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Beim Vicenz zur 'Goldenen Krone'

Beim Vicenz zur 'Goldenen Krone' ist es schon recht herbstlich geworden.

Es ist heute ernstlich einsam in dem gastlichen Hause, in welchem sonst rasch der Ankömmling das Lager des eben Fortgewanderten einnimmt. Die Einladung eines werten Freundes zu einem 'Cithernball' können wir deshalb nicht zurückweisen. Beim 'Zeisberger' im Vorplatz der ersten Flur, den die genügsame Damenwelt Mondsees ohne Sträuben als Ballsalon gelten läßt, spielen zwei Künstler auf der Lyra der Alpen. Der nachgiebige Boden zittert unter Walzer und Schottisch; er muß aber auch das Stampfen eines 'Steierischen' aushalten, dessen unbequeme Arm- und Schenkelbewegungen manchem Zuschauer Rufe der Verwunderung abnötigen. Da stehen ein paar stämmige Bauernburschen, den dicken Nacken militärisch steif emporgerichtet, in der blauen Uniform königlich sächsischer Soldaten, 'Brigade Kronprinz', sämtlich verwundete 'Königgrätzer', die hier im grünen Alpenland unter der menschenfreundlichen Pflege des Fürsten Wrede, des Schloßbesitzers von Mondsee, ihre Heilung gefunden haben.

Ein sehr kurioser Tanz das! meinen die Krieger des bundestreuesten aller vaterländischen Potentaten.

Freilich ein kurioses und anstrengendes Vergnügen. Mitten in der Bewegung des Tanzes müssen die Männer zeitweilig Schnaderhüpfl singen, mit den Fingern schnalzen und die Fersen auf den Boden schlagen, daß der Zuschauer meint, alle Muskeln und Nerven des ganzen Fußes würden schmerzlich geprellt. Kurioser Tanz!

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë , München 1867, S. 22 - 23.