SAGEN.at >>Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher

   
 

Katharina (25. November)

kennen wir bereits als eine der "drei schönsten Madl", und zwar als die "mit'm Radl", sie trägt als Königstochter eine Krone und verschiedentlich ein Schwert, ein Buch oder die Palme der Märtyrin, denn sie wurde 806 unter Maxentius gerädert, und als das Rad in Stücke zerfiel, enthauptet.

Sie wurde von einem orientalischen Königssohn begehrt, wies ihn aber ab, beging im Kerker ihre mystische Hochzeit mit Christus.

Ihre Verehrung wurde erst im 11. Jahrhundert durch die Kreuzfahrer nach Europa gebracht, galt aber vom 15. Jahrhundert an als die größte Heilige unter den vierzehn Nothelfern. Zeugnis für ihren gehobenen Kult lieferten die vielen "Kathln", "Katharinen" und zärtlichen "Käthchen".

Mit achtzehn Jahren ließ sie sich in einen Disput mit einer Versammlung heidnischer Philosophen ein. widerlegte sie alle und wurde als Heilige Patronin der Gelehrten, der Schüler und der philosophischen Fakultät von Paris. Vielleicht schreibt es sich auch daher, daß sie Patronin gegen Kopfleiden wurde, wahrscheinlich aber wegen ihrer Enthauptung.

An das Martyrium mit dem Rade knüpfen sich weitere Patronate der Heiligen, so der Spinnerinnen, Wagner, Müller, Scherenschleifer, auch der Chirurgen und Barbiere. In der Baukunst wurde das Rad prächtiger Schmuck gotischer Kirchen. Überhaupt hat die bildende Kunst (Bilder, Altäre), die Sage und die Volksdichtung den Kult der Heiligen reich befruchtet.

Manche ihrer Kirchen sind mit einem heilenden Wasser oder Brünnlein versehen. Eine Zier der Meraner Landschaft ist das Bergkirchlein "Katharina in der Scharte" des Tschögglberges und immer wieder passen viele auf die Jahreserscheinung, bis hinter ihm die Sonne aufsteigt und das strahlende Himmelslicht es rings umklärt, oder der leuchtende Vollmond es wie ein Heiligenschein umfängt. Die Katharina in der Scharte soll auch gegen Unwetter hilfreich sein.

Es heißt, aus ihrem Gebein auf dem Berge Sinai sei heilsames Öl geflossen. In Tirol galt dies "Katharinen-Öl" als wirksam gegenPest, Vergicht. Grintschuppen und Eingeweidewürmer.

Ihr Tag war einst ein großer Bauernfeiertag, an dem es hieß: "alle Räder stehen still!"

"St. Kathrein
Stellt Räder und Geigen (Tanz) ein."

Die Mühlräder durften nicht mahlen, die Fuhrleute nicht fahren, die Spinnräder nicht in Schwung getreten werden, das Tanzbein aber durfte zum letzten Mal geschwungen werden bis Weihnachten, denn der Advent mit seinen vier Bußwochen und allerhand anderen unheimlichen Geschehnissen stand knapp vor der Türe.

Dafür gibt es vor diesem Torschluß vielfach Eingang in die Ehe, was auch auf die mystische Ehe Katharinas im Kerker zurückgeführt wird.

Im bäuerlichen Brauchtum ist das Ende der Weidezeit gekommen, die Bienen werden unter Dach gebracht, dafür die Schafe geschoren und, wo man noch dem schönen häuslichen Brauche des Spinnens huldigt, setzt es jetzt ein.

Es wäre fast ein Wunder, wenn die kluge Katharina nicht auch was vom Wetter verstünde:

"Wie Sankt Kathrein
Wird's Neujahr sein."
"Wie das Wetter um Kathrein,
Wird auch der nächste Hornung sein."

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 79ff