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Durch das Mölltal zum Zirm See und Tappenkar See

Die Möll, welche bei Sachsenburg in die Drau mündet, bringt die Wasser der Großglockner-Gruppe herab, soweit sie deren südlicher Abdachung entströmen.

Wir wollen nun einen Blick in die gesamte Ausdehnung des Mölltales gegen die Hohen Tauern hin werfen.

Am Restaurant beim Bahnhof von Sachsenburg vorüber erreichen wir sofort den Ort Möllbrücken, so genannt wegen des Überganges der Straße über die Moll. Hier fanden vom 7. bis 21. Oktober blutige Kämpfe statt zwischen dem Tiroler und Mölltaler Landsturm einer- und der französischen Besatzung der Veste Sachsenburg andererseits. Am Gasthaus rechts von der Straße waren noch vor kurzem die Spuren der Kugeln zu sehen.

Von hier erreicht man über Mühldorf das am Fuß des Danielsberges gelegene Kolbnitz. Wer Zeit hat, sich den Wasserfall zu betrachten, den der bei Kolbnitz in die Moll einfliessende Bach kurz nach dem Austreten aus dem am Fuß des Zwengberges gelegenen Wildsee bildet, der steige in das nördliche Seitental hinauf. Der Freund urwüchsigen Volkstumes dagegen gehe in das westlich sich öffnende Tal Teuchl, das ausschließlich von Waldbauern und Holzfällern bewohnt wird.

Kirche auf dem Danielsberg © Harald Hartmann

Kirche auf dem Danielsberg. Bezirk Spittal an der Drau.
Filialkirche hl. Georg auf einer kegelförmigen Erhebung inmitten des Tales, an der Stelle eines römerzeitlichen Herkulesheiligtums. Urkundlich erwähnt 1292, Patrozinium hl. Daniel, 1516 Wiederherstellung, Neuweihe hl. Georg. Restauriert 1972.
© Harald Hartmann, August 2006

Heiligtum des unbesiegten Hercules, Danielsberg, Kärnten © Harald Hartmann

Kirche auf dem Danielsberg. Bezirk Spittal an der Drau.
Römischer Stein, der neben dem Kircheneingang eingemauert ist.

Der Text auf dem Stein lautet:


HERCUL INVICTO
SACRUM . C. DONNI
CIUS RUFINUS ET
VALERIE ATTICA
CUM SUIS TEMPLUM
VETUSTATE CON
LABSUM RESTI
TUERUNT EX VOTO


Heiligtum des unbesiegten Hercules. Gaius Donnicius Rufinus und Valeria Attica haben mit den Ihren den infolge seines Alters verfallenen Tempel aufgrund eines Gelübdes wirder herstellen lassen.
© Harald Hartmann, August 2006

 

Der Glanzpunkt dieser Gegend ist aber der Danielsberg mit einem Kirchlein auf dem Gipfel, der dreihundert Meter über Kolbnitz aufragt.

Das Mölltal erscheint von hier aus als die natürliche Fortsetzung des Drautales, welches letztere selbst ja jenseits Sachsenburgs eine andere Richtung einschlägt, während das breitere Mölltal sich in der bisherigen Axe des Drautales gegen das Hochgebirge hinaufzieht. Daher überblik-ken wir vom Danielsberg aus den bisher zurückgelegten Weg und sehen noch die Gebirge von Klagenfurt bis zu der Obir hin.

Hier, im Angesichte des goldreichen Tales, nicht weit von den heißen Wassern der Gastuna, stand ein Tempel des Herkules, des Gottes, dem an ähnlichen Stellen manches Heiligtum errichtet wurde. Aus dem Herkulestempel ist eine zuerst dem heiligen Daniel, späterhin dem heiligen Georg geweihte Kapelle geworden, dessen Martern hier in einem Bilde von 24 Abteilungen zu sehen sind.

Auch die Pfarrkirche zum heiligen Martin bei Ober-Vellach darf nicht unerwähnt bleiben. In ihr befindet sich eine prachtvolle Monstranz, die ihresgleichen in Kärnten nicht hat. Merkwürdiger noch wird Kunstfreunden ein Gemälde auf Holz, in Gestalt eines Flügelaltars, erscheinen. Es ist ein Werk jenes berühmten Niederländers Jan von Schoreel, der ein Schüler Dürers und ein Liebling Hadrians VI. war.

Nordöstlich von Ober-Vellach, über dem Schlund, durch welchen sich der Malnitzbach stürzt, steht auf einem Glimmerschieferfelsen die Veste Groppenstein.

Was ist merkwürdiger, das Schloß oder der Sprung, mit dem das Wildwasser in den Abgrund hinabsetzt?

