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Marterln, Feldkreuze und Votivtafeln

b) Grabinschriften, gesammelt in Kärnten, Salzburg und dem übrigen Österreich, Bayern und der Schweiz.

Am Petersfriedhof in Salzburg:

Hier liegt begraben Christoph Katzenberger,
In Leben gewester Hof- und Akademischer Buchdrucker,
welchen der Tod Anno 1653 den 3. Junii umb 4 Uhr
in der Fruehe ein unverhofftes Dekret gebracht, ohne
Preß, Schrift, Farb, Papier abzutrucken.

Aus Kärnten:

Wanderer du darfst Achtung geben:
Ein Schritt ist zwischen Tod und Leben!
Du bist nicht starker als ich,
Geh' hin, sei fromm und bet für mich.

Im Friedhof von Villach:

Hier ruht Johannes Hesserer
Ein schlechter Tenorist
Und lacht weil er ein besserer
Dort in dem Himmel ist.

Aus Klagenfurt:

Hin ist hin!
Anna Maria Fiedlerin,
Geborene Bruez.

In St. Ruprecht bei Villach:

Bei Margaretha Fischerin
Liegt auch Johann Fischer drin,
Die Ehe wurde durch das Leben Endt,
Die Liebe aber ungetrennt.
Dann beede hier die Ruh genießen,
Biß sie bei Gericht erscheinen müssen.
Zum Zeichen ihrer Treu
Grad Nachmittag um drei
Gestorben alle zwei
Gott ihnen gnädig sei.
welcher zwölf drei viertel Jahr
Bei der Herrschaft Landskron Pfleger war.


In einem Dorfe bei Zilli wurde der Ortsgeistliche öfter um Verse für Grabschriften angegangen. Als das wieder einmal zu nachtschlafender Zeit geschah und der Pfarrer kurz erwiderte: "Ich hab' jetzt koi Zeit, machen's Ihna selbst oin," setzte sich der so Beschiedene stracks hin, diesem Winke zu folgen. Er brachte denn auch folgende Verse zustande, die dann auf dem Grabsteine prunkten:

Hier in diesem Gräbelein
Ruht mein liebstes Knäbelein,
Hab's selbst gemacht und selbst erdacht,
Dem Herrn Pfarrer zum Trutz um Mitternacht.

Auf einem Kirchhofe bezeichnet das Grab eines beim Baumfällen verunglückten Arbeiters eine Tafel mit folgender Inschrift:

Vergnügt und ohne Sorgen,
Ging er am frühen Morgen,
Auf seine Arbeit aus.
Da traf ihn eine Eiche,
Und ach, als tote Leiche,
Kam abends er betrübt nach Haus."


Auf einem Feldkreuz in Obersteiermark:

Dieses Kreuz ist aufgericht'
Zu Ehren des Herrn Jesu Christ,
Der gekreuzigt ist
Von den Bauern in dieser Gemeinde.


Bei Bruck a. d. Mur in Steiermark:

Ihr Freund, wenn ihr's gut meint,
Ach eilt und helft mir Armen,
Eine lange Zeit ich hier schon leid
Ach thut euch doch erbarmen.
In strenger Hiez
In Feuer sitz
Und warth auf euch mit Schmerzen
Um ein Vater Unser und Efa Maria.


Im alten Friedhof in Wien:

Hier liegt ein Invalide todt,
Er starb an schlechten Commisbrod
Willst wissen, wo er gewesen?
Beim Fuhrwesen.


Auf dem Grabe des Dichters F. Santer auf dem Hernalser Friedhof bei Wien:

Viel' genossen, viel gelitten,
Und das Glück lag in der Mitten,
Viel empfunden, nichts erworben,
Froh gelebt und leicht gestorben.
Fraget nicht nach der Zahl der Jahre
Kein Kalender ist die Bahre
Und der Mensch im Leichentuch
Ist ein zugeklapptes Luch.
Drum, Wand'rer, zieh' dich weiter,
Denn Verwesung stimmt nicht heiter.


