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Vogelnarren und Vogelbälle.

Der Tiroler ist ein geborener Vogelnarr. Kaum wird man eine Bauernstube finden, in der nicht hoch oben an der Zimmerdecke ein kleiner Drahtkäfig mit einem Krummschnabel hängt, der nach dem Volksglauben das Haus vor Unglück und Hexerei und die Insassen vor allen Krankheiten zu bewahren hat. Selbst der Karren des Dörchers beherbergt unter der gebleichten Leinwanddecke diesen für heilig gehaltenen Vogel, der die Familie als "Spiritus familiaris" auf allen Fahrten begleitet. Bekanntlich erzählt die Sage, daß einst ein kleiner Vogel mit seinem zarten Schnabel Christus vom Kreuze zu befreien sich abmühte und zum Andenken an diese mitleidige Tat samt seinen Nachkommen den Schnabel in Kreuzform trägt. Julius Mosen hat diese schöne Legende in einem sinnigen Gedichte verherrlicht. Die Tiroler wissen das hohe Ansehen des Tierchens noch weiter zu begründen, welches nach ihrem Glauben so heilig ist, daß man ihm in Ermanglung eines Priesters sogar beichten könne. Der Krummschnabel soll dreimal in seinem Leben die Farbe ändern und so an die heilige Dreifaltigkeit erinnern; in der Jugend ist er feuerrot, dann wird er gelb und zuletzt grau. Er ist ferner ein Weihnachtsvogel, d. h. er ist zu dieser Zeit in der Brunst. Daher besitzt er wunderbare Eigenschaften, die jedem Hause Segen bringen. Er macht die Zaubergewalt böser Leute unschädlich, verscheucht Besessene, und wenn jemand krank wird, so darf er nur von dem Wasser zu sich nehmen, von dem ein Krummschnabel getrunken, um sofort gesund zu werden. Er nimmt alle Krankheiten, die den Hausbewohnern und besonders den Kindern drohen, auf sich: darum verendet das edle Tier aber auch sehr leicht.

Der Krummschnabel ist indes nicht der einzige Vogel, der solche Verehrung genießt. Ihm zur Seite steht als "Muttergottesvogel" das "Brandtele" (Rotschwänzchen). Wo dieses nistet, wohnt das Glück und kein Blitz schlägt ein. Wer es aber merkt, sein Nest ausnimmt oder es gar tötet, wird furchtbar gestraft. Feuersbrunst, Verlust der schönsten Kuh oder teurer Angehörigen oder jäher Tod des Frevlers durch den Blitzstrahl sind die Folgen. Die gleichen Strafen treffen nach dem Volksglauben den Schädiger, der wie überall so auch in Tirol beliebten und geschätzten Hausschwalben. Betrachtet man nun die genannten Vögel mit einer gewissen Ehrerbietung, so sind dagegen eine Anzahl anderer Waldessänger nur um des Vergnügens halber beliebt; z. B. das zutrauliche "Rotkröpfl" (Rotkehlchen), das flinke "Tannenmeasl" (Tannenmeise), welche beide nebst dem "Krummschnabel" die drei "Nationalvögel" Tirols genannt werden können, ebenso das "Zeisele" (Zeisig), der bunte Stieglitz und andere, die man in vielen Bauernstuben trifft, entweder im Käfig, oder, da den Winter über nie ein Fenster geöffnet wird, auch frei herumflatternd, um herabgefallene Speisekrumen und das Ungeziefer zu vertilgen. An manchen Orten Oberinntals gibt der Singvogel, wie wir schon hörten, sogar dem Hausgenossen das Geleite auf dem letzten Wege. Man stellt nämlich bei Begräbnissen einen Käfig mit einem Vogel auf den Sarg, weil nach einer Sage etwas Lebendes bei den Toten sein muß, um denselben fortbringen zu können.

