SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >>Dokumentation >> Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Christian Schneller, 1867

   
 

Ostern

15. Am Palmsonntag bringt in Sulzberg der Geliebte seinem Mädchen einen Olivenzweig mit vergoldeten Blättern und mit einem Seidenbande umwunden. — Im Etschthale [Etschtale] werden die Olivenzweige auf Stangen zur Weihe getragen und man sieht sie dann gewöhnlich an den Cruzifixen oder an der Mauer des Zimmers aufgesteckt. Häufig pflegt man auch, wenn ein Gewitter heranzieht, einige Blätter davon in's Feuer zu werfen. [Vgl. Zingerle, Gebräuche Nr. 59]

16. In der Umgegend von Trient nimmt man am Charsamstag [Kartsamstag] ein Gläschen mit in die Kirche und trinkt gleich nach der Wasserweihe ein wenig vom geweihten Wasser; das soll gegen das Wechselfieber gut sein. Auch wäscht man sich während des Glorialäutens an fliessendem Wasser die Augen; in Roveredo geschieht letzteres mit dem geweihten Wasser. Hier besteht auch der Gebrauch, dass die Aeltem eines am Charsamstage in die Kirche getragenen Täuflings dem Geistlichen ein Ziegenböcklein in den Widum bringen [Vgl. Kuhn, Westphälische Sagen 11. S. 141 ; Grimm, Mythologie S. 552. — Gabriele Rosa, dialetti e costumi, S. 163—164 erzählt, dass in Bormio in Valtellin jede Gasse und jeder Weiler einen festlich geschmückten in alte Hirtentracht gekleideten Burschen zur Osterzeit in die Kirche schicke mit einem Lamme, welches dort geweiht und dessen Fleisch dann unter die Familien jener Gasse und jenes Weilers vertheilt wird. Dieser Brauch sei früher in allen lombardischen Bergdörfern bestanden; in Iseo wurde sogar am Charfreitag ein Lämmermarkt abgehalten und dabei ein St. Paulssegen getrunken. Ein Bischof von Bergamo behielt sich bei einer Schenkung 1178 ein Osterlamm vor u. s. w.]

17. In Judikarien (Lomaso) weiht der Geistliche amCharsamstage die Häuser, das Brot und die Kuchen. Die Knaben ziehen zum Zeichen ihrer Freude Feuerballen durch die Gassen.

18. In Val di Ledro band man früher beim Glorialäuten am Ostertage die Bäume mit kleinen Stricken oder Werg, um sie für die kommende Ernte recht fruchtbar zu machen [Ab. Agostino dal Pozzo erwähnt in seinen "memorie istoriche S. 148 ein ,Ostersteela" (d.i. Osterstein) auf dem Berge von Rotzo ober Pedescala und eine Gasse "Ostera" in Foza]

Quelle: Chrsitian Schneller, Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Innsbruck 1867, S. 235
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Helene Wallner, 2007.
© www.SAGEN.at