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Sagen der Bergleute von Schwaz

Der Röhrer Bühel ist ein Berg, in welchem früher eine der reichsten Gruben auf Pfahlerz und Kupfer aufgeschlossen war. Ein Schacht davon reichte sechshundert Fuß unter die Meeresfläche hinab und machte so diese Gruben zu den tiefsten in ganz Europa. Über den Ursprung dieses Bergwerkes wird erzählt, daß am St.-Michaelstage 1539 drei Bergleuten träumte, daß an diesem Orte ein Schatz vergraben liege. Als sie erwachten, machten sie sich sofort an die Arbeit, während welcher das schönste Silber- und Kupfererz zum Vorschein kam.

Das reiche Bergwerk am Falkenstein zu Schwaz entdeckte nach der Sage ein Stier, der mit seinen Hörnern den Rasen aufstieß und einen reichen Erzgang bloßlegte. Die Zeit dieser Entdeckung wird in das Jahr 1448 verlegt.

So viel ist sicher, daß auf diese Entdeckung hin die Lust am Bergbau im ganzen Lande sich bedeutend hob. Man begann überall auf dem Gebirge zu 'abenteuren', wie damals der Ausdruck für bergmännische Untersuchung lautete.

Der Reichtum des Landes mehrte sich bald so, daß derselbe auch nach außen hin, nämlich in seinem Münzwesen, allgemeinen Ruhm erlangte. Große Münzstücke von Silber oder doppelte Guldengroschen, welche man nachmals Thaler nannte, wurden zuerst in Hall geschlagen, und ihre Jahrzahl 1484 beweist, daß sie höheren Alters sind als die bekannten böhmischen Joachimsthaler, aus deren abgekürzter Bezeichnung der Name Thaler entstanden ist. Das Silber hierzu kam aus Schwaz, dessen Gruben damals von einer Fuggerschen Gewerkschaft bearbeitet wurden. Im Tale entstanden neue Flecken und Dörfer, und die alten Ansiedelungen nahmen an Zahl der Einwohner wie an Wohlstand zu. Fremde Kaufleute drängten sich zur Beteiligung an den Gewerkschaften herbei.

Einen noch viel höheren Aufschwung nahmen diese Werke im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts. Es werden sogar einmal, sicherlich aber irrtümlich und höchst übertrieben, dreißigtausend Menschen in den Schwazer Bergwerken gezählt.

Neben dem Silber wurde sehr viel Kupfer gewonnen, und hauptsätzlich diesem Umstande ist die Häufigkeit eherner Bildsäulen zuzuschreiben, die man aus jener Zeit im Inntale findet. Jetzt ist Schwaz, wie alle diese Werke, insbesondere auch die in den Tauern, bedeutend zurückgegangen, und von der ehemaligen Blüte seiner Minen ist nicht viel mehr zu verspüren.

Wenn auch keine Dokumente vorliegen, so kann man doch immerhin dem Bergbau in Tirol ein ansehnliches Alter zuschreiben. In den Tauern sind Spuren vorhanden, welche annehmen lassen, daß man weit hinter das Erscheinen der Römer in Noricum zurückgreifen müsse, wenn man an die Erschließung der ersten Stollen denkt, und es liegt kein Grund vor, dergleichen nicht auch für Tirol vorauszusetzen.

Es kann hier nicht die Rede davon sein, auch nur annähernd eine Skizze tirolischen Bergwesens zu geben. Ich bescheide mich, einige Sonderbarkeiten mitzuteilen, die mit seinen Metallen und Edelsteinen in Verbindung stehen. Malachitsteine findet man prachtvolle in den Gruben von Schwaz. Der Malachit, der dort gebrochen wird, ist teils grasgrün wie derjenige, der aus Rußland zu uns kommt, manchmal auch blau. Auch Granaten werden in den Ausläufen des Zillertales gesammelt. Wunderbar scheint die Überlieferung vom 'Kristalloch' zu Wattens. Dort befindet sich eine Höhle mit ungeheuerlichen Kristallstücken, welche wegen der Unzugänglichkeit ihrer Lage allein durch den Sonnenschein in der Ferne sichtbar sind. Selbstverständlich fehlt oder fehlte es auch hier, sowenig wie in den Tauern, an Leuten, die sich mit dem Auffangen von Goldkörnern in den Bächen befaßten. Man glaubte damals, daß die Körner bei abnehmendem Monde am leichtesten gefunden werden.

Selbstverständlich fehlt es in der Nähe von allen diesen Gruben und Erzgängen nicht an Bergmännlein, welche mitunter mit dem Menschen verkehren, mitunter aber auch sich hartnäckig im Erdinnern verbergen und ihre Schätze für jeden unnahbar zu machen wissen.

Quelle: Das Österreichische Seenbuch, Heinrich Noë, München 1867, S. 301 - 303.