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Vollständige Version anzeigen : KZ-Gedenkstätte von Deutschland


Kartal
20.02.2015, 22:59
Hallo, zusammen!

Ich weiß, dass es hier die Leute sind, die interessieren sich für die Geschichte. So... Ich biete Ihnen an an meinem kleinen Umfrage zu teilnehmen. Der ist gewidmet den Konzentrationslager von Deutschland und ihrer Beteiligung an dem Tourismus Bereich.
P.S.: Der Umfrage ist nur für Deutsche!

https://docs.google.com/forms/d/1-42vruI9O4Az9XoASxHRwj7EFl3GYBYa2_cnVCmGt9Q/edit

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

TeresaMaria
21.02.2015, 01:32
Meiner Meinung hat das trotzdem nichts mit dem klassischen Tourismus und Massentourismus zu tun.
Es sind und bleiben Gedenkstätten, die eben aufgesucht werden. Es sind Erinnerungsstätten. Die Bedeutung dahinter ist, dass an die Ereignisse erinnert werden soll. Es sollen viele Menschen diese Orte besuchen, was sich aus dem Ort selbst heraus erklären lässt. Ich sehe deshalb den Besucher nicht als typischen Tourist. Er besucht das KZ als Besucher. Ein KZ kann niemals Tourismusort werden! Das ist falsch formuliert. Es ist traurig, wenn das offiziell auch so gesagt wird.

SAGEN.at
21.02.2015, 13:58
Da ist die Fragestellung absurd und absolut abzulehnen.
Ich würde hier sogar eine Provokation vermuten!

Zitat: "Sie wissen sicherlich..." - Nein, ich weiß von organisierten Touristen-Fahrten sicher nichts und würde mich auch dagegen auflehnen, wenn jeglicher Tourismusbetrieb so etwas anbieten würde!

Wolfgang (SAGEN.at (http://www.sagen.at))

Babel
21.02.2015, 14:08
Zitat: "Sie wissen sicherlich..." - Nein, ich weiß von organisierten Touristen-Fahrten sicher nichts und würde mich auch dagegen auflehnen, wenn jeglicher Tourismusbetrieb so etwas anbieten würde!

Wolfgang (SAGEN.at (http://www.sagen.at))
http://www.jugendtours.de/klassenfahrten/tagesfahrten/gedenkstaetten/05-tagesfahrt-fuer-schulklassen-gedenkstaette-buchenwald-und-weimar.html
http://www.alpetour.de/klassenfahrten-jugendgruppen/angebote/weimar-3-tage-klassenfahrt-inkl-busreise/
http://www.lokaltermin-reisen.de/studienreise-weimar-buchenwald.html
http://www.holidaycheck.de/reisetipp-Reiseinformationen+Gedenkstaette+Buchenwald-zid_10671.html
etc. etc.

TeresaMaria
21.02.2015, 14:18
Mich stört der Wortlaut der Umfrage an sich und das beigefügt "Umfrage nur für Deutsche". Das sagt doch schon alles. Ich bin für eine gemeinsame Aufarbeitung der Vergangenheit, aber gegen jegliche Brandmarkung der jungen Generation bzw. überhaupt der Generation von heute. @Babel Ja, die Fahrten werden angeboten. Trotzdem gibt es in meinen Augen einen Unterschied zum "klassischen Tourismus".Man kann ja auch Schlachfelder mit Reisegruppen heute besuchen. Aber das ändert am Ort nichts und der Aussage dahinter. Ich bin mir sicher, dass die meisten Besucher sehr wohl unterscheiden können, dass es sich bei ihrem Besuch um keinen gewöhnlichen Ausflugsort handelt. Es ist ärgerlich, dass der Tourismusbegriff selbst mit dem KZ anscheinend öffentlich bereits in Verbindung steht- "schwarzer Tourismus".

SAGEN.at
21.02.2015, 14:22
@ Babel: Deine Beispiele sind Studienreisen!
Das sind von Fachleuten geführte Touren mit entsprechender Begleitung zur Thematik.
In Oberösterreich, wo ich zur Schule gegangen bin, waren schon vor vielen Jahren und sind bis heute Schulfahrten zu den Konzentrationslagern selbstverständliche Pflicht. Neben der ausführlichen Vorbereitung im Unterricht gab es dort Führungen durch ehemalige Gefangene und durch das Museumspersonal.

Der Fragesteller suggeriert jedoch auf seinem (seltsamen) Fragebogen sogenannten "schwarzen Tourismus", das ist etwas anderes...