Ehemals wußten die Tiroler ihrer Liebhaberei auch eine vorteilhafte Seite abzugewinnen. Wer hätte nicht schon von dem ausgedehnten Vogelhandel der Tiroler, speziell der Oberinntaler, gehört, der gegen Ende des vorletzten und zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts blühte und den Spindler in feinem Roman, "der Vogelhändler von Imst" dichterisch behandelt hat? Damals waren es aber zunächst nicht die eingeborenen Waldessänger, mit deren Züchtung, Ablichtung und Verkauf man Gewinn erzielte, sondern Abkömmlinge ferner Zonen, nämlich Kanarienvögel. Zuerst hatten Spanier das Vorrecht des Alleinhandels, welche die Vögel unmittelbar aus den kanarischen Inseln einführten. Da wollte es einmal der Zufall, daß ein derartig befrachtetes Schiff in den Gewässern des Mittelmeeres strandete und die befiederten Fahrgäste sich auf die Insel Elba retteten. Die neue Kolonie gedieh prächtig, aber mit dem Privilegium der Spanier war es zu Ende. Bald machten sich italienische Gewinnsucher daran, die goldgelben Sänger zu fangen, zu zähmen und nun ihrerseits in den Handel zu bringen. Durch italienische Vogelhändler kamen sie auch in das Nachbarland Tirol. Dort fanden sie gewissermaßen eine neue Heimat. Die Bewohner des armen Berglandes und zwar besonders des rauhen und ertragsärmeren Oberinntales, das für die Bevölkerung nicht genug Mittel zum Fortkommen abwirft, ergriffen mit Freuden einen Erwerbszweig, der so sehr mit ihrer Neigung übereinstimmte. Im langen Winter zog man die kleinen Pfleglinge groß, lehrte sie mit unsäglicher Geduld allerlei Kunststückchen und pfiff ihnen kurze Liedchen solange vor, bis sie dieselben nachpfiffen. Später machte man es sich bequemer und benützte dazu kleine "Örgelen". Übrigens beschränkte man sich nicht ausschließlich auf Kanarienvögel, sondern brachte auch manche gelehrige, einheimische Waldessprossen zum Verkaufe, z. B. Kernbeißer und Kreuzschnäbel, Blauamseln, Nachtigallen, die herrlich singenden Steinmücken und Bergfinken etc. Kam dann der Sommer, so nahm der "Vogelträger" seine "Vogelkraxen", ein Traggestell für zwanzig und mehr kleine Käfige und ging damit auf die Wanderschaft. Die Vogelhändler durchzogen Österreich, Deutschland, England und Frankreich, ja sogar Rußland und die Türkei. Sie kamen in die Paläste der höchsten Herrschaften, denn überall sah man die hübschen kräftigen Burschen mit ihrer malerischen Tracht und ihrem treuherzigen Benehmen gern, und die niedlichen kunstfertigen Sänger, die inzwischen zum Modeartikel geworden waren, wurden mit schweren Summen bezahlt. Der Innungsspruch der Vogelhändler:

"Gelbe Vögel trag' ich aus,
Goldne Vögel bring' ich z' Haus"

wurde in der Tat in den meisten Fällen zur Wahrheit. Mit dem wachsenden Aufschwung nahm der Handel allmählich eine ganz andere Gestaltung an. Den Vogelträgern, die bereits reichen Gewinn erzielt hatten, behagte das beschwerliche Wandern nicht mehr, sie blieben als "Vogelherren" zu Hause und schickten Knechte von erprobter Ehrlichkeit als "Vogelträger" in die weite Welt. Diese mußten das erhandelte Geld ihrem Patron abgeben und erhielten dafür ihren Lohn. Vorzüglich in Imst, dem Hauptsitz des Vogelhandels, bildete sich dieses Verhältnis heraus. Dort gab es wohlhabende Insassen, die zu diesem Zweck Kapital zusammenschossen und dann den Gewinn teilten. In der besten Zeit schlug sich mancher dieser "Ganzgewinnmacher" - so nannte man nämlich die Teilnehmer der Handelsgesellschaft - jährlich 3 - 600 sogenannte Kaisergulden (1 = 2 Kronen) heraus, eine große Summe für damals.

