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  Verteidigungsanlage Schanze in Burgenland
  © Harald Hartmann
   
 

Beim Betrachten einer alten Militärkarte aus dem Jahr 1889 fällt ein Wall, der sich von Petronell im östlichen Niederösterreich bis Neusiedl am See (Burgenland) zieht, ins Auge.

Österreichische Militärkarte 1889

Auf der heutigen Österreichkarte findet man in deren Verlauf Flurnamen, wie „Türkenschanze“, „Schanzbreiten“ oder „Neusiedler Schanze“. Erwähnenswert ist, dass das österreichische Bundesheer genau auf dieser Linie nach der Ungarnkrise 1956 eine Kette von Bunkeranlagen installieren ließ, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 demilitarisiert und an Private verkauft wurden.

Reste der Alten Schanze sind vor allem noch nördlich von Parndorf deutlich sichtbar.

Alte Schanze, Parndorf, Burgenland © Harald Hartmann

Die Alte Schanze. Blick nach Süden, im Hintergrund Parndorf
© Harald Hartmann, Juni 2006


Die Chronik der Gemeinde Petronell berichtet über diese Schanze:

Der Bau der großen Schanze beginnt 1703. Die Gefahr eines ungarischen Einfalls wächst von Tag zu Tag. Langsam wird es nun auch den Herren NÖ-Verordneten bewusst. Jedes 20. Haus soll einen Mann stellen. Die Verpflegung muss die Herrschaft übernehmen. Dieses Aufgebot soll endlich die Verschanzungen bauen, die Graf Traun schon vor Jahren vorgeschlagen hatte und an denen man bisher nur vereinzelt und zaghaft herumgebastelt hat. Wahrscheinlich zu Recht befürchtet man eine Auskundschaftung der militärischen Grenzschutzmaßnahmen. Im Traunschen Archiv finden sich Verhörsprotokolle eines Georg Poleantary und eines Marchese Cohsoni, die im Verdacht der Spionage stehen.

Die Alte Schanze, Burgenland © Harald Hartmann

Die Alte Schanze. Blick nach Norden. Gut zu sehen sind der Wall und der Graben an der Ostseite der Schanze.
© Harald Hartmann, Juni 2006

Unter viel Wenn und Aber geht das Jahr 1703 seinem Ende zu. Ein Ersuchen an den Kaiser um reguläre Truppen bleibt erfolglos. Im Gegenteil, zwei Kompanien Dragoner, die Niederösterreich selbst aufgestellt hatte, werden nach Ungarn verlegt, damit kaiserliche Soldaten für den Krieg im Westen abgezogen werden können. Am 10. Dezember überfallen die Kuruzzen Hof an der March. Am Heiligen Abend wird Engelhartstetten überfallen und der Pfleger grausam umgebracht.

Im Juni 1706 berichtet die Chronik wieder über Schanzarbeit: Um den Befestigungsbau zwischen Petronell und dem Neusiedler See weiter zu bringen, versucht man es nun mit einer allgemeinen Landrobot. Jeder Ort soll ein Stück der großen Schanze errichten. Petronell erhält 115 Klafter zugewiesen. Die nötigen Leute haben sich mit Schaufel und Krampen zu stellen.

Hainburg soll 200 Mann nach Petronell abstellen, aber die Stadt weigert sich, weil ja Hainburg außerhalb der Schanze liegt. Schließlich kommen aber doch 60 Mann für 3 Tage zur Arbeit.
Die Befestigungslinie beginnt am Südrand von Petronell und verläuft ziemlich genau weiter nach Süden.

Alte Schanze, Bastei Parndorf © Harald Hartmann

Die Alte Schanze. Bastei nördlich von Parndorf.
© Harald Hartmann, Juni 2006

Juli 1706 ist die Schanze bei Petronell fertig. Nach dreijährigem Hin und Her entschließt man sich nun, die Schanze nicht bis Wiener Neustadt zu bauen, sondern nur bis Neusiedl. Damit steigt die Chance, doch noch zu einem Resultat zu kommen. Zumindest zwischen Petronell und Rohrau ist das Bauwerk nun tatsächlich fertig. Die Befestigungslinie beginnt in Petronell, dort wo der Prellenkirchner Weg von der Burggasse abgeht. Hier ist die erste „Redoute" angelegt, eine Rundum-Befestigung, die direkt an die Ortsbefestigung anschließt. (Sie wird 1863 bei der Kommassierung abgetragen). Die zweite Redoute ist allen Petronellern noch heute als „die Schanz" bekannt. Sie wird noch im Zweiten Weltkrieg und danach als Verteidigungsstellung ausgebaut. Die dritte Redoute liegt an der Straße Hollern - Rohrau.

Die Alte Schanze, Burgenland © Harald Hartmann

Die Alte Schanze. Blick nach Norden. Gut zu sehen ist der Wall und der Graben an der Ostseite der Schanze.
© Harald Hartmann, Juni 2006

Von dort zieht sich die Schanzlinie weiter bis zum „Tabor" in Neusiedl am See. Leider fehlt für eine wirksame Verteidigung oder wenigstens für eine Besatzung der mühsam errichteten Befestigung immer noch das Geld. Der Krieg im Westen geht ja weiter. Und auch Prinz Eugen klagt, dass er mit verhungerten, halb nackten Soldaten, ohne Geld, Zelte, Brot und Artillerie ins Feld ziehen muss. Die Herrschaft soll "im Land vagirende, herrnlose und andere ledige, unnutze Pursch ausheben und zum Kriegsdienst anhalten.

Quellen:
Adolf H. Nedelik, Eine Chronik von Petronell-Carnuntum, Teil1
Herausgeber und Verleger: Marktgemeinde Petronell 2002
Textzitate mit freundlicher Genehmigung des Autors

   
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