal belächelt ;)

Berit (SAGEN.at) 11.07.2007 20:03

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zur verzierten Butter fällt mir ein, dass meine Oma bei Besuch gern mit einem "wahren Kunstwerk" aus Butter aufgewartet hat. Mittels einem Teelöffel, der immer wieder in warmes Wasser getaucht wurde, hat sie kleine Butterflöcken von der Oberseite der Butter gehoben. Das Muster verlief von außen nach innen mit Zentrum in der Mitte. Jedes abgehobene Butterflöckchen wurde kunstvoll in die Mitte gesetzt bis daraus eine Rosenblüte entstand.

Berit

dolasilla 12.07.2007 00:11

AW: Dinge des Verschwindens?
 
1 Anhang/Anhänge
Ich hab zwei alte Blechdosen (auch vom Flohmarkt), in den ich bei Ausflügen immer mein Essen mitnehme. Die Blechdosen haben kleine Löcher, die immer in Form eines Musters angeordnet sind. Ich vermute, diese Blechdosen zählen auch zu den Dingen, die im Verschwinden sind?!

Ich hab allerdings keine Ahnung, wie die Dinger heißen - weiß das vielleicht jemand?

Hab sie gerade fotografiert (gar nicht so leicht, wenn dauernd die Katzen vorbei laufen ;)) - siehe also das Foto...

LG,
Dolasilla

harry 12.07.2007 00:39

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Proviantdosen :)
Früher bei Ausflügen unentbehrlich, waren sie später aus Plastik und ohne Löcher. --> Modern, aber im Plastik wurde alles "letschert" und welk.

dolasilla 12.07.2007 15:39

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von harry
Proviantdosen :)

Mei, wie prosaisch ich Depp i

Ich hab mir nur gedacht, die Dinger haben vielleicht einen Namen?

So benutze ich z.b. seit Jahren dieses schöne alte Geschirr aus Emaille - und wusste gar nicht, dass es sich dabei um das - offenbar legendäre - "Riess-Geschirr" handelt. Weiß ich erst seit den Beiträgen im Forum hier ;)

Deswegen hab ich gefragt, ich war einfach neugierig, ob meine Proviantblechdosen vielleicht auch einen "Namen" haben bzw ob sie ringsherum eh allen bekannt sind - oder eben nicht, also aussterbende Dinger sind. Ich find sie nämlich sehr praktisch und verwende sie gern, aber in "normalen" Geschäften hab ich sie noch nie gesehen.

LG,
Dolasilla

harry 13.07.2007 11:12

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Aus "gegebenem Anlass" musste ich wieder einmal meinen Schreibtisch aufräumen. Da ist mir ein guter alter Bekannter in die Hände gefallen.
Heute kennt ihn fast niemand mehr. Vor dem Aufkommen der Taschenrechner Ende der 1960er Jahre war der Rechenschieber ein unverzichtbares Instrument für jeden Techniker.

http://www.sagen.at/fotos/data/662/Rechenschieber.jpg
Rechenschieber

siegi 13.07.2007 16:10

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von harry
Vor dem Aufkommen der Taschenrechner Ende der 1960er Jahre war der Rechenschieber ein unverzichtbares Instrument für jeden Techniker.

Und ein schweißtreibendes Begreifen der Funktionsweise für die Schüler :)


Der Wurlitzer, oder die Musikbox in den Gaststätten ist verschwunden. Moderne Tonanlagen haben das Kommando übernommen. Dabei waren sie früher fast Pflicht für ein gutes Gasthaus.

SAGEN.at 14.07.2007 00:58

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Der Rechenschieber - schauerlich...

Mein älterer Bruder musste sich noch mit diesem Alptraum beschäftigen. Meine Neugier erforschte damals eine zweiteilige Kunststoffhülle in den Farben grün und weiß. Die Lösung der Bedienung des Rätsel um den Rechenschieber selbst plane ich nicht mehr ein :)

Es wäre heute (2007) fast nicht vorstellbar, heutigen Schülern zu erklären, dass wir bis vor 25 Jahren solche mechanische Abakus verwendet haben. Aus ethnologischer Sicht möchte ich anmerken, dass Fotos von der Anwendung von Abakus bis vor nicht allzu langer Zeit in den Medien zur Verspottung von Nationen gedient haben.

In meiner Volksschulzeit wurde ich durch das sogenannte "Turmrechnen" anfangs gequält, irgendwann hat mir das gefallen und das wurde fast ein Hobby von mir.

Dann kam unser erster Taschenrechner, die Marke hieß "Omron" und dieser hatte tatsächlich noch ein Röhren-Display...
mit Mathematik plage ich mich seit diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr :)

Wolfgang (SAGEN.at)

harry 14.07.2007 01:40

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Jetzt muss ich doch eine Lanze für den Rechenschieber brechen:

Dieses Gerät war einfach ein geniales Ding. Man konnte neben den Grundrechnungsarten (nicht Addieren und Subtrahieren!) auch komplexere Berechnungen, wie Wurzelziehen, Exponentialrechnung oder Winkelfunktionen schnell und mit hinreichender Genauigkeit durchführen. Und das alles zu einer Zeit als elektr(on)ische Rechenmaschinen erst in Science-Fiction Büchern und Taschenrechner noch nicht einmal dort existierten.

