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V. "Zeichen und Wunder" Blut ist im faustischen Sinne ein "besonderer Saft" und beschäftigt
als solcher den Volksglauben. *) C. Rosenkranz, Die Pflanzen im Volksaberglauben, 2. Aufl., Leipzig 1896, S. 30, 57. Vergl. auch Schillers "Tell". Die blutrote oder doch rote Färbung des Bodens oder des Felsens
läßt sich naturwissenschaftlich erklären. Zunächst
können es bestimmte Gesteine sein, die die auffällige Färbung
hervorrufen, so der Roteisenstein oder das Roteisenerz, eines der wichtigsten
Eisenerze, das in faserigen, dichten oder ockerigen (roter Eisenocker)
Spielarten des Eisenoxyds oder Eisenglanzes, in blutroter, oft ins stahlgraue
übergehenden Farbe, vorkommt. Dann kann das Rot von Pflanzenüberzügen
stammen. Unter den Krustenflechten der Gebirge gibt es Arten, die die
Felsen braunrot oder orangefarben erscheinen lassen. Dann werden die Schieferblöcke
im Gebirge durch eine Alge (Trentepohlia jolitha) rot gefärbt, daher
"Veilchenstein". Zwei schöne Tafeln in Kerners "Pflanzenleben"
vergegenwärtigen uns diese Flechten und den Veilchenstein. Endlich
vermögen auch massenhaft vorkommende rotblühende höhere
Pflanzen manche Örtlichkeiten zu "Blut"stätten zu
machen. *) Österr. botan. Zeitschrift, 1918, S. 357 - 359. - Vgl. auch C. Klausener, Die Blutseen der Hochalpen. Int. Rev. D. gesamt. Hydrobiol. u. Hydrographie. Bd. I. Zu Beginn des Weltkrieges färbte sich, mit anderen unheimlichen
Zeichen (nach einem Vortrage, den Dr. Hans Bächtold im Jahre 1916
in der Baseler Gesellschaft für Volkskunde hielt), der Murtener See
wieder einmal rot. Verdorrte Bäume fingen wieder an zu grünen.
Auf dem Ochsenfelde bei Mühlhausen (auch an anderen Örtlichkeiten,
so dem Birrfeld bei Brugg) - so erzählte man - werde eine gewaltige
Entscheidungsschlacht geschlagen werden, wobei die Pferde bis an die Fessel
im Blute waten würden. Nach dem furchtbaren Krieg werde es nur noch
so wenig Leute bei uns geben, daß man sie in einem Wirtshaus bewirten
könne, und daß in Luzern die wilden Rosen durch die Fenster
in die Häuser hineinwachsen werden. Ähnliches wurde auch aus
Belgien und Frankreich berichtet.
*) Pieper, a. a. O., S. 307. Auf der Kolborner Heide, unfern dem Städtchen Lüchow, ragt ein rotbesprengter Granit etwa vier Fuß über den Boden hervor. Davon erzählt die Sage: Ein Ritter und eine adlige Jungfrau liebten sich herzlich. Eines Abends saßen sie traurig auf einem Felsensteine im Birkenwald auf der Haide; denn sie sollten nun Abschied nehmen, weil der Ritter in den Krieg zog. Sie schworen sich Treue und die Braut versicherte, ehe solle der Fels sie lebendig begraben, ehe sie dem Geliebten die Treue brechen werde. Als sie aber mit dem Buhlen auf dem Steine gesessen, hat der Stein den Fernen gerächt. Ihr Blut hatte den Fels und die kleinen Blumen der Haide gerötet. Wie der Ritter nun heimkam und sah, daß blutrote Adern über den Fels liefen, und daß auch die Haide mit roten Blümlein bedeckt war, schlug er heftig mit dem Schwerte an den Stein und ein roter Blutstrahl sprang daraus und ein banger Klageton erscholl. Da erkannte der Ritter, daß er betrogen sei, nahm noch einen Strauß von der rothen Haide und trieb dann sein Roß wieder hinaus in neue Kämpfe. Der Stein wird der Brautstein genannt: Brauttreue heißt das rote Heidekraut (Harrys Volkssagen Niedersachsens. I. S. 60). Wenn sich die Weidenzweige stark röten, so bedeutet das Krieg. *) Rochholz, Deutscher Unsterblichkeitsglaube, Berlin 1867, S. 10. Über Blutbäume vgl. auch Berlepsch, Die Alpen, E. M. Kronfeld, Der Krieg im Aberglauben usw., S. 124 Das "blutige Wantl" ober
Höfling im Gailtal zeigt Blutflecken an der Felswand, die kein Regen
wegwaschen kann. Nach einem Kampf entstanden, sind sie für immer
sein Zeichen.
