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Marterln, Feldkreuze und Votivtafeln

a) in Tirol und Vorarlberg.

Marterl bei der "Mörre" in Passeier. *)

Er war auch ein frommer Christ,
Der plötzlich hier verschieden ist.
Er Anton Jager von Marling war,
Im sechs und fünfzigsten Jahr.
Er ging zum Kaiserfest froh und munter
Und stürzte abends 6 Uhr hier hinunter.
Wanderer, der du dahier vorübergehst
Und bei diesem Marterl stehst,
Bet' auch ein Vaterunser,
Denn, denk es kann so gehen dir,
5o wie mir, dahier. 1899.

*) Wallfahrtsort in der Nähe von St. Martin.

In der Nähe des Untertschurtscherhofes im Layenerried, Gemeinde Layen, etwa 100 Schritte taleinwärts gegen den Graben befindet sich am Wege ein Marterl mit Bild und folgender Inschrift: "Als wir beide, Knechte beim Jakob Lageder, Untertschurtscher hier, in diesem Ort einen Birnbaum verarbeiten wollten, so wurden wir beide verunglückt und mir, Josef Verginger, machte Gott in Zeit von 3 Stunden am 17. Juni 1876 im 62. Lebensjahre ein Ende."

Darunter stehen folgende Verse:

Richtig kamen wir in diesen Wald
hier an diesem Orte,
Stand ich, ach, nur gar so bald
vor der Ewigkeitspforte.

62 Jahre
Zählt' ich noch kaum
stürzte mich in die Todesbahre
Dahier ein Birnbaum.

Leser, der Du gehst vorbei,
Mit Gebet eingedenk sei
Und gedenke oft und wohl
was jeder Mensch bedenken soll.
Wie ungewiß die Todeszeit,
Drum halte Dich allzeit bereit.

Diese Verse scheinen in dortiger Gegend einen gewissen Anklang gefunden zu haben, denn sie finden sich, entsprechend abgeändert, auch noch auf einem "Marterl" in der Nähe des Bades St. Peter hinter Layen.


An der Westseite der überdeckten Tallner Brücke, auch Hochbrücke genannt, in der Masulschlucht bei Verdins (Gemeinde Schenna), findet sich ein Marterl mit folgender Aufschrift:

Wandrer, steh' still hier an diesem Ort,
Bet' ein Vaterunser, dann setz' die Reise fort,
Du weist es nicht wann es mit dir ist aus.
Vielleicht kommst du heut noch zu mir in's Totenhaus.
Drum achte deiner Gesundheit nicht und deinen Blütenjahren,
Der Tod schont auch die Jugend nicht, ach dies Hab'ich erfahren.


Ein Muster ursprünglicher bäuerlicher Schilderung gibt ein Marterl beim Hofe Miglans im Vilnößtale:

Da oben hinein ober das Miglanzer Feld waren die Miglanzer Knechte 1853 den 15. Oktober holz abzuhacken, der Mitterknecht Anton Pramstrahler war um 10 Uhr etwas entfernt von die andern und wurde zum Mittag gerufen, gab aber nicht antwort und wurde Tod gefunden.

Die meinung ist seitwers getrofen worden zu sein vom Baumstamm. Gott deine Güte reicht soweit so weit die Wolken gehen.
Geh vorbei wer immer woll
einen Vatter unser behten soll.


Ein Marterl beim Badhaufe St. Peter hinter Layen lautet folgendermaßen:

Leicht unweit von hier im Walde
Kam ich Junggesell Johann Schenk
Ksaier in Tanürz unter einen großen
Lärchbaum und machte meinem zeitlichen
Leben den 16. März 1887 im 39 Lebensjahre
Augenblicklich ein Ende.

Richtig kam ich in diesen Wald
Hier an diesen Orte
Stand ich ach nur gar zubalt
Vor die Ewigkeitspforte
Nein und dreisig Jahre
Zehlte ich noch kaum
Stürzte mich an die Todtenbahre
Ein großer Lärchenbaum.

 

Als "Humor unter Tränen" konnte man die Inschrift auf einem Marterl beim Hofe Außerpontives (Gem. Layen), am Wege nach St. Peter, bezeichnen: Ein 7jähriger Bub ist dort von einem Felsblock gestürzt und tot geblieben:

Zur Reise in die Ewigkeit
Brauchte er nur kurze Zeit:
Um 10 Uhr Morgens ging er fort
Um 11 Uhr mittags war er dort.


