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-   -   Faschingszeit - Krapfenzeit (http://www.sagen.at/forum/showthread.php?t=464)

gavial 23.01.2006 21:01

Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Jetzt in der Faschingszeit haben Krapfen wieder Hochsaison.

Schon im zweiten vorchristlichen Jahrhundert kannten die Römer ein krapfenähnliches Gebäck, das sie "globuli nannten. Es waren in feißem Fett herausgebackene Teigkügelchen, die mit Honig übergossen und mit Mohn bestreut wurden.
In den Klöstern des Mittelalters ist auf den Speisezetteln immer wieder das Wort "craplum" zu lesen. Ahd."krapho", mhd. "krapfe" bezeichnet etwas Gekrümmtes, Rundgebogenes. Dass gerade vor Beginn der Fastenzeit Krapfen gebacken wurden, geht wahrscheinlich auf eine Empfehlung der Geistlichen zurück, vor dem Fasten noch kräftig und nahrhaft zu essen, um die Fastenzeit besser überstehen zu können. Das war bei dem schlechten Ernährungszustand der bäuerlichen Bevölkerung auch nötig, damit Kinder und Kranke nicht völlig entkräftet wurden.
Im barocken Wien gab es allenthalben "Krapfner". Das waren Strassenstände, an denen den Passanten Krapfen feilgeboten wurden. Brach ein Mann einen Krapfenin zwei Teile und reichte einen seinem Mädchen, so galt das als Verlöbnis.
Eine Bäckerin namens Cäcilia Krapf, deren Geschäft in der Naglergasse in Wien lag, war durch ihre besonders feinen, schmalzgebackenen Mehlspeisen berühmt geworden. In Wien wurden sie Cillikugeln genannt. Zur Faschingszeit, so sagt eine Geschichte, füllte sie ihre Kugeln mit eingekochten Früchten. Diese wurden, weil sie so hervorragend schmeckten bald stadtbekannt und nach ihrer Schöpferin nannte man sie "Krapfen.

gavial 23.01.2006 21:03

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Und hier ein Rezept, ein wenig aufwendig aber vielfach erprobt und einfach köstlich. Die Menge reicht für ca. 50 Krapfen.

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/KrapfenBacken_1.JPG]
Zutaten für Faschingskrapfen

1 kg Mehl
10 Dotter
8 dag Germ
18 dag Butter
10 dag Zucker
ca.1/2 Ltr Milch
1 gestr. EL Salz
Rum
Vanillezucker
(etwas festere) Marillenmarmelade

Aus den Zutaten einen Germteig bereiten, gehen lassen,
auswalken und Flecke ausstechen. Mit etwa einem Teelöffel fester Marillenmarmelade belegen, einen zweiten Fleck darüberlegen und nochmals ausstechen.

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/KrapfenBacken_2.JPG]
Faschingskrapfen ausstechen

Ein kleiner Tip:
Die Krapfen halten am besten zusammen, wenn man die Ränder vor dem Zusammenlegen mit etwas Milch anfeuchtet


Nochmals gehen lassen und in heißem Fett schwimmend herausbacken.

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/KrapfenBacken_3.JPG]
Herausbacken der Faschingskrapfen-1

Ein paar schwimmen noch und ein paar sind schon fertig.....

http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/KrapfenBacken_4.JPG]
Herausbacken der Faschingskrapfen-2

....sind sie nicht köstlich es wurden genau 50 Stück (nach zwei Stunden waren es nur mehr acht



http://www.sagen.at/doku/fo_fotos/KrapfenBacken_5.JPG]
Herausbacken der Faschingskrapfen - fast fertig

Huber 01.02.2006 12:44

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Zitat:

Eine Bäckerin namens Cäcilia Krapf, deren Geschäft in der Naglergasse in Wien lag, war durch ihre besonders feinen, schmalzgebackenen Mehlspeisen berühmt geworden. In Wien wurden sie Cillikugeln genannt. Zur Faschingszeit, so sagt eine Geschichte, füllte sie ihre Kugeln mit eingekochten Früchten. Diese wurden, weil sie so hervorragend schmeckten bald stadtbekannt und nach ihrer Schöpferin nannte man sie "Krapfen.
[/QUOTE]

und nach meiner Information soll ebendiese Frau Krapf aus Berlin stammen, was angeblich den deutschen "Berliner" (also den Krapfen) auch gleich erklären soll.

