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Elfie 28.06.2014 13:56

AW: Dinge des Verschwindens?
 
1 Anhang/Anhänge
Dies hier ist die Wasserkanne, die von 1965 bis 1973 in der Gagern-Villa (Volksmund - offiziell "Haus Geigenberg") zum Brunnen ging, ohne zu zerbrechen, naja, war ja kein Krug.

Also mit Jagd hab ich nichts am Hut, es ist da nur ein so schönes Foto von dem Haus: links ganz oben hate ich das Zimmer, links ganz unten war der Kellerausgang und etwa beim Standort des Fotografen der Brunnen.
Auch im Winter :(.

Babel 10.08.2014 19:57

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Ich komme eben von einer sehr schönen Ausstellung: "Addiator, Hüftgürtel und Goggomobil. Verschwundene Dinge von A bis Z", zu sehen im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld. Abgesehen von dieser Ausstellung – es ist ein so schönes Museum, daß ihr mir alle sehr leid tut, weil ihr zu weit weg wohnt, um es zu besuchen.

Da dort niemand etwas dagegen hat, daß man/frau fotografiert, werde ich in den nächsten Tagen hier ein paar der dort gesehenen "verschwundenen Dinge" einstellen.

Dresdner 11.08.2014 20:48

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Auch die Geräte für analoge Photographie sind für Otto Normalverbraucher weitgehend ausgestorben.
Ich erinnere mich an einen Profiphotographen, den ich bei der BSB Dresden begleiten durfte.
Eine mehrere tausend Euro teure digitale Spiegelreflexkamera nutze er auf Nachfrage nur zum Ausmessen der Lichtverhältnisse.
Die Bilder wurden mit einer Plattenkamera gemacht - wie zu Uropas Zeiten.
Übrigens: ein super Thema!
Dresdner

Ulrike Berkenhoff 11.08.2014 21:20

AW: Dinge des Verschwindens?
 
Nochmal zu dem "Nähkorb": Dort wurde zu flickende und zu stopfende
Wäsche hineingetan. Man besserte ja alles schadhafte aus, nichts wurde
weggeworfen, manche sagten auch Stopfkörbchen, dort kamen die
löcherigen handgestrickten überwiegend Männerarbeitssocken hinein,
in jeder freien Minute mußten die Frauen ausbessern usw. Dieser Korb
wurde mitgenommen, z.B. auch in den Garten (wenn man dort saß),
in die Wohnstube usw. Manchmal fanden sich die Frauen zusammen,
man unterhielt sich, aber die Hände arbeiteten dabei fleißig: stricken,
nähen, sticken ... Das waren noch Zeiten!
Ich kenne dies noch
von Oma/Uroma! Nicht wie ich heute mit Freundinnen: Kaffeeklatsch -
einfach nur geniessen und quatschen, dafür war kaum Zeit. In meinem
heutigen Nähkorb habe ich nur Garne, Nadeln usw. -Ulrike

Jackdaw 31.08.2014 22:08

verschwundene Dinge
 
Zitat:

Zitat von SAGEN.at (Beitrag 5279)
Welche Dinge des Alltags fallen Euch ein, die verschwinden oder schon verschwunden sind?

Einer meiner Lieblingsschriftsteller begann einst eines seiner Bücher mit den Worten: "Je me souviens…" - und genau beginnt zumeist ja der Anlass, zu erzählen. Also ich erinnere mich, dass bis in die 1960er Jahre hinein der frühabendliche Schaufensterbummel noch als die übliche Form des "Ausgleichssports" gutbürgerlicher Zeitgenossen galt. Mittlerweile scheint jedoch die Schaufensterdekoration der vorhandenen Läden kaum noch in der Lage zu sein, Blicke auf sich zu ziehen - die einen Fachmärkte sind zu groß, als dass ihre Fensterfront geeignet wäre, Konsumfreude zu generieren, viele Läden dienen mittlerweile "Jobvermittlern" oder "Zeitarbeitsagenturen" als Büro, so dass ohnehin keine Ware auszustellen wäre. Unter den Läden, die buchstäblich vom Erdboden verschwunden zu sein scheinen, wären etwa Spielwaren- aber auch Schallplattengeschäfte zu nennen. Und wie viele Stunden habe ich noch während meiner Lehrjahre dort verbracht, um in den LP-Hüllen zu blättern, in einzelne Alben kurz hineinzuhorchen…*auch Antiquariate sind überaus selten geworden, Mützenmacher, Eisenwarenhändler. Mittlerweile schließen mangels Nachfolger auch Briefmarkenhändler. Und die einstigen Flaniermeilen der Stadtzentren veröden unterdessen.

Jackdaw 31.08.2014 22:21

…*es gibt sie noch, die guten Dinge
 
Zitat:

Zitat von SAGEN.at (Beitrag 5291)
Da habe ich vor 2 Jahren in Hamburg ein witziges Geschäft entdeckt. Das ist eigentlich eine große Kette, die es zwischenzeitlich auch in Österreich und der Schweiz gibt, die sozusagen die besten Produkte des 19. und 20. Jahrhunderts nachbaut.

