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ST. PANKRAZ, MITTERBAD

St. Pankraz, Ultental, Südtirol

Mitterbad, St. Pankraz, Ultental © www.SAGEN.at

Mitterbad, St. Pankraz, Ultental
© Berit Mrugalska, 16. Mai 2005

Mineralwasserquelle, die auf 1050 m Seehöhe in einem Stollen im Marauntal entspringt. Die Quelle ist eine offiziell anerkannte Mineralwasserquelle in Südtirol.


Legende:


Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Die erste Erwähnung findet Mitterbad im Jahre 1418 als "Walcherguet in Vlten in mitern Pad". Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts galt es als eines der meistbesuchten Bäder im deutschen Raum. Viele bekannte Persönlichkeiten statteten dem Bad einen Besuch ab, darunter Otto von Bismarck, die Kaiserin Elisabeth von Österreich ("Sissi"), die Brüder Heinrich und Thomas Mann und der Maler Franz von Defregger. Es wurde noch bis in das Jahr 1971 betrieben.

Das architektonische Juwel ist derzeit leider nicht in Betrieb und harrt einer dringenden Renovierung.

Die Klassifikation des Wassers beschreibt dieses als radioaktives, sulfat-, eisen- und mittelmäßig mineralhaltiges Wasser. Es enthält Aluminium, Arsen, Lithium und Spuren von Chrom und Kupfer. Die Temperatur beträgt 7,8 °C und die Leitfähigkeit 1220 µS/cm.

Mitterbad um 1968 © R. Drescher-Meran

Mitterbad um 1968
Foto: R. Drescher-Meran in Oberthaler S. 150

 

Die Heilquelle Mitterbad in Ulten.

Das Tal Ulten, südwestlich von Meran gelegen, heißt in alten Urkunden Ultun, Ultin, Ultina, de Ultimis, wahrscheinlich als Grenze Deutschtirols gegen das benachbarte Wälschtirol so benannt. Dieses neun Stunden lange Tal, von der tosenden Valschauer durchströmt, ein in neuerer Zeit wegen seines Holzreichtums für den Handel höchst wichtig gewordener Punkt, birgt einen sehr wertvollen Schatz in einer Heilquelle in sich, welche, obwohl seit Jahrhunderten bekannt, dennoch nur selten von außertirolischen Kurgästen besucht wurde, teils, weil sie im Auslande bisher wenig bekannt war, teils, weil die Beschränktheit der Mittel es den frühern Besitzern nicht erlaubte, größere mit dem heut zu Tage üblichem Komfort eingerichtete Räumlichkeiten zu bauen.

Das frühere Badehaus, ein anspruchsloser Holzbau, brannte vor mehreren Jahren vollkommen ab und machte dem nun bestehenden, neu aufgeführten soliden Steinbau Platz. Dasselbe ist von Lana 3, von Meran 5 und von Bozen 7 Stunden entfernt.

Der Weg von Lana aus ist zwar anfänglich steil und holprig, gewährt aber seiner stets abwechselnden wunderschönen Aus- und Ansichten halber über die mit dem saftigsten Grün geschmückten Wiesen und mit den üppigsten Waldungen bepflanzten Hügel und Berge einen eigentümlichen Reiz und übt auf jeden Wanderer, der Sinn für eine großartige Natur, wie sie nur Gebirgsländern eigentümlich ist, mitbringt, einen unwiderstehlichen Zauber aus. Obwohl der Weg ohne alle Gefahr mit leichtem Wagen gut fahrbar ist, so ist er doch angenehmer zu Fuß oder zu Pferd oder Esel zurückzulegen.

Hat man vom Eingange in's Tal, vom Fuße des Sonnenbergs die Höhe, den sogenannten Außerhof, wo Erfrischungen zu Gebote stehen, erreicht, so zieht sich der Talweg in vielen Windungen fort bis zur Schloßruine Eschenloh (Eschenwald), die sich mitten im Tale auf einem Hügel in wilder Schönheit malerisch erhebt. Im 12. Jahrhundert Besitztum der Grafen von Eppan, kam das Schloß im 14. an die Herren von Tarantsberg, später die Annaberger, und unter Maximilian dem I. an die Grafen von Trapp. Man gelangt von da weiter auf eine Ecke mit erweiterter Aussicht, wo vor unsern Augen ein freundliches Dörfchen liegt, St. Pankraz, auf grünem Hügel mit seiner von einem hohen schlanken Turme überragten, im gothischen Stile erbauten Pfarrkirche, am Fuße des mit schlanken Fichten bewachsenen Mariolberges, von welchem gar freundlich das St. Helena-Kirchlein auf den Wanderer herablugt. St. Pankraz hat 2 Gasthäuser. In beiden wird man gut, billig und zuvorkommend bewirtet. Weiter wandernd gelangt man zum Laderbad mit sehr primitiver Einrichtung und ohne besondern therapeutischen Wert. Eine Viertelstunde weiter überrascht uns eine schauerliche Felsenenge. Wir befinden uns an der Kluft des "Meraunloches", welche nach Mitterbad führt, während das Haupttal rechtsab zwischen Schieferschluchten nach den Dörfern St. Walburg, St. Nicolaus, St. Moritz und St. Gertraud sich bis zur Nagelspitze zieht, über welche man zum Bad Rabbi gelangt. Hinter dem Meraunloche liegt nun Mitterbad am Fuße duftreicher Alpen, der Aaler-, Gampen- und Spitzneralpe. Herrliche Ausflüge sind dahin, so wie nach den beiden Laugenspitzen zu machen, welche eine wundervolle Aussicht über die Ötztalerferner und die Ortlergruppe gewähren und ohne alle Beschwerden selbst von Damen bestiegen werden können.