Aber die Herrlichkeit dauerte kaum länger als ein Menschenalter. Man hatte nämlich als Vogelträger selten Tiroler, sondern meistens Schwaben gedingt, die sich des Rufes besonderer Ehrlichkeit erfreuten. Den guten Schwaben aber stach der Gewinn in die Augen und sie waren klug genug, den Handel alsbald in ihre Heimat zu verpflanzen. Damit wurde aber auch der Wettbewerb ein größerer, die Ware, nun keine Seltenheit mehr, verlor an Wert und als sie vollends mehr und mehr aus der Mode kam, ging der einst so blühende Erwerbszweig mit Riesenschritten seinem Ende zu. Vogelfang und Vogelzüchtung waren wieder, was sie einst gewesen, bloßes Vergnügen. Allerdings bringt noch hie und da ein Bauernbursche eine Kraxe mit selbstgefangenen Vögeln in eine nahe Stadt zu Markte und verkauft sie da an Liebhaber, aber das ist eben nur ein karges Überbleibsel der alten glänzenden Handelschaft. 1)

Es ist überhaupt, wie mir der alte Golser, einer der größten Vogelnarren, die ich kannte, versicherte, wie bei den Menschen, so auch bei den Vögeln der "guten alten Zeit" besser gewesen als jetzt; das merke man aus dem weniger fröhlichen Gesange. Die "Schwarzblattelen", meinte er, ließen wohl noch einen Triller und allenfalls auch den "doppelten" und die Meisen ihren einfachen und doppelten "Rebetzer" hören, aber nicht so der Bergfink. Der habe früher den "Reiter" und den "doppelten Bräutigam" gesungen:

"Zieh, zieh Bräutigia,
Bräutigam zieh.
Sollst Hochzeit halten
Und gehst nie."

Das aber bringe heutzutage wunderselten mehr einer zusammen.

Daß aber trotzdem die Lust an diesem Vogelsport nichts weniger als erstorben ist, zeigen die sogenannten Vogelbälle, die Tinzltage der Vogelliebhaber, eine seltsame Sitte voll origineller Komik, die sicher ihresgleichen sucht. Am festlichsten wird derselbe wohl im oberinntalischen Dorfe Oberhofen abgehalten. Es dürfte kaum eine tirolische Gemeinde geben, in welcher der Krummschnabel oder der "Schnabel", wie er dort schlechtweg heißt, sich solcher Gunst und Verbreitung erfreut, als eben in Oberhofen, und kaum irgendwo so viel Vogelnarren geben, die den gefiederten Sänger mit wahrer Begeisterung gleich einer Operngröße verehren. Wie die Menschen nun bald und unvermerkt sich zu einer eigenen Gesellschaft und Bruderschaft zusammenfinden, wenn sie in den Hauptgrundsätzen des Lebens übereinstimmen, so hatten sich auch in Oberhofen bald alle Liebhaber des "Schnabels", in dessen Bewunderung sie eins sind, zu einer Gesellschaft verbunden, die alljährlich im Fasching ihren Tinzltag, den sogenannten "Krummschnabelball", feiert. In früherer Zeit ging derselbe in folgender Weise vor sich.