Hier liegt Bartholomäus Mayer,
In seinem Leben war er Bräuer;
Gott nahm sein Leben, er schuf es,
Er starb als Opfer seines Berufes.


Grabinschriften, gesammelt in Friedhöfen bei Wien:

Hier unter diesem Leichenstein
Ruht eine Jungfrau: Rosa Klein;
Sie suchte lang vergebens einen Mann,
Zuletzt nahm sie der Todtengräber an.


Klara Hoffmann, im Alter von 18 Jahren verstorben, erhielt den Nachruf:

Ihr half kein Arzt, ihr half kein Tee;
Drum ging sie in die Himmelshöh'!


Einer Ertrunkenen schrieb man aufs Grab:

Hier ist ertrunken Anna Lentner,
Sie wog mehr als dritthalb Zentner,
Gott geb' ihr in der Ewigkeit,
Nach ihrem Gewicht die Seligkeit."


Einem Mädchen, das im Bodensee ertrank, stiftete man ein Marterl mit folgendem Text:

Der Bodensee war mein kühles Bette,
Am Mittag war mein Ende nah!
Vergebens rief ich: Rette, rette!
Obgleich man mich ertrinken sah.
Drum schlief ich denn ganz ohne Pein
So nach und nach im Wasser ein.


In der Nähe von Schladming:

Zum Angedenken an den Joseph Fischbacher, welcher hier in diesen Wasserfluthen sein Leben geendet hat.

Des Menschen Loos ist hier verschieden,
Den Tod entgeht doch nichts hienieden,
Den Ort und Zeit hat Gott bereit;
In Wasserfluthen und auf der Gassen,
Im hohen Birg und auf der Strassen
Geht mancher in die Ewigkeit. Den 29. Mai 1855.


An der Straße zwischen Krems und Gfohl unter einem Bilde, welches einen Ochsen darstellt, der mit seinen Hörnern ein Fahrrad aufgespießt hat, während der dazu gehörige Radfahrer daneben auf dem Bauche ausgestreckt liegt. Darunter stehen folgende Reime:

Den Franzl, den a jeder kennt,
hat hier ein Ochs vom Radl g'rennt.
O Radler, der du fahrst zum Haferl,
Sitz' ab bei diesem Martertaferl
Und merk, bergab man immer schiebt,
Dieweil es hier viel Rindvieh giebt.


Aus dem Salzburgischen:

Hier liegt ein armes Sündenaas,
Das seine Sünden in sich fraß,
Gleich wie der Rost die Zwiebel.
Ach nimm mich Sündenhund beim Ohr
wirf mir den Gnadenknochen vor,
Und laß mich Sündenlümmel
In deinen Gnadenhimmel!


Auf dem Grabe eines Lederermeisters:

Mein guter Mann verschied in Frieden,
Sanft möge seine Asche ru'hn;
Mit Leder handelt er hienieden,
wie er, werd' ich es künftig thun!


Im Salzburgischen:

Barmherziger Gott,
Allhier in Asch und Staub
Liegt in der größten Noth
Der Untermeister Schaub.
Da nächstens diesem Pfalle
Döckt ihn die Erde zue,
Leser schenk ihm ein Ave,
wünsch ihm die ewig Ruhe.
1785.
Auch da in diesen Todten Auen
Liegen seine zwei geliebten Frauen.


In dem Lavantale:

Hier ruht der ehrsame Johann Missegger, auf der Hirschjagd durch einen unvorsichtigen Schuß erschossen aus aufrichtiger Freundschaft von seinem Schwager Anton Steger.


Aus den hohen Tauern:

Im kalten Jahre 1853 sind hier zwei Menschen und 2 Böhmen ertrunken.


In der Nähe von Dux, Böhmen:

Hier modern die Ueberreste des unglücklichen Schlachtopfers der J. B. jener schaudervollen That, welche am 30. Oktober 1879 durch unbekannte ruchlose Menschenhand auf schauderhafteste Weise ihres Lebens beraubt ohne Zeit auf Reue und Buße vor Gottes Gericht gestellt wurde zur allgemeinen Betrübnis aller christlichen Herzen.


