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Der Totentanz im Stift Altenburg bei Horn


 
 

 

 

Stift Altenburg
Das Stift Altenburg bei Horn, Niederösterreich, Österreich
© Harald Hartmann, Mai 2009

Der am tiefsten gelegene Ort des Klosters, in seinen Dimensionen der darüberliegenden Bibliothek entsprechend, wird "Krypta" genannt. Welche Funktion dieser Raum hatte, wird immer noch diskutiert: Ist er eine aussergewöhnliche, beabsichtigte Abtsgruft für den Altenburger Bauabt Placidus Much (+1756)? Ist er ein Aufbahrungsraum? Oder ist es ein Meditationsraum über das Thema Tod und Vergänglichkeit, ein „Memento mori", ein Ort der Besinnung?

Wegen des steil abfallenden Felsplateaus entstand unter der Bibliothek diese Substruktion, die die Schüler Paul Trogers künstlerisch ausgestalten durften. Doch diese malten nicht ohne Konzept, sondern ein genaues Programm gab ihnen das Thema vor: Sie sollten eine "besonders meublirt und gezierte Todten-Capelle" schaffen, zu der eine Predigt Abrahams a Sancta Clara, die 1720 in Nürnberg mit Kupferstichen illustriert erschien, ideell Pate stand. Über seinen persönlichen Freund Abt Raimund Regondi (1681-1715) kam dieses Werk vielleicht nach Altenburg, die skurile, malerische Umsetzung "al secco" im Stil des grotesken Barock erfolgte zu Beginn der 40er Jahre des 18. Jahrhunderts unter Abt Placidus Much.

De Krypta ist ein fünfjochiger Raum, Gurtbogentonne über Wandpfeilern, Stichkappen mit segmentbogigen Fensternischen. Wand und Gewölbe zur Gänze von Malereien bedeckt, Troger-Schule, um 1740/45 restauriert und ergänzt. In der Sockelzone Muscheln, Korallen, Erdschollen und aufgebrochene Landschaften (Tiefen der Erde und des Meeres). An den Wandpfeilern Atlanten, dazwischen Bildfelder mit symbolischen Darstellungen. Im Gewölbe üppige Groteskenmalerei mit floralen und vegetabilen Motiven, Todessymbolen und den heilbringenden Früchten des Glaubens. An den Gurtbögen Totentanz-Szenen.

Die Krypta des Stifts Altenburg
Die Krypta unter der Bibliothek des Stifts Altenburg bei Horn
© Harald Hartmann, Mai 2009

Im fünften Joch der Tod als Neptun, gegenüber der Tod als Merkur. An der südl. Stirnwand illusionistischer Säulenaltar mit Christus am Kreuz. Den Totentanz-Bildern mit dem Triumph des Todes und den Spekulationen über Vergänglichkeit, exemplifiziert an antiken Metaphern, ist der christliche Erlösungsgedanke gegenübergestellt.

Der Tod als Neptun
Der Tod als Neptun
© Harald Hartmann, Februar 2009

Tod als Merkur
Der Tod als Merkur
© Harald Hartmann, Februar 2009

"Sich den unberechenbaren Tod täglich vor Augen halten" ist eines der Instrumente der guten Werke, die Benedikt von Nursia dem Mönch empfiehlt. Dies meint, dass der Christ sich täglich auf denTod vorbereiten soll, täglich zu sterben bereit, täglich für die Begegnung mit Christus, dem Herrn überleben und Tod, vorbereitet sein soll. Daher entstand dieser "Ballsaal des Todes" mit seiner Überfülle von Todessymbolen - Totentanz, Eremiten, Muscheln, Korallen, Totenköpfe, Sanduhr, Musikinstrumente, verlöschende Kerzen – die jedoch eingebettet sind in die Symbole des Lebens, bunte Farben, Blumen, Wasser. All die Gottheiten der Mythologie wie Neptun und Merkur, die Einsiedler und Heiligen, Männer und Frauen, Alte und Junge, die mittanzen beim Spiel des Todes auf der Bühne der Welt, sind Christus nur zur Seite gestellt, der den Tod in seinem Tod besiegte und dessen Bild als Gekreuzigter am Scheinaltar der Abschlusswand der Krypta diesen "originellsten Raum eines österreichischen Klosters" deutet.

Tod und Kind
Der Tod und die Kinder
© Harald Hartmann, Mai 2009

 

Tod und Alter
Der Tod und der Alte
© Harald Hartmann, Mai 2009


Tod und Frau
Der Tod und die Frau
© Harald Hartmann, Mai 2009

Tod und Kavalier
Der Tod und der Kavalier
© Harald Hartmann, Mai 2009

"Wohin immer das Auge sich wenden mag, begegnet ihm der Tod in irgendeiner Gestalt, sei es nur angedeutet durch Totenschädel, oder Gebein, sei es als klapperdürres Totengerüst: als Jäger mit Bogen und aufgelegtem Pfeil, als unerbittlicher Schnitter, als Schatten der lebensfrohen Menschen mit Stundenglas und Hippe, als geflügelter Hermes oder als Poseidon mit mordendem Dreispitz. Eine seltsam geniale Verquickung Versailler Kunst und Holbeinscher Totenmystik und ein eindrucksvolles Memento mori, das wie eine Illustration wirkt zu den Sinnsprüchen des in Altenburg gerne gelesenen Abraham a Santa Clara aus seiner "besonders möblierten und gezierten Totenkapelle".

Der Tod lässt alles vergehen, das zeigen uns die Allegorien: Arbeit und Musik, Schönheit und auch Krieg:

Allegorie Arbeit
Allegorie: Vergänglichkeit der Mühen
© Harald Hartmann, Mai 2009

Allegorie Musik
Allegorie: Vergänglichkeit des Vergnügens
© Harald Hartmann, Mai 2009

Allegorie Schönheit
Allegorie: Vergänglichkeit der Schönheit
© Harald Hartmann, Mai 2009

Alegorie Krieg
Allegorie: Vergänglichkeit von Krieg und Streit
© Harald Hartmann, Mai 2009

 

 

 

Quellen:
Dehio, Niederösterreich nördlich der Donau
Informationstafel in der Krypta
Schweighofer, Gregor, Stift Altenburg. Eine Führung, Wien 1975

 

 

 

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Anregungen und Ergänzungen: Berit Mrugalska