Josef Götsch, geb. zu Partschins 1742, gest. 1804, war .zuerst Besitzer der Blattmühle und wurde später Totengräber. Ein bäuerlicher Dichter widmete ihm folgende Grabschrift:

Weg von der Mühle an der Platt'
Trat ich in Dienst der Leichen;
Ich fütterte den Tod nun satt
In Hoffnung durchzuschleichen;
Er aber sprach: Nein! was nur lebt,
Muß meine Beute sein;
wer andern eine Grube gräbt,
Fällt endlich selbst hinein.

Peter Urban, Mairbauer im Dorfe Tirol, geb. 1741, gestorben 1788, hatte ein sehr schlimmes Weib, mit welchem er bis zum Lebensende in Streit lag; auf ihr Grabkreuz ließ er folgende Inschrift setzen:

Hier liegt mein Weib, Gott sei's gedankt,
Bis in das Grab hat sie gezankt;
Lauf, lieber Leser, schnell von hier,
sonst steht sie auf und rauft mit dir.

 

In Kitzbühel: hier ruht die ehr- und tugendsame Jungfrau Genofeva Roggenhuberin, betrauert von ihrem einzigen Sohne.


Grabinschrift in Durnholz im Sarntal:

Liebe Kinder, denket meiner,
Geht zu mir in Freithof einer
Tut zu meinem Grabe treten
Und mir ein Vater unser beten.


Im Lechtale: Zum Andenken an die ehr- und tugendsame Jungfrau Katharina . . . . . . . , welche hier an gemeiner Arbeit ertrunken ist.


An einem Marterl im Zillertale:

Hier deckte den Metzger Prantel
Zu der Todes Mantel
Für einen Mann von 60 Jahr
Ein starker Fall dies war.


Aus dem Kaunsertale:

Daß ich gestorben bin,
Das weißt Du,
Ob ich im Himmel bin,
Das fragst Du,
Nicht sterben, aber im Himmel sein,
Das willst Du.


Aus dem Pustertale unter einem Christusbilde mit drei armen Seelen:

Weil du bist anhero kommen
Du mein allerliebster Freund,
Erlös uns aus den heißen Flammen,
vielleicht wir deine Eltern seind.


Im Kreuzgang zu Brixen:

Eva: Ich han gebrochen Gotz gebott. Darumb gib ich euch den pitterlichen tot.
(Nun kommt ein Bild der Eva, wie sie in einer Hand einen Apfel hält und in der anderen einen Totenschädel.)
Adam: Du efa die Lchuld war dein,
Datz wir müssen arbeiten und leiden große Pein.


An einer Kapelle im Brixener Tale:

Gott ist wahrhafftig und gerecht,
hier liegt der Herr und auch sein Knecht,
Nun ihr Weltweise trett herbei),
Sagt wer Knecht oder Herr da sei.


Als in Finkenberg, Zillertal, ein junges Mädchen beim Rodeln verunglückte, wurde ein Marterl mit folgender Inschrift aufgestellt:

Hier, bei diesem Besen,
Lag ein zartes Wesen
Im tiefen Schnee;
D'rum dieses Marterle.


Ein Marterl mit dem Bildnis des Verstorbenen:

Das Conterfei ist hobe drauf,
Wanderer machs Thürl auf.
Hier ruht Voigt Krug,
Der Kinder, Weib und Orgel schlug.
Er wurde getroffen von einer Kuh,
Wanderer machs Thürl zu.


Bei Silz am Sebastianikirchlein:

Ein Jüngling in der schönsten Blüthe
Josef Malser, wie bekannt,
Fiel in des großen Innes Mitte
Und riß ihn mit ins Unterland.
Der Innstrom riß ihn ohn' Erbarmen
Mit einem Ruder in der Hand,
Er streckte kämpfend seine Armen
Vergebens in der Wellen Strand.
Ihn wollten retten viele Leute
Und sprangen lange nach dem Stram
Bis endlich diese Todes - Beute
Entseelt, entstellt in Schwaz ankam.


