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II. Geschichtliche Bäume und Sagenbäume Felix Dahn sagt einmal: "Mit Nichten darf man jener banalen Weisheit
des Achselzuckens Konzessionen machen, welche allen Glauben als unerklärlich,
weil sinnlos, weil einer logischen Grundlage entbehrend, bezeichnet! Im
Gegenteil: Ohne Grund schafft das menschliche Vorstellungsvermögen
gar kein Gebilde; eine causa sufficiens, wie man sich vor hundert Jahren
ausgedrückt hätte, muß immer vorhanden sein zur Erzeugung
eines Denkproduktes; und wo ein Aberglaube, eine Sitte, eine Übung
auch lediglich ein Spiel der ästhetischen Phantasie ist, auch den
hat die Phantasie nicht ohne Anhaltspunkte geschaffen. Die Aufgabe des
Mythologen wird aber nicht sein, den Unsinn seiner Objekte zu proklamieren,
sondern mit Liebe und Hingebung ihren Sinn zu ergründen." *) Es ist hier insbesondere an die vom Geheimen Regierungsrat Prof. Dr. Hugo Conwentz in Berlin geleitete staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege gedacht. Die Bestrebungen, den Naturschutz zu verstaatlichen, gehen allerdings weit zurück. Der Wiener Botaniker A. Pokorny hat in seinem Aufsatze "Über Größe und Alter österreichischer Holzpflanzen", Schriften der Zoologisch-botanischen Gesellschaft, Wien 1865, geäußert: "Es unterliegt auch wohl keinem Zweifel, daß die Regierung, welche in so vorzüglicher Weise ihre Sorgfalt der Erhaltung alter Baudenkmale widmet, den ältesten vegetabilischen Denkmälern des Kaiserreiches, namentlich wenn sie an leicht zugänglichen Standorten sich befinden, ihren Schütz wird angedeihen lassen." Julius Mosen sagt vom Sagenwald:
Und Alexander Graf von Württemberg faßt die Stimmungen, die ihm die Katharinenlinde vermittelt, in folgende Verse:
Dabei ist kein Volk so arm, in seinem Empfinden so kalt, daß ihm die ragenden, rauschenden Bäume der Heimat, die mächtige Eiche, dieser Kriegsbaum der Germanen*), dessen Blätter auch im Weltkriege als Feldzeichen dienten, die traute Linde nicht beziehungsreich wären. Die Eiche war dem einherstürmenden Donnar (Thor), die Linde der Göttin des Friedens, der Liebe und Familie geweiht; von ihr sagte Luther: "sie ist ein Friede- und Freudebaum**)." Vehovar hat das vermittelnde, versöhnende, was diese beiden Bäume für die verschiedenen Nationen sind, in seinem Gedicht "Der Slawe an die Deutschen" schon 1840 - 1841 auszudrücken versucht.
*) C. Rosenkranz, a. a. O., S. 76. *** Die größte Rolle spielt unter den Sagenbäumen Deutschlands die Linde:
*) Oskar Erich Meyer, Die Lieder des leisen Lebens. München 1910. Verlag Piper & Co. Eine der ältesten Linden Deutschlands, die nach der von botanischer Seite allerdings nicht beglaubigten Angabe die Zeiten Karls des Großen gesehen hat, steht bei Neuenstadt am Kocher im Freistaat Württemberg auf der alten Gerichtsstätte. Unter ihrem mächtigen Dach, das in der Höhe von 2,30 bis 2,60 Meter beginnt und eine breite, dichte Laube bildet, haben bequem 1000 Personen Platz, so daß darunter noch häufig Kirchweih- und andere Feste abgehalten werden, wie ein hochbetagter Patriarch im Kreise der Seinen, so ruht der gewaltige, 2,6 Meter im Durchmesser aufweisende Stamm inmitten der jungen Linden, welche gepflanzt werden mußten, um die Laube zu erhalten und keine Lücken entstehen zu lassen, denn die Äste, riesigen Armen vergleichbar, von 0,75 bis 1 Meter Stärke, begannen sich zu krümmen und zu beugen vor Altersschwäche, so daß sie schon vor Jahrhunderten durch steinerne Säulen gestützt wurden. Adelige und klösterliche Herren ließen die Armstützen, deren Zahl mehr als 100 beträgt, errichten. Von einem Jahrzehnt zum anderen stellte sich leider die Notwendigkeit heraus, einzelne absterbende Äste zu kürzen. Unter diesem Baum soll Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand oft geweilt haben.