Das gegenwärtige Badehaus hat 2 große Speisesäle, 63 größere und kleinere Wohnzimmer mit bequemer Einrichtung und bietet somit hinlängliche Unterkunft für 150 - 200 Gäste. Nebenan steht das Kaffeehaus mit geräumigem Saal. Ein Pianoforte ist eine erwünschte Zugabe für Tanzlustige. Vor diesen Gebäuden dehnt sich ein großer, ebener, viereckiger, mit schattigen Bäumen bepflanzter Promenaden-Platz aus, an. dessen unterm Ende eine niedliche Kapelle zum Besuche des fast täglichen Gottesdienstes einladet. Hinter dieser schlängelt sich ein reinlich gehaltener Spazierweg durch, den angrenzenden mit Lärchen und Fichten dicht bewachsenen Wald. Der Hauptbau dehnt sich nach rückwärts in einen langgestreckten Nebenbau aus, in welchem ebenerdig die durchaus gemauerten, sehr reinlichen Badezimmer sich befinden. Es sind deren 26 an der Zahl, mit einer, zwei und drei Badewannen Im obern Stockwerke sind 2 russische Dampfbäder zweckmäßig angebracht. Auf Verlangen oder auf Ordination des Arztes werden auch jederzeit Fichtennadelbäder bereitet.

Östlich hinter dem Badehaus führt der Weg nach der eine Viertelstunde weit entfernten Heilquelle, von welcher in gedeckter Rinne das Wasser geleitet wird. Sie entspringt auf waldigem Hügel aus einem tief in Porphyrfelsen natürlich eingebetteten Schachte. Das Wasser ist daselbst kristallhell, von säuerlich tintenhaftem, jedoch nicht unangenehmem Geschmack und hat eine Temperatur von + 7 ° R. Es enthält wenig Kohlensäure, Schwefelwasserstoffgas, freie Schwefelsäure, kohlen- und schwefelsaures Eisen in großer Menge, etwas Salzsäure und Kochsalz.

Die äußerst glückliche Mischung des Eisens mit einer beträchtlichen Quantität von Mittelsalzen bewirkt, daß das Wasser in den verschiedenartigsten Krankheiten, sowohl als Bade- als auch als Trinkkur gebraucht, die überraschendsten Erfolge erzielt und daher vor den meisten bekannten eisenhaltigen Tiroler Quellen unbestreitbar den Vorzug verdient. Es wird mit günstigstem Erfolge angewendet in rheumatischen und arthritischen Leiden, gegen Lähmungen aus was immer für einer Ursache, gegen Bleichsucht und andere Menstruationsstörungen, passive Blutflüsse, Früh- und Fehlgeburten, Sterilität, Nervenschwäche, Erschlaffung der Eingeweide, Stockungen in Milz und Leber. In der Rekonvaleszenz nach langwierigen, mit großem Blut- und Säfteverlust verbundenen Krankheiten stellt es die verlorengegangenen Kräfte rasch und sicher wieder her. Bei veralteten Geschwüren und Wunden bewirkt es, wenn nicht vollkommene Heilung doch sehr bedeutende Besserung. Nicht weniger verdient es bei verschiedenartigen chronischen Hautausschlägen und in scorbutischen Leiden empfohlen zu werden. Gegenanzeigen bilden Phtisis, große Vollblütigkeit, ausgeprägte Anlage zum Schlagfluß. Aber auch für solche Kranke ist ein längerer oder kürzerer Aufenthalt empfehlenswert, namentlich für Meraner Kurgäste, welchen im hohen Sommer der Hitze wegen der Aufenthalt in Meran nicht mehr zusagt, und die daher kühlere Orte aufzusuchen pflegen, da in der Anstalt täglich frische Molken, sowie frische Ziegen- und Kuhmilch verabreicht wird.