Auf einem Jochübergang ins Zillertal:

Er lebte fromm und recht,
Der hier derdruckte Bauernknecht;
Zum Glück war er ledig
Gott im Himmel sei ihm genädig.


An der Weißenfelser Scharte:

Im Nebel verirrt,
Der Berggeist ihn verwirrt.
Weil im Gebirge führerlos
Fiel heute schon das Todeslos,
Der Führer will leben,
Soll Verdienst man ihm geben.
Wanderer merke das Sprüchlein fein,
In's Hochgebirge nie allein.

Für Vienzenz Valenta, Oberlieutenant des Pionier-Regiments 1888, welcher beim Abstieg im Nebel sich zu Tode fiel. 24./IX. 1888.


Im Zillertal vor Stum:

Christliches Andenken an den ehrengeachteten Jüngling Heinrich Hauser, welcher im 11. Jahre seines Lebens am 12. Mai 1875 in diesem Landgraben verunglückte und dessen Leiche weder lebendig noch todt aufgefunden werden konnte.


Aus dem Kaunsertale:

Maria, Mutter Gottes im Kauserthal,
Bitt für uns auf jeden Fall.


Bei Gossensaß:

Drei saßen hier, vor den Regen in der Sicherheit
Einer hebt den andern, zwei sind in der Ewigkeit.
(Bild ein Blitzstrahl schlägt in einen Baum ein.)


Aus dem Pitztale:

Hier liegen begraben
Vom Dunder derschlagen
Drei Schaf, a Kalb und a Bua;
Herr, gib ihnen die ewige Ruah.


Im Pitztal bei Jerzens:

Andenken an den Junggesell Johann Schranz von Wenns, welcher am 3./XII. 57 der Tod am Holzgries ihm getroffen hat, seines Alters 54 Jahr.

Jähling *) ist der Streich geschehn,
Welcher Leib und Seele trennt,
Doch es war vorhergesehn,
Denn ein guter Christ erkennt,
Das ein Mensch von Sterben frei
Und ein Kind nicht sicher sei.
Denke täglich an's Gericht
Jähling sterben schadet nicht.

*) Rasch.


Im Pitztal bei Oberlechen:

Kristl. andenken an den ehrsamen Alois Riml, welcher im Jahre 1866 den 20./1. von einem stein getroffen und mit alle sterbsacramenden gestorben und geboren wurde anno 1796 den 9 Überöl zu Oberlechen.
O Krist steh still und betrachte mein Leben und gedenket meiner.


In dem Gadertale:

Gesund und fröhlich ging ich hinaus
Sie brachten mich aber Tod zu haus
O Mensch gedenk an das letzte End
Ich bin gestorben ohne hl. Sakrament am 23. Juni 1891.


Aus den Brentaner Dolomiten:

Hab ausg'holt, bin ausg'rutscht,
hat mich das Fuder zertuscht.


In der Nähe von Ötz:

Wie wahr, o wie wahr! AIs ich in meinem 66. Lebensjahr den 17. August 1863 für meine Geisen Gras und Heu machen wollte, stürzte ich über diese hohe Felsenwand. Meine Sackuhr ging noch eine Zeitlang, doch meine Lebensuhr blieb plötzlich stehen, mein Fleisch und meine Gebeine verdorrten, sind bereits verfault, da du dieses liesest. Wanderer! bethe für mich.
                                      Eugen Hadswanter von Ochsengarten.


An einem Bilde bei Bruneck:

Longinus mit der Lanzen
sticht Christi in den Ranzen,
Daß er laut aufschreit:
Globt und gebenedeit
Ist die HI. 3faltigkeit.


Aus dem Ötztale:

Wir leiden große Peinen
O hörtet ihr das weinen
Ihr wurdet weich,
Drum bettet für uns Orme,
Daß Gott sich bald erborme
Gott lohn' es Euch.


Aus dem Versinatale:

Heilige Magdalena
Du zuckersüßes Minkele,
Mach unsere Kirschen rindt,
Da ersparen wir den Bauern das Brod.


Aus dem Ventertale:

Hier ist N. Niedermeier von einer wilden Kuh ermordet worden, just als er zur Messe ging.