LG
EH

Berit (SAGEN.at) 01.02.2006 13:55

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
In Norddeutschland werden Berliner übrigens in der Silversternacht gegessen. Dazu wird natürlich Kaffee serviert und da es in dieser Nacht ein wenig spaßiger zugeht, kann es einem passieren, dass man einen mit Senf gefüllten erwischt.

Die normalen, herkömmlichen Berliner sind mit "roter Marmelade", ich glaub es ist Erdbeermarmelade, gefüllt, während bei uns die Faschingskrapfen im Normalfall mit "gelber Marmelade", also Marillenmarmelade gefüllt sind. So auch in Südtirol, allerdings sind die mit "crema" (Art Vanillepudding) gefüllten Krapfen gleich beliebt. Im nördlichen Italien spricht man auch von "Krapfen", ansonsten von "bomboloni", also "Berliner".

Berit

SAGEN.at 01.02.2006 20:08

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Und ein wichtiges Detail zum Faschingskrapfen sollte beachtet werden:

Die Marmelade wird ja erst nachträglich (also nach dem Backen des Krapfens) mit einer Pumpe in den Krapfen eingespritzt. Es bleibt also ein kleines Loch. Wer dies nicht bedenkt und auf der dem Loch gegenüberliegenden Seite reinbeisst, spritzt recht gerne die Marmelade über seine Kleidung...

Darum suche ich beim Faschingskrapfen immer zuerst die Einstichstelle und fange dort zum Essen an. :rolleyes:

Wolfgang (SAGEN.at)

gavial 01.02.2006 21:12

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Zitat:

Zitat von SAGEN.at
Die Marmelade wird ja erst nachträglich (also nach dem Backen des Krapfens) mit einer Pumpe in den Krapfen eingespritzt. Es bleibt also ein kleines Loch. Wer dies nicht bedenkt und auf der dem Loch gegenüberliegenden Seite reinbeisst, spritzt recht gerne die Marmelade über seine Kleidung...

Gaaanz falsch, Wolfgang!
Das Einspritzen von verdünnter oder heißer Marmelade in den Krapfen ist so eiine neumodische Angewohnheit aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts.
"Echte" Krapfen werden, wenn die Köchin (oder der Koch ;) ) etwas auf sich hält, aus zwei Teilen zusammengefügt und danach gebacken.
-> mein Rezept oben.

gavial 05.02.2006 22:37

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
1 Anhang/Anhänge
Um zu zeigen, wie's genau geht, habe ich dem obigen Beitrag mit dem Rezept ein paar Fotos beigefügt.
Und hier das Rezept zum herunterladen.....
Gutes Gelingen wünscht allen, die es probieren wollen

Berit (SAGEN.at) 06.02.2006 12:06

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Wow, ich bin beeindruckt! :smi_huepf

Vielen lieben Dank für diese tolle Dokumentation! Da bekommt man gleich Appetit und Lust auf's selber backen.... *wasserimmundzusammenlauf

Das "Reindl" oder besser "Wanndl" zum Herausbacken finde ich richtig zünftig, da ich ein so tolles Gerät nicht besitze, werde ich wohl einen normalen Kochtopf oder einen Wok nehmen.

Liebe Grüße

Berit

123456sieben 08.02.2006 17:18

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Jeder Bäcker verkauft anscheinend die selben industriell gefertigten Krapfen, zumindestens schmecken sie überall gleich.

Der Geschmack läßt sich ungefähr folgendermaßen Beschreiben, Überzuckerte heiße Luft mit einer kaum eruierbaren Masse rundherum, kaum sind Sie allerdings über 7 Stunden alt wird das ganze zäh und erst recht ungenießbar.

Gibt es irgendwo vernüftige Krapfen zu kaufen?

Wir haben schon überlegt, ob wir in unserem Atellier eine Krapfenjause anbieten sollen. Mal was anderes. Jetzt ist allerdings der Fasching schon beinahe vorbei.

martin
123456sieben

Berit (SAGEN.at) 08.02.2006 17:38

AW: Faschingszeit - Krapfenzeit
 
Hallo 123456sieben,

probier doch die Krapfen bei einem Bäcker zu kaufen der nicht zu den großen Ketten gehört. Will hier jetzt keine Großketten nennen, du weißt schon welche ich meine.

Ansonsten habe ich gute Erfahrungen gemacht beim Aufbacken. Im Backofen werden sie am besten, aber die Marmelade furchtbar heiß. Mitm Toaster gehts auch, werden aber nicht so gleichmäßig warm und mit der Mikrowelle habe ich es noch nicht probiert...

Gruß Berit


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