Robert Caspary (Die alte Linde zu Neuenstadt am Kocher in Württemberg, Württemb. naturw. Jahreshefte, 1868, S. 193 - 207) schätzte im Jahre 1867 das Alter des berühmten Baumes, der auch im deutschen Volksliede von 1504 vorkommt:
auf 600 bis 700 Jahre, "aber darüber hinaus gewiß nicht"*). Es ist bemerkenswert, wie zeitig diesem ehrwürdigen Zeugen verflossener Jahrhunderte gegenüber die Mahnung, ihn zu erhalten und zu schützen ("Naturschutz" von heute!) laut wurde. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die später wieder aufgestellte Inschrifttafel:
*) Über das im allgemeinen überschätzte Alter der "tausendjährigen" Bäume vergl. u. a. von Kerner, Pflanzenleben, 2. Aufl., I. Bd., Leipzig 1896, S. 697. Immerhin ist es sicher, daß es Mammutbäume (Sequoia gigantea) gibt, die bei mehr wie 100 m Höhe und 12 m Durchmesser gegen 1500 Jahre alt werden. R. von Wettstein, Handbuch der systemat. Botanik, 2. Aufl., Wien 1911, S. 404. Noch zu Ende des Weltkrieges lebte die berühmte "Urgroßtante
der Bäume", die Linde von Staffelstein in Bayern (Oberfranken),
die mit 24 m Umfang in Brusthöhe als stärkste von ganz Europa
gilt, doch schon lange im Innern hohl ist. Die Höhlung ist weit genug,
daß Marschall Berthier, der "Fürst von Wagram", als
er in Bamberg residierte, hineinreiten und sein Pferd wenden konnte. *) H. Pröhle, Harzsagen, Leipzig 1853. An Stelle des Klosters Wischau erhebt sich eine Linde, die ein zum Tode verurteilter Mönch vor seiner Hinrichtung mit der Wurzel nach oben pflanzte, um seine Unschuld zu erweisen. Als Feinde ins Land einfielen und das Kloster zerstörten, blieb nur diese Wunderlinde am Orte zurück, wo die grausamen Mönche gehaust, die den Unschuldigen ums Leben gebracht hatten. Als im Jahre 1464 Herzog Otto von Pommern gestorben war, versammelte
Alber Glinden, Bürgermeister von Stettin, seine vertrauten unter
der Linde zu Schildersdorf, um das Land durch Verrat an den Markgrafen
von Brandenburg zu bringen und obwohl der Anschlag mißlang, grünte
die Linde doch nicht weiter fort.
sang einst von diesem Sagenbaum der Dichter. Albrecht Dürer erzählt
aus dem Jahre 1455 von einem großen Tanz unter der großen
Linde, die noch die Wiedererrichtung des neuen Deutschen Reiches erlebte
und an deren Anblick Kaiser Friedrich als Kronprinz sich wiederholt erfreute.
Abb. S. 37. *) Soll nach anderer Version erst zur Erinnerung an den Sieg von Murten gepflanzt worden sein, und zwar durch einen Lindenast, der von der Linde zu Münchweiler herstammte, unter der die Schweizer Kriegsrat gehalten hatten. Pieper, a. a. O., S. 94. Vgl. auch unser Kapitel V. Das etwa 250 Einwohner zählende Dörfchen Zimmritz in Thüringen
ist Hüter eines Baumes, an den sich kulturgeschichtliche Erinnerungen
knüpfen, nämlich einer mehrhundertjährigen Linde, der Tetzellinde.
Hier predigte anfangs des 16. Jahrhunderts Tetzel, der Leipziger Dominikaner
und Ablaßkrämer, hier drängten sich die Ablaßkäufer
zu dem Pater, dessen Spruch: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die
Seele aus dem Fegfeuer springt", eine historische Bedeutung gewonnen
hat. Diese Tetzellinde diente später für die ganze Gegend als
Pranger, an den die Überbleibsel von der Fehme und der Feldgerichtsbarkeit
gestellt wurden. Im Besitze des Dorfes ist noch das einst an der Linde
befestigt gewesene Halseisen. Auch Hexenverbrennungen fanden an der Linde
statt. *) Pieper, a. a. O., S. 96. In der französischen Ortschaft Bassanac im Departement Lozère
trug der Marktplatz bis 1911 als Schmuck eine gewaltige alte Linde
aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts, die Kaiser Franz I. einmal
an einem Festtage gepflanzt hatte, um den Sieg von Marignano zu feiern.
Nach einer italienischen Quelle ist dieser Baum - der vermutlich wegen
Altersschwäche hat gefällt werden müssen - öffentlich
versteigert worden und das ganze Ergebnis dieses historischen Baumes war
die lächerlich geringe Summe von 16 Frank. *) Vgl. auch das über die Tetzellinde Gesagte. Eine ausführlichere Besprechung widmet der Femlinde der Verfasser in den Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, 1920.