Eine zweite Trinkquelle befindet sich am Fuße des Aufstieges zum Bade, deren Wasser magnesiahaltig ist und gegen Uuterleibskrankheiten mit Nutzen gebraucht wird.-

Die Verpflegung ist gut und billig, die Bewirtung eine sehr aufmerksame, zuvorkommend freundliche, namentlich von Seite des liebenswürdigen Besitzers, Herrn Anton Kirchlechner, der auch stets für unterhaltende Lektüre und Zeitungen sorgt.

Zu weiteren Ausflügen, nach dem Laderbad, nach St. Pankraz, St. Walburg etc. stehen stets Esel oder Maultiere zu billigen Preisen bereit.

Mitterbad liegt etwa 2800 Fuß über der Meeresfläche, ist gegen die rauhen Nordwinde vollkommen geschützt und kann daher im Sommer auch als klimatischer Kurort empfohlen werden. Für ärztliche Hülfe ist ausreichend gesorgt.

Mögen diese Zeilen dazu beitragen, die freundlichen Leser des "Alpenfreunds" zum Besuche des Ultentales und seines Mitterbades aufzumuntern.

Dr. med. v. Pupetschek.

Quelle: Die Heilquelle Mitterbad in Ulten, V. Pupetschek, in: Der Alpenfreund, Monatshefte für Verbreitung von Alpenkunde unter Jung und Alt in populären Schilderungen aus dem Gesammtgebiet der Alpenwelt und mit praktischen Winken zur genußvollen Bereisung derselben. HG Dr. Ed. Amthor, 2. Band, Gera 1870, S. 125 - 126.
Rechtschreibung behutsam neu bearbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht.

Gottfried Oberthaler, Das Ultental und seine Bäder. Eine Historie in Wort und Bild. Museumsverein Ulten, 1987. S. 118 - 152.



Eine Liebe des Grafen Bismark.

Heinrich Noe erzählt in seinem Schriftchen "Ein Frühling in Meran (Meran 1868)" eine recht naive Liebeshistorie aus dem Leben des berühmten Grafen, deren völlige Wahrheitstreue auch dem Redakteur dieser Blätter an Ort und Stelle von dem jetzigen Badbesitzer des "Mitterbad in Ulten", dem biedern Herrn Kirchlechner, und von anderen versichert wurde. Noe schreibt darüber:

Otto von Bismarck, Mitterbad, Ulten © www.SAGEN.at

"In Erinnerung an
Otto von Bismarck
und seine Badeaufenthalte
1840 - 1843
die Schützenkompanie
St. Pankraz 1990"
© Wolfgang Morscher, 16. Mai 2005

"Welcher Wanderer, der auf dem elenden Steige in das entlegene Ultental (Dasselbe mündet etwa 1 ½ Stunde von Meran in das Etschtal) hineinpilgert, wäre geneigt zu glauben, daß hier vor nahezu dreißig Jahren eine Liebesgeschichte spielte, deren Held niemand anderer war, als der Neugestalter Deutschlands, der Graf von Bismark-Schönhausen?

Die Geschichte ist nicht etwa eine Mythe, wie sie sich an Personen knüpft, denen die Volksmeinung eines Landes mit Heftigkeit sich zuwendet oder entgegen sträubt. Nein, die Sache ist wahr, entbehrt aber im Grunde aller weiteren Romantik, als derjenigen, die in dem wunderlichen Gegensatze der Beteiligten liegt. Alles verlief in Zucht und Ehren, und sie "kriegten" sich nicht, sondern der Held ging fort, um späterhin der Welt eine neue Gestalt zu geben, und sie blieb, um einen biederen, aber katholischen Schreiber zu heiraten. Was nach Aussage vieler noch lebenden Menschen in Ulten über den Vorgang sich herausstellt, ist Folgendes.