Am anberaumten Tage nachmittags zwei Uhr versammelten sich alle Krummschnabelbesitzer in der Zechstube des Oberhofener Wirtes. Dem Glase wurde erst nur bescheiden zugesprochen; das Gespräch drehte sich natürlich um das liebe Steckenpferd. Unterdessen wurden draußen auf dem Platze vor dem Gasthause eine Menge kleiner Drahtkäfige teils auf den Boden hingestellt, teils auf hohen Stangen aufgepflanzt. Darinnen befanden sich die besten Sänger des Ortes, um im gegenseitigen Wettkampf ihre Gesangskunst zu erproben. In lustigem Vereine pfiffen und trillerten sie zusammen, während eine Menge Volkes mit unterscheidender Beurteilung ihren Liedchen lauschte. Schließlich wurde dem Krummschnabel eines gewissen Michael Ruf die Ehre des "Hauptschnabels" zuerkannt. Er sang so hell und rein und so "hitzig", daß er alle übrigen überflügelte. Kein Wunder, daß man seine Abstammung besprach, wie jene eines berühmten Mannes. Er war nämlich zu Mötz "geboren" und durch Kauf in die Hände feines jetzigen Herrn gelangt, dem er nach dem siegreich bestandenen Sängerkampf wohl um eine ansehnliche Summe nicht feil gewesen wäre. Hatte man sich nun an dem Meistergesange hinlänglich erquickt, so erschienen zwei Trompeter, welche in langem Atemzuge einen kräftigen Tusch bliesen, worauf der "Brudermeister" die untertänigste Einladung machte, daß die, welche Lust und Liebe hätten, in die "Schnabelbruderschaft" einzutreten, sich anmelden und einschreiben, sowie die übliche Taxe für den Imbiß zahlen möchten. Der Redner sprach hierauf noch einige Worte zu Ehren des Glücksvogels, der alles Übel und alle Krankheit, die in ein Haus komme, zuerst auf sich nehme, und überhaupt in allem ein edles Tier sei, welches mit unvergleichlichem Gesange der Menschen Herz erfreue. Zugleich brachte er in Vorschlag, einige "Vereinsstatuten" zu entwerfen und zu beraten, und in der jeweiligen Generalversammlung die gemachten Erfahrungen über "Wesen, Natur und Beschaffenheit" der "Schnäbel" und ihrer "G'sanglen" zu allgemeinem Nutz und Frommen darzulegen. Hierauf setzten sich die Vogelbesitzer zum Imbiß.

Was da das Tischgespräch bildete, ist unschwer zu erraten. Die Lebensbeschreibungen sämtlicher Krummschnäbel kamen da zur Sprache, Anekdoten und wahre Geschichten von unerhörtem Glück und Mißgeschick beim Vogelfang, ihre rühmenswerten Eigenschaften, die verschiedenen Arten ihres Gesanges: der Klingler, Schnaggler, Doppler, Trippler etc. und sodann ihre Krankheiten und Ausartungen. Es gibt nämlich auch sogenannte "Zehenbeißer" und "Tröglluller", von denen die letzteren immer am Trögl "pecken", während die ersteren die kindische Unart haben, stets an ihren Nägeln zu kauen oder mit dem Kettchen den Hanfsamen herauszuwerfen, alles schwer zu rügende Unarten. Übrigens ward dem Jägerlatein durch klassisches "Vogellatein" zum mindesten die Stange gehalten. Den Schluß des Festes machte ein ehrsamer Tanz, wobei die Krummschnabelfreunde unter den kräftigen Klängen der Musik, je zwei und zwei zusammen, auf gut bäuerisch herumtwalzten.

Eine ähnliche Festlichkeit ist der "Vogelball", der seinerzeit am zweiten Sonntag im Oktober zu Fulpmes in Stubai gefeiert wurde. Zur Eröffnung desselben wurde ein Festzug veranstaltet, dessen Mittelpunkt ein großer, eigens zu diesem Zwecke angefertigter Schild bildete. Auf der einen Seite desselben erblickte man in kunstgerechter Bauernmalerei das Haus des obersten Vogelfängers und Besitzers des besten Krummschnabels, um das sich soeben die übrigen Mitbewerber versammeln, um zu erproben, wer denn eigentlich "den Robl" (Sieg, Vorzug) habe. Die andere Seite des Schildes zeigt ein bewegtes Bild. Es stellt nämlich den Vogelfang vor. In der Mitte desselben sieht man die Hauptwachmannschaft der Vogelfänger nach geschehenem "Schnabel-Anflug" die "Garggen", das sind große Latten mit Leimruten und Lockvögeln, niederlassen, abnehmen und wieder aufstellen. Zu beiden Seiten bringen Männer neue Gerätschaften, andere schüren ein Feuer an, schleppen Holz herbei, ein dritter richtet den Rotkehlchen auf, ein vierter verfolgt eine Tannenmeise, während ein fünfter sich heimlich bei einem Fläschchen Schnaps gütlich tut. Im Hintergrunde sieht man einen Jäger, der auf den "Hahnenpfalz" geht, sowie einen Hasenschützen.

