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Fischer am Wolfgangsee

Am Strande unten richtet der Fischer seinen Bären (das Hauptnetz) und die Seitennetze in seinem Einbaum her. Er ist einer der am meisten unterrichteten Fischfänger in diesen Bergen. Dort, wo sich das Seetal gegen Ischl hinabsenkt, besitzt er Teiche, in welchen er seine Leckerbissen zu mehren versteht. Es quillt ein Wasserschwall mitten aus der Wiese, der die Teiche speist, in welchen die junge Brut zappelt. Vor Jahren hat seine Kunst den Mondsee entvölkert. Jetzt lehrt ihn die vorgeschrittene Erkenntnis und die Unterweisung, die er sich bei Kundigen gesammelt, diese Gewässer mit selbstgepflegtem Nachwuchs zu füllen. Tausende von jungen Lachsforellen, die dort aus dem Ei gekrochen, vertraut er dem großen Wolfgangsee an. Nach drei Jahren sind sie an den Tafeln von Ischl hoffähig. Aber seltsam, solange sie sich im See befinden, scheinen sie sich ihres gemeinsamen Ursprungs zu erinnern, halten sich in großen Rudeln zusammen und treiben sich in den Wallungen umher, welche der einfließende Zinkenbach im See hervorbringt. Vor dieser gewaltsamen Ansiedelung beherbergte das Gewässer nur hungrige Hechte und jene wässerigen, geschmacklosen Fische, welche in ganz Deutschland Braxen genannt werden.

Dieses Handwerk, welches in den Augen empfindsamer Touristen einen poetischen Anstrich haben mag, ist in Wirklichkeit eines der schwersten und anstrengendsten. Die stürmischen Herbstnächte auf dem See, die Eissplitter um die Maschen des Netzes an Wintertagen, die schwere Mühe des Heraufwindens nagen an dem Aussehen der Männer, daß sie frühzeitig altern. Ihre Hände sind mit den Narben von Frostbeulen bedeckt, als ob es Überreste ebenso vieler Brandwunden wären, und die Haut daran zeigt jene kupferrote Farbe, wie die regendrohenden Abendwolken um die Gebirge jenseits des 'Abersees'. Seine Zöglinge in den Teichen auf der Wiese draußen nährt unser Fischer während des Sommers durch eine sinnreiche Einrichtung. Er gräbt nebenan flache Tümpel, befeuchtet sie ein wenig und wartet, bis sich im Schlamm zahllose Insekten mit ihren Larven, Kröten und Frösche eingenistet haben. Dazu hilft ihm das faule, stets erwärmte seichte Wasser vortrefflich. Eines Tages aber nimmt das Schlaraffenleben des Ungeziefers ein jähes Ende. Es wird Wasser eingelassen, und die Tümpel schwellen an. Die eingeschlagenen Zapfen werden ausgestoßen, und heraus strömt die trübe Flut und reißt ihre kriechenden und hüpfenden Insassen in die Fischteiche hinüber, wo sie von Tausenden hungriger Rachen empfangen werden. Da sieht man ein seltsames Wirbeln, Haschen und Schnalzen unter den Lachsen, die miteinander um die fette Beute ringen.

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë, München 1867, S. 93 - 94.