Anfangs der vierziger Jahre galt Josepha Holzner als das schönste und sittsamste Mädchen von ganz Ulten. Sie war die Tochter des damaligen Besitzers des "Mitterbades" und nicht wenig von allen den Herren umschwärmt, welche ihre Glieder in dem vitriolischen Eisenwasser der berühmten Quelle badeten. Ich glaube, auch diejenigen, welche von einer Erweiterung der Kompetenz des Zollparlaments nichts wissen wollten, ja selbst diejenigen, welchen der Herzog von Nassau und der Churfürst von Hessen als schmählich beraubte Ehrenmänner vorkommen, werden zugeben, daß Graf Bismark in jenen Tagen ein ritterlich schöner Mann war, wenn sie sich die mächtige Gestalt in Waffenschmuck der Cürassiere, die uns wohl bekannt ist, in ansehnlicher Verjüngung vorstellen. Nun, Graf Bismark - damals noch dunkler Freiherr - kam mehrere Jahre hindurch nach Ulten und nahm bald längeren Badeaufenthalt, bald stattete er dort von seiner Wohnung, die er in den Gärten von Obermais genommen hatte, kurze Besuche ab. Der pfeiltragende Gott überlistete denjenigen, der später den schwarzen Bannformeln der Tuilerien Hohn sprach, und nicht anders erging es der schönen Josepha. Die wechselseitige Zuneigung war eine große. Noch heute erzählt der "Badhiesl" (der Cameriere, Kellner, des Bades) mit Begeisterung, wie jammerschade es wäre, daß dieses schöne Paar nicht zusammengekommen sei. In wie weit der Enthusiasmus des Badhiesl, welcher der diensteifrige Vermittler ihrer Korrespondenz war, hierbei von rein ästhetischen Beweggründen ausging, bleibe dahingestellt. Daß er nach jedem ähnlichen Ausruf hinzuzusetzen pflegt: "Und gar so gut zahlt hat er mich! " (nämlich für die Briefe, welche der Badhiesl als Bote nach Obermais brachte) läßt nicht minder auf Regungen befriedigter Selbstsucht schließen. Item, der Badhiesl, jetzt ein armer alter (jetzt auch gichtkranker Kerl, in Folge dessen er nicht mehr wie früher seinen Dienst verrichtet, den er übrigens 34 Jahre lang unausgesetzt versehen hat) Kerl zu St. Pankraz in Ulten, darf sich rühmen, der Träger eines nicht unbedeutenden diplomatischen Verkehrs gewesen zu sein, und einem Menschen von vieler Einbildungskraft dürfte es nicht schwer sein, an die Person dieses alten Knechtes Vermutungen von der größten Tragweite anzuknüpfen. Wie wäre es z. B., wenn der Badhiesl, der Hoheit seiner Sendung sich bewußt, sich noch ernstlicher ins Zeug gelegt und am Ende durch gesteigerte Zwischenträgern die obwaltenden Hindernisse wegräumen geholfen hätte? Dadurch würden vielleicht, wie ein Liebhaber von Vermutungen weiter behaupten könnte, die bürgerlichen Verhältnisse des Freiherrn eine mehr idyllische Wendung genommen und am Ende gar, wie man das manch Mal gesehen hat, nach der Weise der Singspiele mit einer dauernden Niederlassung im Gebirge abgeschlossen haben. Wo wäre dann die Schlacht von Sadowa, wo die Einigung deutscher Nation - ja, wie endlos könnte mit diesem Wo fortgefahren werden!

Indem ich glaube, mit diesen Zeilen der weltgeschichtlichen Bedeutung des Badhiesl gerecht geworden zu sein, komme ich wieder zur Sache.

Die Glut der Leidenschaft, welche hier zwei Herzen aneinander zog, die im Übrigen durch weit mehr Schranken, als die der Mainlinie, sich getrennt fühlen mußten, wurde mehrere Jahre lang durch zahlreiche Briefe brennend erhalten, von denen sich noch der eine und andere in Ulten vorfindet. Endlich schritt der Freiherr (von so vielen als der Junker par excellence verschrieen) mit einer Rücksichtslosigkeit gegen alle Hindernisse, die wir ihm zutrauen dürfen, ohne Weiteres zum Heiratsantrag und bat den Herrn Holzner, Wirt vom Mitterbad zu Ulten in Tirol, um die Hand seiner Tochter Josepha. Dieser Mann aber verlor über seiner Überraschung keineswegs die Festigkeit, mit welcher er an alten Meinungen hing. Aus der Heirat konnte nichts werden, weil der Bräutigam kein Katholik, ja vielleicht nicht einmal ein Christ war. Kurz darauf wurde Josepha von Alois Schmid, einem Beamten der Landesfürstlichen Stiftung in Salzburg, heimgeführt. Dort liegt sie begraben.

So endete diese Geschichte, deren Erzählung, obwohl sie die Angelegenheiten eines Lebenden berührt, mir wegen dessen Berühmtheit und Größe erlaubt schien. Auch wissen weder die Ultener, noch sonst Jemand etwas in dem Geschehenen zu finden, was ihm nicht zur Ehre gereichte."

Quelle: Eine Liebe des Grafen Bismark, nach Heinrich Noe, in: Der Alpenfreund, Monatshefte für Verbreitung von Alpenkunde unter Jung und Alt in populären Schilderungen aus dem Gesammtgebiet der Alpenwelt und mit praktischen Winken zur genußvollen Bereisung derselben. HG Dr. Ed. Amthor, 1. Band, Gera 1870, S. 68 - 69.
Rechtschreibung behutsam neu bearbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht.

 

Ergänzungen sind gerne willkommen!