|
SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >> Dokumentation >> Wasser und Quellen |
|
|
Heiligenstädter Bad, Wien Wien, Areal Grinzinger Straße 78 - 88. Heilkräftige Quelle, die schon den Römern bekannt war. Im Biedermeier entwickelte es sich zu einem - Baden bei Wien vergleichbaren - Kurort.
Heiligenstädter
Bad, Wien Heilquelle versiegt. Legende:
In literarischen Quellen vielfach erwähnt. Bekannte Künstler wie Franz Grillparzer, Eduard Bauernfeld, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven wußten das Heilbad zu schätzen.
Der Bereich des Heiligenstädterbades
heute Das schwefelhaltige Mineralwasser wurde gegen Verdauungsbeschwerden, Gelenkserkrankungen und Hautkrankheiten, aber auch zum Putzen von Metallgegenständen verwendet. Man drank es, badete darin und verkaufte es in versiegelten Flaschen oder faßweise nach Wien. Den Vertrieb besorgten die Milchbauern. Quelle: Helga Maria Wolf, Merkwürdiges aus dem alten Wien von A - Z, Wien 1995, S. 37 - 38.
Wer im oberen Teil des Heiligenstädterparkes - dem einstigen Rotschild'schen Garten - steht und von der Höhe ins Donautal blickt, seine Augen über Nußdorf weiter gegen Norden wendet, erblickt im Tal des heute eingewölbten Nestelbaches den Ortskern von Heiligenstadt; beim Weiterschwenken des Blickes wird die Aussicht von mächtigen Platanen und Rüstern, die sich im unteren Teil des Parkes befinden und die bis an die alte Friedhofsmauer der St. Michaelskirche von Heiligenstadt reichen, unterbrochen. In diesem unteren Teil des Parkes befand sich bis zur Jahrhundertwende die Kuranlage des Heiligenstädter Bades. Heute verschollen und vergessen, bloß die Wollergasse und der im Volksmund gebräuchliche Name "Kuglerpark" erinnern an frühere Besitzer dieses Bades. Im ausgehenden 18 und im 19. Jahrhundert war diese Kuranstalt das "Mekka" der heilungssuchenden Wiener. Ja, nicht nur der Wiener! Weit über die Grenzen unserer Stadt drang im 19. Jahrhundert der Ruf dieses Heilbades, das auch von keinem Geringeren als von Ludwig van Beethoven, in der Hoffnung hier Genesung zu finden, besucht wurde. Im alten Grundbuch von Heiligenstadt finden wir die zur Badeanstalt gehörenden Grundstücke genauestens verzeichnet. Da heißt es:
Um den Niedergang des Heiligenstädter Bades zu untersuchen, muss man zuerst die Geschichte dieser Kuranstalt rekonstruieren. Die Lage eines Heilbades in Heiligenstadt kommt nicht von ungefähr, unterließt doch gerade unser schönes Döbling eine unterirdische Therme, die von Baden kommend entlang des Gürtels Wien durchquert und bei Nußdorf unterhalb der Donau über Jedlesee die Stadt wieder verläßt. Oft traten in Döbling im Laufe der vergangenen Jahrhunderte natürliche Aufstöße von thermalem Schwefelwasser auf, aber auch künstliche Aufschlüsse erbrachten diese Ergebnisse. So ist aus der, Literatur das einstige Döblinger Schwefelbad auf der "Osterleiten" bekannt, das im Jahre 1803 von Beethoven besucht wurde. Schon im Jahre 1832 schrieb J. A. Groß und im Jahre 1835 A. Schmiedl von einer Schwefelquelle im Krottenbachtal bei Neustift am Wald, die allerdings nie untersucht wurde. Zu Ende des 19. Jahrhunderts war der 232 m tiefe Brunnen der Brauerei Kuffner in der Hardtgasse ein Quell des Ärgers, da er auf einmal stinkendes Schwefelwasser lieferte. Auch der Brunnen im Hause Probusgasse 9-11 musste im Jahre 1921 zugeschüttet werden, da auch hier stinkendes Wasser auftrat. Zwei Jahre später gab es erneut Wassersorgen in Heiligenstadt, da sich in den Ziegelteichen der Fa. Kreindl in der Heiligenstädter Straße enorme Mengen an