In der Nähe einer Kapelle in der "Hohen Brücke", Defreggertal:

Hier ist ein Handelsmann
Hans Zukristian
Verschwunden.
Man hat ihn trotz Müh und Fleiß,
Trotz Arbeit und Schweiß
Nicht mehr g'funden.


Aus dem Stubaitale:

Mit dem Bild eines verunglückten Fuhrmanns.

Der weg in die Ewigkeit
Ist doch gar nicht weit.
Um 7 Uhr fuhr er fort,
Um 8 Uhr war er dort.


Im Stubaitale:

O Wanderer, o denk daran!
Hier hat den guten braven Mann
Ein Stein gebracht in Todesnacht,
Wer hatte wohl daran gedacht.


Auf dem Nonsberge:

Ach, ach, ach,
Hier liegt der Herr von Zach,
Er war geboren am Bodensee,
Und ist gestorben an Bauchweh.


Bei Lana mit schauderhaftem Bild.

Von sieben Stichen todtgebohrt
starb Peter Hofer hier am Ort.
Der gerechte Gott im Himmel
Wird strafen einst auch diesen Lümmel.


Im Passeiertal:

Hier starb Martin Rausch,
Die Lawine traf ihn halt
Auf den Leib und macht ihn kalt.
Auch der Jörg der war darunter,
Aber heut noch ist gesund er.


Im Passeiertal bei Moos:

Der Tod ist ein schlauer Dieb,
Das haben erfahren wir,
Wir waren frisch und gesund
Und todt in einer Stund.


Auf dem Wege nach Saltaus:

Hier starb Maria Weigl, Mutter und Nähterin von 2 Kindern.


An einer Gnadenkapelle in Tirol:

Dieweilen ich mein zueflucht zu Maria genommen,
Bin ich wieder zu meiner gesondheit khomen. 1764.


In Tirol sehr verbreitet:

Aufig'stiegen, Abig'fallen, hieg'wesen
Die Ehre sei der Hl. Dreifaltigkeit.


Auf dem Pfarrfriedhofe in Brixen:

Hier steht ein Zelt, hengt helm und schild,
Die weil mein Pilgerfahrt erfillt
Noch ein Wahlfart hab ich bevor:
Durch Josephatsthal zum Himmelsthor.
Nicht's wird im Himmel g'lassen ein,
Es sei denn g'wichtig und halt fein.


In der Nähe von Volders:

Hier hat Josef Rosner glücklicher Weise durch einen Fall ins Wasser sein Grab gefunden im 29. Lebensjahre. Betet einen Vaterunser und setzt dazu: Herr gib ihm die ewige Ruh' von Zams.


Bei Brixlegg:

Zum Andenken an den kaiserlichen und königlichen Holzknecht.

Aus Zirl in Tirol:

Hier fiel Jakob Hosenknopf
Vom Hausdach in die Ewigkeit.


Auf dem Wege nach Virgen:

Was hat der Herr mit Ignatz gethan,
Zuletzt schaut er noch den Bruder an,
Er sagt, spring hin auf den Hut geschwind,
Sanft nimmt ihn hinweg der Wind.
Und als er so auf den Hut hinsprang,
Kein Eisen ist in dem Wasengang.
Er fiel hinunter auf einen Stein,
Der Kopf war entzwei, kein Hirn mehr drein.


Aus Nordtirol:

Nicht Holz und Stein beten wir an,
Sondern den, der gelitten hat dran.


Bei Amras bei Innsbruck:

(Mit schauderhaftem Bild.)
Im Jahre 1828 war uns zwei Schwestern von einem bedrängten Zustande geholfen worden.


Auf dem Berge Isel:

Hier liegt Elias Gfar,
Gestorben im sechzigsten Jahr.
Kaum hat er das Licht der Welt erblickt,
hat ihn ein Wagenrad erdrückt.

Bei Amras, in der Nähe von Innsbruck:

Aufi g'stiegen, Kerschen brockt,
Abi g'fallen, Hin gewesen.


Am Berge Isel:

Schon 2 Tage kam kein Bissen
Speise, ach in meinen Mund,
Steine waren mein Ruhekissen
Und mein Bett der Felsengrund.


Aus dem oberen Inntale:

An einem Bilde, welches die Geißlung Christi vorstellt, darunter befinden sich Gestalten von armen Seelen.