In unserer Zeit ist die mächtige Linde vor dem Gasthaus zum Schwan
in Rippach bei Lützen verbrannt, die so groß war, daß
sie in ihrer Krone einen eingebauten Tanzplatz für zwanzig Paare
trug. An diesem Baum zog Pappenheim vorüber, als er sich,
nach Halle marschierend, vor dem Heere des Königs Gustav Adolf
zurückzog. Friedrich der Große sah denselben Baum, als
er nach der Schlacht bei Roßbach in Rippach übernachtete. Im
Jahre 1813 hielt Napoleon I. Rast an der historischen Linde und sein Marschall
Bessières ruhte schwerverwundet im Schatten des Baumes.
Eine alte sagenumwobene Linde von
2,25 Meter Durchmesser ist in unserer Zeit dem Schneesturm zum Opfer gefallen.
Der Baum, der auf der Rittergutsflur Dobeneck (Amtshauptmannschaft Ölsnitz)
gestanden hatte, war in der Mitte gebrochen. Unter dem Baume, der einen
wunderschönen Überblick über das Elstertal bot, hat, so
wird erzählt, Napoleon I. auf dem Anmarsch nach der Gegend bei Lützen
im Jahre 1813 gelegentlich eines Biwaks Kaffee getrunken. Der Baum war
seit vielen Jahren hohl, vier Männer hatten bequem Platz in ihm. *) Zur letzten aller Schlachten vgl. Kap. I, III, IV. In Steiermark wird eine uralte Linde bei Graz als das Wahrzeichen des Ortes der letzten Schlacht bezeichnet. Eine sagenhafte Prophetin, welche bis auf die Griechenzeit zurückgeht, die Heidenjungfrau Sibylla, hat einst geweissagt, im letzten, schwersten Kampfe würden die Türken bis zu dem steinernen Brückel vor Graz kommen; dann aber würden sich die Christen ermannen und, von frischem Mute erfüllt, vom Grazer Schlosse herab wieder gegen den Feind vordringen. Die Türken, heißt es, würden dann endlich vertilgt werden bis auf en letzten Mann.
Begeben wir uns mit Schwebel*) nach der Oberpfalz. Zieht dortzulande ein Wanderer auf der Heerstraße von Vohenstrauß in westlicher Richtung auf Wernberg zu, so befindet er sich auf dem Grate eines langgestreckten Bergrückens, welcher nach beiden Seiten hin ziemlich steil abfällt und rechts das liebliche Lauratal, links die romantischen Schluchten der Pfreimd bildet. Ein Blick über die Landstraße setzt uns in die kampfdurchtoste Vergangenheit unseres Volkes zurück; wir gewahren rings auf den Bergeshöhen als Krönung die trauernden Trümmer einst prangender Burgen; majestätisch vor allen leuchten uns die stolzen Mauern und Türme der alten Stammfeste der vormaligen Landgrafen von Leuchtenberg entgegen, und neben uns läuft die Spur einer alten Handelsstraße, auf welcher einst in den Zeiten regeren Verkehres die Landgrafen den Kaufleuten das Geleit zu geben pflegten. Dort auf der Höhe, hart an der Straße, steht zu linker Hand ein einsamer Baum, eine Steinlinde**). Vor ihr befindet sich ein kleiner Teich; hinter ihr ein Einödhof. Hier weht der Wind Sommer und Winter, Tag und Nacht gleich kalt; oft wird er zum heulenden Sturme, und grollender Donner mischt sich mit ihm. Nimmer ruhen die Blätter des Baumes; sie zittern fortwährend und teilen das Schaudern, welches den einsamen Wanderer überfällt. Darum heißt der Ort "beim kalten Baume". Der letztere selbst aber ragt an 80 Fuß auf und breitet seine Krone dankbar über das Wasser, welches ihn nährt und tränkt. In alter Zeit war der Baum ein Doppelbaum; jetzt steht nur noch die Hälfte von ihm. Der Stamm ist ausgefault; er bildet eine Nische, groß genug, um mehrere Menschen in sich aufzunehmen. Der Sage nach hat ihn die von der Aureole der Volkstradition umstrahlte Heidenjungfrau Sibylla Weis gepflanzt; sie hat ihm auch eine Weissagung gegeben; denn sie hat verkündet, daß, wenn einst einer seiner Äste stark genug sein werde, um einen geharnischten Ritter samt seinem Rosse zu tragen, die Feinde aus Ost und West in zahllosen Haufen hier zusammenkommen werden. Sie werden dann eine Schlacht schlagen, welche bis zur