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Die Slavini von Marco

Von  diesem bekanntlich von Dante (Hölle, 12. Gesang) besungenen Steinmeere (unter Roveredo) heisst es, dass dort eine grosse Stadt, Namens Marco, durch den Bergsturz verschüttet worden sei. Etwas näheres ist hierüber nicht mehr zu erkunden; dafür erzählt man sich ein anderes lustiges Geschichtchen.  Auf einem der dort liegenden grossen Steinblöcke soll einst folgende Aufschrift gestanden sein: "Beati quelli, che mi volteranno" (glücklich jene, welche mich wenden werden). Die Schrift liess einigen Bauern der Umgegend keine Ruhe, sie kamen mit allerlei Werkzeugen und arbeiteten mit grosser Mühe und vielem Schweisse so lange, bis der Stein umgewälzt war. Allein statt des erwarteten Schatzes fanden sie eine andere Inschrift folgenden Inhalts: "Bene mi faceste, perche le coscie mi duolevano" (Gutes thatet ihr mir, weil mich die Hüfte schmerzten) — und mit dem lohnenden Gefühle der Wolthätigkeit, den so lange daliegenden Stein von seinen Hüfteschmerzen einmal befreit zuhaben, wanderten die Bauern still wieder nach Hause.

Quelle: Chrsitian Schneller, Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Innsbruck 1867, S. 225
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Helene Wallner, 2007.
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