Und: Ein Alptraum sind viele Fertigkeiten während der Lernphase. Maschinschreiben (richtig!) oder Stenografie (wer weiß noch, was das ist?) habe ich zum Beispiel nie begriffen ;)

Ulrike Berkenhoff 14.07.2007 16:57

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Mein Mann (ebenfalls Techniker) besitzt auch noch einen Fundus an
Taschenrechnern (was bitte ist eine Schiebelehre?), Zirkelkästen,
Rotring (hoffentlich keine Schleichwerbung)-Schriftschablonen, Tuschefüllern
u.a. Bevor es mit CAD losging war ja alles Handarbeit (Zeichnen u. Beschriften).
Wir haben z.B. noch einen Ziegenhaar-Staubpinsel um radiertes (besser vom
Pergament geschabtes/weggekratztes) säuberlich zu entfernen. Wenn ich so
etwas erkläre! Meine Schwester hat Steno und Schreibmaschine unterrichtet
und gibt Computerunterricht. Nur ich neige zu den brotlosen Künsten! Unser
Sohn dagegen ist IT-Fachmann, er verzweifelt nochmal an mir. Ihm und meiner
Schwester verdanke ich hier kommunizieren zu können. Mein Mann hat
noch 2D Zeichnen am Computer gelernt, nun ist er in Rente. Manchmal denke
ich: wir könnten ein Museum eröffnen. Habe z.B. eine alte Reiseschreibmaschine
von meinem Schwiegervater geerbt (behalte ich mal in Reserve). Dank meiner
Schwester kam ich auch zu einem passenden Farbband. Sie besitzt übrigens eine
Sammlung alter Schreibmaschinen! Die ersten Taschenrechner waren von
Texas Instruments (wurden in der Schule verlangt und ein teurer Spaß
für die Eltern). Hat übrigens hier im Forum noch jemand Platzprobleme vor
allem mit Büchern oder einen "überquellenden" Dachboden. Für die Bücher
dachte ich schon mal an Apothekerregale (Spaß beiseite). Es beruhigt mich
aber nicht alleine verschiedene "Dinge des Verschwindens" zu sammeln.
Kann leider noch keine Fotos übersenden, möchte aber mal allen im Forum für die
vielen interessanten Berichte und Bilder danken!Ihr schlagt glatt das aktuelle Fernsehprogramm. Viele Grüße sendet Ulrike!

siegi 14.07.2007 17:29

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff
(was bitte ist eine Schiebelehre?)

Eine Schiebelehre (Schublehre, Schieblehre) ist ein Messinstrument, welches zum Messen von Aussen und Innendurchmessern bei Werkstücken verwendet wird. Ist heute auch noch nicht aus der Metallverarbeitung wegzudenken. Einige zeigen in Digitaltechnik an.

Schiebelehre

Am Bild kannst die untere Zahlenreihe mit der Maus verschieben. Vorher am Bild ein Hakerl bei show setzen.

harry 16.07.2007 10:06

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zu den fast vergessenen Dingen gehört auch das Siegel. Einen Brief zu versiegeln, gehörte früher zum guten Ton und war auch notwendig, da es keine mit Klebstoff versehenen Kuverts gab. Das Geschäftssiegelauf einem Schreiben war der Vorläufer des Firmenstempels.

Auf dem Foto zwei Monogrammsiegel (JH und KT) und rechts ein Geschäftssiegel ("U. Karl Tiefenthal, Glashandlung, Hartberg").

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/Siegel_1.jpg
Siegel (etwa 1900) mit Siegelabdruck

harry 16.07.2007 10:09

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Um schöne Monogramme an der Wäsche anzubringen verwendete man früher Monogrammstempel, die den Blaudruck-Stempeln ähnlich waren. Das Monogramm wurde mit blauer Wäschefarbe auf das Wäschestück gestempelt und dann kunstvoll ausgestickt. Beim ersten Waschen ging die Farbe dann wieder aus und das gestickte Monogramm kam voll zur Geltung.

Auf dem Foto zwei Monogrammstempel (JH und JT) und ein fertiges Handtuch. Das abgebildete Handtuch aus Leinenstoff übrigens, das aus der Zeit vor 1917 stammt, ist heute noch in Verwendung und immer noch wie neu! Der zum Handtuch gehörige Stempel ist leider verschwunden. :(

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/Monogramm_Stempel.jpg
Monogrammstempel und gesticktes Monogramm auf einem Handtuch (vor 1917)

mina 29.07.2007 20:55

AW: Dinge des Verschwindens?
 
dinge des verschwindens hab ich auch auf der alm gefunden ... die fensterbalken ... die alte handkaffeemühle und den handgeschnitzten tram ... bilder davon findet ihr in meiner galerie *g*

Lisa 29.07.2007 21:54

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Zitat:

Zitat von harry
Aus "gegebenem Anlass" musste ich wieder einmal meinen Schreibtisch aufräumen. Da ist mir ein guter alter Bekannter in die Hände gefallen.
Heute kennt ihn fast niemand mehr. Vor dem Aufkommen der Taschenrechner Ende der 1960er Jahre war der Rechenschieber ein unverzichtbares Instrument für jeden Techniker.

http://www.sagen.at/fotos/data/662/Rechenschieber.jpg
Rechenschieber

Dieses "Unding" wurde sogar bei der Apollo 13 Mission verwendet und hat offenbar einwandfrei funktioniert, weil die Menschen es benutzen konnten. Leider hab ich es nur ansatzweise gelernt und gleich wieder vergessen... hab sowas auch noch und komm nicht dahinter, wie ich es benutzen könnt. Bräucht halt nicht mal Batterien oder sowas...

Grüße von Lisa


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