Mitternachtstunde währen wird. Ist sie vorüber, dann wird das Blut in so gewaltigen Strömen sich nach Norden hin ergießen, daß es die Mühle im Tale bei Lind treibt. Deshalb heißt jener "kalte Baum" wohl auch der "Schlachtenbaum". Andere nach nennen ihn hochfeierlich und mysteriös "den Baum, den niemand kennt"; es ist ein Dogma unter der Landbevölkerung, daß er bleiben muß, bis alles Bestehende zugrunde geht und das ewige Reich des Friedens beginnt. Man weiß auch, daß es die Türken sind, welche in der großen Schlacht beim kalten Baume besiegt werden sollen. Die Rosse der Heiden werden zerrissen und blutend den Boden bedecken, so weit das Auge reicht, und der Leichenduft wird eine Pest verbreiten, wie sie die Welt noch nimmer erlebt hat. Dieselbe entvölkert die schöne Pfalz an der Donau; Volk und Vieh fällt ihr bis auf das letzte Haupt zum Opfer. Endlich wird ein Hirt aus weiter Ferne heranziehen und in dem "kalten Baume" Wohnung nehmen; seine Nachkommenschaft wird dann das Land aufs neue bevölkern und dasselbe fortan in seligem Frieden und dauerndem Wohlstande besitzen. Als Vorzeichen der letzten Schlacht aber gilt es, daß um den kalten Baum drei Höfe entstehen. Ein Einödhof war, wie wir sagten, schon seit alter Zeit da; am Schlusse der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts soll sich bereits ein zweiter Bauer neben dem Wirte der Einöde niedergelassen haben. *) Schwebel, Oskar, Tod und ewiges Leben im deutschen
Volksglauben, Minden i. Westf., 1887, S. 362. Woher aber der Name "der kalte Baum" gekommen sei, das weiß man noch anders zu deuten als aus den klimatischen Verhältnissen dieser sturmumwehten, unwirtlichen Höhe. Man erzählt nämlich hier auch die Sage von einer Landgräfin von Leuchtenberg, welche einem Pfalzgrafen von Sulzbach zuliebe ihre Kinder ermordete. Diese Gräfin nämlich, welche aus einer ersten Ehe zwei Kinder besaß, wurde von einer ungestümen Leidenschaft für den ritterlichen Sulzbacher ergriffen, welche dieser aber keineswegs erwiderte. In ihren Kindern sah die Unselige verblendet das Hindernis, welches zwischen ihr und dem Geliebten sich erhob. In ihrer Leidenschaft tötete sie ihre Kinder. Allein gerade durch den geliebten, heißgeliebten Sulzbacher Herrn wurde das verbrecherische, erbarmungslose Weib zur Rechenschaft gezogen. Auf jener Stätte, auf welcher jetzt der kalte Baum steht, durchstach der Pfalzgraf die Landgräfin mit dem Schwerte; dort grub er ihr das einsame Grab. Da, bei dem Schaufeln war's, daß ihm ein Samenkorn, welches er aus dem heiligen Lande mitgebracht hatte, unversehens in der Gräfin Gruft fiel, und so erwuchs aus dem kalten Herzen der Kindesmörderin der kalte Baum, der fremde Baum aus weiter Ferne, den niemand hierzulande kennt. *** In der alten deutschen Blumensprache heißt es: "Wer Eichenblätter
trägt, zeigt dadurch seine Festigkeit an und daß niemand seinen
Willen brechen könne. Wem aber von seiner Liebsten empfohlen wird,
Eichenlaub zu tragen, vor dem mag man sich hüten, mit diesem darf
man sich keinen Scherz erlauben." Die in den Kriegen erbeuteten Waffen
und Rüstungen wurden an Eichen aufgehängt. Wir verstehen nun,
warum sich unsere Krieger auch heute noch, wenn sie in den Kampf ziehen,
mit Eichenlaub schmücken. Ähnliche Kraft wurde auch den Äpfeln
zugesprochen. Iduna besaß Äpfel, die von ihrer Dienerin Fylla
in dem Schrein Esk herumgetragen und den Helden bei ihrem Eintritt in
die Walhalla dargereicht wurden.
Eine schöne alte Eichengruppe bei Bazin im Cskukárder Tale
führt den Namen Rákóczys
Eichen. Rákóczys Soldaten haben unter ihnen ihr Lager
aufgeschlagen und die Gefallenen der Baziner Schlacht sind bei diesen
Eichen bestattet. *) Lomer, Der Traumspiegel, Bilder und Wahrheiten, ein Traumbuch auf wissenschaftlicher Grundlage, München, 1918.
