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Aufschriften und Inschriften, Wirtshausschilder, Haussprüche

a) in Tirol und Vorarlberg.

An einer Kirchentüre im Inntal:

Allen dient zur Nachricht, daß auf diesem Kirchhof niemand beerdiget werden kann, außer wer im Kirchensprengel selbst lebt. Diejenigen, welche hier beerdigt zu werden wünschen, werden ersucht, sich deshalb an mich zu wenden.          Ephraim, Kustor des Kirchensprengels.


Sehr häufig in Nordtirol und Oberbayern:

Dies Haus steht in Florians Hand
Verbrennts, so ist für ihn eine Schand.

In Tirol sehr häufig:

Dies Haus stellt ich in Gottes Hand,
Da ist es dreimal abgebrannt;
Nun Hab ich's den HI. Florian anvertraut
Und hoff', daß er besser darnach schaut.


Wer Gott vertraut,
Hat wohl gebaut
(Im Himmel und auf Erden.)


Dies Haus steht an der Sonnen,
Wer kein Geld hat, geht zum Bronnen,
(Denn mit der Kreide in der Hand
Kannst nicht fahren ins Weinland.)


Knödel, Nocken, Wurst und Plenten
Sind vier Tiroler Elementen.


An einem Hause in Lans bei Innsbruck:

Wenn ich 1000 Ochsen hätte
Und ein schönes Weib im Bette,
Brauchte keine Steuer zu geben,
Dann wollt' ich ohne Sorge leben.


An einem Hause in Innsbruck:

Weiße Rab'n, schwarzer Schnee,
Keusche Jungfern, blauer Klee,
Treue Freund' in den Nöten,
Sein die größten Raritäten.


An einem Hause in Landeck:

Dies Haus baut ich nach meinem Sinn,
Doch kommt der Teufel und rafft mich hin.
Wenn der Tod so schmutzig wär',
Wie mancher Beamte,
So sah' er nicht so mager her
Und hätt' eine größere Wampe.


An einem Bauernhause in Zirl bei Innsbruck:

(Mit Bild.)

O Göttlich Khind
Wohin so g'schwind
Bist kaum Zur welt gebor'n
In frembte orth
Muest fliehen forth
Vor dös Herodis Zorn.
Jesus und Maria und Joseph seind auf der Flucht,
Da neigt zich der Paum, reicht ihm die schöne Frucht.


An einem Hause in Brunneck:

Gott bewahr' dies Haus, Feld, Vieh und Säu!
Jacob Baumann und Barbara Frey.


An einem Hause in Imst:

Das ist das Beste doch auf der Welt
Daß Tod und Teufel nimmt kein Geld,
Sonst müßte mancher arme Gesell
Für einen Reichen in die Höll.


An dem Hause eines Besenbinders in Bruneck:

Hier bindet man zu Besen viel Birkenreiser
Zu röthen den Hintern, zu weißen die Häuser.
Lobwerth ein Besenbinder zu sein,
Sie machen die Sitten und Stuben rein.


Am Kösselwirtshaus in Kastelruth:

Gib nicht auf andre acht
Auf ihren Thun und Lassen,
Kehr jeder vor seiner Thür
Und ziech sich selbst bei der Nassen.


An einem Hause im Zillertal:

O du stolzer Bauernlümmel
Für uns Alle sorgt der Himmel.


Aufschrift an einem Hause im Ultentale:

Dies Haus soll für die Nachwelt nützen;
Wir werden es nicht lang besitzen.
Der Umstand der betrübten Zeit
Ermahnt uns, daß wir, eh' wir sterben,
Uns um ein andres Haus bewerben,
Das Gott im Himmel hat bereit.


Bild in Karthaus im Schnalsertal:

Das Bild stellt Abraham dar, wie er mit einer alten Steinfeuerpistole seinen Sohn Isaak erschießen will. In den Wolken sieht man einen Engel knien, welcher einen Wasserstrahl auf das Zündloch der Pistole herunterläßt.
Darunter der Vers:

O Abraham - s' ist Alles umsonst,
Weil dir der Engel auf d' Zündpfannen pr. . . . -


An einem Wirtshause im Vinschgau:

Bist Du müd und durstig, komm herein,
Mit Geld wirst wohl versehen sein,
Doch tragst Du an auf's Pumpen,
Kehr ein beim Nachbarn zum Lumpen.