Die blutige Alp zwischen Salzburg
und Kärnten erinnert an eine Schlacht gegen wilde Völker.
Noch abenteuerlicher als das sich so harmlos aufklärende Weidenrosenwunder ist, daß ein Weidenbaum in der Schlacht am Welphesholz vom Jahre 1112 dem Sachsenvolke, das gegen Kaiser Heinrich V. zu Felde lag, das Wort "Jodute", diesen uralten Hilferuf, zugerufen hat. Hierauf errangen die Sachsen den Sieg***). *) Pieper, a. a. O., S. 202. Als die Türken in Krain einfielen, da flüchteten die Frauen vor den rauhen Horden über die Karawanken nach Kärnten. Aber die Heiden zogen ihnen nach und metzelten sie zusamt nieder. Der Boden trank das Blut der Unschuldigen und ließ zum Gedächtnis für ewige Zeiten das Türkenkraut (Alpenveilchen, Cyclamen europaeum) hervorsprießen, dessen Blätter an der Unterseite blutig gerötet sind:
Während bei unserem Alpenveilchen eine physiologische Eigentümlichkeit des Blattes mit der auffallend roten Färbung der Unterseite die Aufmerksamkeit des Volkes auf sich gezogen hat, gibt es in unserer Heimat auch eine Pflanze, die wegen der Samenform mit Kriegsbegebenheiten in Beziehung gebracht wurde. Es ist dies die Pimpernuß (Staphylea pinnata), auch Klappernuß oder Blasennuß genannt, deren erbsengroße, harte, ölreiche, scherbengelbe Samen in den hängenden, blasig erweiterten dreifächerigen Kapseln entwickelt werden und, in ganz reifem Zustande losgelöst, an die trockene Kapselwand hörbar anschlagen, klappern oder "pimpern". Als einst der Feind ins Land kam, wollte er in ein Frauenkloster eindringen, da schnitten sich die Nonnen die Nasenspitzen ab, um sich vor Vergewaltigungen zu bewahren. Auf der Stelle, wo die Nasenspitzen vergraben wurden, wuchs fortan der Strauch mit den charakteristisch geformten Samen, die entfernt an abgeschnittene Nasenspitzen erinnern können*). Nebenbei bemerkt, sind die süßschmeckenden Samen ("wilde Pipazien") eßbar, wirken aber leicht abführend. *) Kautsch, Zeitschrift für österreichische Volkskunde, Wien 1907, S. 116. Als im 17. Jahrhundert die Türken das Heilige römische Reich bedrohten, wuchsen zu Halle und Jena seltsam gespaltete Eicheln, an denen man Angesichter von Türken und Drachenköpfe wahrnahm.*) Vermutlich hat es sich hier, wie bei der Weidenrose, um krankhafte Gallbildungen gehandelt. *) Pieper, a. a. O., S. 434. Auf nachträglich überwachsenen Borkenkäferfraß dürfte die Erscheinung von Kriegerfiguren zurückzuführen sein, von der nach der Halbmonatsschrift "Niedersachsen" (1918) eine alte Chronik aus dem Jahre 1592 beweglich verkündet: "im Herzen des Baumes wunderbarliche Bilder, als wären sie hineingeschnitzt worden, nämlich große Haufen Kriegsleute, Oberste, Fehnriche, Trommelschläger, Voppelsoldener, Hakenschützen, Musketiere, die stunden alle haufenweise, wie in einer Schlachtenordnung. Da nun hierzu eine große Versammlung Volkes gekommen ist, solch unerhörtes Wunderwerk zu besehen, hat er ein ander Stück dieses Baumes durchsegen lassen und eben solche Bilder und Kriegsrüstung darinne gefunden . . . Was dies nun bedeutet und mitbringen wird, ist, das wir aus allen Ecken und Winkeln werden sehen Kriegsleute herfür springen, die uns schrecken, plagen, rauben, morden und schlagen werden. Die deutsche Nation werde die Augen aufthun und ihre Gefahr wahrnehmen; möge sie Hertzen und Hende zusammenthun und wider aller Feinde anfall für einen Mann stehen."