Groppenstein ist eine der wenigen großen Burgen Kärntens, die man nicht nur malen, sondern in denen man auch wohnen kann. Das Kastell ist alt, und seine erste Anlage führt uns ohne Zweifel in die Zeit der Taurisker zurück. Der Weg zum Schloß sowie ein Teil seiner Zimmer sind durchweg in Felsen gehauen.

Auf dem südlichen, rechten Ufer der Moll mündet ein enges Tal, der Ragga-Graben genannt. Diesen durchtost in schauerlichen, nächtlich dunkeln Engen, jäh abstürzend, ein Bach, die Ragga-Klamm. Sie ist ein Naturwunder, welches sich mit den berühmten 'Klammen' des Pinzgau und Pongau vergleichen lassen darf.

Wir nähern uns nunmehr den alten Bergmannsbezirken von Flattach und Fragant. Die Knappen von Fragant arbeiten zumeist im Rauriser Goldbergwerk. Dahin müssen sie den Wurtengletscher überschreiten. Was es mit Gängen in dieser Höhe (der Übergangspunkt liegt auf 2764 Meter über dem Meere) alle Wochen des Sommers und Winters in diesem Hochgebirge für eine Bewandtnis hat, läßt sich ohne Anstrengung der Einbildungskraft begreifen. Im übrigen befindet sich auch in westlicher Richtung zwei Stunden von Inner Fragant entfernt, ein Kupferbergwerk am sogenannten Knappenberge. Die Förderung der Erze zu den Schmelzhütten geschieht nur im Winter, wenn Schnee den Boden bedeckt. Um Mitternacht werden die Erze in großen Säcken auf Schlitten zur Pucher-tratte gebracht und ohne Schlitten über die Rissen in Schlangenwindungen zur Erzkaun in der Inneren Fragant hinabgeschleift, von wo sie Pferde auf Schlitten nach den Schmelzhütten ziehen. Dieses nächtliche Schaustück ist voll malerischen Reizes, bringt aber denjenigen, welche die Lasten über die steilen, eisigen Halden zu führen haben, viele Gefahren.

Nachdem die Moll überschritten worden ist, gelangen wir nach Winklern, einem ansehnlichen Marktflecken, den man als die Grenze zwischen oberem und unterem Mölltal betrachtet.

Von hier ab nimmt das Mölltal mit seiner Umbiegung gegen Norden sofort einen mächtigeren Charakter an.

Ein Denkmal der Verheerung nach dem anderen treffen wir an. Wo auf anmutigem Hügel das Kirchlein Maria in der Au steht, dort kommt von Nordosten der Kolmitz-bach herunter, ein Feind der Fluren. Das Pfarrdorf Mörtschach ist allenthalben von Trümmern umgeben, welche der Asten-Bach herabgewälzt hat. Die Staubfälle, die, von steiler Wand niederwehend, der gefühlvollen Reisewelt die verschiedenen 'Ach!' der Bewunderung abnötigen, erzwingen sich Achs anderer Art, wenn der Föhn über die Berge rast.

Bei Döllach öffnet sich östlich das Zirknitztal. Wenn es doch zu mühselig sein sollte, durch dasselbe den merkwürdigen Übergang zum Rauriser Goldberg zu machen, der besuche wenigstens die 'Hohe Brücke', die 'Neun Brunnen' und die zwei wundervollen Hochseen dieses Gletschertales, unter allen Umständen aber die wenige Schritte vom Gasthause entfernte Klamm, einen finstern Felsenschlund, durch welchen die Eiswasser unter betäubendem Donner, von Dämmerung beschattet, sich ihren Ausweg ins Haupttal erkämpfen.

Von hier bis zum Knappenhaus auf der Goldzeche, welches 2740 Meter über dem Meer liegt, steigt man in etwa 1 1/2 Stunden am südöstlichen Ufer des Zirm Sees und über ein Stück des Goldzechgletschers. Sollte der See nicht zugefroren sein, was indessen vor dem Spätsommer kaum zutrifft, so kann man das Erzschiff benutzen, um sich den Weg abzukürzen.

Das Knappenhaus an der Goldzeche ist so in die Gneiswand hineingebaut und übrigens derartig durch ein Flugdach geschützt, daß die Lawinen darüber hinstürzen, ohne es zu beschädigen. Es steht seit drei Jahrhunderten. Manchmal waren die Stuben bis an die Decken hinauf vereist. Trümmer von anderen Berghäusern findet man noch dreihundert Meter höher. Es gehören diese Bergbaue zu den allerältesten in Kärnten.

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë, München 1867, S. 220 - 224.