Schwefelwasserstoff bildeten und im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stanken. Hier kam es sogar zu gerichtlichen Schritten Der 276 m tiefe Brunnen der Villa Esders im Kaasgraben und einige kleinere Brunnen im Kahlenbergerdorf erbrachten ebenfalls warmes Schwefelwasser und wurden auch stillgelegt. Wir sehen also dass der Boden Döblings reich an Thermalquellen - insbesondere Schwefelquellen - ist, und die bisher unbelegte römische "Thermae Cetiae" in Heiligenstadt nicht unbedingt in das Reich der Sage zu verlegen ist. Im 18 Jahrhundert durchfloss noch der vom Reisenberg kommende Grinzingerbach, der in Grinzing drei Mühlen betrieb, die heutige Sandgasse und Grinzinger Straße in einem lieblichen Autal, um in Heiligenstadt abermals zwei Mühlen zu betreiben und dann in den "Wiener Kanal" (Donaukanal) zu münden. Ein schmaler Feldweg folgte dem Bachlauf der bei der uralten St. Michaelskirche von einer Brücke überquert wurde. Die Kirche war vom Ortsfriedhof umgeben, und anschließend an den Friedhof befand sich eine feuchte Wiese im Augrund. Auf dieser Wiese, gleich neben der Kirche, entsprang "von "Alters her" eine Quelle, die sich in den nah Vorbeifliessenden "Nesselbach" ergoss. Die Kinder aus der Umgebung benützten diese Quelle gerne als Spielplatz, aber auch die Frauen und Männer schätzten sie wegen des lauen Wassers; man wusch hier die Wäsche oder nach getaner Arbeit sich selbst. Zwar war diese Quelle schon in den mittleren Jahren des 18. Jahrhunderts zu einer Viehtränke herabgesunken und total verschmutzt, man sah aber trotzdem noch, dass aus dem Wasser Blasen aufstiegen, die an der Oberfläche zerplatzten und einen "infernalischen" Gestank in der nahen Umgebung verbreiteten. Ein in der Nähe wohnhafter Handwerker namens Johann Baptist Burger, der wegen seiner Gliederschmerzen oft in der lauwarmen Quelle badete, bemerkte, dass sich seine Schmerzen nach dem Bade besserten. Er erwarb im Jahre 1781 das Grundstück und ließ die Quelle fassen das Wasser sammelte er in einem kleinen künstlichen Teich im Wiesengrund, der auch von der Jugend mit kleinen Booten befahren wurde, und stellte sein "entdecktes" Bad der Allgemeinheit gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung. Damit war das "Heiligenstädter Kurbad" geboren. Im Jahre 1784 ließ Burger das Wasser untersuchen. der Chemiker Dr. Johann Klinger erstellte eine Expertise, in welcher er dem Wasser eine gewisse heilkräftige Wirkung bescheinigte da Aether, Eisen, schwefellaugenartiger Kalk und Salze zu finden waren. Das Untersuchungsergebnis wurde von Dr. Klinger veröffentlicht, und so wurde man auch in weitesten Kreisen auf die Wirkung des Bades aufmerksam. In der Folge errichtete Burger ein Badhaus und führte auch einen Gastbetrieb ein. In seiner Geschäftstüchtigkeit ließ er das Wasser sogar in Flaschen füllen und mit den Milchbauern nach Wien liefern damit es dort in einer "Hauskur" benützt werden konnte. Burger dürfte das Bad allerdings bald verkauft haben, denn wir finden am 23. Jänner 1796 in der "Wiener Zeitung" folgende Ankündigung:
Wie es zu dem Konkurs des Amonischen Bades kommen konnte darüber berichtet keine Chronik. Jedenfalls findet man bereits zwei Jahre später wieder in der "Wiener Zeitung" eine Notiz das Heiligenstädter Bad betreffend, diesmal allerdings eine erfreulichere Nachricht als im Jahre 1796:
Im Jahre 1800 erwarb der Gastwirt Ignaz SteinI (Steindl Steinel) das ganze Areal und versuchte, das nicht sehr gut gehende Unternehmen in die Höhe zu bringen. Seine, am 7. Mai des Jahres 1800 veröffentlichte Anzeige in der "Wiener Zeitung" kündigt "einem verehrungswürdigen Publikum, als dermaligen Bestandsinhaber des Badhauses zu Heiligenstadt, eine der gesündesten und angenehmsten Gegenden um Wien", an, dass er "alle Anstalten getroffen hat, um die Badegäste, sowohl als alle anderen, welche ihn mit ihrer Gegenwart beehren wollen, auf das Beste und Billigste zu bedienen. Zur Bequemlichkeit der Badegäste sind auch daselbst wohleingerichtete Zimmer zu haben." Steinls Bemühungen um den Kurbetrieb waren sicher von vielen finanziellen Nöten begleitet, denn schon im Jahre 1802 wird das Bad von der Amtskanzlei des Stiftes Klosterneuburg abermals im Lizitationsweg zum Kaufe angeboten. Dabei scheint aber die Einrichtung für damalige Verhältnisse gar nicht so primitiv gewesen zu sein, dass daraus der schlechte Geschäftsgang resultieren könnte. Das Lizitationsangebot beschreibt diesmal genauestens die vorhandenen Gebäude, so dass wir eine relativ gute Vorstellung von den Bauten bekommen:
Das Areal war somit bereits im Jahre 1802 ein ziemlich großes und der Badebetrieb mit einem gewissen Komfort gesichert. Doch dürfte die schlechte Verbindung zur Reichshaupt- und Residenzstadt Wien eine besondere Rolle bei dem schlechten Geschäftsgang gespielt haben. Wer nach Heiligenstadt in das Bad zur Kur wollte, musste von Wien kommend die heutige Heiligenstädter Straße entlang bis Nußdorf fahren, dort die Kahlenberger Straße empor bis zur Eroicagasse, von dort zum Pfarrplatz von Heiligenstadt und hier nun zum Bach hinunter, wo bereits ein Tor mit der Aufschrift "Bad" sichtbar war. Der Feldweg über die Hohe Warte war fast unbefahrbar, und die heutige Grinzinger Straße war das Bett des aus Grinzing herabfließenden Baches. Die staubigen Straßen, die holprigen Fahrzeuge und die weite Anreise hielten sicher viele vom Besuche Heiligenstadts ab. Das Jahr 1802 brachte auch Ludwig van Beethoven nach Heiligenstadt, der über Anraten seines Hausarztes das Kurbad besuchte. Er wohnte in einem Bauernhaus in der Probusgasse, wo er, als er die Erfolglosigkeit der Kur bei seinem Leiden erkannte, einen totalen seelischen Zusammenbruch erlitt und sein "Heiligenstädter Testament" verfasste. Im folgenden Jahr (1803) bot sich allerdings wieder Ignaz SteinI als Eigentümer des Badhauses an, ein Zeichen, dass sich kein Käufer für das Areal gefunden hatte und SteinI neuerdings Geld investierte, denn er bot vermehrte Badezimmer einem "hohen Adel und verehrungswürdigen Publikum" an. Franz A. Gaheis de Paula, ein Wiener Reiseschriftsteller, unternahm im Jahre 1805 eine "Reise" nach Heiligenstadt und schildert in seinen, im Jahre 1810 erschienenen "Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien" die Badeanlage in seiner romantischen Art:
Die Bevölkerung Heiligenstadts profitierte natürlich auch von diesem Unternehmen, Wohnungen wurden vermietet, Kostgäste fanden sich ein, und auch die Weinbauern und Milchmeier hatten sich nicht über schlechte Zeiten zu beklagen; sogar die Besitzerin des Kahlenberges und dortige Meiereiwirtin Frau Traunwieser, vermietete ihre Heiligenstädter Häuser - Wienergasse 20, 22 und 24 (heute Probusgasse 1 und 2) - ebenfalls an Sommergäste aus der Stadt. SteinI dürfte sich in den folgenden Jahren durch vermehrte Investitionen und durch gediegene Ausstattung des Bades, sowie durch den gut geführten Gaststättenbetrieb großer Beliebtheit erfreut haben. Im Jahre 1808 bezog Ludwig van Beethoven abermals eine Sommerwohnung in Heiligenstadt, diesmal das Haus, in dem Grillparzer mit seiner Mutter wohnte, nämlich Grinzinger Straße 64. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er auch diesmal wieder das Kurbad aufsuchte, obwohl sein Arzt vor sechs Jahren keine Heilerfolge durch die Badekur hatte feststellen können. Sein Leberleiden könnte ihn aber zu einer Trinkkur beeinflusst haben. Bei diesem Aufenthalt in Heiligenstadt schuf Beethoven seine VI. Symphonie - die Pastorale - in der das Leben und die herrliche Landschaft Heiligenstadts in Musik umgesetzt wurde. Das Jahr 1809 brachte für Wien den Einzug Napoleons in die Stadt. Die Truppen des Kaisers wüteten in den Vorstädten, sie plünderten die Weinkeller, bezogen die schönsten Häuser und zerstörten, was nicht für ihre Zwecke dienlich schien. Auch das Bad und der dazugehörige Park dienten den Soldaten als Quartier. Nach dem Abzug der Truppen glich die ganze Anlage einem Trümmerhaufen: die Einrichtung war geplündert, die Kuranlagen zerstört und der Park verwüstet. SteinI resignierte und verkaufte den ganzen Besitz an den Wiener Cafetier Franz WolIer, der die Anlagen wiederherstellen und modernisieren ließ. Franz Woller entstammte einer bekannten Wiener Kaffeesiederfamilie, sein Vater Josef eröffnete im Jahre 1777 auf der Landstraße Nr. 114 ein Kaffeehaus, das nach seinem Tode 1792 von seiner Witwe Katharina weitergeführt wurde, und über das der Wiener Dichter Franz X. Gewey im Jahre 1812 in seinem Büchlein: "Komische Gedichte über die Vorstätte Wiens" schrieb:
Franz Woller eröffnete im Jahre 1804 in der Seilergasse Nr. 1143 ein eigenes Kaffeehaus, das er mit seiner Gattin Theresia zu einem stadtbekannten Etablissement ausbauen konnte. Das Jahr 1810 brachte ihm die ehrende Aufgabe, Obervorsteher der bürgerlichen Kaffeesieder Wiens zu werden. Das mag sicher auch dazu beigetragen haben, dass er sich zum Kauf der Kuranlagen in Heiligenstadt entschloss. Adolf Schmidl beschrieb im Jahre 1835 die Wollersche Kuranstalt in seinem Buch: "Wiens Umgebungen auf zwanzig Stunden im Umkreis"; er wägt dabei die Vor- und Nachteile ab:
Der geschätzte Modearzt und Direktor des Allgemeinen Krankenhauses Dr. Johann Peter Frank (1745-1832) empfahl seinen Patienten die Heilquelle, und nun setzte ein richtiger Sturm auf das Bad ein. Eine neue Straße - über die Hohe Warte - führte nun von Döbling nach Heiligenstadt. Täglich wurde zweimal von der Freyung ein Stellwagen geführt, bei Ball- und Konzertveranstaltungen sogar "Sonderwägen" eingesetzt. Allerdings setzten die oftmaligen Brände der mit Schindeln gedeckten Häuser manchen Wiener Gast in Angst und Schrecken, und die Benützung der Privatquartiere nahm ab. Im Jahre 1832 tauchte wieder ein neuer Name in Heiligenstadt auf. K. Schweyer erwarb das Bad von Franz Woller, der sich wieder ins Kaffeesiederleben zurückzog und im Jahre 1834 das Kramersche Kaffeehaus in der Leopoldstadt an der Schlagbrücke kaufte, ein Kaffeehaus, das eher von Schiffsleuten und Handwerkern als von Nobelgästen wie in Heiligenstadt besucht wurde. Aus Schweyers Zeit sind uns keine Berichte über die Kuranstalt überliefert, doch dürfte sich die wirtschaftliche Lage eher verschlechtert haben, denn in den Tageszeitungen finden wir keine Konzertanzeigen oder Aufrufe zum Besuche der Badeanlagen. Volle zehn Jahre gehen berichtlos vorüber. Die nächsten Nachrichten über das Heiligenstädter Bad finden wir im Jahre 1843. Das Wiener k. k. priv. Großhandlungshaus D. Zinner & Co. kündigt eine große Ausspielung an, wobei unter Punkt a) "Das große Mineralbad- und Gasthaus zu Heiligenstadt, nächst Wien, samt weit-läufigen Nebengebäuden, englischem Park, Äckern, Weingärten und Wiesen, wofür dem Gewinner eine bare Ablösung geboten wird, von Gulden 200.000 Wiener Währung", vermerkt war. Der Preis eines Loses betrug 5 fl. und bot noch einen zweiten Haupttreffer an, der "Das schöne Dominicalgut Löshof zu Grinzing nächst Wien, samt Weingärten", beinhalte. Natürlich wurde die Anlage in der Ausspielungsankündigung in den schillerndsten Farben angepriesen; so hieß es da:
Man ist geneigt zu fragen, wenn man diese Lobrede auf die Besitzung gelesen hat, warum dieselbe überhaupt in einer Lotterie zur Ausspielung gelangen musste, wenn die Erträge so hoch wie geschildert waren. Wie diese "Ausspielung" für Heiligenstadt ausgegangen ist, steht im Dunkel der Geschichte. Im Jahre 1845 erwarben Josef und Leopoldine Kugler, Uhrmachermeister am Tiefen Graben, die Realität, und unter ihrer Ägide nahm das Bad seinen ganz großen Aufschwung und erlebte seine Glanzzeit. Kugler ließ die Anlagen erweitern, er richtete eine gedeckte Schwimmschule ein und scheute keine Spesen, um das Bad in allen Kreisen populär zu machen, galt es doch, dem großen Konkurrenzunternehmen in der Kurstadt Baden Gleichwertiges entgegenzusetzen. Kugler versuchte alles, um das Bad international bekannt zu machen, er inserierte in in- und ausländischen Zeitungen, engagierte für seine Volksfeste und Konzerte namhafte Künstler und pumpte immer wieder Geld in das Unternehmen. Am 15. Juli 1846 veranstaltete er ein "Außerordentliches Volksfest" mit einer "soiree dansante", welches unter dem Titel "Euphrosine Hygeiens Zauberquelle" stand, und bei welchem kein Geringerer als Johann Strauß Sohn das Orchester persönlich dirigierte. Strauß komponierte für dieses Fest die "Heiligenstädter Rendesvous Polka", op. 78, die seither zum festen Programm fast aller Strauß-Konzerte zählt. Das Kurbad schien jedoch ein Fass ohne Boden zu sein, trotz aller Bemühungen musste Kugler Geld aufnehmen; so erhielt er im Jahre 1872 von der Sparkasse Horn ein Darlehen in der Höhe von 20.000 fl, zwei Jahre später weitere 5.000 fl. Aber alle diese Investitionen konnten es nicht verhindern, dass im Jahre 1877 das executive Pfandrecht über das Bad ausgesprochen wurde. Als Kugler am 25. Februar 1878 zwei Jahre nach seiner Gattin starb, erbten seine Söhne Alois und Theodor nicht nur das Heiligenstädter Bad, sondern auch die hohen Hypotheken und legten zugleich den Betrieb still. Die Geldquellen waren versiegt und die Mineralquelle tat das gleiche Der im Jahre 1875 erfolgte Durchstich der Donau ins neue Flussbett die Erhöhung der Ufer in Nußdorf um fast vier Meter und die Ausbaggerung des Donaukanals um 3 m senkte den Grundwasserspiegel, die Quelle versandete, verschlammte und versiegte schließlich endgültig.
Das Ende ist schnell geschildert. Am 25. April 1900 wurde das Grundstück Eigentum der Gemeinde Wien, die die Gebäude abbrechen ließ und eine Gartenanlage errichtete, die den Namen "Kuglerpark" bekam heute tragt der Park den Namen "Heiligenstädterpark" und ist mit dem einstigen Rothschildgarten zu einer der schönsten Parkanlagen Wiens vereint, in der das vom Bildhauer Weigl geschaffene Beethoven-Denkmal einen ehrenvollen Platz einnimmt. Lustiges Kinderlachen ertönt vom Spielplatz unter uralten Rüstern und riesigen Platanen, die einstmals das Bachufer und den Kurpark schmückten, doch nur selten weiß einer der Besucher dieses Parkes um dessen "heilbringende" Geschichte.
© Kurt J. Apfel, von Kurt J. Apfel, Bezirksmuseum Döbling, freundlicherweise für SAGEN.at zur Verfügung gestellt!
weitere Ergänzungen sind gerne willkommen!
| |
| |