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Schneidjoch, heilige Quelle Steinberg am Rofan, Tirol Im Jahre 1957 wurde auf einer Hochalm
hoch über dem Achensee eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht.
In einem höhlenartigen Spalt, in dem eine kleine Quelle entspringt,
wurden auf einer der Wände rätische Felsinschriften erkannt.
Quellheiligtum Steinberg am Rofan
Diese Inschriften, die um die Zeitenwende entstanden sind, wurden wie folgt übersetzt:
Tatsächlich befindet sich in dem Felsspalt über der Quelle eine Nische, in der wohl einmal ein Kultbild gestanden sein mag. In der alten Welt galten Kastor und Pollux auch als Wasserspender auf gefahrvoller Reise. Deshalb schloß man: "Es waren hier offenbar hochkultivierte Menschen am Werk, die, auf beschwerlicher Wanderung von Süd und Nord begriffen (Erzsuche), in wasserarmer Gegend lagerten, dem Schutzgott zum Dank für das Trinkwasser opferten und ihre vielleicht nur flüchtige Anwesenheit nicht etwa mit bloßen Wandkritzeleien wie heute, sondern mit regelrechten Gedenkinschriften verewigten" (Karl Mayr in der Schlern 1960, S. 309 ff).
Quellheiligtum Steinberg am Rofan Dem heutigen Besucher dieser "heiligen Quelle"
wird jedoch auffallen, daß es rings um die Paßhöhe ohnedies
genügend Wasser gibt - viel zuviel Wasser sogar. Nur auf Knüppelwegen
ist das versumpfte Gelände manchmal passierbar. Vor zweitausend Jahren
können natürlich andere Verhältnisse gewesen sein, gewiß
aber mußte man auch damals nicht vom Sattel aus eine halbe Stunde
lang bergauf steigen, um in dem versteckten Höhlenspalt überhaupt
Wasser zu finden. Und nach den Inschriften wären es auch Frauen gewesen,
die (auf Erzsuche?) den Paß überschritten hätten?
Quellheiligtum Steinberg am Rofan Überblickt man von dem schwarzen,
feuchten Höhlenspalt aus das flache oder nur mäßig geneigte
Gelände unterhalb, so wird es augenfällig, daß dieses
Gebiet ideales Weideland ist. Vor zweitausend Jahren wird es hier vielleicht
viel weniger Bäume und Krummholz, dafür noch mehr Wiesen gegeben
haben. Wahrscheinlich ist diese Quelle ein Hirtenheiligtum gewesen, was
auch die vielen Frauennamen erklären würde - es waren Sennerinnen
im heutigen Sinn. Unberührt von all diesen Fragen und Problemen quillt das Wasser aus dem Höhlenspalt. Die Gelehrten erkennen dort eine der markantesten Stätten der Selbstdokumentierung des geheimnisvollen rätischen Alpenvolks. Für den Wanderer auf den Spuren der alten Zeit ist dieses Quellheiligtum ein Ort, der ihn auch heute noch in feierliche Stimmung zu versetzen vermag. Er trinkt von dem Wasser und denkt dabei an die Menschen, die schon zweitausend Jahre vor ihm sich daran erquickt haben.
Bester Stützpunkt für einen
Besuch des Quellheiligtums "Räterhöhle" ist die saubere,
gemütliche Gufferthütte. (Man erreicht diese, wenn man der Straße
vom Achensee nach Steinberg in folgt. Der Hüttenweg zweigt vorher
ab, Tafel.) Von der Gufferthütte Weg über den Schneidjochsattel
zum Guffertgipfel eine halbe Stunde folgend (rot markiert) erreicht man
eine Tafel "Zur Prähistorischen Inschrift". Der rechts
abzweigende, ebenfalls rot markierte Weg führt in 5 Min zuletzt etwas
absteigend, zu der Felswand, in der sich die Quellhöhle mit den Inschriften
befindet. Quelle: Karl Lukan, Alpenwanderungen in die Vorzeit zu Drachenhöhlen und Druidensteinen, Felsbildern und Römerstraßen, Wien und München, 1965, S. 90 In lateinische Schrift umgesetzt lautet der Text der Inschrift folgendermaßen: Zeile 1: KASTRIESIETUNILAPE Die früher
noch lesbar gewesene Zeile 7 ist heute nicht mehr zu erkennen. Quelle: Rudolf Röder, Das Buch von Steinberg, Steinberg am Rofan 1988, S. 18 Bisher wurden die Inschriften am Schneidjoch im Bezirk Schwaz auf etwa 500 vor Christus datiert. Jetzt behauptet ein deutscher Hobby-Archäologe, er sei auf möglicherweise schon aus der Jungsteinzeit oder Bronzezeit stammende, teils überschreibene und zerstörte Abbildungen gestoßen. Die 1957 entdeckten Schriftzeichen konnten noch nicht entziffert werden. Man nimmt aber an, es handelt sich um einen in rätischer Sprache und etruskischen Buchstaben verfassten Weihespruch. Hans-Walter Roth, von Beruf Leiter des Instituts für wissenschaftliche Kontaktoptik in Ulm, sagt nun, er habe mit Hilfe digitaler Aufnahmetechniken mehrere neue Bilder entdeckt, die ersten Schätzungen zufolge um 3600 vor Christus entstanden sind. Möglicherweise habe die Kultstätte damals "eine Bedeutung astronomischer Natur" gehabt. Besonders auffällig sei eine etwa 15 Zentimeter große Figur nahe des Höhlenausgangs, die ein Pferd mit Reiter zeigen dürfte. Haltung und Form der Figur, die in ihrem Unterteil durch spätere Inschriften zerstört worden sei, würden dabei an jungsteinzeitliche Darstellungen erinnern. Roth schätze die Ursprungszeit dieser Darstellung auf rund 2800 vor Christus. Quelle: Tiroler Tageszeitung (APA, TT), 11. August 2004
Ergänzungen sind gerne willkommen!
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