Wenn man Borkenfraßbilder beobachtet, wie sie etwa das Jahrbuch
der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft 1916, Taf. 46, 47, 48, 1918,
Taf. 39 in höchst lehrreicher Weise vorführt, wird man zugeben,
daß mit etwas Phantasie die Vorstellung von Kriegerkolonnen mit
Lanzen usw., besonders bei abergläubischen Gemütern geweckt
werden kann. Der Aberglauben wird noch begreiflicher, wenn diese geheimnisvollen
Kriegs- und Schlachtenfiguren sozusagen im Positivabdruck nach vielen
Jahren, vielleicht nach Jahrhunderten im zerschnittenen Baum sich vorfinden. *) Hennenberger, Erklerung der preußischen Landtaffeln, Königsberg 1595. (Nach Pieper, a. a. O., S. 432.) Die Schwertlilie (Iris) ist nach
den Blättern benannt, die zweischneidigen Schwerterklingen gleichen.
"Um selbst den sanften Blumen den Glauben an den ewigen Frieden auf
Erden zu rauben, baute der Lenz mitten in den Kelch einer Lilie das Wahrzeichen
des Kampfes, ein gezücktes Schwert hinein." (Arthur Silbergleit.)
Allermannsharnisch oder Sieglauch, der, als Amulett getragen, den feindlichen Geschossen die Kraft benahm, ist Allium victorialis, eine Zwiebelpflanze. Im späteren Alter schwindet das Parenchym der äußeren Zwiebelschuppen (wie auch bei Krokusarten der mediterranen Flora), und es bleiben bloß die netz- oder kettenhemdartig zusammenhängenden Fibrovasalstränge *) zurück, die entfernt an einen Harnisch erinnern können. (Vgl. S. 86.) *) "Darumb wird es Siegwurtz oder Aller Manns Harnischt genannt, weil ihre Wurtzel überzogen ist wie Härlin in Gestalt eines Panzers." (Hieronymus von Braunschweig.) - Statt des echten glückbringenden Alrauns von Mandragora officinalis (vgl. u. a. Kronfeld, Der Krieg im Aberglauben S. 256 ff.) ist noch jetzt in den Sammlungen, so in der Wiener Hofbibliothek und im Salzburger städtischen Museum, die künstlich zugerichtete Zwiebel von AIlium victorialis zu finden. Aus dem Kreise der dem Volke so bedeutungsvollen "Zeichen und Wunder" aus dem vielgestaltigen Pflanzenreiche hat die Kapuzinerlinde von Sedletz in Böhmen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Selbst denjenigen, die keine botanischen Kenntnisse haben, ist die Blattform der Linde vertraut, die als "schief" und "herzförmig" bezeichnet wird. Beziehungsreich sagt Heine:
Ästhetiker haben sich mit dem Lindenblatt beschäftigt, und Carrière in seiner "Ästhetik" vergleicht seine Form mit der des fiederspaltigen oder buchtig gelappten, im ganzen derberen Blatte der dem Singen und Sagen des Volkes nicht minder vertrauten Eiche. Carrière meint: "Die herzförmigen Blätter der Linde sind einfacher und schärfer in der Zeichnung, aber am Stil beweglicher und dadurch weicher, wie diejenigen der Eiche, die Linde wölbt die herrlichsten Kronen, indem die aufstrebenden Äste sich bogenförmig absenken und, wie sie dem Liebeslied der liebste Baum ist, während die Eiche an Vaterlandsgefühl und Freundschaft mahnt, so sagt Vischer von der Linde, daß kein anderer Baum Würde so schön mit süßer gemütvoller Anmut vereint." Abweichungen von der gewohnten Blattform, die die wissenschaftliche Botanik mit den sonstigen abnormen Bildungsabweichungen der Pflanzen im Kapitel der Teratologie behandelt*), mußten gerade bei der Linde selbst dem Laien auffallen und seine Phantasie beschäftigen. So wurde das kapuzenförmige, an die Kapuze der Kapuziner erinnernde Blatt der Linde mit bestimmten kriegerischen Ereignissen in ursächlichen Zusammenhang gebracht. *) Über die becher- oder aszidienförmigen Blätter der Linde vergleiche man: Penzig, Pflanzen-Teratologie, I. Bd., 1890, S. 318.