Betracht o Christ
Wie hart diese Geißlung ist,
Bedenk das auch du Ursach'.bist,
Deine schweren Sünden all'
Brachten ihn diesen Fall.

Bild.

Geh' nicht vorbei mein Christ
Schau, was hier gemoln ist,
Vor kurzem waren auch wir auf Erden,
So kann's mit dir auch bald werden,
Bette ein Vaterunser mir,
Ich ersetz es dir. 1676 renoviert.


Im Oberinntal zwischen Imst und Silz:

Andenken für Alois Stigger von Haimingen, welcher am 13. Dez. 1851 bei der Holzarbeit durch einen Stock um sein Leben gekommen ist.


Im Unterinntale bei Volderbad:

Leser! Steh still und bethe Gottes Vorsehung an!
In dieser Schneelafin endete Joseph Angerer von Igls, der wackere Forschjager beim H. Lochan durch einen gewaltsamen Sturz sein 33jähriges Leben den 11. Mai 1833.
Vater unser, Ave Maria.

Oft schneller endet sich das Leben,
AIs Gsundheit uns versprechen mag,
Davon kann ich dir Zeugniß geben
Getödtet durch des Schneelafins Schlag.
O Mensch bedenke immerzu
Dein Leben geht dem Grabe zu
Und mit dem Leben gehst auch du
Deinem Gott und Richter zu.
Drum denke oft an Grab und Tod
Und flieh die Sünd und fürchte Gott.
Drum denke oft an Tod und Grab,
Befleiß dich fromm zu leben
Dann hohlen dich einst Engel ab
Zu einem besseren Leben.
Seine Seele ruhe † in Frieden.


Aus dem Inntale:

Andenken an den verunglückten Johann Härting, welcher hier den 11. Juni 1862 durch einen Schlagfluß augenblicklichen Todes starb, Alter 44 Jahr.

Mensch! Gott fraget nicht nach Tagen,
hier verweilst du nur als Gast;
Nach Verdiensten wird er fragen,
welche du gesammelt hast.


In der Nähe von Amras bei Innsbruck:

Habt Erbarmen, habt Erbarmen,
seht mein Elend, meine Noth,
Gebt mitleidig doch mir Armen
Einen Kreuzer oder Brot.


In der Nähe von Feldkirch:

Christian Brendle
Ist da auf dieser Stelle
Am 24. Mai 1864 in die Ewigkeit.
So wollen wir eines bedenken,
Ihm ein Vaterunser schenken,
Und wan er kommt aus der Pein,
So ist das Vaterunser wieder dein.
Herr! gieb ihm die ewige Ruh.

In Brixen findet man auf dem Gottesacker einen Grabstein mit der Inschrift:

Hier liegt der reiche Lederermeister
Patriz Gandlhofer heißt er
Mit seid'nen Strümpfen und Rinderschuh'
Ging er ein in die ewige Ruh.


Grabinschrift in Stuls:

Hier ruht in Gott
Der verstorbne Passeirerbot',
Sei ihm gnädig, o Herr!
So wie er's auch wär,
Wenn er wäre Gott
Und du der Passeirerbot.


Auf dem Friedhofe in Oberperfuß befindet sich ein Grabstein mit folgender Inschrift:

In diesem Grab liegt Unutz Peter,
Die Frau begrub man hier erst später,
Man hat sie neben ihm begraben,
wird er die ewige Ruh' nun haben?


Auf dem Grabsteine des Michael Ladurner in Partschins:

Hier liege ich, den einst Bauchmuch
Genennt hat der gemeine Spruch;
Im Leben gab der Rebensaft
Mir immer viel' Freud und Kraft.
Nun Christen! Spritzt halt Weihbrunn zu,
Für meiner armen Seele Ruh!
Doch ach! verzeih' es lieber Gott!
Was ich bekennen muß noch todt:
Viel besser ist ein Tropfen Wein,
AIs Weihbrunn, soll's ein Fuder sein.


Auf einem Friedhofe in Innsbruck:

Hier in diesem Rosengarten, muß ich auf Vater und Mutter warten.
Bin noch jung und klein und muß gestorben sein.


In der Innsbrucker Gegend:

Was du jetzt bist, bin ich gewesen,
Was ich jetzt bin, das wirst du sein.


