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Der Metnitzer Totentanz

Der Karner von Metnitz

Gotischer Bau aus dem 1. Drittel des 15. Jahrhunderts. Achteckiger Grundriss mit einem kleinen Chor mit 5/8 Schluss. Ein steiles mit Holzschindeln gedecktes Pyramidendach schließt mit Laterne und Doppelkreuz ab. Zweigeschossig unter Ausnützung der Hanglage.

Der Karner von Metnitz, Bezirk St. Veit an der Glan in Kärnten (Österreich) © Harald Hartmann
Der Karner von Metnitz mit dem berühmten Totentanz
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Das Untergeschoss diente als Beinhaus für die Gebeine und Totenschädel des früheren um die Kirche gelegenen Friedhofes. Diese sind 1959 in ein "Ahnengrab" an der nördlichen Kirchhofmauer gelegt worden. Das Obergeschoß erhielt 1922 Erinnerungstafeln an die Gefallenen des 1. Weltkrieges. 1957 wurde die Kriegergedächtniskapelle nach Plänen des Bundesdenkmalamtes (Dipl. Ing. Bernhard Reichhart) renoviert und neu gestaltet.

Der Höllenschlund, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Der Höllenschlund
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Als Friedhofskapelle wurde sie, wie auch anderswo üblich, dem heiligen Michael geweiht. Das Innere war einstmals mit Fresken des hl. Michael und des Jüngsten Gerichtes ausgestattet, als wohldurchdachte Fortsetzung des Totentanzes. Vergegenwärtigen wir uns die Aussage des Totentanzes: Vor dem Tod sind alle gleich, er kennt keine Standesunterschiede, er holt hoch und niedrig, arm und reich. Er holt aber auch Alte und Junge und keiner weiß die Stunde. Er holt den Mann mitten aus der Arbeit (dem Arzt entfällt das Uringlas, dem Koch der Kochlöffel u.a.m.) er holt aber auch das kleine Kind aus der Wiege. Der Totentanz wird mitten in den Friedhof gestellt (die Totentänze befinden sich fast durchwegs auf Außenmauern): hier wird der Leib begraben und die Gebeine harren nach mittelalterlicher Auffassung auf den Posaunenruf, der sie aus den Gräbern holt zum Jüngsten Gericht, wo von dem "Seelenwäger" Michael über ihr weiteres Geschick entschieden wird, wie es am Anfang des Totentanzes der Prediger den Zuhörern vor Augen hält.

Der Metnitzer Totentanz

Der Metnitzer Totentanz ist ein spätmittelalterliches Fresko, das einzige deutschsprachiger Überlieferung in Österreich, und hier wegen seines Alters und seiner Größe auch eines der bekanntesten. Es hält durchaus dem Vergleich mit anderen bedeutenden Totentanzgemälden stand, wie z.B. dem in Lübeck (von 1489), mit dem es die kreisförmige Anordnung der Fresken gemeinsam hat, oder dem in Basel (von 1439), dessen Fresken an der Friedhofsmauer des Dominikanerklosters, indirekt über das Baseler Blockbuch für Metnitz zur Vorlage wurden.

Übersicht der Figurenpaare, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann

Totentanz Metnitz: Übersicht der Figurenpaare
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Das Totentanzfresko ist ein Fries von 3 Figurengruppen und 25 Figurenpaaren, die um den Karner wie ein Reigen ziehen, unterhalb ein vierzeiliges deutsches  Spruchband, als Abschluss oben und unten ein Ornamentenband.
Es ist durch den Einfluss der Witterung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr verfallen. Um den Originalrest (ca. 2/8) zu erhalten, ließ das Bundesdenkmalamt 1968 die Fresken abnehmen und in seine Werkstätten zur Konservierung bringen.
Durch verschiedene Dokumentationen ist uns überliefert, wie die bereits verfallenen Fresken einst ausgesehen haben.
1875 beschreibt Friedrich Lippmann, der statt 25 nur noch 19 Figurenpaare vorgefunden hatte, Farbe und Aussehen der einzelnen Bilder und bezeichnet sie als mehr oder minder gut erhalten. Das vierzeilige Spruchband war bereits unleserlich. Als Entstehungszeit nimmt er 1490-1500 an. 1885 wird im Auftrag der k.u.k. Zentralkommssion eine 1:7 verkleinerte Aquarellkopie angefertigt, so dass uns Aussehen und Farbgebung der damals noch vorhandenen Bilder überliefert worden ist.
1889 fertigt Paul Grueber eine Abzeichnung des Totentanzes an. Er verlegt die Entstehung auf das Jahr 1546, eine Zahl, die er bei der Krüppelszene vorgefunden hatte .
Die Entstehungszeit ist nicht mit Sicherheit festzulegen, die meisten Fachleute nehmen die Zeit um 1500 an.
Andere, wie Erich Koller (Univ. Prof. in Würzburg, vorher Innsbruck), verlegen sich auf 1546. Unbekannt ist auch der Maler des Freskos, doch dürfte er in der Friesacher Malschule zu suchen sein.
Man kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit das Buch angeben, das dem Maler als Vorlage für den Totentanz gedient hat: es ist dies ein oberdeutsches Blockbuch (oder ein ihm sehr verwandtes), das 1465 nach dem Baseler Totentanz (von 1439) gedruckt worden ist. Der Metnitzer Totentanz weist nicht nur eine starke Übereinstimmung in der Darstellung der Figurenpaare auf, sondern auch eine textliche: ein vom Aquarellkopisten überliefertes Bruchstück lässt sich genau in den Blockbuchtext einfügen.

Nordseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Nordseite
Über dem Eingang wurde das Schweißtuch der heiligen Veronika gemalt,
auch "Vera Ikon" genannt, mit dem Abdruck vom Antlitz Christi.
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Nordwestseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Nordwestseite
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Nordostseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Nordostseite
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009


Die Kenntnis der Vorlage und die Dokumentationen machten es möglich, dass der Karner 1990 eine Nachschaffung des Totentanzgemäldes erhalten konnte. Die Kopien und Rekonstruktionen wurden von den Meistern Walter Campidell und Dietrich Wiedergut in Freskotechnik gemalt:
An der N, NW und NO Seite Kopie nach dem Original.
Die S und SO Seite nach der Aquarellkopie.
Die W und SW Seite, sowie die Inschriften nach dem oberdeutschen  Blockbuch. Die Inschrift des Totentanzes beginnt mit der Moralpredigt der zwei Prediger, dann folgt unter jeden Figurenpaar der Dialog des Todes mit seinen Opfer. Die Schrift des Spruchbandes am Karner ist gotisch, die Sprache ein noch vom Mittelhochdeutschen beeinflusstes frühes Neuhochdeutsch.

Südseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Südseite
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Südostseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Südostseite
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Südwestseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Südwestseite
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Westseite, Totentanz Metnitz © Harald Hartmann
Totentanz Metnitz: Westseite
Bezirk St. Veit an der Glan, Kärnten (Österreich)
© Harald Hartmann, Februar 2009

Quellen:
Grueber Paul: Symbolik des Todes am Karner zu Metnitz,1889, Allgem.Bauzeitung, Jg. 56,Wien 1891 Heft 11
Koller Erwin: Zum Metnitzer Totentanz, Carinthia 1, 170.Jg., 1980
Lippmann Friedrich: Der Totentanz von Metnitz, Mitteilungen der k.k.Central-Commission
Staunig:Thea, Metnitzer Totentanz, Pfarre Metnitz