Wolfgang (SAGEN.at (http://www.sagen.at))

Babel
21.02.2015, 14:47
@ Babel: Deine Beispiele sind Studienreisen!
Das sind von Fachleuten geführte Touren mit entsprechender Begleitung zur Thematik.
In Oberösterreich, wo ich zur Schule gegangen bin, waren schon vor vielen Jahren und sind bis heute Schulfahrten zu den Konzentrationslagern selbstverständliche Pflicht. Neben der ausführlichen Vorbereitung im Unterricht gab es dort Führungen durch ehemalige Gefangene und durch das Museumspersonal.

Der Fragesteller suggeriert jedoch auf seinem (seltsamen) Fragebogen sogenannten "schwarzen Tourismus", das ist etwas anderes...

Wolfgang (SAGEN.at (http://www.sagen.at))
Natürlich sind das Studienreisen. Und die Klassenfahrten sind auch bei uns Pflicht. Aber wieso gehört das nicht zum Tourismus?

Alle Verlautbarungen zum "Schwarzen Tourismus" beziehen z. B. den "Schlachtfeldertourismus" mit ein. Warum ist das eine schlimmer als das andere? Wer sich mit Geschichte beschäftigt, wird geneigt sein, Orte zu besuchen, an denen das stattgefunden hat, mit denen er sich befaßt. Unterschiede bestehen nur in den Beweggründen und den Reaktionen der Besucher. Die lassen sich weder durch "Fachleute" noch "entsprechender Begleitung" etc. steuern. Ich habe zehn Jahre mit Schulen zu tun gehabt und viele Berichte über solche Klassenfahrten gelesen. Alle liefern Betroffenheitstexte ab in der Art von Politikeransprachen und tadeln "andere", die nicht die nötige Betroffenheit aufgebracht, sondern Nervenkitzel empfunden haben.

Ein Beitrag zum Thema hier (http://theday.co.uk/deutsch/die-ethische-dimension-des-auschwitz-tourismus ).

SAGEN.at
21.02.2015, 15:00
Unterschiede bestehen nur in den Beweggründen

Das ist exakt der entscheidende Punkt!

Wolfgang (SAGEN.at (http://www.sagen.at))

Babel
21.02.2015, 16:13
Unterschiede bestehen in den BeweggründenDas ist exakt der entscheidende Punkt!
Welches sind die Beweggründe im Fall der Klassenreisen? Das sind Pflichtübungen. Die Schüler können es sich sowieso nicht aussuchen. Ich halte das nicht für die ideale "Vorbereitung".

Dresdner
22.02.2015, 11:24
Einige zusätzliche Gedanken in Ergänzung zu dem schon hier Geschriebenen.

Die Themenerstellerin kommt laut eigenen Angaben aus dem Baltikum.
Somit muss man sowohl die Geschichte - speziell in Bezug auf die Weltkriegszeit - als auch die gegenwärtige Situation in diesen Staaten beachten.
Zudem ist die Themenerstellerin nicht Muttersprachlerin, so dass ihr in Bezug auf den "schwarzen Tourismus" ein Denkfehler unterlaufen ist (ich unterstelle hier bewußt keine anderen Beweggründe).

"Schwarzer Tourismus" hat nichts mit dem Besuch von KZ-Gedenkstätten zu tun.
Er bedeutet vielmehr Reisen in "gefährliche Regionen", zumeist in Hinsicht auf Wetterextreme, zum geringen Teil auch in politisch instabile Gegenden.

Abgesehen von den schon genannten Bildungsfahrten stellen KZ-Gedenkstätten kein eigenständiges Tourismusziel dar. Es gab zwar in den 90er Jahren Bestrebungen gewisser politischer Gruppierungen, diese Orte zu Pilgerstätten ihrer Anhänger zu machen, jedoch hat die Zivilgesellschaft dies verhindert.
Eine andere Frage ist die Erhaltung und der Besuch solcher Stääten, die nun einmal untrennbar sowohl zur National- als auch zur Regionalgeschichte gehören.

Aus meiner Sicht vorbildhaft wird das in Weimar praktiziert. Die Gedenkstätte wirkt weit über die reine Geschichtsdarstellung hinaus und die Stadt hat sich - im Gegensatz zu vielen anderen ostdeutschen Kommunen - in allen Bereichen positiv entwickelt.
Sicher auch der kulturellen Vielfalt und dem Pflege des klassischen Erbes ist es zu verdanken, dass die Stadt in den vergangenen Jahren zum Altersruhesitz für viele wohlhabende Pensionsempfänger aus den alten Bundesländern geworden ist.

PS: Interessant sind die Resultate der Studie unter https://docs.google.com/forms/d/1-42vruI9O4Az9XoASxHRwj7EFl3GYBYa2_cnVCmGt9Q/viewanalytics?usp=form_confirm