An einem Wirtshause im Vinschgau:

Geht's decht a Bißl einer
Zum Anton Neuner.

In Bozen:

Wir wandern wenig Jahre
Sehr mühsam durch die Welt,
Bis uns die Todtenbahre
Ins Grab zusammeng'sellt.
1769.


Ich Hab' gebauet nach mein Sinn,
Wenns nicht gefallt, stells anders hin.


An dem Hause eines Schusters in Bozen, Hintergasse, der einen verkehrten Stiefel als Schild an seinem Hause angebracht hat, darunter steht nachfolgender Vers:

Die Welt ist jetzt so aufgeklärt,
Drum ist der Stiefel umgekehrt,
wann die Welt anders werd
Kommt der Absatz auf die Erd.


An dem Hause eines Gerbers in Kaltern bei Bozen:

Hirschhäut und Bockgeisfell
Sind zum Verreutz bereit,
Die ziehiger weit sind,
Denn alte Weiberhäut.


Wer will bauen auf offner Straßen,
Muß die Leut reden lassen,
Der eine geht vorn, der andere hinten,
Wird jeder was zu tadeln finden.


An einem Hause in Meran:

Die Redlichkeit ist aus der Welt gereist,
Die Aufrichtigkeit ist schlafen gegangen,
Die Frömmigkeit hat sich versteckt,
Die Gerechtigkeit kann den Weg nicht mehr finden,
Der Helfer ist nicht mehr zu Haus,
Die Liebe liegt krank,
Die Gutthätigkeit sitzt im Arrest
Der Glaube ist so ziemlich erloschen,
Künste und Tugend gehen betteln,
Die Wahrheit ist schon lange begraben,
Schwüre werden leicht gebrochen,
Und die Treue nicht mehr geachtet,
Der Kredit ist närrisch geworden
Und das Gewissen hängt an der Wand
Nur die Geduld überwindet alles.


Schloß Zenoburg in Meran:

Gottes will' hat kein Warumb.
(Aus dem Jahre 1509.)


In St. Martin, Passeier:

Wer will bauen an der Straßen,
Der muß die Gescheidten und Narren reden lassen,
Es kost' ihm wenig oder viel,
Es kommt doch keiner, der für mich zahlen will.


In vielen Gasthäusern in Tirol, Kärnten und Steiermark:

Der Adam hat d' Liab afbracht,
Der Noah den Wein,
Und der David das Zithernschlag'n,
Müaß'n Tiroler g'west sein.


An einem Hause bevor man auf den Zirbitzkogel kommt:

Behüt uns Gott vor theurer Zeit
Vor Maurer und vor Zimmerleut',
Vor Advokaten und Pfändungsg'sind
Vor Allem was den Bauern schind't,
Vor Hagel, Wasser- und Feuersg'fahr,
Behüt o Herr uns immerdar
Und gieb uns unser täglich Brod
Dann singen wir: Gelobt sei Gott!


An einem Hause im Pongau:

David und Salomon waren große Sünder,
Sie hatten schöne Weiber lieb und zeugten viele Kinder,
Da sie kamen ins Alter,
Machte der Eine Sprüch' und der Andere Psalter.


An dem Hause eines Schlossers in Sterzing:

Ich vertraue auf Gott
Und laß' ihn walten.
Ich mach' neue Feilen
Und hau' die alten.


In einem Wirtshause des Pragsertales:

Wer bei einem schönen Mädchen sitzt, und küßt es nicht,
Wer einen guten Braten hat, und ißt ihn nicht,
Und wer eine Kanne Wein hat, und schenkt nicht ein,
Der muß fürwahr ein traurig Mannsbild sein.


Beim Bruckenwirt in Unterleutasch:

Ich heiß Andreas Reindl,
Hab' gar a guts Weindl,
Und a koa schlechts Bier
Ob d' eina gehst zu mir?


