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SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >>Dokumentation >> Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Christian Schneller, 1867 |
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Vorwort Die genaue und allseitige Erforschung des geistigen Lebens, des Glaubens und der Sitte des Volkes Ist eine jener Aufgaben, deren Lösung die heutige Wissenschaft sich zum Ziele gesezt und zum grossen Theile bereits erreicht hat. Nachdem unser theures Heimatland Tirol in seinem deutschen Theile in dieser Hinsicht schon von Beda Weber, I. V. Zingerle, J. v. Alpenburg, M. Meier, P. Moser, L. v. Hörmann u.a. durchforscht und das Ergebniss dieser Forschungen bereits Gemeingut der gebildeten Welt und der Wissenschaft geworden ist, durfte es für eine lockende und lohnende Aufgabe gelten, auch Wälschtirol anzuschliessen. Ein fast zwölfjähriger Aufenthalt daselbst hat es dem Herausgeber dieser Beiträge möglich gemacht, den diesbezüglichen Wünschen wenigstens zum Theile zu entsprechen. Die vorliegende Sammlung besteht überwiegend aus Märchen und Volksgeschichten. Es ist dabei das Bestreben des Herausgebers gewesen, der Erzählung eine gedrungene, jede Weitschweifigkeit und unnöthige Ausschmückung vermeidende Form zu geben, ohne jedoch irgend einen wesentlichen Charakterzug zu überspringen. Der Märchenreichtum Wälschtirols ist sehr gross. Wie die Deutschen ihre Spinnstube, so haben die Wälschtiroler ihr „filò“, welches in der Regel ein reinlich gehaltener mit Bänken besezter Vorraum im Stalle des Hauses ist. Die Pflege der Märchenpoesie liegt zwar nicht aus-schliesslich, aber doch ganz vorzugsweise dem weiblichen Geschlechte ob. Da soll es mitunter Weiber geben, denen man die Möglichkeit zuschreibt, einen Monat lang Abend für Abend immer neue Märchen und Geschichten erzählen zu können — also ein thatsächlicher Triacontamerone! Von einem Papageimärchen hörte der Herausgeber, dass es im Munde des Erzählers ausschliesslich die sieben Abende einer Woche ausfülle! Dazu ist noch zu bemerken, dass die Erzählungsweise eben so wenig eine knappe, als eine weitschweifige ist. Allerdings aber kommt es häufig vor, dass manche Märchen, welche denselben Kern in sich schliessen, mit so abweichender Einkleidung und Ausschmückung erzählt werden, dass sie auch für verschieden und für selbständig gelten dürfen. Mehrere solcher Variationen wird der Leser auch in der hier gebotenen Sammlung finden. Von Reimsprüchen u. dgl. hätte sich leicht noch mehreres mittheilen lassen; doch schien dies dem Herausgeber in's Gebiet der Volkspoesie und der Volkslieder zu gehören, an welchen Wälschtirol ebenfalls sehr reich ist. Die Veröffentlichung einer gleichfalls seit längerer Zeit angelegten Sammlung solcher Volkslieder werden günstige Umstände vielleicht auch noch ermöglichen. Quelle: Chrsitian Schneller, Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Innsbruck 1867, S. V-VII.
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