Hall bei Innsbruck, Speckbachers Grab:

Im Kampfe wild, doch menschlich,
Im Frieden still und den Gesetzen treu,
War er als Krieger, Unterthan und Mensch
Der Ehre und der Liebe wert.


Bei Volders (nächst Hall):
(Begräbnisstätte der 1795 und 1809 Gefallenen.)

Nun ruhen wir in stillen Frieden,
Vom Schlachtgewühl des Todes Schlaf,
Nun ein Plätzchen war uns hier beschieden,
Das Gottes Vorsicht für uns traf.

Ühr alle wollt uns nicht vergessen,
So oft ihr hier vorüber geht,
Den Gott wird alles reichlich messen,
Gedenket unser im Gebeth.


Auf einem Grabstein in Feldkirch:
(Jahreszahl 1830.)

Hier ruhet Franz Josef Matt,
Der sich zu Tod gesoffen hat.
Herr gieb ihm die ewige Ruh'
Und ein Gläsle Schnaps dazu.


Hier liegt begraben unser Organist.
Warum? weil er gestorben ist.
Er lobte Gott zu allen Stunden,
Der Stein ist oben und er liegt unten.


Aus Nordtirol, am Grabe eines Lehrers:

Vieles hast Du enthräthselt mathematisch mit Ziffer und Buchstab,
Aber die Stunde des Todes ist unbekannter als X.


Auf dem Grabe des Tiroler Sängers L. Rainer in Achenkirchen,
gestorben 15. Mai 1895:

Ausgelitten, ausgerungen,
Viel gereist und viel gesungen.


Aus dem Friedhofe in Telfes, Stubai:

Kehre ein, geh' nicht vorüber,
schau dich um und halte Rast
wird dein Sinn auch trüb und trüber,
Einmal wirst auch du mein Gast.


Auf einem Grabstein in Brixen:

Im Leben roth wie Zinober
Im Tod wie Kreide so bleich,
Gestorben am 17. Oktober
Am 19. war die Leich.


Vahrn bei Brixen:

Jetzt hab ich überwunden,
Jetzt bin ich sorgenfrei,
Jetzt sind die Thränenstunden,
Gott sei gedankt, vorbei.


Auf dem Kirchhofe in Ötz auf Gräbern:

Geliebter Mann, du siehst
Die Zeit zum Scheiden ist vorhanden,
Drum lebe wohl, ich bin befreit
von meinen schweren Banden.
Sei Vater für ein Weislein,
Pflanz ihnen Tugenden ein,
Ich werde auch nicht minder
Mutter in dem Himmel sein.

Das längste Ziel von Lebenstagen
Ist siebenzig bis achtzig Jahr,
Ein Inbegriff von tausend Plagen,
Auch wenn es noch so glücklich war.
Geflügelt eilt mit uns die Zeit
Zu einer langen Ewigkeit.


Auf dem Leichenstein eines Rechenlehrers in Tirol:

Des Rechnens müd' lieg ich im Grabe
Und muß nun in die Brüche gehen;
Wenn ich mich nicht verrechnet habe,
So werd' ich wieder aufersteh'n.


Auf dem Leichenstem eines Schneiders in Ötztal:

Hier ruht leider mein Gemahl,
Er war Schneider unten im Thal.
An seiner Stelle setze ich dort
Mit dem Geselle die Arbeit fort.


Aus dem Ötztale:

Hier ruhet sanft, selig und frei
Vom Schuldienst und der Messnerei
Anton Fürruther wohlbekannt,
Genießt nun den Lohn im Himmelsland.


In Percha im Pustertale:

Hier ruht Tobias Mayer, bürgerlicher Metzgermeister,
und seine noch lebende Gemahlin.


Aus Waidbruck an dem Grabe eines Schneiders:

Der Kleider hat er viel gemacht,
Doch kein unsterbliches vollbracht;
Dazu gehört ein größ'rer Meister,
Der kleiden kann nur pure Geister
Mit ewig schönen Festgewand
Im ander'n besser'n Vaterland.


In Fulpmes auf einem Grabstein:

Da es mir wohl erging auf Erden,
Wollten Alle meine Freunde werden.
Da ich kam in Noth,
Waren alle Freunde todt
Trau' nicht der Welt,
Trau' nicht dem Geld.
Trau' nicht dem Tod
Trau allein auf den Gott.


