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Vollständige Version anzeigen : altes Haus


LS68
23.04.2014, 23:17
Altes Haus
Auf Anregung von Ulrike, möchten wir die Geschichte, uns nahe liegender Häuser auf sagen.at festhalten, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben.

Bei meinem Bericht handelt es sich um das Haus Honsberg in Remscheid .
Als Kind besuchte ich mit meinen Eltern öfters "Schloßburg" an der Wupper, bei Solingen.
In der Möbelausstellung befindet sich eine Vietriene mit Intarsien und zahlreichen Schnitzerreien, in welchem einst das Porzelan zur Schau gestellt wurde.
Zur Erklärung steht dort : ............ Haus Honsberg in der Ibach.
Auf alten Fotos wird es aber auch im Stadtteil Rath vermerkt.
Wenn man von Radevormwald einen Schleichweg nach Wermelskirchen fährt, kommt man auch durch den alten Ort " Honsberg " , woher die Kaufleute, Mühlenpächter und Hammerherren stammten. Sie sind verwandt mit einem Großteil des remscheider Fabrikantenadel, aber auch mit der Familie "von Winterfeld" (Abgeordneter zur Kaiserzeit )
Das Haus wurde 1742 in Remscheid Hasten erbaut . Es bestand zunächst aus 5 Achsen (je 2 Fenster zur linken / rechten der Haustür. Es besitzt 2 Kamine aus Bruchstein, Innendurchmesser 70cm. Aufgrund der baulichen Veränderungen beginnt der Kamin (zum heutigen Heizungskeller) liegend. Beide Kamine sind im Speicher um ca 1,5m nach außen gezogen worden und durchbrechen ca 1m vom Scheitelpunkt den First.
Die Treppe im inneren war eigentlich Massenware, aber in diesem Haus sind die Holme verkehrt herum eingebaut worden. Das ist ein Stilbruch zum Barock und macht die Treppe einzigartig.
Die Außentreppe besteht aus Granit, was zu jener Zeit wohl eher selten war.
Die Fenster nennen sich " Remscheider Sprossenfenster". Im Fensterrahmen befindet sich ein Flaschenzug mit Gewichten, welcher es ermöglichte, die Fenster Horizontal und Vertikal zu Bewegen. So konnte man die Fenter bequem von außen und von Innen putzen, ohne eine Leiter zu benutzen oder das Zimmer zu verlassen.
Bis 1896 war es im Besitz der Familie Honsberg. Dann kauften es die "Bohrerkönige" Familie Mühlhoff , heute noch unter FAMAG zu finden. Durch zahlreich Grundstückskäufe wuchs das Tereng auf über 10.000qm an. Durch das Wasserrecht und Wegerecht wurden/werden weitere 17.000qm Nachbarland regiert.
1921 erhielt das Gebäude einen Anbau um 2 Achsen und damit sein heutiges Gesicht.
Zu dem Tonnengewölbe im ersten 1/3 links des Hauses kam ein zweiter Keller (heute Heizungs-, Tankraum) im ersten 1/3 rechts des Hauses hinzu.
Der Enkel des Firmengründer's bekam das Haus zur Hochzeit geschenkt. Es wurde 1956 auf 1,6 Mio DM getaxt.
1979 Kaufte es der Bauunternehmer Werner S. . Das Grundstück war auf 3.000qm geschrumpft. Bei dem Anbau einer Garage (140qm) wurde festgestellt, dass das Haus kein Fundament hat.
Angrenzend befanden sich 2 Grundstücke (2.000qm), deren Besitzer einst bei Teilverkäufen vergessen hatten sich das Wegerecht zu sichern, so dass man diese günstig erwerben und zu Bauland machen konnte.
So schön es auch sein mag, in so alten denkmalgeschützten Gebäuden zu wohnen, deren laufenden Kosten (wie Grundabgabe) sich kaum von normalen Häusern unterscheiden, sind Sie schwer zu unterhalten.
1980 platzten die Heizungsrohre, weil die Mieter in Urlaub gefahren sind. (Heizung abgestellt und nach dem Lüften vergessen die Fenster zu schließen). 4 Lehmdecken fielen herunter und der Stromkreislauf war hinnüber. Das Haus wurde mehrfach angestrichen und das Dach durchgebessert. 2013 erhielt es teilweise ein neues Dach. (Entsprechend dem Denkmalschutz) . Auch der Natur mußte Einhalt geboten und einige Bäume gefällt werde.
Es hat eine Grundfläche von 10 m x18m und 3 Wohnetagen. Aufgrund der Bombenangriffe, dem das Haus fast zum Opfer gefallen wäre, gehört es (neben dem Heimatmuseum und dem Haus "Erbschlöh" mit 27 Hektar Garten) zu den größten Einfamilienhäusern der Stadt.

Anbei noch einige Fotos :

Ulrike Berkenhoff
24.04.2014, 14:17
Eine sehr schöne (Fotos) und gelungene Dokumentation . Viele Grüße sendet Dir
Ulrike