Nach Müllers "Siebenbürgischen Sagen" kündigt sich der Weltuntergang durch Völlerei der Menschen und ungewöhnliche Üppigkeit der Felder an. Niemand werde da sein zur Ernte, denn ein schrecklicher allgemeiner Krieg wird entstehen, bis ein großer Herrscher aus dem Morgenlande dem Kampfe ein Ende machen wird. Zum Schlusse werden die Übrigbleibenden im Schatten eines mächtigen Eichbaumes Platz haben. Mit Spuren aus der Türkenzeit ist hier die Messiaserwartung verbunden.
*** Mit dem uralten Birnbaum von Chorinchen
in der Mark Brandenburg ist die Vorstellung von der letzten
Schlacht (siehe unten) mit Motiven der Faustsage verknüpft.
Ein Student aus Trenta hatte die Vision, daß dereinst von Westen
Feindesscharen mit Bocksbärten in das Gebiet von Tolmein, talabwärts
von Karfreit am Isonzo, einbrechen werden. Nach völliger Verwüstung
würden sie alle Männer fortführen, sobald die Zurückbleibenden
nach der letzten Schlacht im Schatten eines einzigen Nußbaumes
Platz fänden. Dies war nach de Mailly (Wien) die Franzosenzeit
um die Wende des 19. Jahrhunderts.
Die historische Ulme von Gisora in
Frankreich, Departement de l'Eure, die kaum acht Männer umspannen
konnten, wurde unter Philipp II. Regierung im Kriege gegen Heinrich II.
von den erbitterten französischen Soldaten umgehauen.
Auch anderwärts erheben sich besonders stattliche Platanen. So steht
auch am Genfer See in Cully, eine Platane in herrlicher Naturwüchsigkeit
mit weithinreichenden Armen am Ufer; sie wäre wert, daß ihr
ein moderner Xerxes einen Wächter bestelle. *** Auch das klassische Altertum hatte schon seine mit berühmten Heerführern
in Verbindung gebrachten Bäume. *) Nicht, wie irrtümlich in Hermann Wagners vielverbreiteter "Malerischer Botanik", 2. Aufl., Leipzig 1872, I, S. 782 zu lesen ist: Alexander der Große. Alexander der Große soll mit seinem ganzen Heere im Schatten eines riesigen indischen Banyanenfeigenbaumes (Ficus bengalensis) gerastet haben, der durch seine mächtige Entwicklung mit den säulenähnlichen, den Ästen entspringenden Stützwurzeln einen so charakteristischen Anblick bietet. Unser Bild zeigt eine zweite riesenhaft auftretende Art dieser Gattung, den auch als Zimmerpflanze sehr verbreiteten Gummibaum (Ficus elastica) mit Bretterwurzeln.
Im Jahre 1908 ist eine der merkwürdigsten Sehenswürdigkeiten,
die in der Umgebung der mexikanischen Hauptstadt bei Oaxaca existierten,
durch Feuer zerstört worden. Es war dies eine uralte, vollständig
mit Moos und Überpflanzen bedeckte Sumpfzypresse (Taxodium mexicanum),
die den Touristen, die das Land im vorigen Jahrhundert durchstreiften,
schon unter dem eigentümlichen Namen "Baum der traurigen Nacht"
bekannt war. Eine Sage, die im Volke noch fortlebt, erzählt, daß
der berühmte spanische Eroberer Ferdinand Cortez am 1. Juli 1520,
nachdem ihn das Heer der Azteken bis dorthin zurückgedrängt,
unter diesem Baumriesen, der 20 Meter Stammumfang erreicht hat, sein Nachtquartier
aufgeschlagen und geweint habe. Trotz der sorgfältigen Nachforschung
seitens der Regierung, die ihn wie ein Kleinod hütete, ist nicht
erwiesen, ob das Feuer in böser Absicht angelegt worden oder ob es
aus einem unglücklichen Zufalle hervorgegangen ist. Wenn man den
Angaben mexikanischer Botaniker Glauben schenken kann, so gehörte
diese Zypresse zu den stärksten und ältesten Bäumen, welche
unser Planet jemals hervorgebracht hat. Decandolle schätzte sein
Alter auf 6000 Jahre. Ein überseeisches Gelehrten-Komitee schickte
einen Abschnitt des Nebenstammes nach dem Marine-Museum in Madrid, wo
er zur Erinnerung an Spaniens berühmtesten Eroberer aufbewahrt wird. Quelle: Sagenpflanzen und Pflanzensagen, Dr. E. M.
Kronfeld, Leipzig 1919, S. 30ff |