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Geschichten und Sagen in und um Millstatt

In Millstatt, eigentlich die 'Mühl-Stätte' - wegen der Mühlen, die ein von Norden steil durch eine Schlucht herabkommender Bach in Bewegung setzt - steht ein altes Benediktinerstift, welches dermalen dem Staat gehört. Der Freund christlicher Kunst wird in Millstatt manches interessante architektonische Motiv entdecken. Der Millstatter Kreuzgang wird in jedem archäologischen Werk erwähnt. Namentlich die symbolischen Figuren des Portals sind es, welche in verschiedener Weise gedeutet worden sind. Sie gehören zu den merkwürdigsten Bildhauerarbeiten des Mittelalters.

Einiges Geschichtliche über Millstatt möchte den sehr zahlreichen Besuchern dieses Seestrandes willkommen sein. Aus dem achten Jahrhundert wird von einem Dux Domitianus berichtet, welcher die Götterbilder der Wenden in die Fluten des Sees warf. Die Gebeine dieses Herzogs, der seliggesprochen wurde, sind in der 'Domitiani-Kapelle' des Stiftes verwahrt. Im fünfzehnten Jahrhundert bemächtigte sich der Orden der St.-Georgs-Ritter des Klosters. Diesen Orden, dem übrigens kein langes Dasein beschieden war, hatte Kaiser Friedrich III. zur Verherrlichung des katholischen Glaubens und des Hauses Habsburg gestiftet. Der Sitz des Hochmeisters war Millstatt. Im Kirchengewölbe erblickt man noch die Wappen des Ordens. Dem ersten Hochmeister, Johann Sibenhirter, fehlte es nicht an Arbeit. Sechsmal fielen während seines 42jährigen Regimentes die Türken ins Land und erpreßten aus dem Orden schwere Summen. Seine zwei Nachfolger starben an der Pest.

Wenig mehr als hundert Jahre nach der Stiftung des Ordens 'St. Georgs in Österreich' war derselbe wieder verfallen. Natürlich erhielten die Jesuiten das schöne Stift. Das waren strenge Herren. Im 18. Jahrhundert gab es einen Aufstand der Bauern gegen diese Bedränger. Die frommen Bürger von Spital befreiten das Jesuitenkloster aus seinen Nöten und erhielten dafür die Erlaubnis, sooft sie nach Millstatt kämen, sich im Klosterkeller nach Gutdünken einschenken zu lassen.

In der Gegend von Millstatt wird noch oft eine anmutige Sage erzählt. Am Ufer des Sees stand einst ein Ahornbaum. In diesen war durch den Fluch der eigenen Mutter ein gefallenes Mädchen verwandelt worden. Es war so in die Rinde eingeschlossen und wehklagte mit den Ästen gegen Himmel. Einmal zog ein unschuldiger Geigerknabe vorüber und spielte in der Nähe des Baumes auf seinen Saiten. Da öffnete sich der Baum, und die Seele des Mädchens war erlöst.

Andere Sagen wissen von Wasserweibern, versenkten Heiligtümern, gefeiten Uferstellen zu berichten. Die Gegend ist reich an märchenhaften Erinnerungen.

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë, München 1867, S. 216 - 217.