Sag doch gleich, dass Du Manufactum meinst…
Für Nostalgiker gibt's in Hamburg aber weit mehr Adressen - beispielsweise in Uhlenhorst. Zeitgenössischeren Schnickschnack findet man indessen eher dort.

Babel 31.08.2014 23:46

AW: verschwundene Dinge
 
Zitat:

Zitat von Jackdaw (Beitrag 45591)
... ich erinnere mich, dass bis in die 1960er Jahre hinein der frühabendliche Schaufensterbummel noch als die übliche Form des "Ausgleichssports" gutbürgerlicher Zeitgenossen galt.

Der Schaufensterbummel gehört tatsächlich zu den Dingen (naja, ein Ding ist er ja nicht gerade), bei denen mir nie aufgefallen ist, daß es sie mal gab und später nicht mehr ... Ich glaube, dafür gibt es noch weitere Gründe:

Erstens: Die Ladenschlußzeiten. Die Läden schlossen früh (während die tägliche Arbeitszeit Berufstätiger später endete). Am Abend war man auf die Schaufenster angewiesen, wenn man sehen wollte, was die Läden zu bieten hatten – heute geht man rein. Bis 20 Uhr ist in den Fußgängerzonen jedes Geschäft offen.

Zweitens: Die Ladentüren waren früher geschlossen. Die "Schwellenangst" war entsprechend hoch; man ging nur rein, wenn man was brauchte. Schließlich wurde man in fast jedem Laden gleich gefragt, was man denn wünsche – nur Lebensmittel-Supermärkte und Kaufhäuser ließen einem die Möglichkeit, unbehelligt herumzugehen, Sachen anzuschauen und anzufassen. Inzwischen haben die Geschäfte diese Hemmnisse längst abgebaut.

Drittens: Die "gutbürgerlichen Zeitgenossen" haben heute mehr Geld als früher. Schaufenstergebummelt wurde auch, um Dinge anzuschauen, an deren Kauf man nicht mal denken konnte. Es war mehr wie im Museum, wo alles nur zu sehen und nicht zu haben ist. So bin ich als Schülerin und Studentin mit den Freundinnen "schaufenstergucken" gegangen.

Ich erinnere mich, daß ich Ende der 80er Jahre an einem Sonntag in einer mir fremden Stadt (Dortmund) herumgegangen bin: Mir schienen die Hauptstraßen voller Ehepaare auf Schaufensterbummel zu sein. Ich fand das sehr eigenartig; in meiner Stadt (damals Aachen) waren die Einkaufsstraßen sonntags menschenleer. Offenbar hat die Einkaufsbummel-Ära in manchen Städten/Regionen früher geendet als in anderen.

Jackdaw 01.09.2014 00:19

AW: verschwundene Dinge
 
Zitat:

Zitat von Babel (Beitrag 45600)
[…] Die Läden schlossen früh (während die tägliche Arbeitszeit Berufstätiger später endete). Am Abend war man auf die Schaufenster angewiesen, wenn man sehen wollte, was die Läden zu bieten hatten – heute geht man rein. […]

Vielen Dank für's Antworten - die Ladenschlusszeiten waren früher nach recht streng gesetzlich geregelt, und irgendwie haben die Verbraucher (auch wegen der seinerzeit rollenspezifischen "Arbeitsteilung") also bedachtsamer haushalten müssen. Der abendliche Schaufensterbummel war also insgeheim "ein Blick in die Zukunft", nämlich welche Anschaffungen in absehbarer Zeit für nötig und realisierbar gehalten wurden.

In den Auslagen war zu sehen, was dem eigenen Haushalt zur Komplettierung noch zu fehlen schien. Die Funktion hat sicher zum großen Teil die Werbung (ob Plakat, ob Beilagenprospekt, ob TV-Spot) übernommen. Insofern gilt aber auch zu bedenken, dass die Werbung wirksamer geworden ist - obwohl die meisten Menschen deren psychologische Tricks zu durchschauen glauben.

Nein, die geschlossene Ladentür dürfte wohl nicht als abweisend empfunden worden sein, zumal damals das Innere eines Gebäudes "Geborgenheit" versprach, während heute selbst die optische Schranke zwischen Verkäufer und Kunde fast überall fortgefallen ist, um "Offenheit" zu signalisieren. Und eine "Begegnung auf Augenhöhe".

Jackdaw 01.09.2014 18:12

Zitat:

Zitat von volker333 (Beitrag 5297)
Super-8-Filme und Entwicklung gibt es wohl gar nicht mehr.

Die Schmalfilmerei wird vielleicht nur noch von wenigen Enthusiasten betrieben, aber gerade deswegen können einzelne, hoch spezialisierte Versorgungsquellen vorerst überleben.

Jackdaw 01.09.2014 18:20

AW: "Henkelmann"
 
Zitat:

Zitat von Ulrike Berkenhoff (Beitrag 5330)
Sind solche Gefäße noch bekannt?

Aber sicher. Während der Bundeswehr-Grundausbildung wurde bei Geländeübungen das Essen in der Weise verteilt, dass jeder Rekrut seine Portion in sein mitgeführtes Kochgeschirr füllen lassen musste. Mit vergleichbarer Gerätschaft präpariert war bis in die 1970er Jahre praktisch jeder Bauhandwerker am Arbeitsplatz anzutreffen.


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