In Hinterdux, Böhmen:

Dis sind die zwei verunglückten Brieder Andere und Georg Pister zu Föchler in Maathseiten, welche der Tod durch ein Wild in eine Schnee-Lahne hineingelocket hat und so von der Welt hinweg gerafft 1851.


Von dem Duxerjöchl:

Hier ruhen ihrer drei,
A Ochs, a Esel und er dabei.


Bei Dux in Böhmen:
(Das Bild stellt den Tod mit Pfeil und Bogen dar.)

Christliches Andenken des zehnjährigen Schulknaben, Heinrich Erler, dazumal auf der Naeßlau, welchen der Tod mit seinem scharfen Pfeile senkrecht gegenüber mit Ziegen suchen unglücklicher Weise überrascht hat. Es geschah am 5. September 1865.


Auf einem Friedhof in Prag:

Hier ruhet Wenzel Podibrat
Leibkutscher beim Grafen Kolowrat,
Ueber sein Bauch ging Wagenrad,
weil er immer war so brav,
Ließ Stein ihm setzen der Herr Graf.


Aus oberbayrischen Gegenden:

Hier ruhet die ehr- und tugendsame Jungfrau Rosina
Baumgartner.
Liebe Rosina!
Wie so manche Nacht
Haben wir mitsammen zugebracht,
Bis der liebe Heiland kam
Und Dich wieder zu sich nahm.


Auf einem Grabstein klagt die Gattin eines Försters:

Hier ruht im stillen grünen Hain,
Mein sel'ger Mann, der Förster Stein,
Das Trinken ließ er nimmer sein;
Er starb Gott mög' es ihm verzeih'n
Aus reiner Lieb zum Branntewein."


Hier liegt Johannes Weindl
Er lebte wie ein Schweindl,
G'soffen hat er wir a Kuh,
Der Herr geb' ihm die ew'ge Ruh.


Hier ruht der Brauersepp,
Gott Gnad für Recht ihm geb!
Denn viele hat, was er gemacht,
Frühzeitig in das Grab gebracht.
Da liegt er nun, der Bierverhunzer.
Bett, o Christ fünf Vaterunser.


Es tönt keine Klage,
Es klinget kein Schmerz,
Hier ruht unser Glück
Hier liegt unser Herz.


Hier ruht Peter Funder,
Der Krapfelder größtes Wunder
G'redt hat er viel, g'Iogen noch mehr,
Es schenk ihm die ewige Ruhe der Herr.


Cypressen rauschten,
Würmer lauschten,
Es schreckt' mich nicht,
Den hinterm Dunkel
Im Stern gefunkel,
Gibt's neues Licht.


Einem Brauer schrieb man auf den Stein:

Christ, stehe still und bet' a bissl,
Da liegt der Bräuer Johann Nissl;
Zu schwer fast musst' er büßen hier:
Er starb an selbstgebrautem Bier.

Auf einem Grabstein klagt die Gattin eines Försters:

Hier ruht im stillen grünen Hain
Mein sel'ger Mann, der Förster Stein,
Das Trinken ließ er nimmer sein;
Er starb - Gott mög' es ihm verzeih'n
Aus reiner Lieb zum Brantewein.


Auf einem Grabstein bei Regensburg:

Du fragest, wer logiert da d'rin?
Es ist die Anna Schnitzelin;
Sie lag mit 45 Jahr
G'rad zu Martini auf der Bahr.
Sie war von allen Lastern frei
Und trieb sehr stark die Gärtnerei;
Sie hat gebaut viel Rub'n und Rettig,
Gott sei der armen Seele gnädig.


In Landshut im Franziskanerkirchlein:

Grabstein des Victor Mandl.

Weich ab o Todt, du Kommst zu spat,
Dich Victor überwunden hat.
In dem er auch nach seinem Todt
Zur Cron der Tugendt lebt bey Gott.
Sein Stamm ihn zwar ein Mandl nennet,
Die Tugend doch ein Mann erkennet.


