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alium verum. Labkraut. Zaubermittel für Kinder. Das duftende, weiche Kraut hat nach der mittelalterlichen Sage das Stroh geliefert, auf welches die Muttergottes das Jesukindlein bettete. Daher die Namen Liebfrauenstroh, Unserer Frauen Bettstroh (Unser Lieben Frau Bettstroh in Niederösterreich), Muttergottesbettstroh, englisch Ladies bedstraw. Raphael hat auf dem Bilde seiner Madonna della Cata alba in Petersburg dieses Stroh abgebildet. In Oesterreichisch-Schlesien, wo man vom Maria-Bettstroh spricht, wird erzählt, die heilige Jungfrau habe deshalb das Christkind auf Labkraut gebettet, weil nur dieses vom Esel nicht berührt wurde! 18) Schon auf dem Concile, das am 1. März 743 unter Vorsitz des heiligen Bonifacius abgehalten wurde, wird von dem "Strohbündel" gesprochen, "welches die guten Leute Marienbündel nennen", und welches sie an ihr Bett hiengen, oder in einem Leinensäckchen an ihrem Körper trugen, um gegen giftige Thiere und andere böse Einflüsse geschützt zu sein. Der Aberglaube hat sich so fest erhalten, dass die Landleute in der Nürnberger Gegend noch in der letzten Zeit bei fieberhaften Krankheiten ein Büschel Liebfrauenstroh an das Kopfende des Bettes hiengen und dazu vor dem Schlafengehen sprachen:

Heil sei dir du heilig Kraut!
Hilf uns zum gesunden,
Auf dem Oelberg wurdest du
Allererst gefunden.

Du bist gut für manches Weh,
Heilest manche Wunden
Bei der Jungfrau heil'gem Strauss
Lasse uns gesunden !

Verbreitet ist noch der Brauch, Marien-Bettstroh den Säuglingen in die Wiege zu legen, damit sie und ihre Mütter vor Zaubereien gesichert sind. Am Feste der Marien-Kräuterweihe fehlte Labkraut früher in keiner katholischen Kirche.

18) Höfer und Kronfeld, 1. c. pag. 63.

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Gentiana cruciata. Kreuzenzian. Galt einst für ein sehr kräftiges Kraut. Das Sprüchlein

Modelgeer
Aller Wurzel eer

war viel im Schwange. Für die der Pflanze mit auffällig ebenmässig im Kreuz gestellten Blättern zugemutheten Wunder sprechen die alten Namen bei Frank: Speerenstich, Heil aller Schäden, Engelwurz, Himmelstengel, St. Peterskraut, Sibyllenwurz. In der Kirche zu Werder bei Potsdam befindet sich ein altes Gemälde, auf welchem Christus als Apotheker dargestellt ist, wie er in einer Handwage die Sünden der Menschheit durch Kreuzwurz in's Gleichgewicht bringt. Wenn der Jäger des Schusses sicher sein wollte, musste er den Flintenstein mit Kreuzwurz "füttern". Noch in der neueren Zeit machte die Kreuzwurz viel von sich reden, da ein ungarischer Schullehrer sie als unfehlbares Mittel gegen Wassersucht anpries. Der deutsche "Vater der Botanik" Hieronymus Bock, der schon darauf aufmerksam macht, dass der Querschnitt des Wurzelstockes aussieht, als ob er mit einem Speere kreuzweise durchstochen wäre (daher "Speerenstich"), fügt, nach Aufzählung aller Fähigkeiten der Gentiana cruciata, die treuherzige Bemerkung hinzu: "Es muss aber an allen Orten Zauberei sein, niemand ist, der solches mit Ernst widerfechtet."

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Glechoma hederacea. Gundelrebe. Heilkräftig und zauberwidrig. Wer in der Walpurgisnacht (letzte Aprilnacht) einen Gundelrebenkranz trägt, erkennt alle Hexen. Auch melkte man die Kühe, wenn sie im Frühjahr zum ersten Mal ausgetrieben wurden, durch einen solchen Kranz, um die Milch zu vermehren und die Thiere [Tiere] vor jederlei Schaden zu schützen. Als einst Petrus heftiges Zahnweh hatte, sagte ihm der Heiland:

Nimm drei Gundelreben
Und lass' sie deinen Mund umschweben.

Der Name Gundelrebe (auch Gundermann) wird nach Grimm auf die Walküre Gundr bezogen, nach Schmeller (Bair. Wörterbuch) hängt er einfach mit Gund (feuchter Ort) zusammen.


Quelle: Zauberpflanzen und Amulette, Dr. E. M. Kronfeld, Wien 1898, S. 29ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juni 2005.
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