Josef Freiherr von Jacquin, der Sohn jenes berühmten Nikolaus Jacquin, der sich Ruhm und Beinamen eines "österreichischen Linné" erworben hat, kam auf der im Auftrage Kaiser Josephs II. ausgeführten Studienreise durch Böhmen und stattete in Sedletz bei Kuttenberg der schon damals viel genannten Kapuzinerlinde einen aufmerksamen Besuch ab. In dem aus Prag, 8. Mai 1788, datierten Briefe heißt es mit Bezug auf die Kapuzinerlinde *): "Es ist auf dem Kirchhofe unter den Linden nur eine einzige, bei der diese Erscheinung stattfindet, und dieses ist ein ungeheurer, uralter, fahler Baum. Es sind auch nicht alle Blätter so, sondern kaum das hundertste ist es, und viele sind auch nur bloß peltata (schildförmig). Das Projekt, sie nach Wien zu bringen, wird wohl umsonst sein, denn der alte Kirchenvater zeigte mir einen bei schon zwölf Klafter hohen Baum, der aus einem Wurzelsprößling gezogen worden und noch nie ein solches Blatt hervorgebracht hat. Ein Graf Auersperg soll mit ebenso unglücklichen Erfolgen viele Wurzelsprößlinge davon verpflanzt haben." *) E. M. Kronfeld, Die Kapuzinerlinde, ein böhmischer Sagenbaum. "Die Natur", Halle a. S. 1898, S. 367.
Es handelt sich hier um jene Bildungsanomalie der Lindenblätter,
die sie, statt flach, herzförmig, oberhalb
des Stieles düten- oder, wenn man will, kapuzenförmig, zusammengerollt
und verwachsen erscheinen läßt. Wie der Wiener Botaniker
Bayer, der sich speziell mit der Lindengattung viel beschäftigt hat,
schon im Jahre 1860 betonte, kommen derartige Aszidien- oder Becherblätter,
die als Zufälligkeit auch bei vielen anderen Arten zur Beobachtung
gelangten, nicht nur auf dem klassischen Standorte in Sedletz, sondern
eigentlich überall vor, wo Tilia grandifolia wächst und gedeiht,
z. B. im Wiener Botanischen und Volksgarten, in Schönbrunn usw. Was
aber der böhmischen Kapuzen- oder Kapuzinerlinde besonderen Reiz
verleiht, das ist ihre innige Verknüpfung mit der Lokalgeschichte,
der örtlichen Sage und Tradition. *) Gemeint ist der am 20. Januar 1760 in Feldsberg geborene, von den Barmherzigen Brüdern erzogene Ferdinand Lucas Bauer, der nach dem Abschiede vom Hause Jacquin in England seine zweite Heimat fand, Griechenland, Brasilien, Kapland und Neuholland als Pflanzenmaler - vielleicht der tätigste und tüchtigste, den es je gegeben! - bereiste und am 17. März 1836 in Wien-Hietzing starb. Sagenumsponnen ist auch die zweite Stätte Böhmens, von der
eine Kapuzinerlinde bekannt wurde: Goldenkron bei Krumau. Nachdem König
Ottokar, der dem Zisterzienserstifte Goldenkron seine besondere Gunst
zugewendet hatte, im Jahre 1278 in der blutigen Schlacht auf dem Marchfelde
gefallen war, zerstörten die magyarischen Hilfsvölker Rudolfs
von Habsburg das Kloster und ließen keinen Stein auf dem anderen.
