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LEOBERSDORF, Marienkapelle zum heilsamen Brunnen

Leobersdorf, Niederösterreich

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen © Harald Hartmann

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen
Wasserentnahme
© Harald Hartmann, 2. Juni 2005

Leobersdorf, bezüglich Wittmannsdorf, Marienkapelle zum heilsamen Brunnen. Quelle erschien am 23. April 1626 während eines Erdbebens, bald darauf wurde in ihr das Bild sichtbar. Man errichtete nach 1626 eine hölzerne Kapelle, die 1683 von den Türken zerstört wurde. Sie wurde wieder hergestellt, 1733 vom Sturme niedergerissen und abermals erbaut. Seit 1855 gemauerte Kapelle ohne Messelizenz. Von den Russen 1945 vollkommen zerstört.

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen © Harald Hartmann

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen
Schlichter Ziegelbau über rechteckigem Grundriss mit rechteckiger Chornische in Fachwerkbauweise, Maßwerk der Fenster und des Portals aus Terrakotta.
Orginal des Gnadenbildes (18. Jahrhundert) im Museum für Volkskunde in Wien.
© Harald Hartmann, 2. Juni 2005

Andachtsgegenstand: Gemälde, Brustbild der hl. Maria mit Stern auf 1. Schulter, Kind auf rechtem Arm, das sich an der Mutter anhält und auf einem Buch sitzt (Art s. Maria Maggiore in Rom). Jetzt im Wiener Volkskundemuseum.

Legende:

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen © Harald Hartmann

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen
© Harald Hartmann, 2. Juni 2005

Schon die Entstehung der Quelle, die ein rundes Becken bildete, wurde für ein besonderes Zeichen genommen. Bald darauf wäre das Marienbild auf dem Wasser geschwommen.


Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

Heilquelle hinter der Kapelle. Besonders von Augenleidenden aufgesucht. Die Quelle soll aber auch die Kraft besitzen, heiratslustigen Mädchen zu einem Mann zu verhelfen (in welcher Weise?). Die Kinder von Leobersdorf indessen singen, wenn sie ein Marienkäferchen gefangen haben: "Frauenkäferl, Frauenkäferl, flieg am heilig'n Brunn, bring uns heut und murgn a schöne Sunn!"

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen © Harald Hartmann

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen
© Harald Hartmann, 2. Juni 2005

Zahlreiche Votivbilder. - Exvotobild, den hl. Karl Borr. vorstellend, von der Mutter des Freih. Karl v. Braun wegen seines Augenleidens gespendet. -

Schon 1639 war eine Person aus Gutenstein sechsmal vergeblich wegen Blindheit beim heilsamen Brunnen, der eine ausgezeichnete Einnahmsquelle für die Gemeinde bildete, so daß er sich selbst des Schutzes der Sozialdemokraten erfreute.

Quelle: Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1955, Bd 2, S. 81.

Leobersdorf, Heilsamer Brunnen © Harald Hartmann

Die Gegend um den 'Heilsamen Brunnen' in Leobersdorf
© Harald Hartmann, 2. Juni 2005

Geschichte des "Heilsamen Brunnen"

Das Entstehen des "Heilsamen Brunnens" ist mit 23. April 1626 urkundlich belegt. Durch ein Erdbeben trat die Quelle als "armdicke Wassersäule" zutage, die aber sogleich absank. Das Wasser floß dann ständig und gleichmäßig. Doch schon im Enzesfelder Urbarium des Christoph von Spaur aus 1466 wird der "Heylige Prunn" erwähnt. In einer Überlieferung aus 1626 wird bemerkt, dass viele Menschen die Quelle innerlich und äußerlich benutzten, indem sie hofften von ihrem Beschwerden geheilt zu werden.

Eine blinde Frau soll wieder sehend geworden sein, ein todkranker Mann sei genesen und der Sohn des Herrschaftsbesitzers zu Schönau, Peter von Braun, wurde von seinem schweren Augenleiden geheilt. Aus dem Erlös der Opfergaben wurde die Quelle eingefasst und darüber ein Holzgebäude mit Türmchen und Glocke errichtet. Der Wasserspender dürfte aber schon früher und in einer anderen Form bestanden haben. Siedlungsreste aus der Bronzezeit bis zur awarenzeitlichen Besetzung und Funde vom abgekommenen Dorf Pölla weisen darauf hin, was die Bewohner von Pölla zum Verlassen des Gebietes bewegte.

1626 verhalf das Austreten der Quelle den Leobersdorfern zur Erneuerung des Wochenmarktrechtes durch K. Ferdinand II. Abgesehen von zahlreichen Einbrüchen, setzten Kriegsereignisse dem kleinen Bauwerk zu. Mitte des 16. Jahrhunderts fiel der Holzbau einem Brand zum Opfer, wobei das Muttergottesbild unversehrt blieb. 1850 wurde die Kapelle erneuert. Ein Kreuzpartikelchen in versilberter Kapsel, 1878 gestiftet, wurde 1901 entwendet. Am 30.6.1926 fand anlässlich des 300-jährigen Bestandes eine große Feier statt, an der etwa 1000 Gläubige teilnahmen. Zum Ende des 2. Weltkrieges erlitt die Kapelle wieder Schäden und wurde schließlich als Pferdestall benützt. Doch schon am 13. Mai 1945 besuchten rund 300 Wallfahrer das notdürftig instandgesetzte Heiligtum.

Nach Abschluß der Renovierung fand am 19. August 1945 die feierliche Neuweihe statt. Im Winter 1971/72 wurde das 1961 gestiftete wertvolle Altarbild entwendet; die Einbrüche häuften sich!

Der Chefchemiker Ing. Rudolf Hock aus Sollenau hat das Wasser zwischen 1959 und 1966 zu verschiedenen Jahreszeiten geprüft und analysiert. Es ergab, dass die Zusammensetzung sehr ähnlich dem Vöslauer Mineralwasser ist. Der Gehalt ist weitgehend konstant, es sind keine Bodensedimente nachweisbar. Das schwach säuerliche Wasser hat eine Temperatur zwischen 11,3 und 15,2 Grad Celsius; mit 16,00 Grad deutscher Härte gilt es als ziemlich hart. Es ist mit folgenden Jonen angereichert: Chlorid, Sulfat und Hydrogen-Karbonat. Als 1970 die Quelle versiegte, wurde ein Anschluß vom nahen Pumpwerk des Wasserleitungsverbandes hergestellt, dessen Wasser mit jenem aus der alten Quelle genau identisch ist. Nachdem sich der Bauzustand der Kapelle inzwischen verschlechtert hat, beschloß der Gemeinderat im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt 1989 eine Generalsanierung, die Kosten von ATS 600.000 erforderte. Die Wiedereinweihe erfolgte feierlich am 22. April 1990.

Leobersdorf, Oktober 2002

Textauszug aus "Der Heilsame Brunnen" von Prof. Alois Schabes

 

Ergänzungen sind gerne willkommen!