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TÜRNITZ, SIEBENBRUNN

Siebenbrunn, Türnitz/Steinbachrotte, Bezirk Lilienfeld, Niederösterreich

Kapelle mit heiligem Bründl. Keine Heilwirkung nachgesagt.


Kapelle "Heimsuchung Unserer Lieben Frau zu den Sieben Brunnen" (Maria Siebenbrünn), an der Mariazeller Straße (Wallfahrtsweg).

Siebenbrunn - Ensemble © Harald Hartmann

Ensemble von Siebenbrunn: Barocke Kapelle, daneben alte Einsiedelei,
im Hintergrund Gedenkstätte und Brunnenhaus
© Harald Hartmann, August 2009

Am dahinter liegendem Hang die Quelle (Bründl "Sieben Quellen",). 1729 errichteter, qualitätsvoller Bau über ovalem Grundriss. Austattung großteils aus der Bauzeit; 1716 von Georg Wagner gestiftet; 1789 unter Kaiser Joseph II. gesperrt, renoviert 1818, restauriert 1995. - Hoher Zentralbau mit 3 hohen Portalen und reicher Gliederung (Pilaster, Gebälk, Gesimse); verschindelte Kuppel mit Laterne, Volutenschmiegen und verblechter Zwiebelhelm, Hauptportal von Pilastern und Säulen gerahmt. Darüber kartuschengerahmte Fenster, im Sturzfeld Bauinschrift. Verblechte Türen mit barocken Beschlägen und Schlössern.

Siebenbrunn - Inneres der Kapelle © Harald Hartmann

Siebenbrunn, Inneres der Kapelle -
Bild Mariae Heimsuchung, barocker Türbeschlag - und eine Fledermaus
© Harald Hartmann, August 2009

Innen Ovalraum mit geschichteten Pilastern (Akanthuskapitelle), in der Laterne Malerei Verkündigung; Wandmalereifragment Schmerzhafte Muttergottes. - Altar um 1729, Doppelsäulenaufbau, Altarbild Maria bittet für die Erlösung aus dem Fegefeuer, Statuen Hll. Katharina, Barbara, Martin, Georg; Gottvater, Engel mit Leidenswerkzeugen, Hl.-Geist-Taube, Putti. Leinwandbilder: Verkündigung und Heimsuchung , bezeichnet 1819. Barocke Kopie einer Madonnen-Ikone. Epitaph des Stifters Georg Wagner, Reliefdarstellung des Verstorben mit Familie betend, bezeichnet 1714. Widmungsinschrift. Barocke Weihwasserschalen, Steinboden.

Siebenbrunn - Brunnenhaus © Harald Hartmann

Siebenbrunn, Brunnenhaus
© Harald Hartmann, August 2009

Das Brunnenhaus stand ursprünglich an der gegenüberliegenden Straßenseite. Im Zuge des Ausbaues der Bundesstraße 1977/78 wurde es an heutiger Stelle, nordöstlich der Kapelle neu errichtet. Breit gelagerter kleiner Bau unter Satteldach mit Korbbogenöffnung und Tonne, darin großes marmornes Muschelbecken, wohl 1729 mit 7 Einläufen, darüber barockes Holzrelief, Geißelung Christi darstellend.

Siebenbrunn - Brunneneinlauf © Harald Hartmann

Siebenbrunn: Bbunnrneinlauf im Brunnenhaus
© Harald Hartmann, August 2009

Ehemalige Einsiedelei, Nr. 47, östlich der Kapelle. Um 1729 errichtet. Gemauertes Häuschen mit später aufgesetztem Obergeschoß in Blockbauweise unter Satteldach; außenbündige Fenster mit Steckgittern; Fragmentierte Quadermalerei aus dem 18. Jh. sowie Malerei Kreuz mit Leidenswerkzeugen erhalten.

 

Legende:


Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Die Kapelle wurde früher von Einsiedlern betreut. Ihr Auskommen fanden sie "durch Hingebung des Wassers an die andächtigen Kirchfarther". Was sie nicht selbst benötigten, bekam das Türnitzer Armenhaus. Die Geldspenden gehörten zu besten Einnahmequelle der Bedürftigen.

Am Mariaheimsuchungstage einst viele Prozessionen, wobei diejenigen Teilnehmer, die zum erstenmal die Wallfahrt nach Mariazell - Türnitz liegt an dieser Pilgerstraße - machen, unter allgemeiner Heiterkeit mit Wasser aus dem Brunnenbecken angespritzt werden. Die Geldspenden, die hier gemacht wurden, gehörten zu den besten Einnahmen des Türnitzer Armeninstituts.

Siebenbrunn - Gedenkstätte Liese Prokopp © Harald Hartmann

Siebenbrunn, Gedenkstätte für Liese Prokopp
© Harald Hartmann, August 2009

Zwischen Kapelle und Brunnenhaus befindet sich auch eine einfache Gedenkstätte an die Sportlerin und ehemalige Politikerin Liese Prokopp (* 27. März 1941 in Wien als Liese Sykora; † 31. Dezember 2006), die in dieser Gegend zuhause war.


Wegbeschreibung:

An der Mariazellersraße, auf halbem Weg zwischen Türnitz und Annaberg.

 

Quellen:
Dehio, Niederösterreich Südlich der Donau, Bd. 2.
Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1955, Bd 2, S. 203 - 204

 

Ergänzungen sind gerne willkommen!