SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >>Dokumentation >> Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Christian Schneller, 1867

   
 

Weihnachten

33. In diesen Tagen gehen arme Kinder abends vor die Häuser und singen Weibnachtslieder. Sovvol die Lieder wie die Geschenke dafür heissen "beghenate" (auch "bighenate"). Auch das bekannte Sternsingen kommt hie und da (z.B. in Judikarien) noch vor. [Vgl.Zingerle, Gebräuche Nr.355 u.ff.]

34. In der hl. Nacht lässt man an vielen Orten ein Licht brennen. Auch wird am Morgen früh, noch lange bevor es Tag wird, das Vieh gut gefüttert.

35. Im Hochthale [Hochtale] von Rabbj legt man am hl. Abend einen wolgetrockneten Holzblock in die Glut, damit er die ganze Nacht fortglimme und in der kalten Winterfnacht das Christkind erwärme [Eine fast allgemein lombardische Sitte; der Holzblock heisst dort "lo zocco di Natale", "lo zocco di ogni bene". Auch in den sette comuni herrscht dieser Gebrauch; vgl. Ab. Agost. dal P o z z o, memorie istoriche, S. 223—224. Eben so Gabr. Rosa, dialetti e costumi S. 166. Ausführlich berichtet Muratori (dissertazione 59), wie 1470 die hl. Nacht im Palaste der Sforza in Mailand gefeiert und dabei ein reichlich mit Wein begossener Baumstamm nebst Krametholz verbrannt wurde, um den alten Gebrauch zu ehren.]

36. In Cloz (Nonsberg) erwachte einmal in der hl. Nacht der Messner und sah von seinem Hause aus die Kirche hell beleuchtet. Er glaubte, es sei schon vier Uhr und er habe es heute verschlafen. Sogleich eilte er zur Kirche und sah sie voll Todter, welche Gottesdienst hielten; es war aber erst zwölf Uhr [Vgl. Zingerle, Gebräuche Nr. 877.]

37. In Vallarsa wird am Weihnachtsabend Brot gebacken. Dieses bewahren die Weiber bis zum Tage St. Paul (25. Jänner) auf. Dann geben sie den Kindern davon zu essen und glauben, dass dieselben dadurch in demselben Jahre gegen Schlangenbisse gesichert bleiben. [Auch in Italien wurden früher zu Weihnachten drei Brotlaibe gebacken ("panes tres magnitudine praestantes his diebus conficiuntur, quorum limbum per totum annum conservandum abscindimus") s. Muratori dissert. 59.]

38. In Folgareit und an andern Orten pflegen die Weiber am hl. Abend so wie auch am lezten Faschingsabend nicht zu spinnen, sonst würden die Mäuse den Faden fressen. [Vgl. Zingerle, Gebräuche Nr. 862.]

39. Weihnachtskrippen und Weihnachtszelten ("zelteni") sind üblich, jedoch nicht in solcher Ausdehnung wie in Deutschtirol.

40. Ein in der hl. Nacht in Folgareit übliches Spiel ist folgendes. Auf einem Tische werden so viele Häufchen von Kleienmehl gemacht, als Personen sind. Sodann gehen alle hinaus bis auf den Hausvater oder wer immer dessen Stelle vertritt; dieser legt dann in ungleichem Masse Geldstücke, Nüsse u. dgl. in die Häufchen und ruft die Hausleute herein. Dann wählt sich jeder ein Häufchen und sucht, was er erhalten habe.

41. Ziemlich allgemein ist die heute nur mehr scherzhafte Meinung, dass die Thiere in der hl. Nacht sprechen können. Ein Bauer wollte sich einmal davon überzeugen und belauschte seine zwei Ochsen. Und richtig — sie fingen zu reden an. "Wohin werden wir morgen fahren?" sagte der Eine. "Wir werden die Bretter zum Sarge unseres Herrn holen", erwiederte der andere. Der Bauer erschrack tödtlich und war am nächsten Tage eine Leiche. [Vgl. Zingerle, Gebräuche Nr. 854, Vonbun 65, Panzer I. 224; Gabr. Rosa, dialetti e costumi S. 179.]

42. Mondschein in der heiligen Nacht wird als schlimmes Vorzeichen für die Fruchtbarkeit des folgenden Jahres betrachtet.                                                                                                  (Sulzberg).

Quelle: Chrsitian Schneller, Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Innsbruck 1867, S. 239
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Helene Wallner, 2007.
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