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Vom Wörthersee nach Villach

Eines der beliebtesten Ausflugsziele ist der Sternberg, der um etwa dreihundert Meter über Velden emporragt. In der Mannigfaltigkeit seines Ausblickes auf das Vorland, die Seen und die Pracht des beschneiten Hochgebirgs, der Karnischen Alpen, erinnert er an die herrliche Höhe des Chaumont über dem See von Neuchâtal.

Jenseits Veldens senkt sich die Bahn, indem sie den See verläßt, in das liebliche Gottestal, welches die wilde Tochter der Hohen Tauern, die Drau, durchströmt. Der Mittagskogel spitzt sich allmählich zu einer der kühnsten Pyramiden des Alpenlandes zu.

Das Drautal weitet sich nun zu einer ansehnlichen Ebene aus, an deren nördlichem Rande die reizende kleine Alpenstadt Villach liegt.

Hier öffnet sich gegen Süden ein ebener Durchgang nach Italien. Kein Joch, kein Bergrücken ist zu überwinden. Dies war der Anlaß zum Entstehen und zum Gedeihen einer Ansiedlung, welche noch heute als der erste Handelsort Kärntens gilt. Die Villacher waren es, welche die deutschen Handelskarawanen aus Augsburg und Nürnberg mit bewaffnetem Schütze, zur Sicherung gegen die Raubherren, welche die Straße belauerten, ins Land Italien hinabgeleiteten.

Im Norden hat Villach die wald- und grasbewachsene Görlitzenalpe, eine rundliche Gneißkuppe, die, wie überhaupt das Nordgelände, mit ihren sanften Formen im schroffen Gegensatze steht zu den verwetterten Kalkgiebeln im Süden. Durch Waldlandschaft und Stromauen zieht sich der Weg gegen Westen die Drau aufwärts. Das sind einsame, doch liebliche Spaziergänge.

Im Norden, nicht ganz zwei Kilometer entfernt, liegen im Waldland die zwei kleinen Seen von St. Leonhard. In dem einen ist eine Badeanstalt mit Schwimmschule eingerichtet. Am anderen, den dichter Wald umschließt, zieht sich der Weg zu den Bädern von St. Ruprecht, wo das weiche Wasser des Ausflusses aus dem großen fischreichen Ossiachersee benutzt wird.

Weiter gegen Nordwesten hin setzt sich die Straße längs des anmutigen Afritzer Sees fort und erreicht bald das Dorf Feld am Brennsee. Hier ist protestantische Bevölkerung. Dieses Feld und Umgebung ist in schöner Berglandschaft eine noch schönere Oase.

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë, München 1867, S. 178 - 179.