SAGEN.at >>Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher

   
 

Caspar, Melchior, Balthasar

(6. Jänner), die drei heiligen Könige, mit Gold. Weihrauch und Myrrhen.

Ihre Verehrung setzte im deutschen Reiche erst voll ein, als 1164 Rainald von Dassel ihre Reliquien aus Mailand nach Köln brachte.

An ihrem Feste weiht die Kirche Wasser, Salz und Kreide und im christlichen Kaufe geht der Hausvater mit betendem Gefolge am Vorabend, als letzte der Rauchnächte, wieder durch alle Räume, sprengt Weihwasser, räuchert mit Weihrauch, der im ganzen Hause einen süßen, geheiligten Duft verbreitet, und schreibt mit der Kreide an alle Türbalken C † M † B mit der anfangs und rückwärts verteilten Jahreszahl, wohl auch als eine Erinnerung, daß einstmals das neue Jahr mit diesem Feste begann. Vor dem Räuchern muß in Kurtatsch das Haus gekehrt werden, sonst tragen die Mäuse den Staub in die Augen. Nach dem Räuchern muß die Stalltüre früh geschlossen werden und darf nicht mehr geöffnet werden. Die Tiere sollen in dieser Nacht ungestört sein, denn sie erhalten während dieser Menschenverstand und reden unter sich. Im Eggentale horchte ein fürwitziger Bauer an der Stalltüre und hörte: "In der folgenden Woche werden wir Holz zur Säge ziehen, - dem Bauern seine Totentruhe." Und so traf es auch ein.

Dreikönigswasser wird auch dem Vieh gegeben, und die Felder werden damit besprengt, auf daß sie, so gesegnet, eine gute Ernte geben möchten. Auch die Weinberge werden mit dem Dreikönigswasser besprengt. Der Sprengwedel ist gewöhnlich ein Buchszweig, der an hoher Stange in Feld oder Weingarten aufgestellt, diese vor Hexen und Hagel schützt.

Bei dem feierlichen Gottesdienste singt man da und dort noch alt Dreikönigslieder.

Heute setzt die Hausmutter ein möglichst festliches Mahl auf den Tisch, wird doch mit Dreikönig der geheiligte Weihnachtskreis beschlossen.

Wo nicht der Zelten schon am Stephanstag angeschnitten worden ist, passiert ihm das heute.

An der Krippe verschwinden die armen Hirten mit ihren herzlich gut gemeinten Gaben und es treten auf die drei Könige mit mehr oder weniger Gefolge, jedenfalls betont ein Kamel, daß sie weither aus dem Oriente kommen, dem Sterne folgend.

Nachmittags kommt dann Besuch der Nachbarn, die Umstellung der Krippe zu bewundern.

Um Dreikönig folgen, meist nur mehr auf Dörfern, wieder drei Könige ihrem Stern, den aber einer von ihnen persönlich auf einer Stange trägt: es sind die Sternsinger, ältere Schulbuben, die von Haus zu Haus ziehen und meist ein althergebrachtes Lied singen: beschenkt ziehen diese notdürftig als Könige ausstaffierten Buben weiter. Eine Papier-Krone bezeugt ihre hohe Stellung, auch Melchior, der Mohrenkönig, ist dadurch hervorgehoben.

Das Sternsingen ist wohl ein Rest von früheren Dreikönigsspielen. Die älteste Erwähnung des Singens stammt aus 1576, aufgezeichnet vom Sterzinger Bürgermeister.

Das wäre heute der Dreikönigstag, wie er allgemein und besonders auf dem Lande noch üblich ist. Er ist das kirchliche Überbleibsel von einst.

Einzig das Matthäus-Evangelium berichtet von den drei Magiern (Königen), hüllt diese in einen Zauber und ihr Fest fällt in eine Zeit, die schon an sich wegen ihres Dunkels unheimlich ist und als von Dämonen beherrscht, von der wilden Fahrt durchtobt gilt. Dreikönig bildet den Abschluß der drei Rauchnächte und der zwölf Rauchnächte und ist davon die gefährlichste: das Totenheer und Frau Bercht ziehen durch diese, die früher der "Weihnachtszwölfer" hieß. Die Geisterwelt treibt da ihr ärgstes Unwesen.

Perchta oder Bercht ist die altgermanische Tolengöttin, die mit ihrer Schar manchenorts auch bis in unsere Tage (oder besser gesagt: Nächte) im Brauchtum nicht vergessen ist, besonders in der Nacht auf Dreikönig. Hans von Vintler auf Runkelstein schrieb in seinen "pluemen der tugent" um 1411: "Und ettleich glauben an die frown, die do haißent Piecht mit der eysnenn nas."

In Gummer und Welschnofen stellte man ihr Küchel vor das Fenster; im Eggental und auf dem Regglberg schaute einer neugierig auf den Umzug der Perchta, sie machte ihn blind und erst das Jahr drauf wieder sehend. Die Perchta prüfte auch, ob die Mägde das Werch sauber gesponnen haben, auch soll alles daheim sein. In Ridnaun darf in der Nacht auf Dreikönig keine Wäsche im Freien hängen, sonst ist am Morgen keine mehr am Strick. Um die Gunst Perchtas zu gewinnen, wurden ihr Speisen geboten. Die Marteller Mädchen wendeten aber solchen Brauch zu ihrem Nutzen, backten Krapfen und schenkten sie schön verziert den Burschen, um deren Gunst zu gewinnen, ob in dieser Nacht, oder überhaupt, steht nicht geschrieben. Zu Sand in Taufers verkehrte man das Heidnische in Christliches und es wurde als Geisterversöhnung am Oktavtage von Dreikönig Amt und Vesper von der Gemeinde gestiftet. Raumbeschränkung zwingt manchen noch heute üblichen Brauch, wie etwa im Pustertale das "Haar-lank-Fahren" unbeschrieben zulassen.

Es wird sich niemand verwundern, daß man solche Zaubermacht gleich deren zu Andreas, Thomas und Sylvester nützte und vielfach noch nützt, um etwas Künftiges zu erfahren und allerlei Orakel beschwürt wie das Bleigießen, Pantoffelwerfen, Stubenkehren. Wenn die Dirn in dieser Nacht zwischen elf und zwölf die Stube kehrt und bei der Türe zurückschaut, sieht sie den künftigen Bräutigam beim Tisch sitzen.

Am Dreikönigsabend werden Küchel gebacken. Wenn eine Magd den ersten erhascht und damit innerhalb der Dachtraufe dreimal ums Haus läuft, dann den Küchel hinter sich wirft, sieht sie den künftigen Bräutigam. Ja so ist's oder war's! Eine Dirn sah ihren Bauer, bald hernach starb die Bäuerin und bald hernach heiratete der Bauer die Dirn. In Sarntal zogen sich die Mägde aus, liefen schnell innerhalb der Dachtraufe dreimal ums Haus herum und, wer ihnen zuerst begegnete, war ihr Zukünftiger. U. s. w.

Wenn auf diese Art Mädeln ihren "Schatz" zu gewinnen trachten, so helfen die Geister anderweitigen Schatzsuchern, verraten die Geheimnisse der Tiefe, und wo in dieser Nacht die Schätze "blühen", wie etwa in Tramin und in anderen Orten.

Quelle: Heilige im Südtiroler Volksleben, Hans Matscher, Brixen 1961, S. 100ff