Auf einem Grabstein im Sarntal:

Hier ruht der P'seierer Jakele,
Er trank gar oft ein Fraggele,
Gott gebe ihm die ew'ge Ruh'
Und ein Glas'l Schnaps dazu.


In Sterzing auf dem Friedhof:

Hier liegt unter allerhand
Auch Peter Violand,
Er war im Leben welcher
Im bürgerlichen Leben Selcher.
Er lebte in Furcht und Zucht
Und starb an der Wassersucht.


Im Kaunsertale auf dem Grabstein eines Wilderers:

Hier liegt ein Wildschütz unverdrossen
Hat er über 1300 Gemsen geschossen,
Wie auch viel Fuchs und Hasen
Und verthut damit sein eignen Wasen.


In einer Kirche bei Schwaz:

Drei Steinkreuze.

Du Dreyen Khräntzlein
Durch Drey Kreutz
Sein Khomen ein
Drey junckfrawlein
Ach letzer fromb
Durch Kreutz auch khomb
Zur freid allhier
Dein warten wi.


Hier liegt der Bote Michel
Er fiel mit seiner Kraxen
Brach sich die beiden Haxen
Die wurden amputirt,
Das hat ihn sehr schenirt,
Dann kam der Brand hinzu!
Gott schenke ihm die ewige Ruh!


Kommt öfters vor in den verschiedenen Gegenden Nordtirols:

Wand'rer, steh' still und schau'!
Der Du bist, war ich auch;
Der ich bin, das wirst Du werden,
Ein Speis' der Würmer und Staub auf Erden.

Das ist eine harte Reis',
wenn man den rechten Weg nicht weiß;
Frag' die drei heil'gen Leut'
Die zeigen den weg in d' Ewigkeit.

Es sei jedem Menschen Kunde
G'rad um die Mitternachtsstunde,
war der Todesengel schrecklich keck:
Er nahm den Kleinen den Vater weg,
Und riß auch ohne all' Erbarmen
Das Kind der Mutter aus den Armen.


Aus dem nördlichen Tirol:

Hier liegen unsre Alten,
Herr, tue sie wohl in Obhut behalten
Denn würden sie heute kommen heraus,
so müßten wir von Hof und Haus.


Hier in diesem Grabe ist keine lebendige Seele begraben, außer die zu meiner Familie gehört.


Lebet wol, ich bin befreit,
von allen schweren Banden,
Ich such den weg zur Ewigkeit
Ihr liebe Nachbarn und Bekannten.


Aus Vorarlberg:

Auf dem Grabe eines Bauern Namens Hans Knopf, welchem vorher 2 Frauen gestorben sind.

Hier liegt selig in den Herrn verschlafen,
Hans Knopf zwischen seinen beiden Knopflöchern.


Auf dem Grabe eines Gastwirts:

Hier ruht der Gastwirth Morgenroth,
An dessen Tisch man schlecht gegessen.
Jetzt ist er selber table d'hôte,
An der die Würmer besser essen.


Auf einem Grabe in Gosis:

Hier liegt Franz X. Amman
der der
italienischen, französischen und englischen Sprache vollständig
mächtig war.


Eine Näherin ließ auf den Grabstein ihrer einzigen Tochter, die ihr bei der Arbeit eine große Stütze war, folgende Inschrift anbringen:

Hier ruht mein einziges Kind, die Zilli -
War immer brav und willi -
Der Tod nahm's fort mit 16 Jahr!
Just als sie zu gebrauchen war!


Am Finkenberg:

Zur steten Erinnerung und Erweckung gleicher Gefühle errichtet die tieftrauernde Gattin und Kinder den werten Vater dieses Denkmal, welcher mit Namen Matheus Wegscheider am 25. Oktober 1863 in einem Alter von 46 Jahren Holztriften unversehens im kalten Bette des Wassers seinen Geist aufgab.


Quelle: Marterln (Votivtafeln und Feldkreuze), Aufschriften und Inschriften (Wirtshausschilder und Haussprüche), Grabschriften in Tirol, Vorarlberg und dem übrigen Österreich. Mit einem Anhang. Hg F. Pleticha, Meran-Mais 1909. S. 5 - 24