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BAD RAMWALD

Bad Ramwald

Fraktion Onach, Gemeinde St.Lorenzen, liegt am Eingang des Gadertales, auf dem Hörschwanger Berg, in 1314m Höhe.

Legende:

Sage vom Ursprung der Schwefelquelle in Ramwald


Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Quellen

Seit dem 17.Jh. waren in Ramwald 2 Quellen in Gebrauch, zu Beginn unseres Jahrhunderts standen für den Badebetrieb 5 Quellen in Verwendung.

Zehenter vermutet, daß sich die beiden ersten Quellen irgendwann geteilt haben könnten oder daß drei weitere zugeleitet wurden 1). Sie entspringen alle aus Quarzphyllit und obwohl keine genauen Analysen vorhanden sind, duften sie nach Mader alle, aufgrund der geologischen Unterlage, keinen bedeutenden Mineralgehalt aufweisen 2).

1. Augenquelle: Sie enthält angeblich Eisenvitriol und ist bei Schwäche des Sehvermögens wirksam.

2. Magenquelle: Dieses Wasser soll kohlensaures Natron, kohlensaures Kalium und kohlensaures Magnesium enthalten und schon seit Jahrhunderten bei Verdauungsschwäche hilfreich sein.

3. Eisenquelle: Sie zeigt sich besonders bei Blutarmut, Bleichsucht und allgemeiner Schwäche wirksam.

4. Schwefelquelle: Bei Rheumatismus, Gliedersucht und Gicht wird sie seit Jahrhunderten mit Erfolg verwendet.

5. Blutreinigungsquelle: Diese Quelle soll schwefelsaures Natron, schwefelsaures Kalium und schwefelsaures Magnesium führen und leicht abführend, gegen Hämorrhoiden und Stauungen im Pfortaderbereich wirken 3).

Die erste Beschreibung von zwei damals in Gebrauch stehenden Quellen finden wir bei Knöring 1700. Laut seiner Aussage enthalten beide Quellen "nitrosische oder salpeterische Particulis und dienen den hitzigen und gallsüchtigen temperamenten, machen zu Stul gehen, reiniget die Mutter und macht sie bequemb zu Empfangen" 4). Weitere Hinweise finden wir bei Crantz 1777, Karpe 1828 und Plaseller 1836.

Über das Bad

Der Ursprung dieses Bades liegt im Dunkeln, aber eine Urkunde aus dem Jahr 1643 weist auf ein Bad "Raumpald" und "Raumwald" hin, das zum Hofe Unterramwald gehöre und schon seit urdenklichen Zeiten gut besucht sei. Am Spitzlstein, dem heutigen Standort des Bades, erhielt Matthias Graber laut Chronik am 13.August 1667 die Erlaubnis, ein Haus zu errichten. Es ist aber nicht bekannt, ob bereits damals auch eine Badeeinrichtung entstand. Bei Knöring ist um 1700 das Ramwalder Bad genannt, aber es könnte sich noch um das alte Bad beim Unterramwalder Hof gehandelt haben. Den ersten sicheren Hinweis erhalten wir dadurch, daß 1704 der Schwiegersohn von Matthias Graber, Nikolaus Liensberger, als Bademeister genannt wird 5).

Bauten

Vor 1704 bestand bereits eine Badbehausung in Spitzlstein, dem heutigen Bad Ramwald. Nach 1731 wurde eine Badekapelle errichtet, die dem hl. Christoph und der hl. Agnes geweiht ist. Erst in den Jahren 1834 und 1835 entstand anstelle des alten sehr primitiven Gemeinschaftsbades ein neues Badhaus mit geteilten Badesälen, Obersälen, Gemächern, einer Küche und neuen Badwasseröfen. Weiters wurde das alte Wohnhaus hergerichtet 6). Einer Schilderung von Plaseller aus dem Jahr 1836 zufolge konnte nun in 6 oder 8 hölzernen Zellen gebadet werden, die nach Norden offen waren und nur mit Leintüchern zugehängt wurden 7). Ende der 40er Jahre wurde auch die Kapelle restauriert und vergrößert. Zu Beginn der 80er Jahre verbesserte ein neuer Besitzer, den gestiegenen Anforderungen Rechnung tragend, die gesamte Badeanlage 8), in der 27 Zimmer für die Kurgäste bereitstanden 9). In den Jahren 1906 und 1907 entstand ein neues, gut eingerichtetes Badegasthaus, welches über 39 Zimmer, 10 Badekabinen, einen Speisesaal und eine Stube verfügte 10).