An einem Hause im Ampezzotale:

Wer spricht, daß Gott barmherzig sei
Allein, und nicht gerecht dabei,
Der hat Vernunft wie Gäns' und Säu'.
Das sag' ich frei ohn' alle Scheu.

An einer Kirche bei Brixen:

Das unrechte Gut due du meiden
Und hüt dich vor Ehrabschneiden,
Laß ein Jeden seien, wer er ist,
so bleibst Du auch, wer du bist
Habe Gott vor dir vor allen Dingen,
So wird dir alles wohl gelingen.      1760.


Aus dem Ötztale:

Ist das nicht eine harte Pein,
Mit vierzig Jahr' noch Jungfrau sein.


Aus dem Pustertale:

Den Ochsen gibt das Wasser Kraft,
Dem Menschen Bier und Rebensaft
D'rum laßt uns trinken Bier und Wein
Denn keiner will' ein Rindvieh sein.


Haussprüche in den verschiedenen Orten Tirols:

Dem Handwerk zur Ehr',
Dem Burschen zur Lehr',
Der Straße zur Zier, -
Das Zahlen bleibt mir.


Jeder gute Gast - findet hier Rast.


Grüß Gott, tritt ein,
Bring' Glück herein.


Heute Lieb, morgen Leid,
Das ist der Welt Unstetigkeit.


Allen, die mich kennen,
Gebe Gott, was sie mir gönnen.

Wie ich's am liebsten schaute,
Mir dieses Haus ich baute.


Sieh' auf Dich und die Deinen,
Danach schilt mich und die Meinen.


Eig'ner Herd ist Goldes wert,
Ist er zwar arm, ist er doch warm.


Klein - aber mein.


Willst Du ruhig leben unter Deinem Dach,
Dann ärgere Dich nicht über jede kleine Lach!


Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei,
D'rum baute ich mir ein Häuschen für Zwei.


Dieses Haus steht in Gottes Hand,
Gleichviel, ob es gebaut ist auf Fels oder Sand.


Willst du wohnen in deinem Hause ohne Kummer und Sorgen,
Zahle bar und verleg dich nicht auf's Borgen.


Wenn auch klein ist mein Nest,
Bietet es doch Platz für liebe Gäst'.


Gott schützt dieses Haus,
D'rum trotzt es Sturm und Braus.


Klein ist dieses Haus fürwahr,
Doch entbehrt es der Sorge gar.


Wo Maria ist Frau im Haus,
Da mueß alles Übel hinaus.


Maria, deine Hilf stets dieses Haus bewahr,
Reich' uns deine milde Hand in Seel'- und Leibsgefahr.


Der Menschen Hilfe ist klein,
Drum traue auf Gott allein.


Zu Gott und unser lieben Frauen
Hab' ich meine Hoffnung und Vertrauen.


Das Bauen ist eine Lust,
Daß es so viel gekost hat,
Das Hab' ich nicht gewußt,
Dann bau' ein jeder, was er will,
Ich wünsch einem jeden noch so viel.


Wir bauen Häuser stark und fest,
Und wohnen drinn als fremde Gäst',
Und wo wir sollten ewig sein,
Da bauen wir so wenig drein.


Gott halt in Gnaden treue Wacht
In diesem Hause Tag und Nacht.


In Nord und Süd - de Welt is wit,
In Ost und West - dat Haus is's Best.


Ein Mann, der muß wohnen in Anderer Häuser,
Der ist ärmer als ein Karthäuser.

Aus Vorarlberg:

Gott Vater im Herzen
Ein Dirndl am Arm
Das Eine macht selig
Das Andere warm.


Die dreie man alleweil schlagen muß,
Ein böses Weib, ein Esel, eine Nuß,
Denn wenn man sie nicht schlagen thut,
Thun sie alle dreie kein' gut.

Quelle: Marterln (Votivtafeln und Feldkreuze), Aufschriften und Inschriften (Wirtshausschilder und Haussprüche), Grabschriften in Tirol, Vorarlberg und dem übrigen Österreich. Mit einem Anhang. Hg F. Pleticha, Meran-Mais 1909. S. 37 - 46.