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Hexen am Achensee

Zwischen dem Gasthaus 'Scholastica' und dem langgestreckten Dorfe Achenkirch wohnen mehrere Frauen, die der Volksmund als Hexen bezeichnet. Ich darf keine nähere Andeutung, sondern höchstens den Rat geben, sich darum nicht zu bekümmern, wenn der Fragesteller keine achselzuckende Zurechtweisung empfangen will. Wer sie mit aller Gewalt kennenzulernen wünscht, braucht sich nur einen Schemel von neunerlei Holz machen zu lassen. Auf diesen Schemel setze er sich in der Kirche während der Christmette der Heiligen Nacht rückwärts und schaue in dem Augenblicke, in welchem der Priester den Kelch, zum Zeichen der vollbrachten Wandlung emporhebt, zwischen seine eigenen Beine durch nach dem Altar. Da sieht er diejenigen, welche Hexen sind, auf dem Kopf in den Betstühlen stehen. Dabei muß er sich aber hüten, seiner Neugierde zu lange zu frönen; denn die Hexen merken es gleich, und ihr guter Freund, der Teufel, traktiert ihn mit furchtbaren Maulschellen aus der unsichtbaren Luft.

Interessanter als die Hexen sind manche Persönlichkeiten des Achentales. Wie in vielen so eingeschlossenen und abgelegenen Tälern haben sich auch in diesem abgerundete Originale entwickelt.

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë, München 1867, S. 295 - 296.