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Vollständige Version anzeigen : Wanderung zur Rheinquelle


SAGEN.at
21.07.2005, 01:27
Anreise: Mit RhB und Furka-Oberalp-Bahn zur Oberalp-Passhöhe

Oberalp (2044 m ü. M.) - Lai da Tuma (2344 m ü. M.) - Oberalp: 3 Std. (auch mit Kindern begehbar) Oberalp (2044 m ü. M.) - Piz Pazola (2767 m ü. M.) - Lai da Tuma (2344 m ü. M.) - Oberalp: 4 Std. (Der Bergpfad ist stellenweise steil und ruppig, führt aber nicht über Abgründe.)


Kurze Variante:

Dem Wegweiser beim Restaurant Alpsu folgend steigen wir zuerst kurz abwärts, dann auf rot-weiss markiertem Bergpfad nach rechts dem Hang entlang aufwärts. Im Frühsommer ist der Weg gesäumt von Alpenrosen, Knabenkräutern, Schwefelanemonen und anderen Bergblumen, die man selbstverständlich auch für nachkommende Wanderer stehen lässt. Während des Aufstiegs geht der Blick ins oberste Rheintal bis hinunter nach Tschamut. Beim Tomasee verzweigt sich der Weg: Der eine führt dem See entlang, der andere über die Anhöhe zur Badushütte SAG hinauf. Reizvoll sind beide, doch empfiehlt es sich, zuerst zum See abzusteigen und dann dem Bächlein entlang auf rot-weiss markiertem Weg zur Badushütte hinauf zu wandern, von wo das obere Quellgebiet einsehbar ist.

Der Vorderrhein entspringt an der Wasserscheide zwischen den Kantonen Graubünden und Uri, die hier über den Andermatt hinab führenden Oberalppass verbunden sind.

Pazolamännchen

Noch heute wird beim Tomasee ab und zu das Pazolamännchen gesehen.
"Manchmal, wenn die Gäste der Hütte allzulange lärmten oder wer weiss was sonst noch trieben, klopte es energisch an das Fenster", erinnert sich ein Alpinist, der die Badushütte bestens kennt. "Öffnete jemand das Fenster, sah er draussen ein graues kleines Männchen stehen, mit kantigem Gesicht und hell leuchtenden Augen. Andere sahen es die Abhänge entlang rennen und schliesslich zwischen den Felsblöcken verschwinden." Solche Steingeister und Zwerge wirken nach den Sagen unter anderem als Hüter ihres Gebiets.

Die Fee vom Tomasee

Nach einer Sage lebte in Tschamut eine ausgesprochen eitle junge Frau. Um alle ihre schönen Kleider vorzuführen, ging sie immer erst dann zur Messe, wenn die Gemeinde bereits in der Kirche versammelt war. Überhaupt genoss sie es, wenn man sich nach ihr umsah und spazierte stundenlang durch das Dorf. Als Strafe für ihre Eitelkeit wurde sie nach ihrem Tod auf den Badus verbannt, wo sie bis heute ihre Röcke zur Schau tragen muss. Wenn sie mit rotem Rock und Strohhut auf dem Grat zwischen Badus und Nurschalas spazierte, wussten die Bauern, dass ein schlimmes Unwetter im Anzug war, und beeilten sich, unter Dach zu kommen, und die Hirten trieben ihre Herden in die Ställe.

Der Rhein fliesst vom Tomasee nach Tschamut, der ersten Ortschaft an seinem Ufer, dann nach Nordosten durch das Bündner Oberland oder die Surselva nach Tamins, wo er den aus dem Bernadinogebiet kommenden Hinterrhein aufnimmt. Von der Kantonshauptstadt Chur an fliest sein Wasser in einem Kanal mit Staustufen dem Bodensee zu.

Quelle: zitiert nach: Pier Hänni, Quellen der Kraft. Mit Wanderungen zu magischen Quellen in der Schweiz. Baden und München 2004, S. 208 f.

Wolfgang (SAGEN.at)