Der Festzug wurde in folgender Ordnung gegliedert. Erst kam die Musik, dann der auf einer hohen Stange befestigte, zierlich geschmückte Schild, darauf folgten Vogelträger, auf deren Kraxen sich die Lockvögel befanden, und endlich die Träger der verschiedenen zum Vogelfang nötigen Geräte, wie einfache und doppelte "Garggen", vorrätige leere "Steigen", Holzspäne zum Feueranmachen, Mundvorräte, Schnaps und dergleichen Sachen. So bewegte sich der Zug zum Platzwirt. Auf dem in der Nähe des Gasthauses befindlichen Kirchplatze war bereits am Vorabende ein großer Fichtenbaum, an dem eine hohe Treppe angebracht war, festlich aufgestellt worden. Hier machte der Zug Halt, umgeben von zahlreicher Zuschauerschaft, denn alles, was Füße hatte, wollte den Spaß mit ansehen. Der Platzwirt bestieg nun die Treppe, hielt eine Anrede und brachte ein Hoch aus, welches von den Musikanten mit einem dreimaligen Tusch erwidert wurde. Der Schild wurde sodann im Gasthause untergebracht, worauf sich die 48 Ballgäste zum Male setzten und die ganze Nacht mit Essen und Trinken, Musik, Tanz und Gesang verbrachten. Die böse Welt will wissen, daß einigen der heimgehenden Ballgäste die Zeit so schnell vergangen sei, daß sie die ihnen am Montag früh begegnenden Frühmeßleute mit dem Wunsche "gute Nacht" begrüßten. Einer soll sogar erst am folgenden Mittwoch zur vollen Besinnung und nach Hause gekommen sein. Dieser Vogelball in Fulpmes unterblieb durch einige Jahre, ist aber jetzt, wie ich zu meiner Freude höre, wieder in Aufschwung gekommen.

Daß auch Imst, der ehemalige Sitz des Kanarienvogelhandels, seinen "Vogelball" hat, versteht sich von selbst. Auch im Zillertal kennt man diesen Gebrauch. Die Vogelfreunde der Umgebung erscheinen dort auf geschmückten Wagen. Im Oktober 1860 - das ist allerdings schon lange her - war außer dem "Vogelkönig" Michael Tiefentaler noch ein alter Vogelfänger anwesend, der dieses edle Geschäft durch fünfzig Jahre betrieben hatte. In Anbetracht seiner großen Verdienste wurde der Jubilar von der Gesellschaft zum "geheimen Vogelrat" ernannt. Nebst den menschlichen Gästen waren in dem mit Vogelkäfigen und Vogelsinnbildern aller Art schön gezierten Saale des bestbekannten Aignerwirtshauses zu Fügen auf eine Menge von gefiederten anwesend, unter denen sogar ein brasilianischer Papagei prangte, der sich noch viele Jahre eines harmlosen Daseins erfreute.

Dieser Fügner Vogelball wird noch immer nach altem Brauche beim Aignerwirt abgehalten und zwar im Jänner am ersten Sonntag nach dem Namen-Jesu-Fest. Auch heute noch wird der "Vogelkönig" gewählt und mit Krone, Szepter und Mantel geziert im Schlitten vom Hause abgeholt und in den Tanzsaal getragen. Dort sucht er sich eine Tänzerin aus, die dann "Vogelkönigin" ist.

In der Landeshauptstadt Innsbruck hielten seinerzeit, im Fasching die Vogelfreunde ihre Versammlung beim Lamplwirt oder bei der "Traube". Über jedem Gaste hing ein Käfig mit einer Meise. Auch ein Baum war aufgestellt, mit dem "Garggen", dem Stocke oder "Birnkrönl" und ähnlichem Vogelfanggerät. Dazwischen erblickte man verschiedene Vögel. Zuerst wurde das berühmte "Vogelfängerlied" mit Musikbegleitung gesungen und zwar vom Jäger Wilhelm, dann ging der eigentliche "Surm" los, so daß die armen gefiederten Ehrengäste die ganze Nacht kein Auge zutun konnten.

1) Über die "Imster Vogelhändler" vgl, meine "Tiroler Volkstypen" a. a. O. S. 210-217.

Quelle: Ludwig von Hörmann, Tiroler Volksleben, Stuttgart 1909. S. 457 - 465.