Zwischen Törrwang und Rosenheim:

Herr Fr. Xaver Andrelang, Metzger von Niederaschau, sprang hier als das Pferd scheu wurde den 11. Jenner 1861 im 59. Jahre aus dem Schlitten und starb an den Folgen den 9. Tag beim Wirth in Törwang.

O Wanderer auf diesen Wegen
Mach' nicht den Tod zu deinem Feind,
Du eilst ihm überall entgegen
Das siehst an mir, mein lieber Freund.

Unter einem Bildstocke am Chiemsee ist abgemalt, wie ein alter Mann in's Eis bricht und jämmerlich die Hände emporstreckt:

Scherzweis hüpfte dieser Greise
Allhier auf dem Eise,
Als der See einbrach, da war
Es mit seinem Leben gar.


Im Wipptale an einem Baum:

Allhier ist die tugendsame Jungfrau Gertrud Steixner glücklicherweise über den Schrofen herabgestürzt, hat sich aber dennoch am 26. August 1840 im 67. Lebensjahre zerfallen.


In Aibling, Oberbayern:

Mich, eine Fuhrmännin von Geschlecht,
Hat der Tod umbg'worffen - -
Nimm dich nit Wunder - mein Fuhrknecht
war blind, das Grab war offen,
Darein bin ich gefallen,
Darin lieg ich noch
Thu doch den Himmel hoffen!
1671


Aus Oberbayern:

1755.

Man spricht, ich will schon morgen
Für meine Seele sorgen,
Das sieht gefährlich aus!
Das GRAS steckt voller Tücke,
Liest man das Wort zurücke,
so kamt ein SARG heraus.


Ein Ehemann widmete in München seiner verstorbenen Frau folgende Grabinschrift:

Tränen können sie nicht mehr lebendig machen;
Darum weine ich.


In Augsburg auf einem alten Grabstein:

Nackend sind wir auf Erden gekommen
Und nichts mit uns dahingenommen
AIlein ein Tuch in unser Grab
Von allem unser Gut und Hab'
Aber den Namen Jesu Christ
Der unser aller Heyland ist,
Den halten wir für unsern Gewinn
Sonst ist all unser Thun dahin.


Auf einem Grabe in der alten Franziskanerkirche in Ingolstadt:

Den Todten Kopf hie nimm ich acht
Darbey o Mensch den Todt betracht,
Gedenk das auch muest unter D'erden
Einmahl zu staub und aschen werden.


Aus der nördlichen Schweiz:

Kombt ihr Schäflein laßt eich weiden
wan ihr wolt mei Scheflein sein,
Fihr eich mit größten Freiden
in die Himmels weiden ein.
Kombt der Wolf und wil vieh schrechen,
Graifet um den Hirten stecken
rufet Jesu äiren Hirt
Der Wolf gar bald weichen wird.


Aus den verschiedenen Kantonen der Schweiz:

Gottfried heiß ich -
In den Himmel reis ich -
Will sehen was Gott Vater macht.


Steh Wand'rer still, schau' eines Mannes Schmerzen,
Hier liegt mein Weib, so sanft, so mild.
Jetzt liegt ein Stein auf ihrem Herzen,
Auf meinen keiner mehr!


Hier ruht Maria Bogenfinder
Mutter und Nähterin dreier Kinder.


Sie diente Gott und seinem Priester
In ihrem Leben immerdar.
Mit frommen Sinn, der niemals lüstern
Nach eiteln Weltgenüssen war.


Bei Brettern wurd ich jung, wuchs auf und wurd auch alt,
In Brettern eingesperrt hat mich des Tods Gewalt
Dergleichen Wohnhaus Hab ich mehrern zugericht't,
wer dir eins bauen wird zu sagen weiß ich's nicht.

Quelle: Marterln (Votivtafeln und Feldkreuze), Aufschriften und Inschriften (Wirtshausschilder und Haussprüche), Grabschriften in Tirol, Vorarlberg und dem übrigen Österreich. Mit einem Anhang. Hg F. Pleticha, Meran-Mais 1909. S. 25 - 36