Mit dem Pfarrer der Probstpfarre für Südböhmen wurden alle
Mönche von den Soldaten, die sengend und mordend Böhmens Gefilde
verwüsteten, grausam um das Leben gebracht. Die Krieger hingen die
frommen Brüder an den Zweigen der Lindenbäume zu Goldenkron
auf, und seit dieser Stunde tragen diese zum ewigen Gedächtnis Blätter,
die an die Kapuzen der Mönche erinnern. *) Schriften der Zoologisch-botanischen Gesellschaft, Wien, 1852, S. 82. Der Direktor des Botanischen Gartens und Botanischen Institutes in Wien,
Hofrat Professor von Wettstein, der damals an der deutschen Universität
in Prag wirkte, hat dem Verfasser über die böhmische Kapuzen-
oder Kapuzinerlinde folgende Mitteilungen gemacht: *) Dr. F. Unger, Die Pflanze als Zaubermittel. Theod. Thomas Verlag, Leipzig. Vgl. auch S. 85. Das zweimalige Blühen eines Kirschbaumes in einem Jahre sollte Krieg oder schrecklichen Kampf mit den welschen Nachbarn bedeuten (vgl. Kap. I). Die auffällige Erscheinung der zweiten Baumblüte, der sogenannten Johannistriebe hat der Société de Biologie zu Paris Ende 1903 Anlaß zu eingehender Erörterung geboten. Nach einem Dorfbrande zu Chalons blühten im Herbst Obstbäume und Fliedersträucher zum zweiten Male, die Ursache war die Zerstörung der Blätter durch das Feuer. So kann man bei uns an den im Herbst zum zweitenmal blühenden Roßkastanien in den Alleen beobachten, daß das Laubwerk durch die Spätsommerhitze abgedorrt ist. Auch Insektenfraß kann die Blätter vernichten und zu "Johannistrieben" führen. Die Nähe warmer Abwässer und Kalkgruben bewirkt manchmal, daß Obstbäume mitten im Winter zur zweiten Blüte kommen. Besonders eindrucksvoll wird die Erscheinung, an welche sich sodann auch Legenden knüpfen, wenn sich die Blüten gerade zur Weihnachtszeit öffnen. Das "Wunder" wiederholen wir im kleinen mit den Barbarazweigen (abgeschnittene Knospenzweige der Obstbäume, besonders Kirschen) in der Stube *). *) Dr. E. M. Kronfeld, Der Weihnachtsbaum, Botanik und Geschichte des Weihnachtsgrüns. Oldenburg 1906, I. Kap.: Die Wunderblüten der Weihnacht. Die Fehmarner Friedenspappel blühte
seit 1870/71 zum ersten Male wieder 1916. Damals wurde geweissagt, daß
der Krieg beendigt sein werde, was im forttobenden Weltkriege leider nicht
zutraf.
Die doppelte Kornähre ist Künderin
des Friedens, wenn sie zu Kriegszeiten gefunden wird. Elisabeth
Charlotte von Orleans, jene deutsche Prinzessin, die in Frankreich so
innig und gemütvoll deutsch geblieben ist, schreibt am 15. Juli 1695
in einem Brief: "Ich bin des Krieges wol müde, ich bitte, liebe
Luise, informirt Euch doch, obs wahr ist, daß man bei Gießen
einen Halm gefunden, so der Landgraf von Darmstadt bewachen soll lassen,
worauf 2 Aehren seyn sollen, und ob man einen dergleichen gefunden zu
Ende des dreißjährigen Krieges."
Aus dem Texte ist zu entnehmen: Diese Principal-Aehren begreifft in sich 22 Aehren, (1) die Vertical- oder oberste Gipfel- (2) 4 versengeten unterste- (3) 7 gute Collateral-Aehren, deren 8 zur Rechten 9 aber zur lincken Seite. Quelle: Sagenpflanzen und Pflanzensagen, Dr. E. M.
Kronfeld, Leipzig 1919, S. 78ff |