Besitzer

Mattias Graber baute das erste Haus in Ramwald und sein Schwiegersohn Nikolaus Liensberger, der ihm nachfolgte, führte bereits eine Badeanstalt. Durch einen Tauschvertrag ging der Besitz im Jahr 1720 an Urban Hartmayr über, der ihn an Peter Mayr verkaufte. Dieser starb im Jahr 1731 und seine Frau Katharina Ploner heiratete in zweiter Ehe Jakob Spöttl. Im Jahr 1753 erwarb der Badmeister Jakob Kofler die Badeanlage von deren Tochter Anna Spöttl verwitwete Gärtner, der sie 1762 an Josef Graber, einen Neffen des Erbauers, weiterverkaufte. Dieser überließ den Badebetrieb seinem Sohn Jakob und nach dessen Tod im Jahr 1804 erbte ihn seine Schwester Margret. Diese wiederum verkaufte Bad Ramwald im Jahr 1810 an ihren Neffen Peter Winkler, den Erbauer des neuen Badhauses. Im Jahr 1878 übernahm es der aus St.Lorenzen stammende Alois Koppelstätter 11). Seine Nachkommen errichteten dann den Neubau von 1906/07 12).

Besucher

Bereits in den ersten Jahrzehnten seines Bestandes war das Bad in Ramwald gut besucht, aber wegen seiner Primitivität fast ausschließlich von der Landbevölkerung aus der Umgebung genützt 13). In den 30er Jahren des 19.Jh. wurde ein jährlicher Besuch von durchschnittlich 90 bis 120 Personen registriert 14). Nach dem Neubau von 1834/35 blieb Bad Ramwald zwar ein Bauernbadl, das vorwiegend von der ländlichen Bevölkerung aufgesucht wurde, deren Zahl muß aber gestiegen sein, denn um 1847 wurden im Durchschnitt 300 Gäste im Jahr gezählt 15). In den Jahren 1880 bis 1883 kamen zwischen 112 und 160 Badegäste 16) und von 1900 bis 1914 konnten die Inhaber gute Saisonen verbuchen 17). Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Tradition der Bäderkuren in der Bevölkerung langsam aber sicher verloren und so ist das Badhaus heute gänzlich verfallen und auch der Gastbetrieb wurde schon 1973 eingestellt 18).

1) Zehenter Josef, Die Mineralquellen Tirols mit vorzüglicher Berücksichtigung ihrer chemischen Zusammensezung auf Grund der vorhandenen Daten, Innsbruck 1893, S.104.
2) Mader Ignaz, Die Bäder und Heilquellen im Hochetsch, Bozen 1929, S.84f.
3) Wörndle Heinrich, Bad Ramwald im Pustertale und seine nährere Umgebung, Innsbruck 1908, S.9.
4) Knöring Franz X., Viaticum Balneantium, Brixen 1700, S.38f.
5) Wörndle S.15f.
6) Ebd. S.16f.
7) Plaseller Josef, De aquis steriis circuli Pustrissae et ad Eisacum, Padua 1836, S.29.
8) Wörndle S.19.
9) Kramer Hans, Zur Geschichte der Tiroler Bäder und des Wildbades Schalders (seit 1800), in: Der Schlern 1953, S. 256 - 260, S.69.
10) Mader S.84.
11) Wörndle S.16ff.
12) Mader S.84.
13) Wörndle S.18.
14) Plaseller S.29.
15) Staffler Johann J., Tirol und Vorarlberg, topographisch, mit geschichtlichen Bemerkungen, Band 4, Innsbruck 1844, S.212.
16) Bidermann H. J., Hochpusterthal, in: Zeitung des deutschen und österreichischen Alpenvereins 1887, 18, S.37.
17) Kramer S.69.
18) Rampold S.370.

Quelle: Frühauf Karl, Heilbäder und Heilquellen in Südtirol, Historische Streifzüge durch die Wildbäder, Diplomarbeit maschingeschrieben, Innsbruck 1990

Ergänzungen sind gerne willkommen!